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Soziale Marktwirtschaft

22.05.2012 @ 13:16, FelMol,

Soziale Marktwirtschaft ist ein gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Leitbild mit dem Ziel, „auf der Basis der Wettbewerbswirtschaft die freie Initiative mit einem gerade durch die wirtschaftliche Leistung gesicherten sozialen Fortschritt zu verbinden“.Alfred Müller-Armack: Wirtschaftsordnung und Wirtschaftpolitik. Bern 1976, S. 245. Der Begriff ist insgesamt interpretationsbedürftigHans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 47. und wird wegen seiner Vieldeutigkeit auch als politisches Schlagwort angesehen.Grundtexte zur Sozialen Marktwirtschaft. Band 3, Marktwirtschaft als Aufgabe. Gustav-Fischer-Verlag, Stuttgart/New York 1994, ISBN 3-437-40331-1, S. 36.

Das Konzept und die Bezeichnung Soziale Marktwirtschaft gehen auf Alfred Müller-Armack zurück, der den Begriff als irenische Formel ansah, welche das Prinzip der Freiheit auf dem Markte mit dem des sozialen Ausgleichs verbindet. Ludwig Erhard übernahm die Bezeichnung, auch wenn für ihn der Markt an sich sozial war und nicht erst sozial gemacht zu werden brauchte. Das Konzept basiert auf Vorstellungen, die mit durchaus unterschiedlicher Akzentuierung schon in den 1930er und 1940er Jahren entwickelt wurden und die unter dem – heute mehrdeutigenGemeint ist hier Neoliberalismus in seiner historischen Bedeutung. Aktuell wird Neoliberalismus häufig mit Marktfundamentalismus identifiziert und kann in dieser Bedeutung nicht länger als Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft verstanden werden. (siehe Andreas Renner: Die zwei „Neoliberalismen“. In: Fragen der Freiheit, Heft 256, Okt./Dez. 2000.) – Ausdruck Neoliberalismus subsumiert worden sind. Aus diesem geschichtlichen Hintergrund ragt der Ordoliberalismus heraus, als dessen wichtigster Repräsentant Walter Eucken gilt.{{Literatur | Herausgeber=Uwe Andersen und Wichard Woyke | Titel=Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland – Grundlagen, Konzeption und Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft | Auflage=5. | Ort=Opladen | Verlag=Leske+Budrich | Jahr=2003 | Online=[http://www.bpb.de/wissen/07366806922938336269163160936993,1,0,Soziale_MarktwirtschaftWirtschaftspolitik.html#art1 Online] | Kommentar=Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003}} Als weitere geistige „Gründerväter“ des Ordoliberalismus gelten Franz Böhm, Alexander Rüstow und Wilhelm Röpke.Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 978-3-16-145684-8, S. 9, 12. Die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft geht von diesen Vorstellungen aus, zeichnet sich aber durch einen größeren Pragmatismus aus, etwa in der Konjunktur- und Sozialpolitik.

Soziale Marktwirtschaft hat sich als Bezeichnung für die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland sowie der Republik Österreich durchgesetzt.Hanns Abele: Handbuch der österreichischen Wirtschaftspolitik. Manz, 1982, ISBN 3-214-07050-9, S. 145. In Deutschland wurde der Begriff 1949–1966 und wieder 1982–1998 zur Richtschnur der Regierungspolitik erhoben auch später als „Exportschlager“ propagiert.[http://www.focus.de/politik/ausland/angela-merkel-soziale-marktwirtschaft-als-exportschlager_aid_366372.html Angela merkel auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, laut Focus vom 31. Januar 2009.] Die reale Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entsprach dem Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft nur annäherndMartin Greiffenhagen, Sylvia Greiffenhagen (Hrsg.): Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. 2. Auflage. Westdeutscher Verlag, 2002, S. 553f. und wird bisweilen auch als Rheinischer Kapitalismus bezeichnet.Rocco Buttiglione: Einige Gedanken über das Rheinische Modell. In: Michael Spangenberger (Hrsg.): Rheinischer Kapitalismus und seine Quellen in der Katholischen Soziallehre. Aschendorff, Münster 2011, S. 141. Die Soziale Marktwirtschaft wurde im Staatsvertrag von 1990 zwischen der Bundesrepublik und der DDR als gemeinsame Wirtschaftsordnung für die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion vereinbart.Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (Staatsvertrag) vom 18. Mai 1990, Kapitel 1, Artikel 1, Absatz 3 [http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/DieDeutscheEinheit_vertragWaehrungsWirtschaftsSozialunion/index.html Vertragstext].Otto Schlecht: Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck 1990, S. 182 ff. Die Europäische Union strebt laut Lissaboner Vertrag eine "wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft" mit Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt an.„Grundlegendes Ziel der Union ist es künftig, den Frieden, ihre Werte und das Wohlergehen ihrer Völker zu fördern. Diese allgemeinen Ziele werden ergänzt durch eine Reihe besonderer Ziele: [...]. die nachhaltige Entwicklung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums und von Preisstabilität, eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, die auf Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt abzielt, sowie ein hohes Maß an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualität“ [http://europa.eu/scadplus/constitution/objectives_de.htm#OBJECTIVES EU-Verfassungsvertrag, Art. I-3]

Begriff


Entstehung


Alfred Müller-Armack verwendete die Wortverbindung erstmals in seinem 1947 erschienenen Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ (geschrieben 1946).Friedrun Quaas: Soziale Marktwirtschaft. Haupt Verlag, Bern 2000, S. 44. Er entwarf die Soziale Marktwirtschaft als „dritte Form“ neben rein liberaler Marktwirtschaft und staatlicher Wirtschaftslenkung. Für die Wirtschaftsordnung des vom Krieg zerstörten Deutschlands solle der Markt als „tragendes Gerüst“ in „eine bewusst gesteuerte, und zwar sozial gesteuerte Marktwirtschaft“ eingebettet sein.Alfred Müller-Armack: Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft. Hamburg 1947, S. 88. Den Versuch, „das Prinzip der Freiheit auf dem Markte mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden“, bezeichnete Müller-Armack als „irenische Formel“.Alfred Müller-Armack: Soziale Marktwirtschaft. 1956, S. 390.

Verbreitung


Zunächst wurde der Ausdruck kaum verwendet.Martin Wengeler: Tiefensemantik – Argumentationsmuster – Soziales Wissen: Erweiterung oder Abkehr von begriffsgeschichtlicher Forschung? In: Ernst Müller: Begriffsgeschichte im Umbruch? Band 2004 von Archiv für Begriffsgeschichte. Meiner Verlag, 2005, ISBN 3-7873-1693-0, S. 136.Karin Böke, Frank Liedtke, Martin Wengeler: Politische Leitvokabeln in der Adenauer-Ära. Band 8 von Sprache, Politik, Öffentlichkeit. Walter de Gruyter, 1996, ISBN 3-11-014236-8, S. 396ff. Erst 1949 wurde der Begriff durch die Düsseldorfer Leitsätze (CDU-Programm für die Bundestagswahl 1949) einer größeren Öffentlichkeit als Selbstbezeichnung der Wirtschaftspolitik von Ludwig Erhard und der CDU bekannt. Das neue wirtschaftspolitische Schlagwort „Soziale Marktwirtschaft“, das von der CDU in Opposition zu „unsozialer Planwirtschaft“ gesetzt wurde, war anfangs umstritten. Von sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Seite, zum Teil aber auch vom Arbeitnehmer-Flügel der CDU, wurde die Wortverbindung als Euphemismus und als rein propagandistisches Schlagwort kritisiert. Von unternehmerischer und wirtschaftsliberaler Seite wurde befürchtet, dass mit dem Attribut „sozial“ Erwartungen geweckt würden, die dem wirtschaftlichen Fortschritt oder der deutschen Wettbewerbsfähigkeit entgegen stünden.Georg Stötzel, Martin Wengeler, Karin Böke: Kontroverse Begriffe: Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Band 4 von Sprache, Politik, Öffentlichkeit. Walter de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-014106-X, Stichwort „Soziale Marktwirtschaft“ Die vielfältige Sprachkritik konnte allerdings nicht den politischen Erfolg des Schlagworts verhindern, mit dem vor allem in den 1950er Jahren Wahlkämpfe bestritten und gewonnen wurden.

Übernahme durch die SPD und breite Akzeptanz


Die SPD vermied zunächst konsequent die Verwendung dieses Fahnenwortes und propagierte den Konkurrenzbegriff des „demokratischen Sozialismus“. Insbesondere mit dem Godesberger Programm von 1959 übernahm die SPD jedoch zunehmend Elemente der Sozialen Marktwirtschaft.Karin Böke, Frank Liedtke, Martin Wengeler: Politische Leitvokabeln in der Adenauer-Ära. Band 8 von Sprache, Politik, Öffentlichkeit. Walter de Gruyter, 1996, ISBN 3-11-014236-8, S. 396ff. Erst seit den 1990er Jahren verwendet auch die SPD den Ausdruck in ihren programmatischen Schriften.Martin Nonhoff: Hegemonieanalyse: Theorie, Methode und Forschungspraxis. In: Reiner Keller (Hrsg.): Handbuch sozialwissenschaftliche Diskursanalyse 2: Forschungspraxis. Band 2, Ausgabe 3. VS Verlag, 2008, ISBN 978-3-531-15878-5, S. 327. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund verwendet ihn erst in seinem Dresdner Grundsatzprogramm von 1996.Im Kapitel Ökonomie, Abschnitt 5. Markt und Staat, Mitbestimmung und Gestaltung heißt es: „Die soziale Marktwirtschaft hat einen hohen materiellen Wohlstand bewirkt. Die soziale Regulierung – vor allem durch die Gewerkschaften – hat gewährleistet, daß breite Bevölkerungsschichten an diesem Wohlstand teilhaben konnten. Aber auch die soziale Marktwirtschaft hat weder Massenarbeitslosigkeit noch Ressourcenverschwendung verhindert; auch sie hat soziale Gerechtigkeit nicht hergestellt.“ [http://www.dgb.de/uber-uns/unsere-zukunft/gestaltung-der-oekonomie] Eine positive Bezugnahme auf Soziale Marktwirtschaft ist seitdem über die politischen Grenzen hinweg weit verbreitet.Georg Stötzel, Martin Wengeler, Karin Böke: Kontroverse Begriffe: Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Band 4 von Sprache, Politik, Öffentlichkeit. Walter de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-014106-X, Stichwort „Soziale Marktwirtschaft“

Bedeutungsspektrum


Die breite gesellschaftliche Bezugnahme auf den Begriff Soziale Marktwirtschaft bedeutet jedoch keineswegs, dass sich alle darin einig sind, was unter Sozialer Marktwirtschaft zu verstehen sei.Martin Nonhoff: Politischer Diskurs und Hegemonie: das Projekt „Soziale Marktwirtschaft“. transcript Verlag, 2006, ISBN 3-89942-424-7, S. 10. Das Bedeutungsspektrum reicht vom geschlossenen ordnungspolitischen Konzept über den offenen, dynamischen Charakter einer Kompromissformel, unter der sich unterschiedliche Akzentuierungen subsumieren lassen, bis zur Bewertung als Leerformel ohne eigene Bedeutung. Die letzte Ansicht vertreten weite Teile der ordoliberal inspirierten Wirtschaftswissenschaft, die eine „Rückbesinnung auf die Grundprinzipien“ der Sozialen Marktwirtschaft fordert.Nonhoff, 2006, S. 45 f.

Knut Borchardt oder Roland Sturm argumentieren, dass sich „Soziale Marktwirtschaft“ nicht auf eine eigentliche Bedeutung reduzieren lasse. Vielmehr müsse sie als das sich stets weiter entwickelnde Ergebnis eines dynamischen Prozesses gedacht werden.Nonhoff, 2006, S. 46. Aufgrund der Pluralität der Ursprünge – Müller-Armacks ursprüngliche Konzeption in „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“, Erhards Vorstellungen und die der CDU in den Düsseldorfer Leitsätzen – sei eine definitive Ursprungsbegründung nicht möglich.Rudolf Walther: Exkurs: Wirtschaftsliberalismus" (Art. "Liberalismus"). In: Brunner, Conze, Koselleck: Geschichtliche Grundbegriffe. Bd. 3, Stuttgart 1982. Demnach handele es sich bei „Sozialer Marktwirtschaft“ nicht bloß in ihrer heutigen Form, sondern auch nach ihrer ursprünglichen Interpretation um einen politischen und politisch interpretierten Begriff.Nonhoff, 2006, S. 45 f., 84.

Nach Hans-Hermann Hartwich ist das Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft durch eine im politischen Diskurs herbeigeführte Vermengung des theoretischen, in sich geschlossenen Konzepts „Soziale Marktwirtschaft“ mit der populären, aber völlig unverbindlichen Vorstellung einer „sozialen Marktwirtschaft“ geprägt.

Bezeichnung für die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland

Seit den 1950er Jahren hat sich der Begriff Soziale Marktwirtschaft auch als Bezeichnung für die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland eingebürgert.Vgl. Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 47. Die Wirtschaftspolitik der verschiedenen Bundesregierungen orientierte sich allerdings in der Praxis an wechselnden politischen Zielvorstellungen. Nicht allen Autoren ist der Begriff Soziale Marktwirtschaft hierfür trennscharf genug.Manfred G. Schmidt: Das politische System Deutschlands: Institutionen, Willensbildung und Politikfelder. Band 1721 von Beck'sche Reihe, C.H. Beck Verlag, 2007, ISBN 978-3-406-54737-9, S. 367.Vgl. (aber) auch Thomas Meyer: Theorie der Sozialen Demokratie. 2006, S. 276. Insbesondere um die entstandene korporative oder koordinierte Marktwirtschaft von den angelsächsischen Wirtschaftsordnungen abzugrenzen, hat Michel Albert 1991 den Begriff „Rheinischer Kapitalismus“ eingeführt.Yūichi Shionoya: The German historical school: the historical and ethical approach to economics. Routledge, 2001, S. 199. Während Albert den Rheinischen Kapitalismus mit der sozialen Marktwirtschaft gleichsetztVgl. Werner Abelshauser: The dynamics of German industry: Germany's path toward the new economy and the American challenge. Band 6 von Making sense of history. Berghahn Books, 2005, S. 78. und es laut Michael Spangenberger vermochte, „den Inhalt der Sozialen Marktwirtschaft im Begriff des 'Rheinischen Kapitalismus' zu internationalisieren“,Michael Spangenberger: Prolog. In: Michael Spangenberger (Hrsg.): Rheinischer Kapitalismus und seine Quellen in der Katholischen Soziallehre. Aschendorff, Münster 2011, S. VIII. grenzt zum Beispiel Manfred Gustav Schmidt diese Begriffe ausdrücklich voneinander ab. Laut Schmidt ist der Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ für die Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik Deutschland aufgrund wachsender Staatsquote und zunehmender Regelungsdichte nicht trennscharf genug, weshalb etliche Beobachter Begriffe wie „organisierter“, „deutscher“ oder „Rheinischer Kapitalismus“ bevorzugen würden. Für Herbert Giersch wird der Rheinische Kapitalismus, dem er „einen Hauch von Kommunitarismus“ nachsagt und mit Klüngelwirtschaft bezeichnet, von Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer oder Hermann Josef Abs symbolisiert. Im Kontrast hierzu sieht er Erhard, Eucken und Hayek, die er mit einem „reinen Kapitalismus“ beziehungsweise einer „neoliberalen Marktwirtschaft“ identifiziert.Herbert Giersch: Die offene Gesellschaft und ihre Wirtschaft. Murmann Verlag, Hamburg 2006, S. 63.

Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft

Die Soziale Marktwirtschaft versucht die Vorteile einer freien Marktwirtschaft, insbesondere eine hohe Leistungsfähigkeit und Güterversorgung, mit dem Sozialstaat als korrektiv zu verbinden, der mögliche negative Auswirkungen von Marktprozessen verhindern soll.Thomas Hutzschenreuter, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre: Grundlagen mit zahlreichen Praxisbeispielen, Gabler, 3. Auflage. 2009, ISBN 978-3-8349-1593-1, S. 70. Zu ihren Gestaltungselementen gehören freie Preisbildung für Güter und Leistungen am Markt, Privateigentum an Produktionsmitteln und Gewinnstreben als Leistungsanreiz. Durch die Schaffung eines rechtlichen Rahmens sollen die persönlichen Freiheitsrechte, wie Gewerbe-, Konsum-, Vertrags-, Berufs- und Koalitionsfreiheit gewährleistet werden. Zugleich soll staatliche Wettbewerbspolitik den Wettbewerb sichern und private Marktmacht (Monopole, Kartelle) nach Möglichkeit verhindern. Der Grundgedanke besteht darin, dass die Marktwirtschaft ihre wohlstandsmehrende wie koordinierende Funktion nur entfalten könne, wenn sie durch eine strenge staatliche Ordnungspolitik auf den Wettbewerb verpflichtet werde. Der Staat soll durch aktive Eingriffe in die Wirtschaft das Marktgeschehen ergänzen und korrigieren (zum Beispiel durch sozialpolitische, konjunkturpolitische oder arbeitsmarktpolitische Maßnahmen), wenn dies im Allgemeinen Interesse für notwendig erachtet wird. Die sozialpolitisch orientierte Korrektur der Markteinkommen soll jedoch insoweit begrenzt sein, dass die Funktionsfähigkeit einer Wettbewerbswirtschaft nicht beeinträchtigt und die Eigenverantwortung und Initiative der Bürger nicht durch einen Versorgungsstaat gelähmt werden darf, die konkrete Grenzziehung bleibt aber offen. "Auch das für den Sonderfall prozesspolitischer Maßnahmen vorgeschlagene Kriterium der Marktkonformität bleibt im Einzelfall allerdings auslegungsbedürftig".

Urheberschaft des Konzepts der SMW

In den meisten Literaturquellen wird Müller-Armack die Urheberschaft und systematische Entwicklung des Begriffs Soziale Marktwirtschaft zuerkannt.Gero Thalemann: Die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland – ein realisiertes Konzept?: Analyse von Genesis, theoretischem Gehalt und praktischer Verwirklichung. Disserta, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3942109727, Seite 43 Von einer theoretischen Urheberschaft des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft durch Müller-Armack gehen auch Otto Schlecht, der seit 1953 selbst im Bundeswirtschaftsministerium arbeitete,Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 978-3161456848, Seite 12 und Hans-Rudolf Peters, von 1959 bis 1974 im Bundesministerium für Wirtschaft tätig, aus.Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 164 Nach Ansicht von Schlecht hat Müller-Armack die Welt der Ordoliberalen und auch Ludwig Erhards erweitert und ergänzt. Laut Peters seien sich Erhard und Müller-Armack einig gewesen in Fragen der Wettbewerbspolitik; was Art und Reichweite der sozialen Aufgabenstellungen angehe, seien hingegen "durchaus fundamentale" Meinungsunterschiede feststellbar.Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. Ausgabe 3. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 170f.

Ein theoretischer Beitrag von Ludwig Erhard zur Sozialen Marktwirtschaft wird hingegen von den meisten Autoren verneint. Allenfalls in Frage käme die Schrift Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung (1944), in der Erhard die Gestaltung einer Nachkriegsordnung beschreibt. Allerdings werden die dortigen Ausführungen von Volker Hentschel als lediglich skizzenhaft bewertet und Erhard daher ein theoretischer Beitrag abgesprochen, ebenso wie von Wolfgang Benz Gero Thalemann: Die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland – ein realisiertes Konzept?: Analyse von Genesis, theoretischem Gehalt und praktischer Verwirklichung. Disserta, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3942109727, S.42 und Bernhard LöfflerBernhard Löffler, Soziale Marktwirtschaft und administrative Praxis, ISBN 3-515-07940-8, Seite 40. Weiter wird in diesem Zusammenhang diskutiert, ob Erhard ein Verfechter einer reinen Marktwirtschaft, unberücksichtigt des sozialen Anspruches war (was im Widerspruch zu Müller-Armack stehen würde). Nach Gero Thalemann entspricht eine solche Denkweise jedoch nicht dem Konzept der Sozialen Marktwirtschaft und spricht gegen eine theoretische Urheberschaft durch Ludwig Erhard.Gero Thalemann: Die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland – ein realisiertes Konzept?: Analyse von Genesis, theoretischem Gehalt und praktischer Verwirklichung. Disserta, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3942109727, Seite 40-42

Alfred Müller-Armack

Als geistiger Vater einer sozial gestalteten Marktwirtschaft ist besonders Alfred Müller-Armack zu nennen, der als Mitstreiter von Ludwig Erhard, unter anderem als Leiter der Grundsatzabteilung des Wirtschaftsministeriums, nicht nur den Begriff Soziale Marktwirtschaft erfunden hat, sondern – mit anderen – das Konzept systematisch entwickelte. Geprägt durch die christliche Soziallehre und die Wicksellsche Konjunkturtheorie vertrat er am deutlichsten die Idee von der staatlichen Einflussnahme auf die Ergebnisse der Marktwirtschaft.Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 978-3-16-145684-8, S. 13. Laut Karl Georg Zinn stehe Müller-Armack den Lehren Wilhelm Röpkes und Alexander Rüstows näher als denen des ordnungstheoretischen Puristen Eucken. So gab er „der Sozialpolitik und der staatlichen Konjunktur- und Strukturpolitik ein weit größeres Gewicht als Eucken, für den Sozialpolitik allenfalls als Minimalprogramm gegen extreme Missstände erforderlich erschien und der Konjunkturpolitik für schlichtweg überflüssig, ja schädlich hielt, weil eine ideale Marktwirtschaft, wie er sie in seiner Ordnungstheorie meinte entworfen zu haben, überhaupt keine zyklischen Konjunkturen und Krisen mehr aufweisen würde.“Karl Georg Zinn: [http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/vwl2/downloads/material/KarlGeorgZinn.pdf Soziale Marktwirtschaft. Idee, Entwicklung und Politik der bundesdeutschen Wirtschaftsordnung S. 25.] Müller-Armack sah die Soziale Marktwirtschaft als eine dritte Form neben der rein liberalen Marktwirtschaft und der Lenkungswirtschaft: „Wir sprechen von ‚Sozialer Marktwirtschaft‘, um diese dritte wirtschaftspolitische Form zu kennzeichnen. Es bedeutet dies, dass uns die Marktwirtschaft notwendig als das tragende Gerüst der künftigen Wirtschaftsordnung erscheint, nur dass dies eben keine sich selbst überlassene liberale Marktwirtschaft, sondern eine bewusst gesteuerte, und zwar sozial gesteuerte Marktwirtschaft sein soll“. Wobei die Steuerung im Unterschied zur Lenkungswirtschaft „auf die Erhaltung, ja Steigerung der Marktwirtschaft gerichtet ist.“Alfred Müller-Armack: Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft. Verl. f. Wirtschaft u. Sozialpolitik, Hamburg 1947, S. 96. Der richtungsweisende Sinn der Sozialen Marktwirtschaft sei es, „das Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem Prinzip des sozialen Ausgleichs zu verbinden“.Alfred Müller-Armack: Soziale Marktwirtschaft. In: Erwin von Beckerath, Hermann Bente, Carl Brinkmann u.a. (Hrsg.): Handwörterbuch der Sozialwissenschaften: Zugleich Neuauflage des Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Fischer, Stuttgart 1956 (Band 9). S. 390. Er nannte die Soziale Marktwirtschaft eine irenische (friedenstiftende) Formel, die versuche, „die Ideale der Gerechtigkeit, der Freiheit und des wirtschaftlichen Wachstums in ein vernünftiges Gleichgewicht zu bringen.“Volkhard Laitenberger, Günter Pursch, Soziale Marktwirtschaft: Bilanz und Perspektive, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1989, S. 95. Die genaue Ausgestaltung dieses Leitbilds hatte Müller-Armack zunächst bewusst offen gelassen, da er der Meinung war, dass sich Rahmenbedingungen verändern können und dass sich ein Wirtschaftssystem daran dynamisch anpassen müsse.

Nachfolgende Tabelle vergleicht die Konzepte des Ordoliberalismus und Alfred Müller-Armacks wirtschaftspolitischer Leitidee der Sozialen Marktwirtschaft in Anlehnung an die Arbeit von Josef Schmid:Vgl. Schmid, Buhr, Roth u. Steffen: Wirtschaftspolitik für Politologen. UTB, 2006, S. 159–162.
{| class="wikitable" style="width:750px"
|-
! Ordoliberalismus (Eucken) !! Soziale Marktwirtschaft (Müller-Armack)
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| Reine Ordnungspolitik || Ordnungs- und Prozesspolitik
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| Qualitative Wirtschaftspolitik || Auch quantitative Wirtschaftspolitik
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| Streng wissenschaftliches Konzept mit klaren theoretischen Grenzen || Pragmatischer Ansatz; weiche Grenzziehung; Einzelfallentscheidungen
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| Ableitung aller Problemlösungen aus der Aufrechterhaltung der Ordnung || Weiterhin Notwendigkeit der staatlichen Intervention zur Schaffung sozialen Ausgleichs bzw. Korrektur der Marktergebnisse
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| „Richtige“ Wirtschaftspolitik entzieht der Sozialpolitik die Notwendigkeit || Getrennte Bereiche Wirtschafts- und Sozialpolitik; Versuch der Austarierung von „Freiheit“ und „(sozialer) Sicherheit“
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| Statisches Konzept || Ständige Weiterentwicklung; Anpassung an neue Herausforderungen

|}

Müller-Armack befürwortet „soziale Interventionen“ des Staates, sofern sie „dem Grundsatz der Marktkonformität unterworfen werden“,Zitiert nach Dieter Cassel (Hrsg.); Thomas Apolte (Hrsg.): 50 Jahre soziale Marktwirtschaft: ordnungstheoretische Grundlagen, Realisierungsprobleme und Zukunftsperspektiven einer wirtschaftspolitischen Konzeption. Lucius und Lucius, Stuttgart 1998, ISBN 3-499-17240-2, S. 105. das heißt, dass nur solche politischen Maßnahmen ergriffen werden, „die den sozialen Zweck sichern, ohne störend in die Marktapparatur einzugreifen“.Alfred Müller-Armack: Soziale Marktwirtschaft. In: Erwin von Beckerath, Hermann Bente, Carl Brinkmann u.a. (Hrsg.): Handwörterbuch der Sozialwissenschaften. Zugleich Neuauflage des Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Fischer, Stuttgart 1956. (Band 9). Ingo Pies kommt zu der Auffassung, dass laut Müller-Armack sehr genau angegeben werden könne, was die Politik nicht tun soll. Aber in positiver Hinsicht könne dieses Prinzip nur die Auswahl des Verfahrens politischer Intervention, nicht jedoch den Grad seiner Anwendung anleiten.Ingo Pies: Ordnungspolitik in der Demokratie: ein ökonomischer Ansatz diskursiver Politikberatung. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147507-0, S. 74. Vgl. auch Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. 3., vollst. überarb. und erw. Aufl. München: Oldenbourg, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 165. Heiko Körner vertritt die Ansicht, dass Müller-Armack „keine konkreten Aussagen über Prinzipien und Elemente einer ‚marktkonformen Sozialpolitik’“ gemacht habe und „jeder Interpret dieses 'deutungsoffenen Leitbildes' die seinen Interessen und politischen Präferenzen entsprechende Gewichtung“ im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Effizienz einerseits und sozialer Gerechtigkeit andererseits vornehmen könne.Heiko Körner: Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft. In: Michael von Hauff (Hrsg.): Die Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Marburg: Metropolis-Verl., 2007, ISBN 3-89518-594-9, S. 23f.

Laut Hans-Heribert Derix läge der Sozialen Marktwirtschaft gemäß Müller-Armack keineswegs die Vorstellung zugrunde, dass diese Marktwirtschaft sorgfältig zu planen sei und als Instrument zur Verfolgung kollektiver Ziele diene, sondern vielmehr als eine spontane Ordnung zu verstehen sei.Hans-Heribert Derix, Soziale Marktwirtschaft und westeuropäischer Integrationsprozeß, in Soziale Marktwirtschaft: ein Modell für Europa, Duncker & Humblot Verlag, 1994, ISBN 3-428-08236-2, S. 264. Nach Otto Schlecht war Müller-Armacks Gedanke der Marktwirtschaft als Instrument jedoch eher eine Entscheidung für einen bestimmten Wirtschaftsstil als für eine „spontane Ordnung“.Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 978-3-16-145684-8, S. 13.

