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Stimme Russlands

14.05.2012 @ 17:31, Aschmidt,

thumb|200px|right|[[QSL-Karte von Radio Moskau (1969)]]

Stimme Russlands (russisch: Голос России/Golos Rossii; früher Radio Moskau) ist der russische Rundfunk-Auslandsdienst. Er sendet in Russisch und zahlreichen anderen Sprachen über Kurz-, Mittel- und Langwelle, in Berlin und Brandenburg auch über das digitale Radio DAB. Daneben gibt es Audio-on-Demand und Livestreams über das Internet.

Geschichte des Senders (Radio Moskau)


thumb|200px|right|Jubiläums-Briefmarke mit [[Schuchow-Radioturm (1979)]]

Der Sender wurde unter dem Namen Radio Moskau gegründet. Am 29. Oktober 1929 starteten die ersten Radiosendungen für Hörer im Ausland. Auch das erste deutschsprachige Programm startete an diesem Tag mit einer Reportage über die Feierlichkeiten zur Oktoberrevolution am Roten Platz. Die Programme zeichneten sich durch eine klare Parteinahme für Kommunismus und durch moralische Unterstützung von Kommunisten im Ausland aus. Der Sender war abhängig vom sowjetischen Staat und diente nicht einer neutralen Information.

Zur Zeit der NS-Herrschaft in Deutschland war der Sender eine Informationsquelle für den kommunistischen Widerstand. Gemäß der offiziellen Haltung der Sowjetunion unterschied Radio Moskau klar zwischen dem Hitler-Regime und dem deutschen Volk. In den Zeiten des Kalten Kriegs baute Radio Moskau sein Programmangebot erheblich aus und wurde zu einer Rundfunkgroßmacht im Ost-West-Konflikt. Das tägliche deutschsprachige Programm hatte eine Länge von sieben Stunden und wurde zur Mittagszeit und in den Abendstunden über Kurz-, Mittel- und Langwelle nach Mitteleuropa ausgestrahlt. In mehr als 60 Fremdsprachen auf zahlreichen Frequenzen waren Programme von Radio Moskau zu hören. Benutzt wurden Sendeanlagen in der Sowjetunion, in Osteuropa und auf Kuba. Das Pausenzeichen entstammte der Melodie des Liedes Schiroka strana moja rodnaja (Широка страна моя родная). In Analogie zum BBC World Service strahlte der Sender ein weltweit zu empfangendes 24-Stunden-Programm in englischer Sprache unter dem Titel Radio Moscow World Service aus. Seitens des Westens bildeten Sender wie die Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty ein Gegengewicht in der Rundfunkpropaganda. Einer der wenigen Sender, die als Vorbilder für unabhängigen Journalismus und objektive, neutrale Berichterstattung galten, war der BBC World Service.

Der Sender heute (Stimme Russlands)


In den Zeiten von Glasnost und Perestroika änderte sich das Programm erheblich. Nach der Wende und der Auflösung der Sowjetunion benannte sich der Sender in Stimme Russlands um und distanzierte sich von der früheren Ideologie.

Die Stimme Russlands ist eine von der russischen Regierung finanzierte Einrichtung und dient der Verbreitung der Auffassungen und Ansichten Russlands im Ausland sowie der Information über das Leben sowie die Kultur und Bräuche der Russen.

Der Sender veranstaltet jetzt unter anderem ein 24-Stunden-Programm in englischer und russischer Sprache und sendet täglich sieben Stunden auf Deutsch. Alle gesendeten deutschen Programme lassen sich auf der Homepage des Senders im Format mp3 live hören (Audio-Streaming). Außerdem stehen die Sendungen der täglichen Sendezeit von 10–11 Uhr UTC für die zurückliegenden sieben Tage über den Link des WRN in verschiedenen wählbaren Formaten als Stream und zum Download zur Verfügung. Das Programm der Stimme Russlands wird auch noch durch folgende russischsprachigen Zusatzprogramme ergänzt: Russkoje Meshdunarodnoje Radio mit einer jugendorientierten Programmkonzeption und das Programm Kawkas für Themen aus der gesamten kaukasischen Region. Als Pausenzeichen dient ein Thema aus dem Satz Das große Tor von Kiew des Zyklus Bilder einer Ausstellung.

Die Programme der Stimme Russlands leiden an Unterfinanzierung. Aus Einsparungsgründen werden die Nachrichten nicht mehr live produziert und lediglich jeweils einmalig für die Tages- bzw. Abendsendeblöcke vorproduziert und erfahren nur fallweise eine Aktualisierung. So bilden den Kern der deutschen Sprachredaktion nur wenige Mitarbeiter mit geringem Verdienst und bis in sowjetische Zeiten zurückreichenden Berufserfahrungen, oftmals schon im Rentenalter, die sich die für wenig Geld zu beschaffenden Studenten linguistischer und journalistischer Fakultäten von Hochschulen und Universitäten als nebenberufliche Sprecher und Redakteure selbst heranziehen. Von letzteren bleibt aber wegen des geringen Gehalts kaum jemand über seinen Studienabschluss hinaus im Dienst der Stimme Russlands, wodurch eine hohe Fluktuation normal ist. Die eingesetzten Sprecher arbeiten durchweg nebenberuflich und sind sonst als Dolmetscher/Übersetzer und Lehrer tätig oder befinden sich als Studenten noch in der Ausbildung.

