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Russlanddeutsche

05.05.2012 @ 21:39, ,

{{Dieser Artikel|beschäftigt sich mit der heutigen ethnischen Gruppe. Für den historischen Abriss siehe Geschichte der Russlanddeutschen}}

miniatur||hochkant=1.2|Bekannte Russlanddeutsche:
[[Denis Iwanowitsch Fonwisin|Denis Fonwisin
, Michael de Tolly
Alexander von Benckendorff, Katharina II.
Peter Struve, Alexei Rüdiger
Alissa Freindlich, Otto Schmidt]]

Der Begriff Russlanddeutsche (russ. Российские немцы , wiss. Transliteration Rossijskie nemzy, auch russ. Русские немцы , wiss. Transliteration Russkie nemzy) ist ein Sammelbegriff für die ethnisch deutsche und deutschstämmige Minderheit in Russland, die heute mehrheitlich nach Deutschland übergesiedelt ist.Sabine Ipsen-Peitzmeier und Markus Kaiser (Hrsg.): Zuhause fremd – Russlanddeutsche zwischen Russland und Deutschland. Transcript Verlag, Bielefeld 2006, ISBN 3-89942-308-9

Begriffliche Assoziationen


In der Regel werden auch die deutschstämmigen Einwohner der anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, insbesondere Kasachstans, als Russlanddeutsche bezeichnet. Individualisierende Bezeichnungen wie Krimdeutsche, Wolhyniendeutsche, Schwarzmeerdeutsche (auch Ukrainedeutsche) oder Kasachstandeutsche und Kirgisistandeutsche sind im Sprachraum weniger üblich. Fälschlicherweise werden die Russlanddeutschen gelegentlich auch als „Deutschrussen“ bezeichnet, obwohl sich letzteres auf ethnische Russen in Deutschland bezieht. Bis zum Ende der UdSSR waren zeitweise auch die Bezeichnungen Sowjetdeutsche und Sowjetunion-Deutsche im Gebrauch.

Ursachen für die Begriffsunterschiede


{{Siehe auch|Deutsche in Russland}}

Begriffsschwierigkeiten entstehen durch die unterschiedlichen Auffassungen von Behörden und die umgangssprachliche Nutzung des Begriffs für Deutsche in Russland und Deutsche aus Russland. Häufig werden Russlanddeutsche auch nach ihrer Aussiedlung nach Deutschland mit diesem Begriff bezeichnet (im Sinne von „aus Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zugewanderte Deutsche“), obwohl Spätaussiedler und Aussiedler die amtlich korrekte Bezeichnungen sind. Die nach Deutschland Übergesiedelten selbst bezeichnen sich überwiegend als Deutsche aus Russland oder (falls sie die Tatsache der Migration nicht betonen wollen) einfach nur als Deutsche (ohne jeden Zusatz).

Die Bezeichnung Deutschrussen ist problematisch, wenn sie sich auf Russlanddeutsche und Deutsche aus Russland bezieht. Der Begriff „Deutschrussen“ knüpft an dem Umstand an, dass die so Bezeichneten oft besser Russisch als Deutsch sprechen, so dass sie als „Russen“ erscheinen, die Deutsche werden wollen. Der Begriff unterstellt zugleich, dass Deutsche aus Russland derselben ethnischen und sozialen Gruppe angehören wie andere nach Deutschland zugewanderte Menschen, die sich untereinander auf Russisch unterhalten.

Privilegiert sind nur ausgesiedelte Russlanddeutsche nach Art. 116 GG{{Art.|116|gg|juris}} als deutsche Volkszugehörige in Deutschland. Sie erhalten mit vergleichsweise wenig Aufwand die deutsche Staatsangehörigkeit, können also von Anfang an in Deutschland alle Bürgerrechte genießen.

Etymologischer Ursprung


Es handelt sich um eine regional ursprünglich sehr verteilte Gruppe, die nach dem Siedlungsort innerhalb des Russischen Zarenreiches unterteilt werden in Wolgadeutsche, Wolhyniendeutsche, Krimdeutsche, Kaukasiendeutsche, Schwarzmeerdeutsche, Sibiriendeutsche. Einige von ihnen gründeten selbst in Sibirien und im Fernen Osten am Amur Siedlungen. Vielerorts im Reich entstanden deutsche Enklaven als autonome Gemeinden, mit Namen wie Mannheim, Josephsthal oder Schönfeld. Deren gemeinschaftliches Leben wahrte vielfach Traditionen aus der alten Heimat. Sie hatten eigene Kirchen und Ratsversammlungen, die für die deutsche Ortsgemeinschaft bindend waren. Heute leben noch etwa 800.000 Russlanddeutsche in der Russischen Föderation, die letzten Volkszählung (2002) nennt eine Gesamtzahl von 597.212 Deutschen, davon 350.000 in Sibirien (siehe auch Geschichte Sibiriens zur Sowjetzeit).