Als Müller-Armack Ende der 1950er Jahre eine zweite - gesellschaftspolitische - Phase der Sozialen Marktwirtschaft propagierte, hatte er eine Ausweitung der Sozialpolitik über ihren traditionellen Kern hinaus bezüglich der Bereitstellung öffentlicher Güter im Bereich des Bildungs- und Gesundheitswesens, des Städtebaus und Energie und Umweltfragen sowie weiterer Fragen im Sinn.Hans Günter Hockerts, Der deutsche Sozialstaat: Entfaltung und Gefährdung seit 1945, Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, ISBN 978-3525370018, Seite 143, 144

Den Mitte der 1960er Jahre von CDU und SPD betriebenen Ausbau des Sozialstaats kritisierte Müller-Armack im Anschluss an ein Treffen mit Hayek als „sozialpolitische Überfrachtung“.Jörg Althammer: Soziale Marktwirtschaft im Globalisierungsdruck. In: Michael von Hauff (Hrsg.): Die Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Metropolis, Marburg 2007, ISBN 978-3-89518-594-6, S. 197. 1975 formuliert Müller-Armack eine eindringliche Kritik gegen das Vordringen des demokratischen Sozialismus, einen den wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft belastenden Interventionismus, bei dem durch eine Fülle von Einzelmaßnahmen ein grundlegender Wandel vollzogen werde, der sich gegen den Kern der Marktwirtschaft richte. Zu diesen antimarktwirtschaftlichen Regelungen zählt Müller-Armack insbesondere die paritätische Mitbestimmung, sowie die Forderung nach einer Vermögensumverteilung.Wilga Föste, Grundwerte in der Ordnungskonzeption der Sozialen Marktwirtschaft, 2006, S. 607.

Ludwig Erhard


miniatur|Ludwig Erhard mit seinem Buch 352[[Wohlstand für Alle (Buch)|Wohlstand für Alle, 1957]]

Für Ludwig Erhard, der üblicherweise als Vollstrecker der Sozialen Marktwirtschaft angesehen wird, war „der Markt an sich sozial“ und brauchte nicht erst sozial gemacht zu werden. Erhard konkretisierte diesen Gedanken noch, indem er betonte: „Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch.“Alfred C. Mierzejewski: Ludwig Erhard : der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft. Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-823-8, S. 59. Allerdings nutzte Erhard die Integrationswirkung zu Gunsten einer insgesamt marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung, die sich mit diesem Etikett in einem umstrittenen politischen Umfeld nach dem Zweiten Weltkrieg erzielen ließ.Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Oldenbourg, München 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 171.

Erhard hatte ein wesentlich stärkeres Engagement für die freiheitliche und marktwirtschaftliche Komponente als die Schöpfer des theoretischen Konzeptes der Sozialen Marktwirtschaft.Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. Ausgabe 3. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 169f. Für Erhard ist die Freiheit allen Ausprägungen staatlicher Lenkung und Bevormundung überlegen und darüber hinaus unteilbar. Gero Thalemann: Die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland – ein realisiertes Konzept?: Analyse von Genesis, theoretischem Gehalt und praktischer Verwirklichung. Disserta, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3942109727, Seite 47 Seine Zielvorstellung war die Utopie einer entproletarisierten Gesellschaft von Eigentumsbürgern die keiner Sozialversicherungen mehr bedürften.Gerd Habermann, Müssen Utopien sozialistisch sein?, ORDO, Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Lucius & Lucius, Stuttgart, 2004, Band 55, ISBN 3-8282-0275-6, S. 114. Die Marktwirtschaft war nach Erhard an sich bereits sozial, „weil die Bürger nicht auf Zuweisungen des Staates, auf das Wohlwollen von Parteien, auf die Bevormundung durch Organisationen oder auf die fürsorgende Einvernahme von Volksgemeinschaften angewiesen sind“.Hans D. Barbier: Soziale Marktwirtschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Juni 2005, S. 13. Im Ergebnis nehme in einer ordnungspolitisch richtig gesteuerten Marktwirtschaft durch zunehmendem Wohlstand der Bedarf an klassischer Sozialpolitik immer mehr ab.Richard Reichel: Soziale Marktwirtschaft, Sozialstaat und liberale Wirtschaftsordnung. In: Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (Hrsg.): Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie, Sonderheft 2 (1988) S. 83–92. Online: [http://www.gkpn.de/reichel.pdf Soziale Marktwirtschaft, Sozialstaat und liberale Wirtschaftsordnung] S. 7 Laut Horst Friedrich Wünsche war Erhards Meinung, dass der Bereich der herkömmlichen Sozialversicherung der privaten Eigenvorsorge überlassen und aus dem staatlichen Bereich in den privatwirtschaftlichen Bereich überführt werden könne und müsse. Horst Friedrich Wünsche: Verlorene Maßstäbe in der Ordnungspolitik. In Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik: 35. Jahr, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 3161456092, S.66 Und laut Hans-Rudolf Peters stand Erhard von seinem liberalen Denkansatz her kollektiven Zwangsversicherungen skeptisch gegenüber. Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. Ausgabe 3. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 169 Er sah aber durchaus, dass die Gesellschaft „durch sozial-, wirtschafts- und finanzpolitische Maßnahmen Grenzen ziehen oder Regeln setzen“ müsse.Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 978-3-16-145684-8, S. 12.

Erhard entwickelte in seinem programmatischen Buch Wohlstand für Alle seine Vorstellung der breiten Vermögensbildung, des sogenannten Volkskapitalismus. Erhard begründete das Konzept wie folgt: „Wenn schon mit der Entfaltung der modernen Technik eine Konzentration der Produktionsmittel unvermeidlich ist, dann muß dieser Prozeß ein bewußter und aktiver Wille zu einem breitgestreuten, aber echten Miteigentum an jenem volkswirtschaftlichen Produktivkapital entgegengesetzt werden.“Dr. Gerhard Kutzenberger, Mitbestimmung der Aktionäre, Duncker & Humblot, 1964, Seite 46

Für Erhard ist die Erhaltung des freien Wettbewerbs eine der wichtigsten Aufgaben des auf einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung beruhenden Staats.Zum Beispiel schreibt Erhard, dass ein auf Verbot gegründetes Kartellgesetz das unentbehrliche „wirtschaftliche Grundgesetz“ sei. Versage der Staat auf diesem Felde, dann sei es auch bald um die Soziale Marktwirtschaft geschehen. Dieses Prinzip zwinge dazu, keinem Staatsbürger die Macht einzuräumen, die individuelle Freiheit zu unterdrücken oder sie namens einer falsch verstandenen Freiheit einschränken zu dürfen. Vgl.: Ludwig Erhard, Wolfram Langer (Bearb.): Wohlstand für alle. Düsseldorf: Econ, 1957, S. 9. Der freie Wettbewerb sei der geeignete Weg, gesellschaftsübergreifenden Wohlstand zu schaffen.Gero Thalemann: Die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland – ein realisiertes Konzept?: Analyse von Genesis, theoretischem Gehalt und praktischer Verwirklichung. Disserta, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3942109727, Seite 53

Von großer Bedeutung ist ebenfalls die Sicherung des Geldwerts, insbesondere durch eine unabhängige Zentralbank. Für Erhard ist die Soziale Marktwirtschaft ohne eine konsequente Politik der Preisniveaustabilität nicht denkbar. Nur diese Politik würde gewährleisten, dass sich nicht einzelne Bevölkerungskreise zu Lasten anderer bereichern.Ludwig Erhard, Wolfram Langer (Bearb.): Wohlstand für alle. Düsseldorf: Econ, 1957, S. 15. Zur Gewährleistung des effizienten Einsatzes des Produktivkapitals gehört neben dem Recht auf Privateigentum auch die Haftung. Die Eigentümer von Produktivkapital sollen sich nicht nur die Gewinne aneignen, sondern auch die volle Haftung für getroffene Fehlentscheidungen tragen.Jürgen Pätzold: Soziale Marktwirtschaft: Konzeption – Entwicklung – Zukunftsaufgaben. 6., überarb. Aufl. Ludwigsburg: Verl. Wiss. und Praxis, 1994, ISBN 3-928238-38-8. Online: [http://www.juergen-paetzold.de/einfuerung_mawi/2_MAWI.html#ordoliberale%20Schule Soziale Marktwirtschaft], abgelesen am 19. April 2009 Als die Gewerkschaften noch eine umfassende „Neuordnung der Wirtschaft“ (Münchener Grundsatzprogramm von 1949) mit dem Kernelement der wirtschaftlichen Mitbestimmung forderten, erklärte Erhard 1949, es müsse eine saubere Trennlinie gezogen werden: Mitwirkung sei ein Element der freien Marktwirtschaft, Mitbestimmung hingegen gehöre in den Bereich der Planwirtschaft.In: Allgemeine Kölnische Rundschau (vom 27./28 Dezember). Zitiert nach: Georg Stötzel, Martin Wengeler: Kontroverse Begriffe: Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014106-X, S. 57.Adenauer nahm diese Äußerung unverzüglich zum Anlass, von Erhard telegrafisch zu verlangen, „zur Frage des Mitbestimmungsrechts der Arbeitnehmer öffentlich keine Stellung zu nehmen“. Zitiert nach: Gabriele Müller-List (Bearb.): Montanmitbestimmung. Das Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten und Vorständen der Unternehmen des Bergbaus und der Eisen und Stahl erzeugenden Industrie vom 21. Mai 1951. Droste, Düsseldorf 1984, S. 9.

Die tatsächliche politische Entwicklung nahm allerdings schon in der Regierungszeit der Union in allen Punkten eine andere Richtung als von Erhard gewollt; die von Erhard propagierte Beschränkung des Staates ließ sich politisch nicht realisieren.Kurt H. Biedenkopf: Ludwig Erhards Ringen um eine politische Gesamtordnung. In: Karl Hohmann: Grundtexte zur Sozialen Marktwirtschaft Band 2 – Das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft. 1. Auflage. Gustav Fischer, 1988, ISBN 3-437-40208-0, S. 460. Im Jahre 1974 erklärte Ludwig Erhard, die Epoche der Sozialen Marktwirtschaft sei längst beendet, die aktuelle Politik sah er von seinen Vorstellungen von Freiheit und Selbstverantwortung weit entfernt.Richard Reichel: Soziale Marktwirtschaft, Sozialstaat und liberale Wirtschaftsordnung. In: Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (Hrsg.): Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie. Sonderheft 2 (1988) S. 83–92. [http://www.gkpn.de/reichel.pdf (online)], abgelesen am 19. April 2009, S. 9.

Theoretische Grundlagen

Konzeptionell basiert die Soziale Marktwirtschaft im Sinne von Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard wesentlich auf Ideen, die in durchaus unterschiedlicher Akzentuierung von einer Reihe von Wissenschaftlern schon in den 1930er und 1940er Jahren entwickelt und unter dem Begriff Neoliberalismus subsumiert worden sind. Für Deutschland nahm innerhalb dieser Richtung die Freiburger Schule (siehe Ordoliberalismus) eine besondere Rolle ein. Die Soziale Marktwirtschaft geht von diesen Vorstellungen aus, setzt aber eigene Akzente durch einen größeren Pragmatismus, etwa hinsichtlich prozesspolitischer Beeinflussung in der Konjunkturpolitik und einer stärkeren Betonung der Sozialpolitik.{{Literatur | Herausgeber=Uwe Andersen und Wichard Woyke | Titel=Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland – Grundlagen, Konzeption und Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft | Auflage=5. | Ort=Opladen | Verlag=Leske+Budrich | Jahr=2003 | Online=[http://www.bpb.de/wissen/07366806922938336269163160936993,1,0,Soziale_MarktwirtschaftWirtschaftspolitik.html#art1 Online] | Kommentar=Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003}}
Vgl. auch Otto Schlecht: Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft. J.C.B. Mohr, Tübingen 1990, ISBN 3-16-145690-4, S. 9–12; Christian Watrin: The Principles of the Social Market Economy - Its Origins and Early History. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Band 135, 1979, S. 405–425; Lothar Wildmann: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomie und Wettbewerbspolitik. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2007, ISBN 978-3-486-58195-9, S. 94.
Als „Gründerväter“ der Sozialen Marktwirtschaft gelten neben Erhard und Müller-Armack noch Walter Eucken, Franz Böhm, Alexander Rüstow und Wilhelm Röpke.Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 978-3-16-145684-8, S. 9, 12. Alle „Gründerväter“ stimmten darin überein, dass Marktwirtschaft an sich sozial sei, weil sie die Produktion nach den Wünschen der Verbraucher steuere, das Sozialprodukt gemäß der wirtschaftlichen Leistung des Einzelnen verteile, die Produktivität steigere und dadurch höhere Reallöhne sowie verbesserte Sozialleistungen ermögliche.

Walter Eucken

Als der bedeutendste Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft gilt Walter Eucken.Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk: Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8.Nils Goldschmidt: Soziale Marktwirtschaft: Was Erhard wirklich wollte. In: fr-online.de (Hrsg.): [http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/dossiers/mythos_soziale_marktwirtschaft/1350784_Was-Erhard-wirklich-wollte.html Was Erhard wirklich wollte.] Walter Eucken forderte bereits 1942 den totalen Umbau der Wirtschaftsordnung. Dabei wandte er sich sowohl gegen eine völlig freie Wirtschaft (Laissez-faire) und gegen den sogenannten Nachtwächterstaat, als auch gegen eine staatlich gesteuerte Wirtschaft.Otto Schlecht: Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft. J.C.B. Mohr, Tübingen 1990, ISBN 3-16-145690-4, S. 9.

{{Zitat|[Es] besteht eine große Aufgabe darin, dieser neuen industrialisierten Wirtschaft ... eine funktionsfähige und menschenwürdige Ordnung der Wirtschaft zu geben. ... [F]unktionsfähig und menschenwürdig heißt: In ihr soll die Knappheit an Gütern ... so weitgehend wie möglich und andauernd überwunden werden. Und zugleich soll in dieser Ordnung ein selbstverantwortliches Leben möglich sein.|Walter Eucken: Die Grundlagen der Nationalökonomie. 9. Unveränderte Auflage. Springer-Verlag, ISBN 3-540-51292-6, S. 239–240.}}

Eucken entwickelte die Grundprinzipien einer Wettbewerbsordnung, die Effizienz und Freiheit durch das ungehinderte Wirken des Wettbewerbsprozesses garantiert.Heiko Körner: Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft. In: Michael von Hauff (Hrsg.): Die Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Metropolis-Verl., Marburg 2007, ISBN 3-89518-594-9, S. 23f. Die konstituierenden Prinzipien der Wettbewerbsordnung sind für Eucken ein funktionsfähiges Preissystem, Primat der Währungspolitik, Freier Zugang zu den Märkten, Privateigentum an Produktionsmitteln, Vertragsfreiheit, Haftungsprinzip und eine Konstanz der Wirtschaftspolitik.Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. 3., vollst. überarb. und erw. Aufl. Oldenbourg, München 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 151f. Eine daraufhin ausgerichtete Politik müsse die Zusammengehörigkeit der konstituierenden Prinzipien einer solchen Wettbewerbsordnung beachten, ebenso die Interdependenz der Wirtschaftsordnung mit den anderen Lebensbereichen.

