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Uerdingen

23.04.2012 @ 18:13, CactusBot,

{{Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland
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miniatur|170px|Früheres Wappen Uerdingens

Uerdingen ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Krefeld. Vor 1929 war Uerdingen eine eigenständige Stadt, die seit 1255 das Stadtrecht besaß.

Seit der Fusionierung der beiden Städte hieß das Konstrukt zunächst „Krefeld-Uerdingen“, später fiel die Bezeichnung Uerdingen aus dem Namen weg. Bis zur Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen im Jahre 1975 besaß Uerdingen einen einmaligen Sonderstatus in Deutschland: Der ehemaligen Rheinstadt waren besondere Rechte eingeräumt, was sich heute noch im Krefelder Stadtwappen zeigt, dessen rechte Hälfte das Uerdinger Wappen darstellt. Trotz der Aberkennung der Stadtrechte sehen sich viele der 18.729 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2007) noch immer als Bürger einer unabhängigen Stadt, was sich auch in dem Uerdinger Wahlspruch „Oeding blievt Oeding“ (Uerdingen bleibt Uerdingen) ausdrückt.

Wichtigster Arbeitgeber Uerdingens und auch Krefelds ist der Bayer-Konzern, dessen zweitgrößtes Werk in Uerdingen steht, Lanxess (2004 wurden die meisten der Chemie- und ca. ein Drittel der Kunststoffaktivitäten aus der Bayer AG ausgegliedert), außerdem der Waggonbauer DUEWAG (heute Siemens Mobility). Bekannt ist Uerdingen neben dem gleichnamigen Wacholderschnaps „Uerdinger“ und dem Weinbrand „Dujardin“ besonders für seinen Fußballverein KFC Uerdingen 05, der als FC Bayer 05 Uerdingen von Mitte der 1970er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre große sportliche Erfolge feiern konnte.

Geographie


Uerdingen grenzt im Westen an die Stadtteile Bockum, Gartenstadt und Elfrath, im Nordwesten an Traar, im Norden an Duisburg-Rumeln-Kaldenhausen, im Nordosten an Hohenbudberg bzw. Duisburg-Rheinhausen, im Osten an das auf der anderen Rheinseite gelegene Duisburg-Mündelheim sowie im Süden an Linn.

Geschichte


Altertum und Frühmittelalter


Im 1. Jahrhundert v. Chr. dringen die Römer unter Gaius Iulius Caesar ins Rheinland vor. Funde in der Gegend um Hohenbudberg belegen ihre Anwesenheit auch auf dem Gebiet des heutigen Uerdingen. Um das Jahr 400 n. Chr. ziehen sich die Römer zurück, und die Landnahme der Franken beginnt. 732/733 wird ein Hof in Hohenbudberg im Gellepgau dem Kloster Pfalzel (Trier) geschenkt.

Um das Jahr 900 wird „Urdingi“ erstmals erwähnt und zwar in einem um 900 angelegten Urbar des Reichsgutes Friemersheim für die Zeit 809 bis 814.

Hochmittelalter


Im 12. Jahrhundert ist Uerdingen im Besitz des Erzstifts Köln. 1176 unterliegt die Gerichtsherrschaft der Vogtherrschaft Hohenbudberg. Im Jahre 1255 erhält Uerdingen (weit eher als Krefeld im Jahre 1373) durch den Erzbischof Konrad von Hochstaden die Stadtrechte. Nach einer Überschwemmungskatastrophe wird die Stadt in den Jahren von 1275 bis 1297 nach Westen verlegt und 1275 durch von Hochstadens Nachfolger, Siegfried von Westerburg, erneut zur Stadt erhoben. 1280 wird eine einschiffige Tuffsteinkapelle erbaut mit der Uerdingen 1285 Pfarre wird.

1297 wird ein Amtmann von Liedberg und Uerdingen erwähnt, Ritter Rembodo von Budberg. Das Amt Uerdingen umfasst nun die Honschaften Verberg, Rath, Vennikel und Hohenbudberg. 1306–1307 existiert eine Zollliste mit etwa 20 Uerdinger Schiffen. 1314 wird das große Stadtsiegel erwähnt, 1317 ein Bürgermeister und 1333 die Stadtmauer.

1381–1383 wird die katholische Kirche St. Peter an der Stelle der alten Kapelle ausgebaut. für das Jahr 1399 ist ein Uerdinger Pfarrer bezeugt.

