SPD Baden-Württemberg
{{Infobox Partei Landesverband
|Bild Vorsitzender = Nils Schmid.jpg
|Vorsitzender = Nils Schmid
|Logo = Logo SPD BW 2012.jpg
|Gründungsdatum = 7./8. Juni 1952
|Gründungsort = Stuttgart
|Ehrenvorsitzender =
|Stellvertreter = Leni Breymaier
Elvira Drobinski-Weiß
Hilde Mattheis
Lars Castellucci
|Schatzmeister = Karl-Ulrich Templ
|Generalsekretärin = Katja Mast
|Landesgeschäftsführer = Marten Jennerjahn
|Mitglieder = 39.000 (Stand: 2011)http://www.bpb.de/methodik/G3J3JI,0,0,SPD.html
|Website = www.spd-bw.de
}}
Die SPD Baden-Württemberg ist mit etwa 39.000 Mitgliedern der zweitgrößte Landesverband einer Partei in Baden-Württemberg. Vorsitzender ist Nils Schmid.
thumb|Titelblatt der [[Schwäbische Tagwacht|Schwäbischen Tagwacht anlässlich der Konferenzeröffnung des Internationalen Sozialistenkongresses 1907 in Stuttgart]]Geschichte
Vor der Novemberrevolution
Die SPD hat in Baden-Württemberg eine lange Tradition, die im 19. Jahrhundert in den ehemaligen Ländern Württemberg und Baden begann. Von 1878 bis 1890 während der Dauer der Sozialistengesetze war die SPD wie überall in Deutschland verboten. Danach setzte eine Gründungswelle sozialdemokratischer Vereine ein. Eine badische Hochburg der SPD bildete sich in Mannheim heraus. Die Wirtschafts- und Sozialstruktur in Württemberg war von mittelständischer Industrie geprägt. Außerdem war die Verstädterung und die damit verbundene Verelendung der Arbeiter dort geringer als in anderen Teilen des Deutschen Reichs. In Stuttgart gab es jedoch Wohnungselend.vgl. Friedrich Westmeyer: Wohnungselend in Stuttgart. Stuttgart 1911 Die zunehmend eigenständige kulturelle Identität der Arbeiterbewegung wurde mit der Gründung der Stuttgarter Waldheime sichtbar. Auf der kommunalen Ebene wirkten Sozialdemokraten früh an der Politik mit und fanden häufig politischen Konsens mit bürgerlichen Parteien. Im württembergischen Landtag hingegen stimmte die sozialdemokratische Fraktion nur ein einziges Mal, im Jahre 1907, dem württembergischen Staatshaushalt zu. Dies war die Gegenleistung für den im August 1907 stattfindenden Internationalen Sozialistenkongress in Stuttgart, der erste seiner Art auf deutschem Boden. Im badischen Landtag kam es nach der Wahl 1905 zu einer bis 1918 einmaligen Zusammenarbeit der Nationalliberalen und der SPD im sogenannten Großblock, um den Einfluss des erstarkten badischen Zentrums zurückzudrängen. Bis zur Novemberrevolution konnte trotzdem kein SPD-Mitglied Beamter werden. Im Ersten Weltkrieg mussten auch viele Sozialdemokraten für Kaiser und Reich ihr Leben lassen. Freiwillig zu den Waffen meldete sich der prominente badische Sozialdemokrat Ludwig Frank und fiel bereits in den ersten Kriegswochen.
In der Weimarer Republik
In der Weimarer Republik spielte die SPD zunächst eine führende Rolle. Sowohl in Württemberg als auch in Baden wurde die SPD Regierungspartei und stellte mit Wilhelm Blos in Stuttgart und mit Anton Geiß in Karlsruhe auch jeweils den Ministerpräsidenten. In Württemberg endete die Regierungsbeteiligung der SPD mit dem Austritt von Wilhelm Keil aus dem Kabinett Hieber bereits im Juni 1923 und sie blieb trotz des großen Wahlerfolgs im Jahre 1928 in der Opposition. Seit 1924 war Kurt Schumacher als streitbarer Oppositionsredner für die SPD im württembergischen Landtag vertreten. In Baden konnte sich die SPD von 1918 bis Ende 1932 ununterbrochen an der Regierung beteiligen und stellte mit Adam Remmele mehrmals den turnusmäßig wechselnden Ministerpräsidenten. Weitere führende badische Sozialdemokraten der Weimarer Republik waren der Reichskanzler Hermann Müller und der Reichstagsabgeordnete Ludwig Marum. In der NS-Zeit von 1933 bis 1945 wurden die SPD-Mitglieder verfolgt und viele bereits 1933 in Konzentrationslager verschleppt.