Nach Eucken gibt es Bereiche in denen die konstituierenden Prinzipien der Wettbewerbsordnung nicht ausreichen, um die Wettbewerbsordnung funktionsfähig zu halten. Er nennt Sozialpolitik, Effizienzbedingte Monopolstellungen, Einkommensverteilung, Arbeitsmärkte und Umweltproblematik.Lüder Gerken, Andreas Renner: Die ordnungspolitische Konzeption Walter Euckens. In: Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk : Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8, S. 20. Die vier letztgenannten Bereiche decken sich mit den von Eucken herausgearbeiteten regulierenden Prinzipien. Die zur Durchsetzung der regulierenden Prinzipien erforderlichen Maßnahmen dürfen jedoch nicht durch eine punktuelle Wirtschaftspolitik erfolgen, sondern müssen sich an den Grundsätzen der Wirtschaftsverfassung ausrichten..Werner Lachmann: Volkswirtschaftslehre 2: Anwendungen. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1995, S. 45.

Eucken widmete der sozialen Frage ausdrücklich breiten Raum."Es wird immer wieder übersehen, daß Eucken sozialen Fragestellungen breiten Raum widmet, mehr noch: daß diese sogar für ihn mit erkenntnisleitend sind. In den "Grundsätzen der Wirtschaftspolitik" legt er bereits in der Einleitung dar. das "soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit...die großen Anliegen der Zeit" sind (1952/1990, 1). "Die soziale Frage ist seit Beginn der Industrialisierung mehr und mehr zur Zentralfrage menschlichen Daseins geworden...Auf ihre Lösung müssen Denken und Handeln vor allem gerichtet sein" (ibid.){{Literatur | Autor=Lüder Gerken | Titel=Walter Eucken und sein Werk: Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft | Verlag=Mohr Siebeck | Jahr=2000 | ISBN=978-3-16-147503-0 | Seiten=21}} Für Eucken gibt es keinen Zielkonflikt zwischen Freiheit einerseits und sozialer Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit andererseits, da Freiheit die Voraussetzung für Sicherheit und Gerechtigkeit ist.Ingo Pies: Ordnungspolitik in der Demokratie. Ein ökonomomischer Ansatz diskursiver. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, S. 35. Richtig verstandene Sozialpolitik ist für Eucken in einer Ordnungspolitik aufgehoben. Bevor der Staat tätig werde, soll die Politik den Einzelnen die Möglichkeit geben sich selbst zu sichern.Lüder Gerken, Andreas Renner: Die ordnungspolitische Konzeption Walter Euckens. In: Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk : Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8, S. 21, 22. Effizienzbedingte Monopolstellungen sollen durch ein unabhängiges Kartellamt verhindert werden.Lüder Gerken, Andreas Renner: Die ordnungspolitische Konzeption Walter Euckens. In: Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk : Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8, S. 20. Die sich aus dem Wettbewerb ergebende Einkommensverteilung bedarf einer ordnungspolitischen Korrektur für Haushalte mit geringem Einkommen, etwa durch eine Einkommensbesteuerung mit progressivem Tarifverlauf.Lüder Gerken, Andreas Renner: Die ordnungspolitische Konzeption Walter Euckens. In: Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk : Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8, S. 20. Auf dem Arbeitsmarkt kann ordnungspolitischer Handlungsbedarf bei einem Absinken des Lohnes unterhalb des Existenzminimums und bei Arbeitslosigkeit entstehen. Diese Probleme seien zwar weitgehend durch optimalen Wettbewerb auf Angebots und Nachfrageseite zu lösen. Unter bestimmten Umständen werden aber Mindestlöhne befürwortet. Eucken forderte die Entmachtung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, die den Arbeitsmarkt beherrschten und dadurch den Wettbewerb einschränkten. Gewerkschaften erfüllten jedoch dort eine wichtige Funktion, wo sie die Ungleichheit der Marktpositionen der Arbeiter und Unternehmer ausgleichen.Lüder Gerken, Andreas Renner: Die ordnungspolitische Konzeption Walter Euckens. In: Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk : Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8, S. 22, 23. In der Umweltpolitik wird staatliches Eingreifen als notwendig angesehen, um die externen Effekte zu begrenzen.Lüder Gerken, Andreas Renner: Die ordnungspolitische Konzeption Walter Euckens. In: Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk : Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8, S. 23.

Die wichtigste wirtschaftspolitische Aufgabe des Staats war für Eucken, wirtschaftliche Machtkonzentrationen durch Monopole, Kartelle und andere Formen der Marktbeherrschung zu verhindern, ebenso problematisch sei staatliche Monopolmacht.Lüder Gerken, Andreas Renner: Die ordnungspolitische Konzeption Walter Euckens. In: Lüder Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk: Rückblick auf den Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147503-8, S. 20f.

Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow

Die Vertreter des soziologisch geprägten Neoliberalismus forderten, dass neben der Aufgabe der Gewährleistung eines funktionierenden Wettbewerbs auch gesellschafts- und sozialpolitische Ziele verfolgt werden. Sie sahen laut Gero Thalemann darin eine Verpflichtung des Staates, aktiv, aber marktkonform, in die Marktwirtschaft einzugreifen.Gero Thalemann, Die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland – ein realisiertes Konzept?: Analyse von Genesis, theoretischem Gehalt und praktischer Verwirklichung, Disserta, 1. Auflage. 2011, ISBN 978-3-942109-72-7, S. 36. Rüstow verwendete den Begriff der Sozialen Marktwirtschaft als Synonym für den Neoliberalismus schlechthin.Jan Hegner, Alexander Rüstow: ordnungspolitische Konzeption und Einfluss auf das wirtschaftspolitische Leitbild der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland, Lucius & Lucius Verlag, 2000, ISBN 3-8282-0113-X, S. 13.

Nach der Überzeugung Röpkes und Rüstows ist eine Marktwirtschaft nicht überlebensfähig, wenn sie nicht auf einer ethisch-moralischen Basis existiert, die der Markt nicht selbst schafft.Hans-Günther Krüsselberg, Humanvermögen in der Sozialen Marktwirtschaft in: Werner Klein, Spiridon Paraskewopoulos, Helmut Winter, Soziale Marktwirtschaft. Ein Modell für Europa, Duncker & Humblot, 1. Auflage. 1994, ISBN 978-3-428-08236-0, S. 39 sowie Ralf Ptak, Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft: Stationen des Neoliberalismus in Deutschland, Vs Verlag, 1. Auflage. 2003, ISBN 978-3-8100-4111-1, S. 199 sowie Jan Hegner, Alexander Rüstow-Ordnungspolitische Konzeption und Einfluß auf das wirtschaftspolitische Leitbild der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland, Lucius und Lucius Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2000, ISBN 3-8282-0113-X, S. 43. Röpke nennt hier menschliche Qualitäten wie Selbstdisziplin, Ehrlichkeit, Fairness und Maßhalten. Diese werden in menschlicher Gesellschaft und in der Familie vermittelt.Hans-Günther Krüsselberg, Humanvermögen in der Sozialen Marktwirtschaft in: Werner Klein, Spiridon Paraskewopoulos, Helmut Winter, Soziale Marktwirtschaft. Ein Modell für Europa, Duncker & Humblot, 1. Auflage. 1994, ISBN 978-3-428-08236-0, S. 39. Mit der Formel „Marktwirtschaft ist nicht alles“ warnte Röpke vor einer drohenden Entartung des Wettbewerbs, wenn man den anthropologisch-soziologischen Rahmen vernachlässige.Hans-Günther Krüsselberg, Humanvermögen in der Sozialen Marktwirtschaft in: Werner Klein, Spiridon Paraskewopoulos, Helmut Winter, Soziale Marktwirtschaft. Ein Modell für Europa, Duncker & Humblot, 1. Auflage. 1994, ISBN 978-3-428-08236-0, S. 39.

Das Konzept der Vitalpolitik wurde von Alexander Rüstow und Wilhelm Röpke erarbeitet.Prof. Dr. Peter Ulrich, Marktwirtschaft als Rechtszusammenhang. Die Perspektive der integrativen Wirtschaftsethik in: ARSP, Wirtschaftsethik und Recht, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2001, ISBN 3-515-07899-1, S. 32, 33. Kerngedanke ist, dass den Marktkräften die lebensdienliche Ausrichtung ordnungspolitisch vorgegeben werden muss. Sie kann nicht automatische Folge des freien Marktes sein, ist aber ethische Voraussetzung einer legitimen Marktwirtschaft.Prof. Dr. Peter Ulrich, Marktwirtschaft als Rechtszusammenhang. Die Perspektive der integrativen Wirtschaftsethik in: ARSP, Wirtschaftsethik und Recht, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2001, ISBN 3-515-07899-1, S. 34. Müller-Armack konstatierte in den 1960 Jahren noch einen großen Nachholbedarf im Bereich der Vitalpolitik.Hans-Günther Krüsselberg, Humanvermögen in der Sozialen Marktwirtschaft in: Werner Klein, Spiridon Paraskewopoulos, Helmut Winter, Soziale Marktwirtschaft. Ein Modell für Europa, Duncker & Humblot, 1. Auflage. 1994, ISBN 978-3-428-08236-0, S. 52.

Weitere Einflüsse

Diskussion um Verhältnis zur Österreichischen Schule

Laut Gerhard Stapelfeldt berief sich Müller-Armack wesentlich auf Walter Eucken und Friedrich August von Hayek, also auf den Neoliberalismus der Österreichischen Schule der Grenznutzentheorie und auf den Ordoliberalismus, eine Variation des Neoliberalismus.Gerhard Stapelfeldt, Wirtschaft und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, LIT Verlag Münster, 1998, ISBN 3-8258-3627-4, S. 262. Müller-Armack wies darauf hin, bei der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft durch Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek, Walter Eucken, Franz Böhm und Leonhard Miksch sowie Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow beeinflusst worden zu sein.Ingo Pies: Ordnungspolitik in der Demokratie: ein ökonomomischer Ansatz diskursiver Politikberatung. Mohr Siebeck, 2000, ISBN 3-16-147507-0, S. 67. Christian Watrin schreibt: „Alfred Müller-Armack entwickelte seine Konzeption unter Rückgriff auf Ansätze, die schon bei Alexander Rüstow [Freie Wirtschaft – starker Staat, 1933] zu finden sind. Gleichzeitig gehen in seine Überlegungen Arbeiten der Freiburger Kreise [Walter Eucken, Adolf Lampe, Constantin von Dietze] […], die Arbeiten von Emigranten, unter ihnen vor allem Röpke [Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart, 1943], die Misessche Interventionismuskritik (1929), aber auch Hayeks Der Weg zur Knechtschaft (1945) ein.“zitiert nach http://www.kas.de/wf/doc/kas_9656-544-1-30.pdf Nach Ansicht von Knut Borchardt werde gerade im Hinblick auf diesen offenen Ansatz der Sozialen Marktwirtschaft die Übereinstimmung mit den Ideen Friedrich August von Hayeks meist unterschätzt..Ralf Ptak, Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft: Stationen des Neoliberalismus in Deutschland, 2004, S. 18–19. Nach Gero Thalemann seien jedoch die Vorstellungen Müller-Armacks mit denen Hayeks nicht zu vereinbaren, da Müller-Armack davon ausging, dass die Marktwirtschaft alleine nicht in der Lage sei soziale Gerechtigkeit zu garantieren. Hayek hingegen war der Ansicht, dass eine Politik der Verteilungsgerechtigkeit den Rechtsstaat zerstöre.Gero Thalemann, Die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland – ein realisiertes Konzept?: Analyse von Genesis, theoretischem Gehalt und praktischer Verwirklichung, Disserta, 1. Auflage. 2011, ISBN 978-3-942109-72-7, S. 35. Anders als Hayek, der jede Anwendung des Gerechtigkeitsbegriffs zur Bewertung konkreter Verteilungsergebnisse (z.B. die Forderung nach einer gerechteren Einkommensverteilung) entschieden ablehnte, rekurrierten laut Wilga Föste die Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft im Zusammenhang mit der Verteilungsfrage explizit auf den Begriff der sozialen Gerechtigkeit, wobei sie mit dem Begriff vor allem den Gedanken der kommutativen Tauschgerechtigkeit verbanden.Wilga Föste, Grundwerte in der Ordnungskonzeption der Sozialen Marktwirtschaft, Metropolis-Verlag, 2006, ISBN 3-89518-576-0, S. 587. Joachim Starbatty schließt aus der einvernehmlichen Haltung gegenüber einer sozialpolitischen Überfrachtung der Sozialen Marktwirtschaft, dass die ordnungspolitischen Differenzen zwischen Hayek und den anderen Vertretern der Sozialen Marktwirtschaft nicht so gravierend gewesen seien, wie gelegentliches ordnungspolitisches Waffengetöse glauben machen könne.Joachim Starbatty, Soziale Marktwirtschaft als Konzeption in: Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth, Die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 2004, ISBN 978-3161482960, S. 136 Die Differenzen zwischen Hayek und den Vertretern der Sozialen Marktwirtschaft begännen erst da, wo letztere einen Umverteilungsbedarf sehen. Als Beispiel zitiert Starbatty Walter Eucken mit dem Satz „Die Ungleichheit der Einkommen führt dahin, dass die Produktion von Luxusprodukten bereits erfolgt, wenn dringende Bedürfnisse von Haushalten mit geringem Einkommen noch Befriedigung verlangen. Hier also bedarf die Verteilung, die sich in der Wettbewerbsordnung vollzieht, der Korrektur.“Joachim Starbatty, Soziale Marktwirtschaft als Konzeption 2004, S. 144 Für Hayek sei es nach Reinhard Zintl dagegen wichtig gewesen, dass es bei der Umverteilung nicht um die Korrektur vermeintlicher Ungerechtigkeiten des Wettbewerbsprozesses gehe, sondern um kollektive Verantwortung. Der Umfang des politisch als notwendig Erachteten könne dabei für Hayek in prosperierenden Gesellschaften legitimerweise weit über dem physischen Existenzminimum liegen, so Zintl.Michael Becker, Johannes Schmidt, Reinhard Zintl, Politische Philosophie, 2. Ausgabe, UTB-Verlag, 2006, ISBN 3825228169, S. 152 Ein weiterer Unterschied zu den Vorstellungen der Österreichischen Schule um Mises und Hayek besteht darin, dass diese dem Wettbewerb der Individuen als Entdeckungsverfahren weit mehr vertrauten als staatlicher Rahmensetzung. Als Ordnungsgröße spielte der Staat bei ihnen eine wesentlich geringere Rolle.Bernhard Löffler, Soziale Marktwirtschaft und administrative Praxis, Franz Steiner, 1. Auflage. 2003, ISBN 978-3-515-07940-2, S. 47.Karl Socher, Ordnungspolitische Ansichten der „Austrian Economics“ in Reinhard Neck (Hrsg.): Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Peter Lang Verlag, Frankfurt, 1. Auflage. 2008, ISBN 978-3-631-54668-0, S. 178 ff.

