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Oliver Grau

16.05.2012 @ 22:19, =,

Oliver Grau (* 24. Oktober 1965) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Medientheoretiker mit Schwerpunkt im Bereich Bildwissenschaft/Visuelle Kommunikation, in der Moderne und Medienkunst sowie in der Kultur des 19. Jahrhunderts und der italienischen Kunst der Renaissance.


Leben


Nach dem Studium in Hamburg (bei Martin Warnke und Klaus Herding u.a.), Siena (bei Luciano Bellosi), London und der Promotion in Berlin bei Horst Bredekamp und Friedrich Kittler, lehrte und forschte Grau an der Humboldt-Universität zu Berlin, verbrachte Gastaufenhalte an Forschungslabs in Japan und USA und war nach der Habilitation 2003 als Vertretungsprofessor an internationalen Universitäten tätig. Seit 2005 ist er Inhaber des ersten Lehrstuhls für Bildwissenschaften im deutschen Sprachraum und Leiter des Departments für Bildwissenschaften an der Donau-Universität Krems. Grau ist Beirat und Gutachter verschiedener Fachzeitschriften, Verbände und Stiftungen.

Forschung


Seine bildwissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte konzentrieren sich auf die Geschichte von Medienkunst, Immersion und Emotionen sowie auf die Geschichte, Idee und Kultur "belebter" und telematischer Bilder, bzw. Telepräsenz, sowie auf die Entwicklung bildwissenschaftlicher Arbeitsinstrumente, wie Online-Bild- und -Videodatenbanken.

Immersion


Sein Buch Virtual Art: From Illusion to Immersion wurde in wesentlich erweiterter Form aus dem Deutschen in die englische, portugiesische, chinesische und kroatische Sprache übersetzt, erhielt über 50 Fachrezensionen und wurde gemäß Google Scholar bislang über 400 mal in wissenschaftlichen Publikationen zitiert. Es enthält eine historisch vergleichende Bild-Betrachtertheorie der Immersion sowie eine systematische Analyse der Trias von Künstler, Werk und Betrachter unter den Bedingungen Digitaler Kunst. Grau entwickelt ein Erklärungsmodell für die Evolutionsgeschichte der Illusionsmedien: Diese resultiere aus der relativen Abhängigkeit neuer sensueller Suggestionspotentiale und den diesen gegenüberstehenden Distanzierungskräften, der Medienkompetenz ihrer Betrachter (Grau 2000). Grau untersuchte zugleich interdisziplinär Methoden, den Immersionseindruck der Betrachter in Digitalen Bildräumen hervorzurufen, bzw. zu steigern: Dieses geschehe insbesondere durch die Interaktion (Reaktion der Bilder in Echtzeit auf die Benutzerbewegung Grau 1999-2007), die Verwendung evolutionärer Bildprozesse - etwa durch Genetische Algorithmen - (Grau 1997 und 2001), haptisches Feedback, die natürliche Gestaltung des Interface (Grau 2002), den Eindruck telematischer Präsenz (Grau 2000) und insbesondere durch die umfassende Gestaltung des Bilddisplays, dass das zumindest das Gesichtsfeld der Betrachter ausfülle und bis zu 360° horizontal und vertikal gesteigert werde (Grau 2001 und 2003). Hergebrachte monomediale Ansätze der Illusionsforschung wurden mit diesen Studien zu überwinden versucht und statt dessen Begriffe wie Polysensualität, Suggestionspotential, Bildraum, individuelle Disposition der Betrachter, Evolution der visuellen Medien eingeführt und bestehende Distanztheorien von Cassirer, Panofsky u.a. für Digitale Bildräume erweitert. Ferner wurden Untersuchungen zur innovativen Verbindung von Architektur und immersiven Bewegtbildern vorgelegt (Grau 2003 u.a.), sowie zur Immersion in der Geschichte des Films (Grau 2006 und 2007).

Die Mehrzahl der Publikationen gehen auf zwei mehrjährige Forschungsprojekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft zurück ('Kunstgeschichte und Medientheorien der Virtuellen Realität' 1998-2002 sowie 'Immersive Kunst' 2002-2005).

