Navigation


Richard Dedekind

05.04.2012 @ 13:47, RPI,

miniatur|Porträt (1850)

Julius Wilhelm Richard Dedekind (* 6. Oktober 1831 in Braunschweig; † 12. Februar 1916 ebenda) war ein deutscher Mathematiker.

Leben


miniatur|DDR-Briefmarke

Der Sohn des Braunschweiger Juristen und Hochschullehrers Julius Dedekind besuchte das Martino-Katharineum Braunschweig und studierte ab 1848 Mathematik am dortigen Collegium Carolinum. Das Studium setzte er ab 1850 in Göttingen fort, wo er 1852 bei Carl Friedrich Gauß als dessen letzter Schüler über die Theorie Eulerscher Integrale nach nur vier Semestern promovierte. Mathematik hörte er aber vor allem bei Moritz Abraham Stern und Georg Ulrich an dem gerade neu von Stern eingerichteten mathematisch-physikalischen Seminar und Physik bei Wilhelm Weber und Johann Benedict Listing. Bei Gauß hörte er im Wintersemester 1850/51 über die Methode der kleinsten Quadrate (die Dedekind als eine der schönsten Vorlesungen in Erinnerung behielt, die er je hörte) und im folgenden Semester über höhere GeodäsieBiermann, Artikel Dedekind in Dictionary of Scientific Biography. Seit 1850 gehörte Dedekind der Burschenschaft Brunsviga anHeinrich Bünsow: Geschichte und Verzeichnis der Mitglieder der Burschenschaft Brunsviga zu Göttingen 1848–1933, Göttingen 1933, S. 4 Nr. 46. und bekleidete dort im Sommersemester 1852 das Amt des Schriftführers und Kassenwartes. 1854 habilitierte er sich ebenfalls in Göttingen, kurz nach Bernhard Riemann, mit dem er befreundet war. Nach dem Tode von Gauß wurde 1855 Peter Gustav Dirichlet dessen Nachfolger und freundete sich mit Dedekind an. Dedekind wurde 1858 Ordinarius am Polytechnikum Zürich und war von 1862 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1894 Professor für Mathematik in Braunschweig an der dortigen Technischen Hochschule. 1872 bis 1875 war er deren Direktor. Er erhielt zwar mehrere Rufe an angesehene Universitäten, zog es aber vor, in seiner Heimatstadt Braunschweig zu bleiben. Ein Hauptgrund war die enge Verbundenheit mit seiner Familie (er hatte einen Bruder und eine Schwester, war aber nicht verheiratet). Auch nach seiner Emeritierung 1894 hielt er noch gelegentlich Vorlesungen. 1859 besuchte er mit Riemann Berlin, wo er auch Leopold Kronecker, Ernst Eduard Kummer und Karl Weierstraß traf. 1878 besuchte er Paris anlässlich der Weltausstellung.

Dedekind war seit 1862 korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften, ab 1880 Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, ab 1900 korrespondierendes Mitglied und ab 1910 auswärtiges Mitglied der Academie des Sciences in Paris. Er war Mitglied der Leopoldina und der Akademie in Rom. Er war Ehrendoktor in Oslo, Zürich und Braunschweig.

Dedekind starb am 12. Februar 1916 und wurde auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof beigesetzt.

Dedekind spielte sehr gut Cello und Klavier und komponierte eine Kammeroper, zu der sein Bruder das Libretto schrieb.Biermann, Artikel Dedekind in Dictionary of Scientific Biography

Werk


Richard Dedekind gab 1888 in der Schrift „Was sind und was sollen die Zahlen?“ die erste exakte Einführung der natürlichen Zahlen durch Axiome.Dedekinds Axiome sind gleichwertig zu den Peano-Axiomen, die von Dedekind abweichen und unabhängig von ihm entstanden sind. Dazu: Hubert Kennedy: The origins of modern Axiomatics, in: American Mathematical monthly, 79 (1972), 133-136. Auch in: Kennedy: Giuseppe Peano, San Francisco, 2002, S. In seiner Schrift „Stetigkeit und Irrationalzahlen“ von 1872 gab er die erste exakte Definition der reellen Zahlen mit Hilfe der Dedekindschen Schnitte. Im Anhang der Zahlentheorie seines Lehrers Dirichlet stellte er seinen Aufbau der Idealtheorie dar, die damals in Konkurrenz zu der von Leopold Kronecker stand. Das war das berühmte Supplement X in der Auflage von Dirichlets Zahlentheorie von 1871, später Supplement XI genannt. Nach ihm benannt sind hier die Dedekindringe und ferner die dedekindsche η-Funktion in der Theorie der Modulformen, die dedekindsche ζ-Funktion eines algebraischen Zahlkörpers, der Dedekindsche Komplementärmodul, Dedekindsche Summen sowie die Begriffe „Dedekind-unendlich“ und „Dedekind-endlich“.