Erhard erklärte, dass „ohne Walter Eucken, Franz Böhm, Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow, F.A. von Hayek, Alfred Müller-Armack und viele andere, die mitdachten und mitstritten“ sein eigener Beitrag zur Grundlegung der Sozialen Marktwirtschaft kaum möglich gewesen wäre.Ralf Ptak: Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft: Stationen des Neoliberalismus in Deutschland. VS Verlag, 2004, ISBN 3-8100-4111-4, S. 62. Der Erhard-Biograf Christoph Heusgen würdigte vor allem die drei Hauptvertreter des Neoliberalismus Hayek, Röpke und Eucken als geistige Quellen von Erhards Ideen und Taten.Christoph Heusgen, Ludwig Erhards Lehre von der sozialen Marktwirtschaft: Ursprünge, Kerngehalt, Wandlungen. Band 13 von Sozioökonomische Forschungen, Haupt Verlag, 1981, ISBN 3-258-03059-6, S. 45.

Hayek empfand ausgesprochene Sympathie für die Leistungen von Ludwig Erhard bei der „Wiederherstellung einer freien Gesellschaft in Deutschland“.Bernhard Löffler: Soziale Marktwirtschaft und administrative Praxis. Franz Steiner Verlag, 2002, ISBN 3-515-07940-8, S. 80. Martin Nonhoff, Alan O. Ebenstein, Ralf Ptak, Reinhard Zintl, Chíaki Nishiyama, Kurt R. Leube und viele andere zitieren Hayek mit dem Satz, dass er das Sprechen von der Sozialen Marktwirtschaft bedauerte, obwohl es hierdurch einigen seiner Freunde gelungen sei, dank diesen Sprachgebrauchs die Art von liberaler Gesellschaftsordnung, für die er eintrete weiteren Kreisen Schmackhaft zu machen.Martin Nonhoff: Politischer Diskurs und Hegemonie: das Projekt "Soziale Marktwirtschaft". transcript Verlag, 2006, ISBN 3-89942-424-7, S. 74.Alan O. Ebenstein, Friedrich Hayek: A Biography, University of Chicago Press, 2003, ISBN 0-226-18150-2, S. 242.Ralf Ptak, Neoliberalism in Germany: Revisisting the Ordoliberal Foundations of the Social Market Economy, in Philip Mirowski und Dieter Plehwe (Hrsg.): The road from Mont Pèlerin: the making of the neoliberal thought collective, Harvard University Press, 2009, ISBN 0-674-03318-3, S. 107.Reinhard Zintl, Individualistische Theorien und die Ordnung der Gesellschaft, Band 22 von Ordo politicus, Duncker & Humblot Verlag, 1983, ISBN 3-428-05410-5, S. 166.Chíaki Nishiyama, Kurt R. Leube, The essence of Hayek, Hoover Institution Press, Stanford University, 1984, ISBN 0-8179-8011-3, S. 110. Laut Nonhoff sei Hayeks präferierte Ordnung eine spontane Wirtschaftsordnung, also eine möglichst ohne jede staatliche Lenkung und Maßregelung. Demgegenüber betone Oswald von Nell-Breuning, dass „mit dem Bekenntnis zur ‚Sozialen Marktwirtschaft‘ stets auch die Überzeugung einhergehe, daß es möglich und erforderlich ist, die Wirtschaft zu lenken“, so Nonhoff. Er schließt daraus, dass „das Konglomerat möglicher Vorgänger der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft“ nicht nur voller Reibungspunkte sei, sondern auch voller formidabler Gegensätze, die die Suche nach einer eigentlichen Bedeutung der „Sozialen Marktwirtschaft“ auch am ideengeschichtlichen Ursprung scheitern lasse.Martin Nonhoff: Politischer Diskurs und Hegemonie: das Projekt "Soziale Marktwirtschaft". transcript Verlag, 2006, ISBN 3-89942-424-7, S. 74. Nach Otto Schlecht leugne Hayek nicht, dass der Staat in jedem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem eine bedeutende Rolle zu spielen habe. Allerdings habe Hayek schlichtweg bestritten, dass es eine Soziale Marktwirtschaft überhaupt geben könne, denn eine Soziale Marktwirtschaft sei eben keine Marktwirtschaft.Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1990, ISBN 978-3-16-145684-8, S. 1. Laut Ralf Ptak sollte Hayeks Kritik an der Bezeichnung „Soziale Marktwirtschaft“ nicht als Ablehnung des ordoliberalen Ansatzes interpretiert werden, vielmehr sei es Hayek darum gegangen, dass dieser Sprachgebrauch zu einer Aufblähung des Wohlfahrtsstaates führen könne.Ralf Ptak, Neoliberalism in Germany: Revisisting the Ordoliberal Foundations of the Social Market Economy, in Philip Mirowski und Dieter Plehwe (Hrsg.): The road from Mont Pèlerin: the making of the neoliberal thought collective, Harvard University Press, 2009, ISBN 0-674-03318-3, S. 107. Nach Josef Drexl hingegen hielt Hayek den Wohlfahrtsstaat und damit auch die Soziale Marktwirtschaft deutscher Prägung für einen Mischmasch inkonsistenter Ziele. Der Sozialstaat kollidiere mit einem Grundgedanken Hayeks, nämlich der spontanen Ordnung, nach der das Ergebnis wirtschaftlichen Handelns als solches nicht bewertbar sei und deshalb nicht von sozialstaatlicher Politik vorherbestimmt werden dürfe.Josef Drexl, Die wirtschaftliche Selbstbestimmung des Verbrauchers, J.C.B. Mohr, 1998, ISBN 3-16-146938-0, Abschnitt: Freiheitssicherung auch gegen den Sozialstaat, S. 144. Auch für Ludwig Erhard war „nichts unsozialer als der Wohlfahrtsstaat […], der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt.“Gerd Habermann, Die Überwindung des Wohlfahrtsstaates: Ludwig Erhards sozialpolitische Alternative, in Grundtexte zur sozialen Marktwirtschaft: Das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft, Herausgeber Karl Hohmann, Horst Friedrich Wünsche, Lucius & Lucius Verlag, 1988, ISBN 3-437-40208-0, S. 36. Die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft lässt sich nach Ansicht von Harald Jung jedenfalls nicht für eine Ablehnung sozialer Gerechtigkeit als normative Zielgröße im Sinne Hayeks in Anspruch nehmen.Harald Jung, Soziale Marktwirtschaft und weltliche Ordnung, Lit Verlag, 2010, ISBN 978-3643105493, Seite 287

Diskussion um Verhältnis zum Sozialismus

Laut Werner Abelshauser sah Müller-Armack im Gegensatz zu Erhard durchaus eine sinnvolle Verbindung einer aktiven Sozial- oder einer sozialistischen Wirtschaftspolitik mit einer Marktwirtschaft.Werner Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, C.H. Beck Verlag, 2004, ISBN 3-406-51094-9, S. 162. Ralf Ptak sieht eine eindeutige Gegenposition zum Sozialismus: „Mit der Aktivierung der alten neoliberalen These vom unaufhaltsamen Transformationscharakter des Sozialstaates, der aggressiven Frontstellung gegen den Sozialismus und einer wieder stärkeren Betonung der ordnungspolitischen Grundsätze wurde die Soziale Marktwirtschaft durch Müller-Armack konzeptionell auf ihre Ursprünge im Neoliberalismus zurückgeführt. Dabei meinte das Feindbild des Sozialismus in erster Linie den demokratischen Sozialismus in Gestalt der westeuropäischen Sozialdemokratie und den aufkommenden Eurokommunismus.“Ralf Ptak, Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft: Stationen des Neoliberalismus in Deutschland, 2004, S. 224. Müller-Armack, der 1947 noch „mehr Sozialismus mit mehr Freiheit“ verbinden wollte, grenzte sich später deutlicher vom freiheitlichen Sozialismus ab.Artikel "Marktwirtschaft, soziale." In: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft hgg. von Willi Albers, S. 154. Müller-Armack wurde dennoch mit einer Konzeption des freiheitlichen Sozialismus in Verbindung gebracht, ähnlich den Vorstellungen von Gerhard Weisser. Dies war laut dem Müller-Armack-Biografen Rolf Kowitz eine Unterstellung, die in der anhaltenden Diskreditierung des Manchesterliberalismus begründet war, der eine Kombination der Begriffe „Marktwirtschaft“ und „sozial“ wirkungsgeschichtlich nicht zugelassen hätte. Noch 1955 hätten diese begrifflichen Schwierigkeiten bestanden, so dass Müller-Armack sich genötigt gesehen habe, sich deutlich von Weisser abzugrenzen: „Die Soziale Marktwirtschaft ist primär eine Marktwirtschaft und daher mit freiheitlichem Sozialismus, mit den primären Bindungssystemen mit eingestreuter wirtschaftlicher Freiheit nicht zu verwechseln. Es bestehen da große Unterschiede.“Rolf Kowitz, Alfred Müller-Armack: Wirtschaftspolitik als Berufung: zur Entstehungsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft und dem politischen Wirken des Hochschullehrers, Deutscher Instituts-Verlag, 1998, ISBN 3-602-14440-2, S. 90.

Nach eigener Aussage orientierte sich Erhard mit seiner wirtschaftspolitischen Konzeption auch am „liberalen Sozialismus“ Franz Oppenheimers, wobei er sich eher selektiv auf dessen entschiedenen Antimonopolismus und demokratischen Antietatismus bezieht.Bernhard Vogt: „Die ‚Liberalität‘ der Sozialen Marktwirtschaft. Über Ludwig Erhard und Franz Oppenheimer“ In: Richard Faber (Hrsg.): „Liberalismus in Geschichte und Gegenwart.“ Königshausen & Neumann, 2000, ISBN 3-8260-1554-1, S. 153. Der Akzent habe sich insofern nach einer Aussage Erhards hin zu einem „sozialen Liberalismus“ verschoben.Bertram Schefold: „Der Nachklang der historischen Schule . . .“ In: Karl Acham, Wolfgang Norr, Bertram Schefold (Hrsg.): Erkenntnisgewinne, Erkenntnisverluste: Kontinuitäten und Diskontinuitäten in den Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften zwischen den 20er und 50er Jahren. Franz Steiner Verlag, 1998, ISBN 3-515-07095-8, S. 31, 51. Laut Volker Hentschel seien liberaler Sozialismus und soziale Marktwirtschaft „von ihren gedanklichen Ursprüngen her grundverschiedene Dinge und wurden von Erhards wirtschaftspolitischem Konzept nicht miteinander vermittelt“.Volker Hentschel: Ludwig Erhard Olzog, 1996, ISBN 3-7892-9337-7, S. 17.

Das Konzept in der Diskussion


Hans-Rudolf Peters kritisiert: „Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft lädt aufgrund seiner weitgehenden Konturlosigkeit und Dehnbarkeit im sozialen Teil geradezu zum sozialpolitischen Mißbrauch für wahlopportunistische Zwecke und zum Wählerstimmenfang ein und kann damit zu einer schleichenden Sozialisierung führen, welche letztlich die Grundlagen der Marktwirtschaft zerstört.“ Ludwig Erhard habe „die Gefahren eines ausufernden Sozialstaates“ früh und deutlich erkannt; ein Verzicht auf den populären Politikslogan Soziale Marktwirtschaft für seine Ordnungspolitik hätte „sicherlich mehr Klarheit geschaffen“.Hans-Rudolf Peters: Wirtschaftspolitik. Ausgabe 3. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, ISBN 3-486-25502-9, S. 171.

Heinz Grossekettler ist der Auffassung, dass der Ausdruck Soziale Marktwirtschaft oft als Marktwirtschaft mit starker Umverteilungskomponente begriffen wird. Dies hätten ihre theoretischen Begründer aber nicht im Sinn gehabt.Heinz Grossekettler: Strategien zur Implementation und Stabilisierung einer Wirtschaftsordnung: das Beispiel der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. In: Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster (Hrsg.): [http://www.wiwi.uni-muenster.de/12/download/Publikationen/2000_Strategien_zur_Implementation_einer_Wirtschaftsordnung.pdf Strategien zur Implementation und Stabilisierung einer Wirtschaftsordnung.] abgelesen 19. April 2009, S. 2.

Ralf Ptak ist der Ansicht, dass die Angriffe auf Müller-Armack von der Stoßrichtung der neoliberalen Debatte zur Sozialen Marktwirtschaft zeugen, die „in der durch Personalisierung und Ideologisierung der Konfliktlinien das eigentliche strategische Dilemma des deutschen Neoliberalismus in dieser Frage überdeckt wird: Einerseits soll die außergewöhnliche Wachstumsperiode der Nachkriegszeit als Ergebnis der Wirtschaftspolitik der Sozialen Marktwirtschaft herausgestellt werden, die dann als weitgehend identisch mit den ordnungspolitischen Grundsätzen des ‚neuen‘ Liberalismus interpretiert wird. Andererseits gilt es, die faktische Entwicklung der Bundesrepublik zum Sozialstaat als Beginn des Wirtschaftlichen Abstiegs zu verurteilen, der durch die inkonsequente Ordnungspolitik einer auf Kompromiß ausgerichteten Sozialen Marktwirtschaft eingeleitet und dann endgültig durch einen ordnungspolitischen Kurswechsel zum Ende der sechziger Jahre vollzogen wurde.“ Tatsächlich hätte sich jedoch sowohl Müller-Armacks Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft als auch die darauf gestützte Wirtschaftspolitik von Anfang an genau zwischen den Polen der ordoliberalen Grundsätze und sozialstaatlicher Politik bewegt.Ralf Ptak, Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft: Stationen des Neoliberalismus in Deutschland, Vs Verlag, 1. Auflage. 2003, ISBN 978-3-8100-4111-1, S. 232.

Friedhelm Hengsbach ist der Auffassung, dass „der marktradikale Bezugspunkt der Konzeption“ der Sozialen Marktwirtschaft, die „idealtypische Konstruktion des vollkommenen Marktes“ sei. Die Phantasie von der unsichtbaren Hand, von dem Signalapparat beweglicher Preise, von rationalen Entscheidungen souveräner Konsumenten und von Märkten die unter dem Entdeckungsverfahren des Wettbewerbs machtbefreit sind, erfreue zwar die Leser. Sie belege aber auch, dass die Konzeption des Leitbildes nicht auf praxisnaher Forschung, sondern auf einer Ableitung aus apriorischen Prämissen beruht, also ein reines Konstrukt sei. Dies mache es fast unvermeidbar, dass der Begriff Soziale Marktwirtschaft zur „politischen Kampfformel“ entarte. Er verweist auf die politischen Initiativen einer „neuen sozialen Marktwirtschaft“, die selektiv einzelne Bestandteile der ursprünglichen und geschichtlich angereicherten Konzeption herauspicken, um mit diesen politische Gegner zu bekämpfen.Friedhelm Hengsbach, Soziale Marktwirtschaft – Konstrukt, Kampfformel, Leitbild? in: Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth, Die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck, 1. Auflage. 2004, ISBN 978-3-16-148296-0, S. 164.

Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland


Allgemeine Gestaltungsmerkmale

Allgemeine Gestaltungsmerkmale der sozialen Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland sind vor allem die freie Preisbildung für Güter und Leistungen, das Gewinnstreben als Leistungsanreiz, eine unabhängige Zentralbank, die Tarifautonomie, eine aktive staatliche Wirtschafts-, Konjunktur- und Steuerpolitik und ein Soziales Netz das vor wirtschaftlicher Not schützt, wenn eine Eigenversorgung nicht möglich ist.Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 4. Auflage. Mannheim: Bibliographisches Institut 2009. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2009, [http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=Y0VZ7J Stichwort „Soziale Marktwirtschaft“]

Die staatliche Wirtschaftspolitik erfolgt einerseits durch Ordnungspolitik und andererseits durch Prozesspolitik. Die Ordnungspolitik hat zum Ziel den Marktprozessen einen rechtlichen und institutionellen Rahmen zu setzen und Marktmängel zu korrigieren. Die Prozesspolitik hat zum Ziel eine Stabilitätspolitik im Sinne des Magischen Vierecks und einer Korrektur der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland über Steuertarife sowie die Arbeits- und Sozialgesetzgebung.Wolfgang Cezanne, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 6. Auflage. 2005, ISBN 3-486-57770-0, S. 75.

Sozialpartnerschaft


Als ein dem sozial-irenischen Charakter der Sozialen Marktwirtschaft entsprechendes Leitbild ist in den 1950er Jahren von den Ordoliberalen, wie auch in der christlichen Soziallehre die Idee der Sozialpartnerschaft angesehen worden, die später in verschiedenen Gesetzeswerken verwirklicht wurde.Traugott Jähnichen, Wirtschaftsethische Leitbilder für die Akteure der Sozialen Marktwirtschaft in: Wirtschaftsethik. Kohlhammer, 1. Auflage, ISBN 978-3-17-018291-2, S. 138.Volkhard Laitenberger, Günter Pursch, Soziale Marktwirtschaft: Bilanz und Perspektive, Bundeszentrale für Politische Bildung, S. 99. Sie gilt mittlerweile als wesentliches Element der Sozialen Marktwirtschaft.Thilo Fehmel, Konflikte um den Konfliktrahmen: Die Steuerung der Tarifautonomie, VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-531-17227-9, S. 39.Martin Nonhoff: Politischer Diskurs und Hegemonie: das Projekt „Soziale Marktwirtschaft“. transcript Verlag, 2006, ISBN 3-89942-424-7, S. 83.

Ludwig Erhard hingegen kritisierte immer wieder die „sogenannten Sozialpartner“, die um die Verteilung des Sozialproduktes rangen, wodurch er das Gemeinwohl bedroht sah. Nach Ansicht von Tim Schanetzky zeigt sich hier Erhards Überhöhung des Staates als Wahrer des Gemeinwohls und dessen Misstrauen vor „Gruppenegoismen“.Tim Schanetzky: Die grosse Ernüchterung: Wirtschaftspolitik, Expertise und Gesellschaft in der Bundesrepublik 1966 bis 1982. Band 17 von Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Akademie Verlag, 2006, ISBN 3-05-004302-4, S. 26.

Die in der Weimarer Republik bestehenden Regelungen über Tarifautonomie und betriebliche Mitbestimmung waren von den Nationalsozialisten 1933 aufgehoben worden. Bereits die Verwaltung der Bizone hatte mit dem Tarifvertragsgesetz die Tarifautonomie wieder hergestellt. Diese Regelung wurde von der Adenauer-Regierung übernommen.Gerhard Kleinhenz, Heinz Lampert, Der Wiederbeginn freiheitlicher Sozialpolitik nach dem Kriege. In: Karl Hohmann, Grundtexte zur Sozialen Marktwirtschaft Band 2 – Das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft, Gustav Fischer, 1988, ISBN 978-3-437-40208-1, S. 166. In seiner Regierungserklärung vom 20. September 1949 stellte Konrad Adenauer klar, dass bei der Verwirklichung der Sozialen Marktwirtschaft eine zeitgemäße Neuordnung der Rechtsbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erreicht werden müsse.Gerhard Kleinhenz, Heinz Lampert, Der Wiederbeginn freiheitlicher Sozialpolitik nach dem Kriege. In: Karl Hohmann, Grundtexte zur Sozialen Marktwirtschaft Band 2 – Das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft, Gustav Fischer, 1988, ISBN 978-3-437-40208-1, S. 161. Als weiteres Element der Sozialpartnerschaft kam das Betriebsverfassungsgesetz vom 11. Oktober 1952 hinzu, das die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter in persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten regelte.Gerhard Kleinhenz, Heinz Lampert, Der Wiederbeginn freiheitlicher Sozialpolitik nach dem Kriege. In: Karl Hohmann, Grundtexte zur Sozialen Marktwirtschaft Band 2 – Das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft, Gustav Fischer, 1988, ISBN 978-3-437-40208-1, S. 170. In den 1970er Jahren wurden von der Sozialliberalen Regierung zur Humanisierung der Arbeitsprozesse mit der Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes von 1972 und dem Mitbestimmungsgesetz von 1976 noch weitergehende Regelungen getroffen.Traugott Jähnichen, Wirtschaftsethische Leitbilder für die Akteure der Sozialen Marktwirtschaft. In: Wirtschaftsethik. 1. Auflage. Kohlhammer, ISBN 978-3-17-018291-2, S. 140.

Die Gewerkschaften hatten die Soziale Marktwirtschaft in der Gründungsphase zunächst zu bekämpfen versucht und eine andere Wirtschaftsordnung angestrebt. In der Praxis der Sozialen Marktwirtschaft ist es jedoch gelungen, die Gewerkschaften gerade durch die Mitbestimmungsmöglichkeiten in die wirtschaftspolitischen Prozesse einzubinden. Umgekehrt haben die Gewerkschaften in der Sozialpartnerschaft an der Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft mitgewirkt.Walther Müller-Jentsch, Gewerkschaften und Soziale Marktwirtschaft seit 1945. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-018897-2, S. 193. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Sozialpläne, erweiterte Mitbestimmungsrechte und Mindestlöhne gehören zu den sozialen Errungenschaften, welche zur allgemeinen Popularität der Sozialen Marktwirtschaft beitrugen.Walther Müller-Jentsch, Gewerkschaften und Soziale Marktwirtschaft seit 1945. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-018897-2, S. 196.

In einem Aufsatz für die Frankfurter Allgemeine Zeitung resümiert der Arbeitsrechtler und Publizist Bernd Rüthers: „Meine These: Soziale Marktwirtschaft und Sozialpartnerschaft gehören zusammen. Das eine ist eine notwendige Grundlage des anderen.“Bernd Rüthers: Vom Wert der Sozialpartnerschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Januar 2011. [http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/wirtschaft/von-bernd-ruethers-vom-wert-der-sozialpartnerschaft-1582269.html]

Phase der Dominanz des Ordoliberalismus (1948–1966)

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Weichenstellungen der Wirtschafts- und Sozialpolitik

Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten sozialistische Vorstellungen die Parteiprogramme der SPD, die den „freiheitlichen Sozialismus“ anstrebte, als auch der CDU, die einen „christlichen Sozialismus“ propagierte. Gemeinsame Überzeugung war, dass der Wiederaufbau nur mit verstaatlichten Schlüsselindustrien und zentraler Lenkung möglich sein würde. Der parteilose Ludwig Erhard, damals Direktor des Zweizonen-Wirtschaftsrates, setzte die Soziale Marktwirtschaft gegen diesen Zeitgeist durch. Er verfügte in unmittelbarem Zusammenhang mit der Währungsreform durch die Alliierten am 20. Juni 1948 schlagartig eine Freigabe der Preise („Leitsätzegesetz“), diese beiden Ereignisse markieren den Beginn der Sozialen Marktwirtschaft.

Zu den wichtigsten ordnungspolitischen Weichenstellungen in der ersten, ordoliberalen Phase der Sozialen Marktwirtschaft (1948–1966) gehören die Verankerung der Tarifautonomie durch das Tarifvertragsgesetz von 1949, die Regelung der betrieblichen Mitbestimmung (in sozialen und personellen Fragen) und Mitwirkung (in wirtschaftlichen Fragen) der Arbeitnehmer durch das Betriebsverfassungsgesetz (1952), das Bundesbankgesetz von 1957, welches der Deutschen Bundesbank die Preisniveaustabilität als Ziel vorgab, sowie das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen 1958.Jürgen Pätzold: Soziale Marktwirtschaft : Konzeption – Entwicklung – Zukunftsaufgaben. 6., überarb. Aufl Ludwigsburg: Verl. Wiss. und Praxis, 1994, ISBN 3-928238-38-8. Online: [http://www.juergen-paetzold.de/einfuerung_mawi/2_MAWI.html#Entwicklungsphasen Entwicklungsphasen der Sozialen Marktwirtschaft], abgelesen 19. April 2009. Die gewerkschaftliche Konzeption zur Neuordnung der Wirtschaft mit ihrem Kernelement der wirtschaftlichen Mitbestimmung und die ordoliberale Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft standen sich in der ersten Dekade der Bundesrepublik diametral gegenüber.Walther Müller-Jentsch: Arbeit und Bürgerstatus: Studien zur sozialen und industriellen Demokratie. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss., 2008, ISBN 978-3-531-16051-1, S. 196.

Mit der Rentenreform von 1957 zeigte sich, dass sich die deutsche Bismarcksche Sozialversicherungstradition sowohl gegen umfassendere Beveridge-Systeme nach dem Prinzip der Staatsbürgerversorgung, als auch gegen Ludwig Erhards Schrumpfversion sozialstaatlicher Intervention durchgesetzt hatte.Stephan Lessenich, Dynamischer Immobilismus, Kontinuität und Wandel im deutschen Sozialmodell, Campus Verlag GmbH, 2003, ISBN 3-593-37376-9, Seite 153, 154

Exkurs: Volkskapitalismus


Gemäß Lutz Leisering und Werner Abelshauser entwickelte Erhard in seinem programmatischen Buch Wohlstand für Alle das Konzept des Volkskapitalismus als Gegenkonzept zum Sozialstaat Bismarckscher Prägung.Lutz Leisering: Der deutsche Nachkriegssozialstaat - Entfaltung und Krise eines zentristischen Sozialmodells. In Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Bundesrepublik Deutschland: eine Bilanz nach 60 Jahren, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2008, ISBN 3412202371, S.425 In dieser Sichtweise war die Rentenreform von 1957, die einen Ausbau des Sozialstaates brachte, eine Richtungsentscheidung mit dem Ergebnis einer entscheidenden Niederlage Erhards. Dagegen spricht nach Aussage von Hans Günter Hockerts jedoch, dass Erhard in den Kabinettsberatungen die Rentenreform nicht grundsätzlich abgelehnt habe. Er lehnte zwar die Kopplung der Rente an die Tariflohnentwicklung ab, befürwortete aber durchaus eine deutliche Erhöhung des Rentenniveaus und eine Anlehnung der Rente an die Produktivitätsentwicklung. Ebenso habe er das Umlageverfahren befürwortet. Nach Ansicht von Hockerts könne Erhard daher nicht als "Bannerträger" einer Alternative zum Sozialstaat angesehen werden.Hans Günter Hockerts, Der deutsche Sozialstaat: Entfaltung und Gefährdung seit 1945, Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, ISBN 978-3525370018, Seite 12 Laut Michael Gehler sei Erhard gegen diese Rentenreform gewesen, da er eine obligatorische Privatversicherung für geboten hielt, um einen Kapitalstock anzusparen.Michael Gehler: Deutschland: von der Teilung zur Einigung, 1945 bis heute. Böhlau Verlag Wien, 2010, ISBN 3205785843, S. 109 Marc Hansmann spricht vom "erbitterten Widerstand", den Erhard gegen die Rentenreform leistete. Marc Hansmann: Vor dem dritten Staatsbankrott?: Der deutsche Schuldenstaat in historischer und internationaler Perspektive. Band 13 von Zeitgeschichte im Gespräch, Oldenbourg Verlag, 2012, ISBN 3486712888 S.38 Laut Lutz Leisering habe Erhard mit dem Begriff Soziale Marktwirtschaft keine Ergänzung und Zähmung des Marktes durch sozialstaatliche Maßnahmen verbunden. Er sieht die umkämpfte Rentenreform, die Adenauer gegen Erhard durchsetzt, ebenfalls als erste politische Niederlage des Konzepts eines Volkskapitalismus und einen wesentlichen Schritt hin zu einer sozialstaatlichen Deutung der Sozialen Marktwirtschaft. Auch spätere Bemühungen um Vermögensbildung, z.B. durch „Volksaktien“, hätten den Volkskapitalismus in der Praxis nicht voranzubringen vermocht.Lutz Leisering: Der deutsche Nachkriegssozialstaat - Entfaltung und Krise eines zentristischen Sozialmodells. In Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Bundesrepublik Deutschland: eine Bilanz nach 60 Jahren, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2008, ISBN 3412202371, S.428 Die Formel Soziale Marktwirtschaft wurde seit 1957 von der Erhardschen Auslegung als Volkskapitalismus zur Marktwirtschaft mit eigenständiger Sozialstaatlichkeit umgedeutet. Erst dadurch wurde der Begriff Soziale Marktwirtschaft zur zentralen Konsens- und Friedensformel des mittleren Weges.Lutz Leisering: Der deutsche Nachkriegssozialstaat - Entfaltung und Krise eines zentristischen Sozialmodells. In Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Bundesrepublik Deutschland: eine Bilanz nach 60 Jahren, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2008, ISBN 3412202371, S.425 Laut Werner Abelshauser setzte sich trotz liberaler Rhetorik auch in den 1950er Jahren der Trend des Ausbaus des Sozialstaates fort. Die „Sozialpolitik wider Willen“ korrelierte mit der Einsicht in die Unzulänglichkeit der sich aus dem Marktmechanismus ergebenden Verteilung von Einkommen und Vermögen. Bereits in den 1950er Jahren war der Trend zur Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen mit Händen greifbar. Trotz der vermögenspolitischen Rhetorik blieben die Ansprüche aus der gesetzlichen Sozialversicherung für die Altersvorsorge der Arbeitnehmer wichtiger als jede andere Einkunftsquelle und das Volumen der gesetzlichen Rentenversicherung übertraf bei weitem das Volumen der Vermögensbildung der privaten Haushalte.Werner Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, C.H.Beck, 2011, ISBN 978-3-406-510946, Seite 192so auch Stefan Remke, Gewerkschaften und Sozialgesetzgebung, Band 33 von Veröffentlichungen des Instituts für Soziale Bewegungen: Darstellungen, 2005, ISBN 9783898613804, Seite 58 Willy Brandt bemerkte 1974, „daß der »Volkskapitalismus«, von dem Ludwig Erhard schwärmen mochte, ein Traum war; die »Volksaktie« wird in der Sozialgeschichte nicht als ein geglücktes Experiment vermerkt werden.“Willy Brandt, Über den Tag hinaus, Hoffmann und Campe, 1974, ISBN 9783455005844, Seite 196

Exkurs: Wirtschaftswunder


Die 1950er Jahre waren geprägt von wirtschaftlichen Erfolgen: durchschnittlich 8 % Wirtschaftswachstum, Abbau der Arbeitslosigkeit, Preisstabilität und ein Anstieg der Arbeitnehmereinkommen im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik um circa 80 %. Die von Erhard als Zielsetzung ausgegebene Botschaft „Wohlstand für alle“ schien in absehbarer Zeit erreichbar.Martin Greiffenhagen: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden: Westdt. Verl., 2002, ISBN 3-531-13209-1, S. 556. Den viel zitierten Ausdruck „Wirtschaftswunder“ lehnte Erhard selbst jedoch ab.Eckhard Mieder: Die Geschichte Deutschlands nach 1945. Frankfurt (M.): Campus, 2002, ISBN 3-593-36908-7, S. 68. Über die Ursachen des Wirtschaftswunders herrscht in der Fachliteratur kein Konsens, hierzu gibt es viele verschiedenen Theorien. Nach einer Theorie wird die Einführung des Ordnungsrahmens der Sozialen Marktwirtschaft als Hauptursache gesehen. Nach einer anderen Theorie wird die deutsche Entwicklung hingegen als Teil des westeuropäischen Aufholprozesses gegenüber den USA gesehen.

