Sozialwissenschaft
Die Sozialwissenschaften (oft auch als Gesellschaftswissenschaften bezeichnet) umfassen jene Wissenschaften, die Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen theoriegeleitet und/oder empirisch untersuchen.
Analysiert werden Struktur und Funktionen sozialer Verflechtungszusammenhänge von Institutionen und Systemen und auch deren Wechselwirkung mit Handlungs- und Verhaltensprozessen der einzelnen Individuen (Akteure).
Vereinzelt werden im deutschsprachigen Raum auch Studiengänge unter der Sammelbezeichnung Sozialwissenschaft oder Sozialwissenschaften angeboten, wie etwa an der Universität Bielefeld, der Ruhr-Universität BochumVgl. [http://www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/index.html.de Homepage der Ruhr-Universität Bochum]., der Universität StuttgartVgl. [http://www.uni-stuttgart.de/soz/institut/studierende/ Homepage des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart]., der Universität AugsburgVgl. [http://www.philso.uni-augsburg.de/studiengaenge/ba_sozialwissenschaften/ Homepage der Universität Augsburg]., der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Mannheim Vgl. [http://home.sowi.uni-mannheim.de/soziologie/auslaufende_studiengaenge/diplom_sozialwissenschaften/index.html Homepage der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim]. , der Universität DüsseldorfVgl. [http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/sozwiss/]. oder der Universität der Bundeswehr München. Diese Studiengänge ähneln zumeist soziologischen, politikwissenschaftlichen und/oder wirtschaftswissenschaftlichen Fachstudiengängen, betonen aber durch die Bezeichnung ihre interdisziplinäre Ausrichtung. Sie sind oft durch eine vertiefte statistische Methodenausbildung gekennzeichnet. An der Georg-August-Universität Göttingen gibt es ab dem Wintersemester 2011/12 einen Bachelorstudiengang SozialwissenschaftenVgl. [http://www.uni-goettingen.de/de/195780.html Homepage des Bachelorstudiengangs Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen]., der sich von den oben genannten unterscheidet. Dort können in einer breiten Ausbildung alle Fächer der Fakultät (Erziehungswissenschaft, Ethnologie, Geschlechterforschung, Indienstudien, Politikwissenschaft, Soziologie, Sportwissenschaften) sowie Wirtschafts- und/oder Rechtswissenschaften frei gewählt werden.
Umfang
Im weiteren Sinn zählen zu den „Sozialwissenschaften“ (auch: „Gesellschaftswissenschaften“) folgende Disziplinen:
* Anthropologie (Sozial- und Kulturanthropologie)* Demografie (Bevölkerungswissenschaft)
* Erziehungswissenschaft (u. a. Schulpädagogik, Erwachsenenbildung, Sozialpädagogik, Sonderpädagogik)
* Ethnologie (Völkerkunde) und Volkskunde (Europäische Ethnologie)
* Kindheitsforschung (interdisziplinär)
* Kommunikationswissenschaft, Medienwissenschaft, Publizistikwissenschaft und (ehedem) Zeitungswissenschaft
* Kunstwissenschaft, Kulturwissenschaft
* Linguistik oder Sprachwissenschaft
* Ökotrophologie (Haushalts- und Ernährungswissenschaft)
* Pädagogik (interdisziplinär)
* Politikwissenschaft (Politologie)
* Psychologie (interdisziplinär)
* Rechtswissenschaft und (ehedem) Staatswissenschaften
* Religionswissenschaft
* Soziale Arbeit (Sozialpädagogik, Sozialarbeitswissenschaft)
* Sozial- bzw. Humangeographie
* Sozialgeschichte (Historische Sozialwissenschaft)
* Sozialmedizin, Salutologie, Pflegewissenschaft, Diakonik
* Sozialphilosophie, Sozialethik
* Soziologie
* Sportwissenschaft
* Verwaltungswissenschaft
* Wirtschaftswissenschaft (Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre)
Abgrenzungen
In den Sozialwissenschaften werden wissenschaftliche Methoden verwendet, die mit denen der Natur- und denen der Geisteswissenschaften verwandt sind. Deshalb ist die Abgrenzung schwierig. Es gibt keine einheitlichen Regelungen jenseits der Traditionen derjenigen Institutionen, die die Begriffe verwenden.
Zu den Naturwissenschaften
Der Begriff entstand einerseits in Abgrenzung zu den so genannten Naturwissenschaften, denen die Sozialwissenschaften sich jedoch in der post-positivistischen Richtung annähern.
Ein wesentlicher Unterschied wird hier darin gesehen, dass die Objekte der Naturwissenschaften die Prognosen der Naturwissenschaftler nicht zur Kenntnis nehmen können und also durch sie auch nicht beeinflusst werden. In den Sozialwissenschaften sind die Objekte der Forschung jedoch auch handelnde Subjekte, sie können sozialwissenschaftliche Prognosen (z. B. Wahlprognosen) zur Kenntnis nehmen und in dieser Kenntnis genau-das auch tun (selbsterfüllende Prophezeiung) oder genau-das nicht tun (selbstzerstörende Prophezeiung). Dadurch wird die empirische Prüfung sozialwissenschaftlicher Aussagen – z. B. durch Experimente – auf eine andere Weise schwierig, als es die naturwissenschaftliche Prüfung ist. Logisch wird diese Differenz z. B. in der Günther-Logik behandelt.
Zu den Geisteswissenschaften
Unterscheiden lässt sich hier zwischen den eher auf Verstehen ausgerichteten Geisteswissenschaften und den stärker auch auf Erklären bedachten Sozialwissenschaften.
Angesichts der Tendenzen zum interdisziplinären Arbeiten ist diese Unterscheidung relativiert worden. Eine modernere Begriffsbildung fasst mit der Bezeichnung Humanwissenschaften alle Wissenschaften zusammen, die irgendeinen Aspekt der Menschen zum Untersuchungsgegenstand haben. Darunter fallen sowohl die Geistes- und Sozialwissenschaften als auch wenige Naturwissenschaften wie beispielsweise die Humanbiologie oder Medizin.
Weblinks
{{Wiktionary}}
* [http://www.ssoar.info/ SSOAR – Social Science Open Access Repository]
* [http://www.gesis.org/ GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften]
* [http://www.gesis.org/sowiport SOWIPORT – Das sozialwissenschaftliche Fachportal]
* {{IEP|http://www.iep.utm.edu/soc-sci/|The Philosophy of Social Science|William A. Gorton}}
Einzelnachweise
Kategorie:Wissenschaftskategorie
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