Bild:Remmele Adam 1930.JPG|Adam Remmele war zweimal Staatspräsident der Republik Baden
Bild:MarumLudwig.jpg|Ludwig Marum war von 1919 bis 1928 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag der Republik Baden
Bild:WP Keil Wilhelm.jpg|Wilhelm Keil bestimmte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich die Politik der SPD in Württemberg
Bild:Rossmann Erich 1924.JPG|Erich Roßmann war Vorsitzender der SPD in Württemberg von 1924–1933
Bild:Ulrich Fritz 1933 2.JPG|Fritz Ulrich (um 1933)
In Baden-Württemberg
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in den Ländern Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zunächst drei unabhängige SPD-Parteibezirke. Alle drei Parteibezirke befürworteten vorbehaltlos die Gründung des Landes Baden-Württemberg, obwohl dies gerade die starke Position der SPD im von Industrie geprägten Land Württemberg-Baden schwächen musste, da im wenig industrialisierten und stark katholischen Süden des neuen Landes strukturbedingt weniger SPD-Wähler vorhanden waren. Der Landesverband der SPD wurde auf dem Parteitag vom 7. zum 8. Juni 1952 in Stuttgart gegründet. Zunächst firmierte die SPD Baden-Württemberg unter der Bezeichnung „Parteibezirk“ und erst ab 1962 als „Landesverband“. Die Partei war von 1952 bis 1960 in einer Allparteienregierung und von 1966 bis 1972 und 1992 bis 1996 in einer Großen Koalition an der Regierung Baden-Württembergs beteiligt, stellte aber niemals den Ministerpräsidenten. Seit 12. Mai 2011 ist die SPD Juniorpartner in einer Grün-roten Koalition. Die Schwerpunkte der Regierungspolitik galten der Innen- und Wirtschaftspolitik. Maßgeblichen Anteil hatte die SPD auch an der Verwaltungsreform von 1973. In der Schulpolitik wirkte die SPD bis zum Ende der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts darauf hin, noch bestehende konfessionsgebundene Schulen und Lehrerausbildung besonders in Südwürttemberg abzuschaffen. Aus dem SPD-Landesverband in Baden-Württemberg gingen auch immer wieder wichtige bundespolitische Persönlichkeiten hervor, wie etwa Carlo Schmid, Alex Möller, Horst Ehmke, Erhard Eppler, Volker Hauff, Rainer Offergeld, Herta Däubler-Gmelin und Walter Riester.
Struktur
Organisation
Der Landesverband organisiert sich in Ortsvereinen, die zu 42 Kreisverbänden zusammengefasst sind. Die 42 Kreisverbände sind auf vier Regionen verteilt, deren Einzugsgebiet den Grenzen der vier Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Tübingen entspricht.