miniatur|rechts|Grab auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof

Dedekind spielte eine wesentliche Rolle bei der Herausarbeitung der abstrakten Algebra. Der algebraische Begriff Ring wurde von Dedekind eingeführt ebenso wie EinheitBiermann, Artikel Dedekind, Dictionary Scientific Biography und der Körperbegriff.Hans Wußing 6000 Jahre Mathematik, Springer Verlag, Band 2, S. 226. Er verweist auf Purkert Zur Genesis des abstrakten Körperbegriffs, NTM Schriftenreihe 1971 Dedekind war darüber hinaus ein Pionier der Gruppentheorie: in seinen Vorlesungen 1855/56 gab er die erste moderne Darstellung der Galoistheorie (die neben Transformationsgruppen in der Geometrie und neben der Zahlentheorie als dritte Wurzel für die Herausbildung des Gruppenbegriffs im 19. Jahrhundert wichtig war) mit Einführung des abstrakten Gruppenbegriffs als Automorphismengruppe von Körpererweiterungen.Hans Wußing 6000 Jahre Mathematik, Springer Verlag, Band 2, S. 207 1897 führte er unabhängig von George Abram Miller Kommutatoren und Kommutatorgruppen ein. Der Begriff des Verbandes geht ebenfalls auf Dedekind (11. Supplement von Dirichlets Zahlentheorie 1894) und Ernst Schröder Ende des 19. Jahrhunderts zurück, blieb aber zunächst unbeachtet.

Er stand mit Georg Cantor in den 1870er Jahren in Briefwechsel, der für die frühe Geschichte der Cantorschen Mengenlehre von Bedeutung ist.Dauben Cantor, Princeton University Press 1979, S.2 Beispielsweise entwickelte Cantor im Rahmen dieses Briefwechsels seinen Beweis der Überabzählbarkeit der reellen Zahlen (Brief vom 7. Dezember 1873). Beide hatten sich zufällig 1872 in der Schweiz kennengelernt. Ihre Freundschaft endete aber, nachdem sich Dedekind weigerte zu Cantor an die Universität Halle zu wechseln. Dedekind hatte schon in den 1860er Jahren in seinen algebraischen Arbeiten mit Mengen gerechnet, ohne dies explizit zu erwähnen und verwendete Mengenlehre bei der Entwicklung seines Konzepts des Dedekind-Schnitts (herausgearbeitet schon 1858 in Vorlesungen über Analysis in Zürich)Biermann, Artikel Dedekind, Dictionary of Scientific Biography .

Die abgebildete Briefmarke erinnert an seinen Satz von der eindeutigen Zerlegbarkeit der Ideale in Primideale im Ring der ganzen Zahlen eines algebraischen Zahlkörpers.

Er gab sowohl die nachgelassenen Schriften seines Lehrers Dirichlet heraus als auch die seines Freundes Bernhard Riemann, für dessen Gesammelte Werke er auch eine Biographie schrieb. Auch an der Herausgabe der Werke von Carl Friedrich Gauß war er beteiligt.

Zitate


In seiner Schrift Was sind und was sollen Zahlen? schrieb er 1888:
{{Zitat|Was beweisbar ist, soll in der Wissenschaft nicht ohne Beweis geglaubt werden.}}

{{Zitat|Die Zahlen sind freie Schöpfungen des menschlichen Geistes, sie dienen als Mittel, um die Verschiedenheit der Dinge leichter und schärfer aufzufassen. Durch den rein logischen Aufbau der Zahlenwissenschaft und durch das in ihr gewonnene stetige Zahlenreich sind wir erst in den Stand gesetzt, unsere Vorstellungen von Raum und Zeit genau zu untersuchen, indem wir dieselben auf dieses in unserem Geiste geschaffene Zahlenreich beziehen.}}

Siehe auch


* Extensionalitätsaxiom

Schriften


* Stetigkeit und irrationale Zahlen, Braunschweig, Vieweg 1872, 2. Auflage 1892, auch Gesammelte Werke, Band 3, S. 315-334
* Was sind und was sollen die Zahlen ? 1.Auflage, Vieweg, Braunschweig 1888, [http://www.archive.org/details/wassindundwasso00dedegoog Scan eines Buches von 1893], 10. Auflage Vieweg 1965, auch Gesammelte Werke, Band 3, S. 335-391
* [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN30976923X Dirichlet, Dedekind: Vorlesungen über Zahlentheorie, 2. Auflage, Vieweg, 1871]
* [http://gdz.sub.uni-goettingen.de/no_cache/dms/load/toc/?IDDOC=46284 Gesammelte mathematische Werke (Hrsg. von Emmy Noether, Robert Fricke, Oystein Ore)], Braunschweig, Vieweg, 3 Bände, 1930 bis 1932
*Über die Theorie der ganzen algebraischen Zahlen, Braunschweig, Vieweg 1964 (Geleitwort Bartel Leendert van der Waerden), das 11. Supplement von Dedekind zu Dirichlets Zahlentheorie, auch in Gesammelte Werke, Band 3, englische Ausgabe Theory of algebraic integers, Cambridge University Press 1996 (Übersetzer und Herausgeber John Stillwell)
*Vorlesung über Differential- und Integralrechnung 1861/62, Vieweg 1985 (Mitschrift von Heinrich Bechtold, herausgegeben von Winfried Scharlau, Max-Albert Knus)

