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Philipp Lersch

07.02.2012 @ 10:38, Dr. Berth,

Philipp Lersch (* 4. April 1898 in München; † 15. März 1972 ebenda) war ein deutscher Psychologe. Lersch zählte in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu den führenden Vertretern der deutschen Ausdruckspsychologie.

Leben

Philipp Lersch studierte in München Literaturgeschichte, Psychologie und Philosophie. Er schloss sein Studium im Jahre 1923 mit einer Dissertation im Fach Literaturgeschichte ab. Diese Arbeit trug den Titel Traum in der deutschen Romantik. In den Jahren 1925 bis 1933 arbeitete Lersch unter Max Simoneit am Psychologischen Laboratorium des Reichswehrministeriums an der Ausarbeitung charakterologischer Eignungstests für Offiziersbewerber mit. Ab den dreißiger Jahren wirkte Lersch zugleich an der TH Dresden, an der er Aufnahmeprüfungen für Lehramtsstudenten erarbeitete.

Obschon Lersch nie der NSDAP beitrat, trug er nach dem Wahlsieg der Nationalsozialisten in Deutschland deren Ziele mit. 1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler. Im Jahr 1937 übernahm er den neueingerichteten Lehrstuhl für Psychologie in Breslau. Zwei Jahre später wechselte er auf den Leipziger Lehrstuhl von Felix Krueger, dem Begründer der zweiten Leipziger Schule. 1938 veröffentlichte Lersch sein bekanntestes Werk Der Aufbau des Charakters (ab 1950 unter dem Titel Aufbau der Person), das bis 1970 in elf Auflagen erschien.

Im Dezember des Jahres 1941 trat Lersch auf einer Veranstaltung der Universität öffentlich für das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten ein. Die Rede war gegen Kardinal von Galen gerichtet, der gegen die Euthanasie predigte. Nicht zuletzt diese Rede führte in der Nachkriegszeit 1948 zu einem Spruchkammerverfahren gegen Lersch. Es endete mit seiner Einstufung als Mitläufer. Der Spruch ermöglichte ihm, die 1942 angetretene Psychologieprofessur an der Universität München bis 1966 ungehindert fortzusetzen. Von 1954 bis 1955 war Lersch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Das psychologische Werk

Lerschs Schriften sind von der Ganzheitspsychologie der zwanziger Jahre geprägt. Er orientierte sich in seinem Ansatz vor allem an der verstehenden Psychologie von Wilhelm Dilthey. Lersch sah den Willen als die wichtigste Instanz den Gefühlen gegenüber. Der Wille wird bei Lersch einem höheren Ziel untergeordnet. Tugenden wie Entschlusskraft, Selbstständigkeit und innere Willenshaltung würden sich erst dann voll entfalten, wenn die eigenen Bedürfnisse unterdrückt würden. Alles sollte einem Ganzen untergeordnet werden, was in der NS-Zeit als Unterordnung unter die Volksgemeinschaft verstanden wurde.

Schriften

  • Gesicht und Seele. Grundlinien einer mimischen Diagnostik. Reinhardt, München 1932.
    * Der Aufbau des Charakters. J.A. Barth, Leipzig 1938.
    * Das Problem der Vererbung des Seelischen. J. A. Barth, Leipzig 1942.
    * Sprache als Freiheit und Verhängnis. München 1947.

    * Aufbau der Person. 11. Aufl., J. A. Barth, München 1970.

    Literatur

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    * Klaus Weber: Vom Aufbau des Herrenmenschen. Phillipp Lersch – Eine Karriere als Militärpsychologe und Charakterologe. Centaurus Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler 1993.

    Weblinks

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