Mitglieder
Die nachfolgende Tabelle gibt die Entwicklung der Anzahl der Mitglieder seit der Gründung des Landesverbandes im Jahre 1952 an. Die bisher höchste Zahl an Mitgliedern wurde im Jahre 1976 erreicht.Michael Eilfort (Hrsg.): Parteien in Baden-Württemberg. Schriften zur politischen Landeskunde Band 31. Verlag W. Kohlhammer in Verbindung mit der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 2004, Seite 91
{| class="prettytable"|class="hintergrundfarbe8"|Jahr
|class="hintergrundfarbe8"|Mitglieder
|-
|1952 || style="text-align:right" | 37.661
|-
|1955 || style="text-align:right" |35.788
|-
|1968 || style="text-align:right" |47.192
|-
|1976 || style="text-align:right" |77.979
|-
|1980 || style="text-align:right" |71.457
|-
|1990 || style="text-align:right" |66.387
|-
|2002 || style="text-align:right" |49.243
|-
|}
Vorsitzende
thumb|Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an [[Erwin Schoettle (rechts), 1969]]
, 1973]]
thumb|[[Erhard Eppler, 1973]]
thumb|[[Carlo Schmid (links) im Gespräch mit Egon Bahr 1976]]
thumb|upright|[[Ute Vogt]]
SPD Baden
{| class="prettytable"
|class="hintergrundfarbe8"|Jahre
|class="hintergrundfarbe8"|Vorsitzender
|-
|1890–1894
|Adolf Geck
|-
|1894–1895
|Jakob Friedrich Autenrieth
|-
|1895–1900
|Johann Friedrich Haug
|-
|1900–November 1901
|Wilhelm Opificius
|-
|1901–1906
|Georg Pfeiffle
|-
|1906–1908
|August Schaier und Friedrich Sigmund
|-
|1908–1919
|Anton Geiß
|-
|1920–1923
|Georg Strobel
|-
|1923–1924
|Gustav Zimmermann
|-
|1924–1933
|Georg Reinbold
|-
|}
SPD Württemberg
{| class="prettytable"
|class="hintergrundfarbe8"|Jahre
|class="hintergrundfarbe8"|Vorsitzender
|-
|1890–1891
|Rudolf Behr
|-
|1891–1892
|Adam Dietrich
|-
|1892–1895
|Karl Sperka
|-
|1895–1899
|Adam Dietrich
|-
|1899–1900
|Friedrich Fischer
|-
|1900–1903
|Otto Wasner
|-
|1903–1904
|Rudolf Behr
|-
|1904–1905
|Karl Sperka
|-
|1905–1906
|Adam Dietrich
|-
|1906–1908
|Gottlieb Eduard Steinbrenner
|-
|1908–1911
|Karl Sperka
|-
|1911–1913
|Karl Hildenbrand
|-
|1913–1920
|Friedrich Fischer
|-
|1920–1924
|Otto Steinmayer
|-
|1924–1933
|Erich Roßmann
|-
|}
SPD Württemberg-Baden
{| class="prettytable"
|class="hintergrundfarbe8"|Jahre
|class="hintergrundfarbe8"|Vorsitzender
|-
|1946–1947
|Fritz Ulrich und Gustav Zimmermann
|-
|1947–1952
|Erwin Schoettle
|-
|}
SPD Baden
{| class="prettytable"
|class="hintergrundfarbe8"|Jahre
|class="hintergrundfarbe8"|Vorsitzender
|-
|1946–1952
|Richard Jäckle
|-
|}
SPD Württemberg-Hohenzollern
{| class="prettytable"
|class="hintergrundfarbe8"|Jahre
|class="hintergrundfarbe8"|Vorsitzender
|-
|1946–1952
|Carlo Schmid
|-
|}
SPD Baden-Württemberg
{| class="prettytable"
|class="hintergrundfarbe8"|Jahre
|class="hintergrundfarbe8"|Vorsitzender/Vorsitzende
|-
|1952–1962
|Erwin Schoettle
|-
|1962–1966
|Alex Möller
|-
|1966–1968
|Walter Krause
|-
|Mai–November 1968
|kommissarisch: Erwin Schoettle, Heinz Bühringer und Eugen Loderer
|-
|1968–1973
|Heinz Bühringer
|-
|1973–1981
|Erhard Eppler
|-
|1981–1987
|Ulrich Lang
|-
|1987–1999
|Ulrich Maurer
|-
|1999–2009
|Ute Vogt
|-
|2009–
|Nils Schmid
|-
|}
Für die Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion siehe: Landtag von Baden-Württemberg
Landtagswahlergebnisse
{{Wahlverlauf