Heutige Situation in Russland


Am 1. Juli 1991 wurde der 1938 aufgelöste deutsche Nationalkreis Halbstadt (Nekrassowo) im Altai wiedergegründet, am 18. Februar 1992 erfolgte die Gründung des deutschen Nationalkreis Asowo (bei Omsk). Bei Saratow und Wolgograd sollen weitere Nationalkreise oder -bezirke (Okrugs) gegründet werden. In der Nähe von Uljanowsk an der Wolga wurde ebenfalls Anfang der 1990er Jahre der deutsche Dorfsowjet (Dorfrat) von Bogdaschkino gegründet. Die Zukunft dieser autonomen Gebilde auf unterster Stufe ist jedoch fraglich, weil die alteingesessene deutschstämmige Bevölkerung auch von dort mehrheitlich bereits ausgewandert ist. Im Jahr 2010 stellten die Russlanddeutschen nur noch in der Region Altai und im Gebiet Nowosibirsk die größte Minderheit.[http://de.rian.ru/infographiken/20120322/263104324.html Volkszählungen in Russland (1939 bis 2010)], in Ria Nowosti, 2011

In folgenden Regionen leben auch heute noch deutschstämmige Minderheiten:

*Oblast Kaliningrad (Königsberg)
*Region Altai (Barnaul)
*Oblast Nowosibirsk
*Oblast Omsk (darunter im Nationalkreis Asowo)
*Oblast Orenburg
*Oblast Tomsk
*Oblast Saratow
*Oblast Wolgograd
*Republik Chakassien
*Republik Komi
Die im Altai lebenden Deutschen sind zum größten Teil ausgewandert, dennoch gibt es auch hier wieder einen deutschen Nationalkreis.

Prozentual gesehen machen die Deutschen heutzutage rund 0,41 % der gesamten Bevölkerung Russlands aus. In Sibirien leben proportional mehr Deutsche als in anderen Regionen, mehr als 350.000 Russlanddeutsche. Maßgeblich für die Zuordnung ist dabei der Nationalitäteneintrag im russischen Pass, nicht die tatsächliche Verbundenheit mit der deutschen Kultur oder die Beherrschung der deutschen Sprache.

Bekannte Russlanddeutsche











Siehe auch


* Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte
* Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

* Plautdietsch-Freunde

Literatur


* Gerd Stricker: [http://www.buechervielfrass.de/archiv.php4?was=498 Deutsche Geschichte im Osten Europas – Rußland.] Siedler, 1997, ISBN 3-88680-468-2. Mitautoren: Detlef Brandes, Peter Hilkes, Gerhard Hildebrandt, Margarete Busch, Peter Rosenberg, Robert Schweitzer.
* Alfred Eisfeld et al. (Hrsg.): Die Russlanddeutschen. 2. Auflage. Langen/Müller, 1999, ISBN 3784423825.
* Detlef Brandes, Victor Dönninghaus (Hrsg.): Bibliographie zur Geschichte und Kultur der Rußlanddeutschen. Band 2: Von 1917 bis 1998. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56134-0. (= Schriften des Bundesinstituts für Ostdeutsche Kultur und Geschichte. Band 13.)
*In der Internet-Datenbank [http://www.ib.hu-berlin.de/~pbruhn/russgus.htm RussGUS] werden mehrere tausend Publikationen nachgewiesen mit Bezug auf die Deutschen in Russland bzw. der UdSSR
*Bundeszentrale für politische Bildung: Informationen zur politischen Bildung. Heft 267.
* Larissa Dyck, Heinrich Mehl (Hrsg.): Mein Herz blieb in Rußland. Rußlanddeutsche erzählen aus ihrem Leben. Zeitgut, Berlin 2008, ISBN 3-86614-145-9.
*Gerhard Wolter: Die Zone der totalen Ruhe. Die Rußlanddeutschen in den Kriegs und Nachkriegsjahren. Weber, Augsburg 2003, ISBN 3-9808647-0-7.
*Reinhard Aulich: Keine Spur von Romantik. Das generationenübergreifende Schicksal der Rußlanddeutschen. Zu einer Studie von Hugo Eckert. In: Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik. Nr. 423. Stuttgart 2005, ISBN 3-88099-428-5, S. 467–473.
*Birgit Griese: Zwei Generationen erzählen. Campus, 2006, ISBN 3593382113.
*Christian Eyselein: Rußlanddeutsche Aussiedler verstehen. Praktisch-theologische Zugänge. 2006, ISBN 3374023797.
*Hans Hecker: Die Deutschen im Russischen Reich, in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. 2. Auflage. Wissenschaft und Politik. Köln 1998, ISBN 3-8046-8805-5. (Historische Landeskunde, Deutsche Geschichte im Osten. Band 2.)
* Merle Hilbk: Die Chausee der Enthusiasten. Eine Reise durch das russische Deutschland. Aufbau, Berlin 2008, ISBN 978-3-351-02667-7.
* Ferdinand Stoll: Kasachstandeutsche. Migrationsstrategien Kasachstandeutscher im Übergang von ethnischer zu transnationaler Migration – aus der Sicht von Kasachstan. Kisslegg 2007, ISBN 978-3-00-023812-3.
* Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V.: Russlanddeutsche heute. Identität und Integration. Dokumentation des Potsdamer Forums vom 27. Februar 2003 im Alten Rathaus Potsdam. Potsdam 2003, ISBN 978-3936168099.
* Sabine Ipsen-Peitzmeier und Markus Kaiser (Hrsg.): [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/politischeliteratur/566388/ Zuhause fremd – Russlanddeutsche zwischen Russland und Deutschland.] Transcript, Bielefeld 2006, ISBN 3-89942-308-9. (Bibliotheca eurasica)

