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Syntax

27.05.2012 @ 10:26, Hans-Jürgen Streicher,

{{Dieser Artikel|behandelt die Syntax im allgemeinen Sinn; zur gleichnamigen Schriftart siehe Syntax (Schriftart); zur gleichnamigen britischen Band siehe Syntax (Band).}}

Unter Syntax versteht man in der Grammatik die Satzlehre (siehe unten natürliche Syntax).

Etymologisch leitet sich das Wort aus dem altgriechischen Wort σύνταξις [{{IPA|'syntaksis}}] ({{lang|grc|σύν}}: „zusammen“, {{lang|grc|τάξις}}: „Ordnung, Reihenfolge“) ab, dessen Wortbedeutung – unterschiedlich – mit "Zusammenordnung", "Anordnung" oder "Zusammenstellung" angegeben wird.

Der mehrdeutige Ausdruck kann für die Syntax von Zeichensystemen allgemein oder für die Syntax sprachlicher Zeichensystemen, natürlicher oder künstlicher, stehen.

Er kann dabei sich in einer Bedeutung auf Struktureigenschaften selbst oder in einer anderen Bedeutung auf die Beschreibung (die Lehre, Theorie, Wissenschaft) von Struktureigenschaften beziehenVgl. Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-9, S. 11.

Die Syntax von Zeichensystemen allgemein

Die Semiotik wird seit Charles W. Morris eingeteilt in Syntaktik, Semantik und Pragmatik. Die Syntaktik wird allerdings oft Syntax genannt. Die Unterschiede zwischen Syntaktik und Syntax beruhen großenteils darauf, dass Morris - etwa im Gegensatz zu Ferdinand de Saussure - unter Zeichen nur den Signifikanten und nicht die „Verbindung von Signifikant und Signifikat“ meint.Trabant, Semiotik (1996), S. 69 Folglich hat die Syntaktik nichts mit der Bedeutung bzw. Funktion der Zeichen zu tun. Die Syntax hingegen hat durchaus semantische/funktionale Aspekte.

Die Syntax sprachlicher Zeichensysteme


Der Ausdruck Syntax wird für natürliche und formale Sprachen verwendet. Das Verhältnis zwischen natürlicher und formaler Syntax wird unterschiedlich gesehen. Für den Logiker Richard Montague („Universal Grammar“, 1970) bestand kein prinzipieller Unterschied.

Die Syntax natürlicher Sprachen (natürliche Syntax)


Stellung der Syntax in der Grammatik


Bezogen auf natürliche Sprachen, ist die Syntax eine der beiden Abteilungen der Grammatik; die andere ist Morphologie. Die Abgrenzung zwischen ihnen nimmt im allgemeinen auf Komplexitätsebenen der grammatischen Struktur sprachlicher Ausdrücke Bezug: Vom minimalen Sprachzeichen (Morphem) wie frag über den Stamm wie befrag bis zur Wortform wie befragst ist die Morphologie zuständig. Von da an die Komplexitätsebenen aufwärts, also vom Syntagma wie den Kandidaten befragst über den einfachen Satz wie (wenn) du den Kandidaten befragst bis zum zusammengesetzten Satz wie halt dich zurück, wenn du den Kandidaten befragst, ist die Syntax zuständig. Für die Syntax ist die Wortform eine Ganzheit, mit deren innerer Struktur syntaktische Regeln nichts zu schaffen haben; diese müssen nur "wissen", welchen syntaktisch relevanten morphologischen Kategorien die Wortform überhaupt angehört. So bestimmt z.B. eine syntaktische Regel, dass das Prädikatsverb in wenn du den Kandidaten befragst in Kongruenz mit seinem Subjekt in der zweiten Person Singular steht. Wie aber diese Form (bei diesem Verb) lautet, darum kümmert sich die Morphologie (wenn das Verb z.B. hereinlässt wäre, so wiese es -- im Gegensatz zu befragst -- Umlaut auf).

Die Abgrenzungsprobleme zwischen Syntax und Morphologie kann man u.a. ermessen an phrasalen Komposita wie hinuntergehen (ein oder zwei Wörter?) oder reitende Artilleriekaserne (das Attribut gehört zu Artillerie, das aber Bestandteil eines anderen Wortes ist). Auch die Derivation, die als Teil der Wortbildung zur Morphologie gehört, hat syntaktische Aspekte. So ist Befragung von der Basis befrag abgeleitet. Aber in dem obigen Beispiel hat der Nebensatz wenn du den Kandidaten befragst eine paradigmatische Beziehung zu der Alternative bei deiner Befragung des Kandidaten, die sowohl in traditionellen als auch in zeitgenössischen Theorien der Syntax als syntaktische Beziehung aufgefasst wird.

Satzsyntax, Wortsyntax, Textsyntax


Im herkömmlichen Sinn bedeutet Syntax die Lehre vom Satz (Lehre vom (korrekten) Satzbau) bzw. den Satzbau selbst. Die Syntax als Teil der Grammatik behandelt die Muster und Regeln, nach denen Wörter zu größeren funktionellen Einheiten wie den soeben genannten zusammengestellt und Beziehungen wie Teil-Ganzes, Abhängigkeit etc. zwischen diesen Satzgliedern formuliert werden.