|TITEL = Wahlergebnisse der SPD Baden-Württemberg[http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Landesdaten/Landtagswahlen/LRLTW1.asp Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Zeitreihen 1952-2011 - Statistisches Landesamt Baden-Württemberg]
|TITEL2 = in Prozent
|PARTEI = SPD
|LAND = DE
|JAHR1 = '52
|ERGEBNIS1 = 28.0
|JAHR2 = '56
|ERGEBNIS2 = 28.9
|JAHR3 = '60
|ERGEBNIS3 = 35.3
|JAHR4 = '64
|ERGEBNIS4 = 37.3
|JAHR5 = '68
|ERGEBNIS5 = 29.0
|JAHR6 = '72
|ERGEBNIS6 = 37.6
|JAHR7 = '76
|ERGEBNIS7 = 33.3
|JAHR8 = '80
|ERGEBNIS8 = 32.5
|JAHR9 = '84
|ERGEBNIS9 = 32.4
|JAHR10 = '88
|ERGEBNIS10 = 32.0
|JAHR11 = '92
|ERGEBNIS11 = 29.4
|JAHR12 = '96
|ERGEBNIS12 = 25.1
|JAHR13 = '01
|ERGEBNIS13 = 33.3
|JAHR14 = '06
|ERGEBNIS14 = 25.2
|JAHR15 = '11
|ERGEBNIS15 = 23.1
}}
{| class="wikitable"|- class="hintergrundfarbe6"
! colspan="4" | Ergebnisse der Landtagswahlen[http://www.wahlrecht.de/ergebnisse/baden-wuerttemberg.htm Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg]
|- class="hintergrundfarbe8"
! Jahr
! Stimmen
! Sitze
|-
| 1952 || align=center | 28,0 % || align=center | 38
|-
| 1956 || align=center | 28,9 % || align=center | 36
|-
| 1960 || align=center | 35,3 % || align=center | 44
|-
| 1964 || align=center | 37,3 % || align=center | 47
|-
| 1968 || align=center | 29,0 % || align=center | 37
|-
| 1972 || align=center | 37,6 % || align=center | 45
|-
| 1976 || align=center | 33,3 % || align=center | 41
|-
| 1980 || align=center | 32,5 % || align=center | 40
|-
| 1984 || align=center | 32,4 % || align=center | 41
|-
| 1988 || align=center | 32,0 % || align=center | 42
|-
| 1992 || align=center | 29,4 % || align=center | 46
|-
| 1996 || align=center | 25,1 % || align=center | 39
|-
| 2001 || align=center | 33,3 % || align=center | 45
|-
| 2006 || align=center | 25,2 % || align=center | 38
|-
| 2011[http://www.statistik-bw.de/Wahlen/Landtagswahl_2011/Land.asp Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl am 27. März 2011 mit Vergleichsangaben von 2006: Land Baden-Württemberg][http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2011/baden-wuerttemberg/wahlergebnis?bl=BW&ivwAngebotskennung=focus&ivwCode=wahldiagramm&f_breite= Wahlergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz auf FocusOnline], abgerufen am 27. März 2011 || align=center | 23,1 % || align=center | 35
|-
|}
Einzelnachweise und Anmerkungen
Literatur
* Jörg Schadt und Wolfgang Schmierer (Hrsg.): Die SPD in Baden-Württemberg und ihre Geschichte. Von den Anfängen der Arbeiterbewegung bis heute. Schriften zur politischen Landeskunde Band 3''. Verlag W. Kohlhammer in Verbindung mit der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 1979
* Horst Glück: Die SPD. In: Michael Eilfort (Hrsg.): Parteien in Baden-Württemberg. Schriften zur politischen Landeskunde Band 31. Verlag W. Kohlhammer in Verbindung mit der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 2004, S. 75–104
Weblinks
* [http://www.spd-bw.de/ SPD Baden-Württemberg]
* [http://www.spd.landtag-bw.de/ SPD Landtagsfraktion Baden-Württemberg]
{{NaviBlock|Navigationsleiste Landesverbände der SPD
|Navigationsleiste Parteien in Baden-Württemberg
}}
Baden-WurttembergSpd
Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel SPD Baden-Württemberg der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.