*Briefwechsel Cantor-Dedekind, Paris 1937 (Herausgeber Emmy Noether, Jean Cavaillès)

Literatur


* Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert, Hannover 1996, S. 137
* Winfried Scharlau (Hrsg.): Richard Dedekind, 1831-1981: eine Würdigung zu seinem 150. Geburtstag, Vieweg, 1981
* Heiko Harborth, Maria Heuer, Harald Löwe, Rainer Löwen, Thomas Sonar: Gedenkschrift für Richard Dedekind. Ein Beitrag der Wirtschaft, vertreten durch die Industrie- und Handelskammer Braunschweig [http://www.braunschweig.ihk.de/pressearchiv/2007/?viewMeldung=meldung_1198241577.98 (Hrsg. IHK Braunschweig, PDF ca. 6 MB, Braunschweig 2007)].
* Heiko Harborth, Karl Gerke: Zum Leben des Braunschweiger Mathematikers Richard Dedekind. in Brunswiek 1031- Braunschweig 1981, Ausstellungskatalog Städtisches Museum Braunschweig
* Pierre Dugac: Richard Dedekind et les fondements de la mathematique. Paris 1976
*Kurt-R. Biermann Richard Dedekind, in Dictionary of Scientific Biography

Weblinks


{{Commons|Richard Dedekind}}
* {{DNB-Portal|118524259}}
* [http://www.braunschweig.de/kultur_tourismus/sehenswuerdigkeiten/blik/personen/richard_dedekind.html Richard Dedekind] als Persönlichkeit im [http://www.braunschweig.de/blik BLIK – Braunschweiger Leit- und Informationssystem für Kultur]
* {{MacTutor Biography|id=Dedekind}}
* [http://finanz.math.tugraz.at/~predota/old/history/mathematiker/dedekind.html Kurzbiografie]

* [http://www.genealogy.math.ndsu.nodak.edu/html/id.phtml?id=18233 Eintrag im Mathematics Genealogy Project]

* Lebensbilder Brunsviga: http://www.brunsviga.net/29.0.html

Einzelnachweise


{{Normdaten|PND=118524259|LCCN=n/82/56090|VIAF=66545704}}

{{SORTIERUNG:Dedekind, Richard}}
Kategorie:Mathematiker (19. Jahrhundert)
Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Braunschweig)
Kategorie:Hochschullehrer (ETH Zürich)
Kategorie:Mitglied der Accademia dei Lincei
Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Kategorie:Burschenschafter
Kategorie:Deutscher
Kategorie:Geboren 1831
Kategorie:Gestorben 1916

Kategorie:Mann

{{Personendaten
|NAME=Dedekind, Richard
|ALTERNATIVNAMEN=Dedekind, Julius Wilhelm Richard (vollständiger Name)
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Mathematiker
|GEBURTSDATUM=6. Oktober 1831
|GEBURTSORT=Braunschweig
|STERBEDATUM=12. Februar 1916
|STERBEORT=Braunschweig

}}

ar:ريتشارد ديدكايند
az:Riçard Dedekind
bg:Рихард Дедекинд
bn:রিচার্ড ডেডেকিন্ড
ca:Julius Wilhelm Richard Dedekind
cs:Richard Dedekind
da:Richard Dedekind
Richard Dedekind
eo:Julius Wilhelm Richard Dedekind
es:Julius Wilhelm Richard Dedekind
fa:ریچارد ددکیند
fi:Richard Dedekind
Richard Dedekind
he:ריכרד דדקינד
ht:Richard Dedekind
hu:Richard Dedekind
it:Richard Dedekind
ja:リヒャルト・デーデキント
ka:რიხარდ იულიუს ვილჰელმ დედეკინდი
ko:리하르트 데데킨트
la:Richardus Dedekind
nl:Richard Dedekind
nn:Richard Dedekind
no:Richard Dedekind
pl:Richard Dedekind
pms:Richard Dedekind
pt:Richard Dedekind
ro:Richard Dedekind
ru:Дедекинд, Юлиус Вильгельм Рихард
sk:Richard Dedekind
sl:Julius Wilhelm Richard Dedekind
sr:Јулијус Вилхелм Рихард Дедекинд
sv:Richard Dedekind
tr:Richard Dedekind
uk:Ріхард Дедекінд
zh:理查德·戴德金
zh-classical:戴德金

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Richard Dedekind der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.