Außer dieser satzzentrierten Perspektive (Satzsyntax) spricht man auch in einem weiterenNach Linke, Angelika; Markus Nussbaumer; Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. - 5. Auflage. - Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, S. 84: "in mehr oder weniger metaphorischer Ausweitung von der Kernbedeutung" Sinn von einer intraverbalen SyntaxVgl. dtv-Lexikon/Syntax oder WortsyntaxClément, Linguistisches Grundwissen, 2. Aufl. (2000); S. 44 (auch: Wort-SyntaxLinke, Angelika; Markus Nussbaumer; Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. - 5. Auflage. - Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, S. 84, die kombinatorische Regeln in der Morphologie untersucht, und von einer Text-Syntax, die sich mit den Regeln der Kombination von Sätzen zu Texten befasst. Der Gebrauch des Wortes Syntax, in dem Syntax koextensiv mit Grammatik ist (also die Morphologie entweder einschließt oder der Phonologie zuschlägt), findet sich vor allem in der englischsprachigen Linguistik sowie in der Theorie formaler Sprachen (in denen Morphologie keine Rolle spielt).

Theorien der Satzsyntax


In der Linguistik besteht eine Vielfalt und Konkurrenz von Syntaxmodellen, Theorien und Schulen. „Jedes der vorgestellten Modelle hat seine Stärken und Schwächen.“Pospiech, Syntax, in: Volmert (Hrsg.), Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl. (2005) [ISBN 3-8252-1879-1], S. 149 Neben den Modellen der traditionellen Schulgrammatik wird die Syntax anhand hypothetischer universeller, angeborener Formprinzipien (Noam Chomsky) oder ihres kommunikativen Zwecks (Funktionale Syntax) oder ihrer Rolle beim Aufbau von komplexen Bedeutungen (logische Semantik, Montague- bzw. kategoriale Grammatik) untersucht. Zahlreiche solche Modelle sind im Artikel Syntaxtheorie aufgeführt. Zu den wichtigeren zählen

* die Government and Binding-Theorie (Chomsky 1981), eine Variante der generative Grammatik

* die Head-driven Phrase Structure Grammar

* die Dependenzgrammatik.

Die syntaktische Struktur eines natürlichsprachlichen Satzes wird in diesen Modellen verschieden dargestellt. Die Varianten der Phrasenstrukturgrammatik stellen sie in Form eines Strukturbaums dar, welcher die Teil-Ganzes-Beziehungen der Konstituenten des Satzes graphisch wiedergibt. Die Dependenzgrammatik stellt sie in Form eines Stemmas dar, welches die Abhängigkeiten zwischen den Wörtern wiedergibtVgl. Glück, Helmut (Hrsg) Metzler Lexikon Sprache. 3. Auflage. Stuttgart: J.B. Metzler Verlagsbuchhandlung, 2005, Seiten 645 sowie 651–2.

Die Syntax formaler Sprachen (formale Syntax)


Unter der Syntax einer formalen Sprache (formale Syntax) – wie etwa Programmiersprachen in der Informatik oder Kalküle in der Logik – versteht man ein System von Regeln, nach denen erlaubte Konstruktionen bzw. wohlgeformte Ausdrücke aus einem grundlegenden Zeichenvorrat (dem Alphabet) gebildet werden Vgl. Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005)/Syntax – wobei von der inhaltlichen Bedeutung der Zeichen abgesehen wird bzw. werden kann.

Eine formale Syntax kann graphisch mittels Syntaxgraphen beschrieben werden.

Siehe auch


* Sprachtypologie
* Satzzeichen
* Syntaxfehler
* Satzstellung

* Morphosyntax

Literatur

* Karl-Dieter Bünting & Henning Bergenholtz; Einführung in die Syntax. Grundbegriffe zum Lesen einer Grammatik. Athenäum, Frankfurt/M. (Athenäums Studienbücher Linguistik) (2., überarb. Aufl. 1989).

* Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-9.

* Bernhard Engelen: Einführung in die Syntax der deutschen Sprache. 2 Bde. Burgbücherei Schneider, Baltmannsweiler, 1984/6.

* Hans-Werner Eroms: Syntax der deutschen Sprache. W. de Gruyter, Berlin & New York, 2000.

* Joachim Jacobs, Arnim von Stechow, Wolfgang Sternefeld, Theo Vennemann, Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Syntax. 2 Bände. de Gruyter, Berlin u. a. 1993–1995, ISBN 3-11-009586-6 (Bd. 1), ISBN 3-11-014263-5 (Bd. 2), (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 9, 1–2)

* Robert D. Van Valin, Jr.: An introduction to syntax. Cambridge University Press, Cambridge, 2001.

* Robert D. Van Valin, Jr. & Randy LaPolla: Syntax. Structure, meaning, and function. Cambridge University Press, Cambridge, 1997.

Weblinks


{{Wiktionary|Satzlehre}}
{{Wiktionary|Syntax}}

* [http://www.christianlehmann.eu/ling/lg_system/grammar/morph_syn/ Linguistischer Grundkurs in Morphologie und Syntax]

Einzelnachweise


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