Herbert Giersch, Karl-Heinz Paqué und Holger Schmieding sehen eine wichtige Rolle der Wirtschaftspolitik in Form von Ordnungspolitik. Der Wiederaufschwung sei eingeleitet worden durch eine marktwirtschaftliche Schocktherapie. Demnach haben Währungsumstellung und Freigabe der meisten Preise zu einer privaten Angebotsbereitschaft geführt und eine zurückhaltende Geld- und Fiskalpolitik die monetäre Stabilität gewahrt. Das Wachstum der 1950er Jahre sei von spontanen Marktkräften einer deregulierten Wirtschaft sowie reichhaltigen Unternehmensgewinnen getragen worden. Ludger Lindlar, Das Mißverstandene Wirtschaftswunder, Mohr Siebeck, 1. Auflage 1997, ISBN 978-3161466939, S. 55 Laut Wilga Föste gilt die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft zwar nicht als hinreichende, aber als notwendige Bedingung für das Wirtschaftswunder. Wilga Föste, Grundwerte in der Ordnungskonzeption der Sozialen Marktwirtschaft, Metropolis-Verlag, 2006, ISBN 3-89518-576-0, S. 14

Ein "Wirtschaftswunder" erlebten in dieser Zeit allerdings alle westeuropäischen Nationen.Das stärkste Wirtschaftswachstum verzeichnete laut Gerhard Stapelfeldt Frankreich, idealtypisch vollzog sich das Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik Deutschland. Gerhard Stapelfeldt, Die Europäische Union - Integration und Desintegration, LIT-Verlag 1998, ISBN 3-8258-4020-4, Seite 283Ludger Lindlar, Das Mißverstandene Wirtschaftswunder, Mohr Siebeck, 1. Auflage 1997, ISBN 978-3161466939, Seite 2 Frankreich entwickelte ein ähnliches Einkommensniveau (bei fast identischen Werten des Arbeitsvolumens und der Arbeitsproduktivität) wie Deutschland. Laut Mark Spoerer verfolgte Frankreich dabei mit dem Konzept der Planification eine ausgeprägt interventionistische Wirtschaftspolitik, woraus sich ein Indiz konstruieren lasse für die geringe praktische Bedeutung der verschiedenen wirtschaftspolitischen Konzepte, solange der ordnungspolitische Rahmen die Eigentumsrechte und ein Mindestmaß an Wettbewerb garantiere.Mark Spoerer, Wohlstand für alle? Soziale Marktwirtschaft in: Thomas Hertfelder, Andreas Rödder, Modell Deutschland, Vandenhoek & Ruprecht GmbH & Co.KG, 2007, ISBN 978-3-525-36023-1, Seite 35 Nach Thomas Bittner ist die französische Wirtschaftspolitik keiner geschlossenen Konzeption gefolgt. Auch die Politikempfehlungen des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft seien unpräzise, so dass in beiden Ländern eine theoretisch fundierte ordnungspolitische Gesamtkonzeption fehlte.Thomas Bittner, Das westeuropäische Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg, 2001, S. 102 Laut Bittner lässt sich aufgrund erheblicher Forschungslücken bis heute nicht beurteilen, ob und inwieweit die Konzeptionen der Sozialen Marktwirtschaft einerseits und der Planification andererseits zu dem hohen Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit in Westeuropa beigetragen haben.Thomas Bittner, Das westeuropäische Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg, 2001, S. 121

Nach der von zahlreichen Wirtschaftswissenschaftlern (u.a. Angus Maddison, William J. Baumol, Alexander Gerschenkron und Gottfried Bombach) vertretenen AufholtheseLudger Lindlar, Das Mißverstandene Wirtschaftswunder, Mohr Siebeck, 1. Auflage 1997, ISBN 978-3161466939, S. 85 (auch als catch-up-Theorie bezeichnetKarl Gunnar Persson, An Economic History od Europe, Cambridge University Press, 2010, ISBN 978-0-521-54940-0, Seite 110 ff) hatte die westeuropäische Wirtschaft nach dem Krieg einen Aufholprozess gegenüber der damals technisch führenden Volkswirtschaft der USA gestartet. Die westeuropäischen Unternehmen konnten sich dabei am Vorbild amerikanischer Unternehmen orientieren. Bildlich gesprochen erfolgte der Aufholprozess im Windschatten der führenden USA und erlaubte somit ein höheres Tempo. Nachdem das Produktivitätsniveau der amerikanischen Volkswirtschaft erreicht wurde und der Aufholprozess somit zum Abschluss kam, trat die westeuropäische Wirtschaft gleichsam aus dem Windschatten und das Wirtschaftswachstum glich sich auf niedrigerem Niveau an.Hans-Jürgen Wagener, Die 101 wichtigsten Fragen - Konjunktur und Wirtschaftswachstum, C.H.Beck, 2010, ISBN 978-3-406-59987-3, Seite 33 Ludger Lindlar sieht auf Basis der Aufholthese die Gründe für das rasche Nachkriegswachstum Westeuropas in den speziellen historischen Bedingungen. Die Soziale Marktwirtschaft sieht er daher nicht als notwendige Voraussetzung für das rasche Nachkriegswachstum.Ludger Lindlar, Das Mißverstandene Wirtschaftswunder, Mohr Siebeck, 1. Auflage 1997, ISBN 978-3161466939, S. 334 Die Aufholthese biete für den Zeitraum von 1950 bis 1973 eine schlüssige und empirisch wohlgestützte Erklärung für das rasche Produktivitätswachstum in Westeuropa und Japan. Es gebe wenig Erklärungsansätze, die derart aussagekräftig seien. Er kritisiert allerdings, dass auch diese Theorie nicht erklären könne, warum Westeuropa erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber den USA aufgeholt habe und warum viele Länder außerhalb der OECD überhaupt nicht aufgeholt haben, sondern sogar noch zurückgefallen sind. Die Kritik richtet sich gegen die "naive" Form der Aufholthese in Form der neoklassischen Wachstumstheorie. Mögliche Erklärungen liefern die von verschiedenen Autoren angedachten Erweiterungen der Aufholthese. Nach Moses Abramovitz bedurfte es für die Teilhabe am Aufholprozess eines gewissen Entwicklungsniveaus und bestimmter institutioneller Voraussetzungen. Laut Robert J. Barro beeinflussen Privateigentum und freie Märkte das Wachstum positiv, während Inflation und eine hohe Staatsquote das Wachstum seiner Meinung nach negativ beeinflussten. Ludger Lindlar, Das Mißverstandene Wirtschaftswunder, Mohr Siebeck, 1. Auflage 1997, ISBN 978-3161466939, S. 95

Ende der ordoliberalen Phase


Mitte der 1960er Jahre mehrten sich die Anzeichen, dass die Sonderkonjunktur der Wiederaufbauphase zu Ende ging. Die Wachstumsraten waren zwar noch relativ hoch, im Rückblick war jedoch erkennbar, dass sich das Wachstum von Zyklus zu Zyklus vermindert hatte.Alexander Nützenadel, Stunde der Ökonomen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, ISBN 978-3-525-35149-9, S. 295. Ende des Jahres 1966 setzte eine tiefe Wirtschaftskrise ein.Gerhard Stapelfeldt, Wirtschaft und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, LIT, 1998, ISBN 3-8258-3627-4, S. 198. Erhard wurde ausgerechnet wegen seiner Wirtschaftspolitik erstmals nicht mehr nur von der Opposition, sondern auch von der Wirtschaftspresse und vom Sachverständigenrat kritisiert. Alexander Nützenadel, Stunde der Ökonomen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, ISBN 978-3-525-35149-9, S. 299 Die im Sommer 1966 einsetzende "Mini-Rezession" hatte weit schwerwiegendere politische als wirtschaftliche Konsequenzen, sie führte zum Ende der Koalitionsregierung. Alexander Nützenadel, Stunde der Ökonomen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, ISBN 978-3-525-35149-9, S. 295

Phase der Globalsteuerung (1967–1982)

Nach der Phase des Ordoliberalismus begann eine Phase des Interventionismus im Sinne einer keynesianischen Globalsteuerung sowie eine Transformation der Sozialen Marktwirtschaft in einen Wohlfahrtsstaat.Jürgen Pätzold: Soziale Marktwirtschaft : Konzeption – Entwicklung – Zukunftsaufgaben. 6., überarb. Aufl. Ludwigsburg: Verl. Wiss. und Praxis, 1994, ISBN 3-928238-38-8. Online: [http://www.juergen-paetzold.de/einfuerung_mawi/2_MAWI.html#ordoliberale%20Schule Ordoliberale Schule] Von 1967 bis Anfang der 1980er Jahre dominierten Vorstellungen des freiheitlichen Sozialismus, wie sie zum Beispiel in der antizyklischen Fiskalpolitik sowie in den Mitbestimmungsgesetzen zum Ausdruck kommen.Gabler Wirtschaftslexikon, Gabler Verlag (Herausgeber) Stichwort: [http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/soziale-marktwirtschaft.html Soziale Marktwirtschaft]

Von großer Bedeutung war dabei das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz aus dem Jahre 1967, das der damalige Wirtschaftsminister Karl Schiller als „prozesspolitisches Grundgesetz“ bezeichnete, welches das „ordnungspolitische Grundgesetz“ (Kartellgesetz) ergänze. Mit der Verknüpfung von Ordnungs- und Prozesspolitik strebte er eine „Symbiose aus Freiburger Imperativ und keynesianischer Botschaft“ an.Christian Otto Schlecht: Leitbild oder Alibi? : Zur Rolle der Konzeption der sozialen Marktwirtschaft in der praktischen Wirtschaftspolitik. In: Dieter Cassel (Hrsg.): 50 Jahre soziale Marktwirtschaft : ordnungstheoretische Grundlagen, Realisierungsprobleme und Zukunftsperspektiven einer wirtschaftspolitischen Konzeption. Stuttgart : Lucius & Lucius, 1998, ISBN 3-8282-0057-5, S. 41.

Ein Info-Brief für den deutschen Bundestag vom 22. Januar 2009 sieht die Politik der Globalsteuerung in den Jahren von 1967 bis 1982 insgesamt als gescheitert an. .Claus-Martin Gaul: [http://www.bundestag.de/wissen/analysen/2009/konjunkturprogramme.pdf] Konjunkturprogramme in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Einordnung und Bewertung der Globalsteuerung 1967 bis 1982. Deutscher Bundestag Wissenschaftliche Dienste, 2008.

Phase der Dominanz der Ordnungspolitik und der Angebotsorientierung (1983–1989)

Als weitere Phasen gelten die der Wiederentdeckung der Ordnungspolitik (Beginn der 1980er Jahre bis 1990) sowie die Phase der deutschen Einheit seit 1990.Jürgen Pätzold: Soziale Marktwirtschaft: Konzeption – Entwicklung – Zukunftsaufgaben. 6., überarb. Aufl Ludwigsburg: Verl. Wiss. und Praxis, 1994, ISBN 3-928238-38-8. Online: [http://www.juergen-paetzold.de/einfuerung_mawi/2_MAWI.html#Entwicklungsphasen Entwicklungsphasen der Sozialen Marktwirtschaft], abgelesen am 19. April 2009.

Phase der deutschen Einheit (Ab 1990)

Als Bezeichnung für die gemeinsame Wirtschaftsordnung beider Vertragsparteien taucht der Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ im Vertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (Staatsvertrag) vom 18. Mai 1990 auf. Sie wird insbesondere bestimmt durch Privateigentum, Leistungswettbewerb, freie Preisbildung und grundsätzlich volle Freizügigkeit von Arbeit, Kapital, Gütern und Dienstleistungen (Artikel 1, Absatz 3).Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (Staatsvertrag) vom 18. Mai 1990, Kapitel 1, Artikel 1, Absatz 3

[http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/DieDeutscheEinheit_vertragWaehrungsWirtschaftsSozialunion/index.html Vertragstext].Otto Schlecht, Grundlagen und Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft, Mohr Siebeck 1990, S. 182 ff.

Soziale Marktwirtschaft als Ziel der Europäischen Union

In {{Art.|3|EU|dejure}} Abs. 3 EU-Vertrag heißt es im Zusammenhang mit dem Europäischen Binnenmarkt, die Europäische Union wirke „auf die nachhaltige Entwicklung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums und von Preisstabilität, eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, die auf Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt abzielt, sowie ein hohes Maß an Umweltschutz [...] hin“. Diese Formulierung wurde erstmals 2004 in Art. I-2 Abs. 3 des EU-Verfassungsvertrags eingeführt und nach dessen Scheitern in den Vertrag von Lissabon übernommen, der 2009 in Kraft trat. Daneben wird die Wirtschaftsordnung der EU im AEU-Vertrag auch mehrmals als „offene Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb“ bezeichnet, etwa in {{Art.|119|AEU|dejure}} AEU-Vertrag, wo die Wirtschafts- und Währungspolitik der EU auf diesen Grundsatz verpflichtet wird. Diese Formulierung wurde bereits mit dem Vertrag von Maastricht 1992 in das Vertragswesen aufgenommen.