* Stefanie Theis: Religiosität von Russlanddeutschen. Kohlhammer; 1. Auflage 2006, 978-3170188129. [http://books.google.de/books?id=PtJPbOS7L7cC&pg=PA71&lpg=PA71&dq=%22Gesetz+%C3%BCber+die+Trennung+von+Staat+und+Kirche%22+1918+Sowjetunion&source=bl&ots=PIVrCQg8rM&sig=DU9DK4evU0s4ztIIciIOXh552sw&hl=de&sa=X&ei=3nlcT8ftCsfe4QSt-oGyDw&ved=0CEkQ6AEwBg#v=onepage&q=%22Gesetz%20%C3%BCber%20die%20Trennung%20von%20Staat%20und%20Kirche%22%201918%20Sowjetunion&f=false Blick ins Buch]

Weblinks


* [http://www.deutscheausrussland.de Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.]
* [http://www.rusdeutsch.eu/ Rusdeutsch – Informationsportal der Russlanddeutschen] (IVDK, Moskau)
* [http://www.ornis-press.de ORNIS-Pressedienst] Portal für und über Aussiedler in Deutschland und Russlanddeutsche in Russland und GUS
* [http://www.irwa-v.de IRWA e.V.] Verband russlanddeutscher Wissenschaftler und Akademiker
* [http://www.russlanddeutsche.de/ Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte]
* [http://www.russlanddeutschegeschichte.de Geschichte der Russlanddeutschen] (Die Linde e.V.)
* [http://www.memorial.krsk.ru/deu/index.htm Krasnojarsker Gesellschaft Memorial]
* Viktor Prieb: [http://www.stammbaum-familie-prieb.de Genealogie und Geschichte einer Kolonistenfamilie von der Auswanderung bis zur Heimkehr]
* [http://www.literatur-viktor-prieb.de/ Poesie, Prosa und Publizistik eines Russlanddeutschen] Homepage von Viktor Prieb
* [http://www.rusweb.de/rude.html Link-Sammlung zur Geschichte, Kultur und zu Organisationen von Russlanddeutschen]
* Tatjana Ilarionova und Paul Philippi: [http://www.bkge.de/download/1-310_Aussiedlerpolitik.pdf Erhaltung autochthoner Minderheiten unter Diasporabedingungen.] In: Christoph Bergner, Matthias Weber (Hrsg.): Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland. Bilanz und Perspektiven. 2009. (PDF-Datei, S. 203–213.)
* [http://www.rusdeutsch-autoren.de Bibliothek deutscher Autoren aus Russland]

* [http://www.russlanddeutschegeschichte.de/literatur.htm Literaturliste A - Z mit über 100 Büchern]

Einzelnachweise


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Kategorie:Russlanddeutsche Ethnie
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Kategorie:Sprachinsel
Kategorie:Ethnische Minderheit
Kategorie:Deutschsprachige Minderheit
Kategorie:Auslandsdeutsche

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