1424 wird die Stadt an den Grafen von der Mark verpfändet und 1430 weiter an den Bischof von Münster in Westfalen. 1436 wird die Stadt wieder eingelöst und an Arnd von Brempt verpfändet. 1502 wird die Adelsfamilie Viermund-Neersen mit der Vogtei Uerdingen belehnt.

Frühe Neuzeit


Berichte aus dem Jahr 1569 erwähnen 700 Kommunikanten und 185 Häuser innerhalb der Stadtmauern. 1576–1579 wird auch ein protestantischer Pfarrer erwähnt.

1583 findet eine Plünderung und Brandschatzung unter anderem des Pfarrhauses statt, 1584 gibt es einen Stadtbrand, während die Besatzungen der Stadt im Truchsessischen Krieg bzw. Kölnischen Krieg ständig wechseln. 1627 beschädigt ein Sturm die Kirche, 1631 wird eine Lateinschule, das Fabritianum errichtet.

1655 gab es ersten Postverkehr, 1658 eine schwere Überschwemmung. 1701–1715 durchziehen Truppen im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs die Stadt.

1740 herrscht schwerer Eisgang auf dem Rhein, im Februar 1784 kommt es dann zum historischen Hochwasser.

1798 beginnt die französische Besatzungszeit, 1804 zieht Napoleon durch Uerdingen, das damals 1629 Einwohner hat. 1814 marschieren bei den Befreiungskriegen gegen Napoleon I. die Kosaken ein. Ein Jahr später, 1815, beginnt die preußische Herrschaft. 1817 gibt es wieder eine schwere Hungersnot und Überschwemmung; auch 1819, 1824 und 1825 bringt der Rhein Überschwemmungen. Uerdingen hat 1825 bereits 2064 Einwohner.

Industrialisierung


1832 werden die drei Herberzhäuser gebaut, die später zum Rathaus, zur Apotheke und zur Stadtbibliothek werden sollten. 1845 hat Uerdingen 2988 Einwohner. Die Ruhrort-Crefeld-Kreis Gladbacher Eisenbahngesellschaft verbindet Uerdingen ab Mitte Oktober 1949 mit Homberg (Duisburg) und Gladbach. Schon 1854 reicht diese Eisenbahnlinie von der belgischen Grenze über Aachen und auf der anderen Seite über das Trajekt Ruhrort–Homberg bis Oberhausen. Um 1854 werden erste feste Ufermauern am Rhein gebaut.

1860 findet der erste Karnevalszug statt. 1862 wird die evangelische Michaelskirche eingeweiht, 1866 die Höhere Stadtschule (ab 1955 Fabritianum) und 1875 das St-Josephs-hospital; Uerdingen hat nun 3210 Einwohner. Die Stadttore werden bis 1877 abgerissen - zuletzt das Obertor mit der darin untergebrachten Schmiede Josef Dedens. Im gleichen Jahr gründet Edmund ter Meer sein Werk Dr. E. ter Meer & Cie zur Herstellung von Teerfarben, das sich später zum heutigen Bayer-Werk entwickeln wird.

Im Jahre 1900 wird die Firma Dujardin u. Co. gegründet, 1905 dann der FC Uerdingen 05 – die Stadt hat inzwischen 7887 Einwohner. Mit Vollendung des Stadtbads (1907) und des Stadtparks (1910), der Stadtbücherei (1914) und der katholischen Kirche St. Heinrich (1915) wird der Reichtum und das neue Selbstbewusstsein der Stadt sichtbar. 1927 wird Hohenbudberg eingemeindet; 1929 hat Uerdingen bereits 14.500 Einwohner, und die Stadt Krefeld-Uerdingen wird gegründet.

Drittes Reich


1933–1936 wird die Uerdinger Rheinbrücke gebaut. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 (Reichspogromnacht) wird die Synagoge in Uerdingen zerstört. 1940 wird die Stadt Krefeld-Uerdingen umbenannt in „Krefeld“. Am 22./23. August 1943 kommt es zu einem verheerenden Luftangriff durch die Alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg. Im März/April 1945 rückten amerikanische Truppen in Uerdingen ein. Ein Kindergarten an der Kastanienstraße sollte für die amerikanische Militärpolizei beschlagnahmt werden, was durch die damalige Leiterin Mechthild Siever verhindert werden konnte.

Nachkriegszeit bis heute


1946 besitzt Uerdingen eine Sonderstellung innerhalb der Stadt Krefeld mit Bezirksbürgermeister, -vertretung und -verwaltung. Dies wird erst 1975 durch die Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen aufgehoben.