Eines der weiteren wirtschaftspolitischen Ziele, die in Art. I-3 Abs. 2 EU-Verfassungsvertrag neben der sozialen Marktwirtschaft genannt werden, ist auch der „Binnenmarkt mit freiem und unverfälschtem Wettbewerb“. Diese Formulierung stieß jedoch in der öffentlichen Debatte auf Kritik und wurde insbesondere vor dem Referendum in Frankreich, bei dem der Verfassungsvertrag 2005 abgelehnt wurde, als Ausdruck einer allzu liberalen Entwicklung der EU angesehen.Vgl. Andreas Maurer, [http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=1838 Die Ratifikationsverfahren zum EU-Verfassungsvertrag], SWP-Diskussionspapier, 2006, S. 29. Im Vertrag von Lissabon wurde sie deshalb fallen gelassen, durch ein Zusatzprotokoll jedoch der Schutz vor Wettbewerbsverfälschungen als Teil des Europäischen Binnenmarkts definiert. Letztlich bedeuteten weder die Formulierung im Verfassungsvertrag noch im Vertrag von Lissabon eine Abkehr von der zuvor gültigen EU-Wettbewerbspolitik.Wolfgang Wurmnest: „Marktmacht und Verdrängungsmissbrauch: Eine rechtsvergleichende Neubestimmung des Verhältnisses von Recht und Ökonomik in der Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende Unternehmen.“ Mohr Siebeck, 2010, ISBN 3-16-150513-1, S. 96. Bereits Art. 3 lit. f des EWG-Vertrags von 1958 hatte „die Errichtung eines Systems, das den Wettbewerb innerhalb der Gemeinschaft vor Verfälschungen schützt“ als Ziel der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft genannt. Von Beginn an orientierte sich das Wettbewerbskonzept der Europäischen Gemeinschaften am marktwirtschaftlichen Programm der ordoliberalen Schule, das auch schon das Leitbild der deutschen Sozialen Marktwirtschaft maßgeblich beeinflusst hatte.Vgl. Jürgen Beninca: „Kartellrecht in der Praxis: ein Leitfaden.“ Verlag Hüthig Jehle Rehm, 2007, ISBN 3-8114-3727-5, S. 5.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte anlässlich der Unterzeichnung des Lissaboner Vertrags: "Der Grundgedanke der sozialen Marktwirtschaft ist der Grundgedanke des geordneten Wettbewerbs. Diesen Gedanken müssen wir auf die Europäische Union übertragen.“[http://www.kas.de/wf/doc/kas_16294-544-1-30.pdf?090428113720 Rede im Bundestag am 24. April 2008]

Siehe auch


* Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft
* Humane Marktwirtschaft
* Ökologische Marktwirtschaft

* Zivilisierte Marktwirtschaft

Literatur


Wirtschaftstheoretisches Modell


;Primärliteratur
* {{Literatur
| Autor=
| Titel=Die protestantischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft. Ein Quellenband
| Herausgeber=Günter Brakelmann und Traugott Jähnichen
| Ort=Gütersloh
| Jahr=1994
}}
* Ludwig Erhard, Wolfram Langer (bearb.): Wohlstand für alle. Köln: Anaconda, 2009, ISBN 978-3-86647-344-7. Online: [http://www.ludwig-erhard-stiftung.de/pdf/wohlstand_fuer_alle.pdf (8. Auflage 1964, PDF)].
* {{Literatur
| Autor=Alfred Müller-Armack
| Titel=Soziale Marktwirtschaft
| Sammelwerk=Handwörterbuch der Sozialwissenschaften
| Band=9
| Ort=Stuttgart u.a.
| Jahr=1956
| Seiten=S.390ff
}}
* {{Literatur
| Autor=Alfred Müller-Armack
| Titel=Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik. Studien und Konzepte zur Sozialen Marktwirtschaft und zur europäischen Integration
| Ort=Freiburg i. Br.
| Jahr=1966
}}
* Alfred Müller-Armack: Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft. Düsseldorf: Verl. Wirtschaft und Finanzen., 1999 (Faks.-Ed. der Erstausg. Hamburg 1947), ISBN 3-87881-135-7.
* Alfred Müller-Armack: Genealogie der sozialen Marktwirtschaft : Frühschriften und weiterführende Konzepte. 2., erw. Aufl. Bern: Haupt, 1981, ISBN 3-258-03022-7.
* {{Literatur
| Autor=Alexander Rüstow
| Titel=Freie Wirtschaft – starker Staat
| Sammelwerk=Deutschland und die Weltkrise (Schriften des Vereins für Socialpolitik 187)
| Ort=Dresden
| Jahr=1932
}}
* {{Literatur
| Autor=Alexander Rüstow
| Titel=Wirtschaftsethische Probleme der sozialen Marktwirtschaft
| Herausgeber=Patrick Boarman
| Sammelwerk=Der Christ und die Soziale Marktwirtschaft
| Ort=Stuttgart
| Jahr=1955

}}

;Sekundärliteratur
* Werner Abelshauser: Des Kaisers neue Kleider? Wandlungen der Sozialen Marktwirtschaft. Roman Herzog Inbstitut, München 2009.
* Gerold Ambrosius: Die Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft in Westdeutschland 1945–1949. Stuttgart: Dt. Verl.-Anst., 1977, ISBN 3-421-01822-7.
* {{Literatur
| Autor=Winfried Becker
| Titel=Die Entscheidung für eine neue Wirtschaftsordnung nach 1945. Christliche Werte in der Sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhards
| Herausgeber=Rainer A. Roth/Walter Seifert
| Sammelwerk=Die zweite deutsche Demokratie. Ursprünge, Probleme, Perspektiven
| Ort=Köln/Wien
| Jahr=1980
}}
* Dieter Cassel (Hrsg.): 50 Jahre soziale Marktwirtschaft : ordnungstheoretische Grundlagen, Realisierungsprobleme und Zukunftsperspektiven einer wirtschaftspolitischen Konzeption. Lucius & Lucius, Stuttgart 1998, ISBN 3-8282-0057-5.
* Alexander Ebner: The intellectual foundations of the social market economy : theory, policy, and implications for European integration. In: Journal of economic studies. 33(2006)3, S. 206–223.
* Nils Goldschmidt, Michael Wohlgemuth (Hrsg.): Die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft : sozialethische und ordnungsökonomische Grundlagen. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, ISBN 3-16-148296-4.
* Dieter Haselbach: Autoritärer Liberalismus und soziale Marktwirtschaft : Gesellschaft und Politik im Ordoliberalismus. Nomos, Baden-Baden 1991 (Habil.), ISBN 3-7890-2504-6.
* Michael von Hauff (Hrsg.): Die Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Metropolis-Verl., Marburg 2007, ISBN 3-89518-594-9.
* Philipp Herder-Dorneich: Ordnungstheorie des Sozialstaates. Beiträge zur Ordnungstheorie und Ordnungspolitik. Mohr Siebeck, Tübingen 1983.
*Karl Hohmann, Horst Friedrich Wünsche (Hrsg.): Grundtexte zur sozialen Marktwirtschaft: Das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft. Lucius & Lucius, 1988, ISBN 3-437-40208-0.
* Karen Horn, Die soziale Marktwirtschaft – Alles, was Sie über den Neoliberalismus wissen sollten. Frankfurter Allgemeine Buch, 2010, ISBN 3-89981-220-4. [http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/2.1716/freiheit-und-verantwortung-1999109.html Rezension in der FAZ]
* Gerhard Kleinhenz: Sozialstaatlichkeit in der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft. In: Ders. (Hrsg.): Sozialstaat Deutschland. Lucius & Lucius, 1997, 390ff.
* {{Literatur
| Autor=Bernhard Löffler
| Titel=Soziale Marktwirtschaft und administrative Praxis. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Ludwig Erhard
| Ort=Stuttgart
| Jahr=2002
}}
* {{Literatur
| Autor=Josef Mooser
| Titel=Liberalismus und Gesellschaft nach 1945. Soziale Marktwirtschaft und Neoliberalismus am Beispiel von Wilhelm Röpke
| Herausgeber=Manfred Hettling/Bernd Ulrich
| Sammelwerk=Bürgertum nach 1945
| Ort=Hamburg
| Jahr=2005
| Seiten=134–163
}}
* {{Literatur
| Autor=Anthony J. Nicholls
| Titel=Freedom with Responsibility. The Social Market Economy in Germany, 1918–1963
| Ort=Oxford
| Jahr=1994
}}
* Knut Wolfgang Nörr, Joachim Starbatty, Reinhold Biskup: Soll und haben : 50 Jahre soziale Marktwirtschaft. Stuttgart: Lucius & Lucius, 1999, ISBN 3-8282-0105-9.
* Jürgen Pätzold: Soziale Marktwirtschaft : Konzeption – Entwicklung – Zukunftsaufgaben. 6., überarb. Aufl. Ludwigsburg: Verl. Wiss. und Praxis, 1994, ISBN 3-928238-38-8. Online: [http://www.juergen-paetzold.de/einfuerung_mawi/2_MAWI.html#ordoliberale%20Schule Soziale Marktwirtschaft], abgelesen 19. April 2009.
* Ralf Ptak: Vom Ordoliberalismus zur sozialen Marktwirtschaft : Stationen des Neoliberalismus in Deutschland. Wiesbaden: VS-Verl. für Sozialwiss., 2005, ISBN 3-8100-4111-4.
* Friedrun Quaas: Soziale Marktwirtschaft : Wirklichkeit und Verfremdung eines Konzepts. Bern, Stuttgart, 2000, ISBN 3-258-06012-6.
* Siegfried Rauhut: Soziale Marktwirtschaft und parlamentarische Demokratie. Eine institutionenökonomische Analyse der politischen Realisierungsbedingungen der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft. Berlin: Duncker und Humblot, 2000
* Otto Schlecht: Grundlagen und Perspektiven der Sozialen Marktwirtschaft. Tübingen: Mohr, 1990, ISBN 3-16-145684-X.
* {{Literatur
| Autor=Christian Watrin
| Titel=The Principles of the Social Market Economy—Its Origins and Early History
| Sammelwerk=Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft
| Band=Band 135
| Jahr=1979
| Seiten=405–425
}}
* {{Literatur
| Autor=Hans Willgerodt
| Titel=Wertvorstellungen und theoretische Grundlagen des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft
| Herausgeber=Wolfram Fischer
| Sammelwerk=Währungsreform und Soziale Marktwirtschaft. Erfahrungen und Perspektiven nach 40 Jahren
| Ort=Berlin
| Jahr=1989
}}
* {{Literatur
| Autor=Joachim Zweynert
| Titel=Die Soziale Marktwirtschaft als politische Integrationsformel
| Jahr=2008
| Seiten=334
| DOI=10.1007/s10273-008-0800-z

}}

Wirtschaftsgeschichte


* {{Literatur
| Autor=Werner Abelshauser
| Titel=Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945
| Verlag=C.H. Beck
| Ort=München
| Jahr=2004
| ISBN=3-406-51094-9
}}
* {{Literatur
| Autor=Michael von Prollius
| Titel=Deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945
| Verlag=UTB
| Jahr=2006
| ISBN=978-3-8252-2785-2
}}
* {{Literatur
| Autor=Knut Wolfgang Nörr
| Titel=Die Republik der Wirtschaft: Von der sozial-liberalen Koalition bis zur Wiedervereinigung, Teil 2
| Verlag=Mohr Siebeck
| Ort=Heidelberg
| Jahr=2007
| ISBN=978-3-16-149499-4

}}

Weblinks


* [http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/soziale-marktwirtschaft.html Definition aus Gablers Wirtschaftslexikon]
* [http://www.econbiz.de/index.php?id=results&L=0&search=s_all&keepFilters=1&searchForm=1&limit=50&q=%22soziale+marktwirtschaft%22+OR+%22social+market+economy%22&sucheBtn.x=60&sucheBtn.y=4 Laufend aktualisierte Liste mit Literatur und Veranstaltungen zum Thema Soziale Marktwirtschaft aus der Fachdatenbank EconBiz]
* Uwe Andersen: [http://www.bpb.de/wissen/07366806922938336269163160936993,1,0,Soziale_MarktwirtschaftWirtschaftspolitik.html#art1 Soziale Marktwirtschaft/Wirtschaftspolitik]
* Heinz Grossekettler: Strategien zur Implementation und Stabilisierung einer Wirtschaftsordnung : das Beispiel der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. In: Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster (Hrsg.): Strategien zur Implementation und Stabilisierung einer Wirtschaftsordnung, abgelesen 19. April 2009.
* Herbert Hax: [http://www.kas.de/proj/home/pub/37/1/year-2004/dokument_id-5265/index.html Wirtschaftspolitik als Ordnungspolitik – Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft]
* Michael von Prollius: [http://www.kas.de/upload/dokumente/2008/03/080304_Prollius.pdf Der Neoliberalismus der 30er Jahre: Wurzel der Sozialen Marktwirtschaft.]
* Richard Reichel: [http://www.gkpn.de/reichel.pdf Soziale Marktwirtschaft, Sozialstaat und liberale Wirtschaftsordnung]
* Karl Georg Zinn: [http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/vwl2/downloads/material/KarlGeorgZinn.pdf Soziale Marktwirtschaft. Idee, Entwicklung und Politik der bundesdeutschen Wirtschaftsordnung]

* Der Spiegel: [http://www.franz-oppenheimer.de/eh53a.htm Soziale Marktwirtschaft – Die Flucht nach vorn], Artikel aus: Der Spiegel, Jg. 7, Nr. 37 vom 9. September 1953, S. 11–17.

Einzelnachweise


Kategorie:Wirtschaftsordnung

ar:اقتصاد السوق الاشتراكي
arz:اقتصاد السوق الاشتراكى
bg:Социално пазарно стопанство
Social market economy
eo:Sociala merkatekonomio
es:Economía social de mercado
fi:Sosiaalinen markkinatalous
Économie sociale de marché
hr:Socijalno tržišno gospodarstvo
hu:Szociális piacgazdaság
it:Economia sociale di mercato
no:Sosial markedsøkonomi
pl:Społeczna gospodarka rynkowa
pt:Economia social de mercado
ru:Социально-ориентированная рыночная экономика
si:සමාජ වෙළඳ පොළ ආර්ථිකය
sk:Sociálne trhové hospodárstvo
tr:Sosyal piyasa ekonomisi
zh:社会市场经济

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