Mit der Aufschaltung der neu gestalteten Webseite der deutschen Redaktion im Januar 2010 wurden praktisch für alle Produktionen neben dem angebotenen Audio-Downstream zugleich auch die Möglichkeit des Downloads der kompletten nachgefragten Sendungen im MP3-Format geschaffen. Ende Juli 2010 begann der Sender damit, sein Programm durch neue Livestreams im Internet zu verbreiten. Zuerst wurden mp3-Livestreams für die russischen Programme sowie für den englischen, den deutschen, italienischen und weitere Dienst eingeführt.

Für den Standort Berlin wurde eine UKW-Frequenz zur Übertragung der ersten Sendestunde des Tagesprogramms vorbereitet, was sich durch eine anders lautende Entscheidung der LMA Berlin-Brandenburg jedoch zerschlagen hat.

Die deutsche Redaktion hat ihre Programmstruktur so geändert, dass keine Einzelsendung mehr als 15 Minuten dauert. Dies führte auch zu internen Problemen, wollen die Redakteure doch nicht auf die zahlreichen Qualitätsproduktionen aus dem Literaturbereich verzichten, die regelmäßig nachgefragt werden. Deshalb werden einige der Mittelwellenfrequenzen zwischen 18 und 19 Uhr MESZ vom Regelprogramm getrennt und darüber solche Sendungen übertragen, die länger als 15 Minuten dauern.

Sendeanlagen


thumb|Sendeanlage in Wachenbrunn
Die Stimme Russlands benutzt Kurzwellensender in der Oblast Kaliningrad und im Raum Moskau für DRM-Ausstrahlungen sowie für die analoge Signalverbreitung den Rundfunksender Bolschakowo in dem Oblast Kaliningrad für die Abendsendungen auf 1215 kHz mit einer Leistung von 1200 kW. Dieser leistungsstärkste MW-Sender Russlands wurde am 1. August 2011 im Zuge von Sparmaßnahmen ersatzlos abgeschaltet. Die analogen Kurzwellensender haben verschiedene Standorte in Russland.
In Deutschland werden Relaissender auf Mittelwelle für die analoge Verbreitung eingesetzt - in Zehlendorf auf 693 kHz mit variabel bis 250 kW, bei Königslutter auf 630 kHz (10 kW nachts, 100 kW tags, für den Mittelwellensender Wilsdruff bei Dresden und in Wachenbrunn auf 1323 kHz. Letzterer besitzt eine Sendeleistung von bis zu 1 MW und ist eine markante Station im Mittelwellenbereich, weil die Antennen eine Richtwirkung nach Westen haben. Die anderen in Deutschland betriebenen Mittelwellen werden mit wechselnder Leistung betrieben und erreichen teilweise nur eine begrenzte regionale Verbreitung.

Die deutschen Mittelwellenrelais strahlen abweichend vom deutschsprachigen Regelprogramm der Stimme Russlands stundenweise auch in anderen Sprachen oder Programme anderer Veranstalter ab.

Ab dem 1. April 2011 sendet zusätzlich auf 558 kHz mit einer Leistung von 200 kW der schweizerische MW-Sender Monte Ceneri das deutsche Programm aus Moskau ohne die Sendestunde von 10 bis 11 Uhr MEZ . Das Zielgebiet der Ausstrahlungen ist die Schweiz, Nord-Italien und angrenzende Gebiete Frankreichs. Diese Frequenz wird auch für Sendungen in Französisch und Italienisch benutzt. Diese Nutzung wurde bis zum Jahr 2015 durch die Behörden der Schweiz lizenziert.

Donnerstags fallen die Sendungen aus Moskau in deutscher Sprache zwischen 16.00 und 16.59 Uhr MEZ mit Ausnahme von 1323 kHz über alle deutschen Mittelwellenrelais aus.

DRM-Signale werden ab dem 25. März 2012 bis zum 27. Oktober 2012 im Mittagsprogramm von 11–13 Uhr MESZ auf 9850 und 11830 kHz nur bis 12 Uhr MESZ kHz vom Sendezentrum Taldom/Moskau ausgestrahlt. Im Abendprogramm wird von 17–19 Uhr MESZ digital auf 12095 und 6155 kHz gesendet.

Ferner wurden in Berlin und Brandenburg die Programme der Stimme Russlands - darunter auch das deutschsprachige Programm - nach dem Einsatzplan des Relais Zehlendorf/Oranienburg auch über das digitale Radio DAB im landesweiten Ensemble Brandenburg (Kanal 12D/11C) ausgestrahlt.

Die analoge Ausstrahlung der Programme erfolgt über die bereits genannten Mittelwellen in Deutschland und der Schweiz. Die bisherige Übertragung des Tagesprogramms zwischen 11–12 Uhr MESZ wurde ersatzlos gestrichen.

Siehe auch


* Kurzwellenrundfunk
* DXen
* Radio Wolga

* NS-Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen

Literatur


* Dirk Klapperich: „A thorn in my side“. Die Osteuropa-Redaktion der Deutschen Welle von der KSZE-Schlussakte bis zur Kooperation mit Radio Moskau (1975 bis 1990). m press Martin Meidenbauer, München 2007. ISBN 978-3-89975-651-7

Weblinks


* [http://german.ruvr.ru/ Offizielle Homepage] (deutsch)

* [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/125351/ Die vergessene „Stimme Russlands“] auf den Seiten des Deutschlandfunks

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