1961 wird die Michaelskirche abgerissen und neugebaut. 2005 wird das 750. Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte gefeiert. 2007 findet man bei der Umgestaltung des Bereichs Obertor/Wallgarten die Grundmauern des 1877 abgerissenen Obertores. In der Pflasterung werden die Grundmauern für die Zukunft kenntlich gemacht.

2010 werden alle Gemeinden des Dekanats Krefeld Ost zu einer neu gegründeten Kirchengemeinde St. Nikolaus zusammengefasst; St. Peter wird Pfarrkirche.

Sprache


In Uerdingen sprechen auch heute noch viele Einwohner „Oedingsch Platt“, einen lokalen Dialekt. Oedingsch ist nicht zu verwechseln mit dem „Krieewelsch“, dem Krefelder Dialekt. Beide haben kleine, aber feine Unterschiede.

Ein bekanntes Lied in Uerdinger Dialekt ist „Oeding blievt Oeding (os Städtche am Rhien)“ von Andreas Otto Kickers. Es ist auch benannt als „Uerdinger Hymne“. Der Autor beschreibt das Leben und die Geschichte seiner Stadt und deren Bewohner. Zu fast allen Gelegenheiten singen die „Rhienstädter“ dieses Lied und pflegen und erhalten somit ein Stück weit das Oedingsch Platt.

Am nordöstlichen Stadtrand verläuft eine wichtige deutsche Sprachgrenze, die Uerdinger Linie (Ik-Ech-Linie).

Politik


miniatur|288px|Klassizistisches Uerdinger Rathaus – heute sind dort das Bürgeramt, eine Apotheke und eine Filiale der Stadtbücherei untergebracht

Allgemeines


Die Wähler in Uerdingen waren nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend sozialdemokratisch geprägt. Bei den letzten beiden Kommunalwahlen erzielten allerdings die Christdemokraten die meisten Stimmen.

Bezirksvertretung


Uerdingen macht den größten Teil der Bezirksvertretung Uerdingen aus. Zum Stadtbezirk Uerdingen gehören aber auch Teile des Stadtteils Linn (Rheinhafen) und der gesamte Stadtteil Gellep-Stratum. Außerdem sind die Grenzen der Stadtbezirke Ost und Uerdingen nicht deckungsgleich mit den Stadtteilgrenzen Uerdingens, Bockums, Gartenstadts und Traars.

Die Bezirksvertretung Uerdingen seit 2009:

Gesamt (15 Sitze/100%)
* CDU (5 Sitze/33,10 %)
* SPD (5 Sitze/32,54 %)
* Bündnis 90/Die Grünen (3 Sitze/15,27 %)
* FDP (2 Sitze/10,48 %)
* Die Linke (-/2,83 %)
* KK (-/2,31 %)
* KWG (-/1,36 %)
* KB (-/0,97 %)
* Die Partei (-/0,73 %)

* Freie Union (-/0,41 %)

Bezirksvorsteher: Elmar Jakubowski (CDU)

Wappen


miniatur|288px|Balkon des Uerdinger Rathauses mit altem Uerdinger Stadtwappen

Das Wappen zeigt die Schlüssel des heiligen Petrus in gold auf einem quergeteilten blauen (oben) und roten (unten) Hintergrund. Blau und rot sind die Farben des heiligen Petrus, wobei „blau“ den Himmel und „rot“ die Hölle symbolisiert.

Die Farben von Uerdingen sind blau und rot.

Wirtschaft

Das Wirtschaftsleben Uerdingens wird dominiert von den großen chemischen Fabriken der Bayer AG, die hier Kunststoffe, Farbpigmente und chemische Vorprodukte herstellt (Näheres siehe unter Krefeld: Wirtschaft).

Ein weiterer wichtiger Industriezweig ist der Fahrzeugbau. Die 1898 in Uerdingen gegründete Waggonfabrik Uerdingen, später Teil der DUEWAG, produzierte hier u. a. den Uerdinger Schienenbus. Heute gehört das Werk zur Firma Siemens AG (Siemens Mobility). Der Name Waggonfabrik hält sich in der Umgangssprache bis heute.

Außerdem wird in Uerdingen seit dem frühen 19. Jahrhundert der bekannte Branntwein Dujardin Imperial hergestellt, weiterhin der klare Wacholderschnaps Uerdinger.

Religion


miniatur|200px|Marktplatz in Uerdingen mit der katholischen Pfarrkirche St. Peter

Die Bevölkerung Uerdingens ist mehrheitlich römisch-katholisch. Es gibt derzeit drei katholische Kirchen sowie eine katholische Kirche in Hohenbudberg und eine evangelische Kirche.

Kirchen


* Sankt Peter, Pfarrkirche von St. Nikolaus (katholisch)
* Sankt-Heinrich-Kirche (katholisch)
* Sankt-Paul-Kirche (katholisch)
* St.-Matthias-Kirche, (katholisch)

* Michaelskirche (evangelisch)

Zum 1. Januar 2010 fusionierten alle Gemeinden des ehemaligen Dekanates Krefeld Ost zur neuen Kirchengemeinde St. Nikolaus. St. Peter ist Pfarrkirche. Weitere Kirchen sind St. Andreas (Gellep-Stratum), St. Heinrich (Uerdingen), Mariä Himmelfahrt und St. Margaretha (Linn), St. Matthias (Hohenbudberg), St. Paul (Uerdingen) und St. Pius (Gartenstadt und Elfrath).

Bildung


Das Angebot an Schulen ist umfangreich. Es gibt in diesem Stadtteil drei Grundschulen, eine Hauptschule, eine Realschule, zwei Gymnasien und eine Berufsschule. Des Weiteren gibt es zwei Förderschulen.

Schulen


Grundschulen:
* Gemeinschafts-Grundschule Joseph-Görres-Straße
* Heinrichschule, Gemeinschafts-Grundschule Körnerstraße

* Katholische Grundschule Traarer Straße bzw. Edith Stein Grundschule

Hauptschulen:

* Von-Ketteler-Schule

Förderschulen:

* Schule am Uerdinger Rundweg (mit Förderschwerpunkt Lernen)

Realschulen:

* Edmund-ter-Meer-Schule

Gymnasien:
* Gymnasium am Stadtpark

* Gymnasium Fabritianum

Berufsschulen:

* Berufskolleg Uerdingen

Sport


Uerdingen bietet ein reichhaltiges Sportangebot. Durch den Bayer-Konzern ist die Dichte der Sportvereine hier sehr groß. Doch auch außerhalb der Werksvereine gibt es noch ein breites Angebot für die Bevölkerung.

Bekannte Sportvereine


* KFC Uerdingen 05 (1905–1953: FC Uerdingen 05; 1953–1995: FC Bayer 05 Uerdingen)
* SC Bayer 05 Uerdingen (1905–1953: FC Uerdingen 05; 1953–1995: FC Bayer 05 Uerdingen)
* SSF Aegir Uerdingen 07
* SV Bayer Uerdingen 08
* SK Bayer Uerdingen
* VfB Uerdingen 1910 e. V.
* SG 76 Uerdingen e. V.
* TV Uerdingen 1875 e. V.
* Kanu-Sport-Klub Bayer 1951 Uerdingen e. V.
* Reiterverein Bayer Uerdingen e. V.
* Aeroclub Bayer Uerdingen e. V.
* Uerdinger Ruder-Club 1907 e. V.
* Angelsportverein Bayer 1957 Uerdingen e. V.
* Segelklub Bayer Uerdingen e. V.

* Schachclub 1923 e. V. Bayer Uerdingen

Freizeit


Das Freizeitangebot ist in Uerdingen sehr groß. Der Bayer-Konzern bietet viele Möglichkeiten. Es gibt auch viele Karnevalsvereine und einen Karnevalszug.

Seit über 70 Jahren gibt es in Uerdingen den DPSG-Pfadfinderstamm Ostgoten. Im Kleingartengelände „Kerschebüschken“ treffen sich hier Kinder und Jugendliche zu gemeinsamen Gruppenstunden und weiteren Aktivitäten.

Literatur


* Jörg Loke: Verfassung, Verwaltung und Gericht der Stadt Uerdingen am Rhein vom Hochmittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Rheinischen Geschichte. Diss. Salzburg, 2004

Weblinks


* [http://www.uerdinger-heimatbund.de/ die offizielle Seite des Uerdinger Heimatbundes]

* [http://www.uerdingen.de/ Informationsseite und Adressen]

miniatur|links|600px|Uerdinger Rheinbrücke nach [[Mündelheim|Duisburg-Mündelheim â€“ Ansicht von der Uerdinger Rheinpromenade]]
miniatur|links|600px|Zweigwerk der Bayer AG in Uerdingen â€“ Ansicht von der Uerdinger Rheinpromenade

miniatur|links|600px|Zweigwerk der Bayer AG in Uerdingen â€“ Ansicht von der Uerdinger Rheinbrücke

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Kategorie:Ort am Rhein

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