Emotionsforschung


Aus mehreren Forschungsprojekten an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina und zwei durch die Volkswagenstiftung geförderten Sommerakademien ging u.a. eine interdisziplinäre Studie zur Geschichte der Lenkung von Gefühlen durch Bild und Sound hervor (GRAU 2005). Die Forschungen von Damasio, LeDoux und Singer erweiternd, wurde am Beispiel von Grünwalds "Isenheimer Altar", Leni Riefenstahls "Triumph des Willens" und dem Computer Game "Americas Army" die gemeinschaftsformende Wirkung emotionaler Bilderlebnisse nachgewiesen und damit ein problematischer Schlüsselbegriff der Bildwissenschaften erforscht.

Medienkunstgeschichte


Seit 2002 brachte Grau die interdisziplinären Forschungen zur Medienkunst und ihrer Geschichte in gemeinsamen Konferenzen zusammen (vgl. Grau 2007), was 2005 zur ersten Konferenz zur Medienkunstgeschichte in Banff führte. Es fanden weitere Konferenzen in Berlin (2007) und Melbourne (2009) Liverpool (2011) statt, 2013 wird die Serie in Riga fortgesetzt (vgl. das Online-Textarchiv mediaarthistory.org).

Bildwissenschaftliche Arbeitsinstrumente


Grau konzipierte bildwissenschaftliche Arbeitsinstrumente für die Geisteswissenschaften/Digital Humanities, so leitete er an der Humboldt-Universität das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt Immersive Kunst, dessen Team seit 1998 die Database of Virtual Art, das erste internationale Archiv für Digitale Kunst entwickelte, das open source an der Donau-Universität weiter geführt wird. Als erstes Onlinearchiv streamte die DVA seit 2000 regelmäßig Videodokumentationen. Seit 2005 ist Grau zudem Leiter der Datenbank der Graphischen Sammlung Göttweig, Österreichs größter privater graphischen Sammlung, die 30.000 Werke von Albrecht Dürer bis Gustav Klimt umfasst, online seit 2007.

Grau entwickelte internationale Curricula für die Bildwissenschaften: das MA-Programm MediaArtHistory, die Akademischen Experten Programme Digitales Sammlungsmanagement und Ausstellungsdesign, Visuelle Kompetenzen CP sowie die Masterprogramme Bildwissenschaften und Crossmedia, ferner entstand mit den Danube Telelectures ein neues interaktives Vortrags- und Debattenformat, das international gestreamt wird.

Grau wurde 2001 in die Junge Akademie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina gewählt; 2002 InterNationes/Goethe Institut; 2003 Book of the Month, Scientific American; 2003 war Grau Stipendiat des Deutsch-Italienischen Zentrums Villa Vigoni; 2004 erhielt er den Mediensonderpreis der Humboldt-Universitätsgesellschaft.

Veröffentlichungen


Monographien


* Die Sehnsucht, im Bild zu sein. Zur Kunstgeschichte der virtuellen Realität. Dissertation. Humboldt-Universität, Berlin 1999.
* Virtual Art. From Illusion to Immersion. MIT-Press, Cambridge 2003 (Chinesisch 2006, Serbisch 2008, Portugiesisch 2009).

* Bildwerdung. Habilitationsschrift. Kunstuniversität, Linz 2004.

Herausgeberschaften und publizierte Datenbanken (Auswahl)


* Imagery in the 21st Century. MIT-Press, Cambridge 2011. Mit Beiträgen von James Elkins, Eduardo Kac, Peter Weibel, Lew Manowitsch, Olaf Breidbach, Martin Kemp, Sean Cubitt, Christa Sommerer, Marie Luise Angerer, Wendy Chun und anderen.
* MediaArtHistories. MIT-Press, Cambridge 2007. Mit Beiträgen von Rudolf Arnheim, Barbara Stafford, Sean Cubitt, W. J. T. Mitchell, Lev Manovich, Christiane Paul, Peter Weibel und anderen. [http://www.donau-uni.ac.at/de/department/bildwissenschaft/forschung/publikationen/index.php Rezensionen]
* Mediale Emotionen. Zur Lenkung von Gefühlen durch Bild und Sound, Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2005. Mit Beiträgen von Rudolf Arnheim, Burkhardt Lindner, Sigrid Weigel William James, Joseph Imorde, Jens Eder und anderen.
* [http://www.virtualart.at Database of Virtual Art]
* [http://www.gssg.at Graphische Sammlung Göettweig-Online]

* [http://www.mediaarthistory.org MediaArtHistories Archive - platform of the field]

Mitglied der Boards der referierten wissenschaftlichen Zeitschriften und Institutionen

* RUNDBRIEF FOTOGRAFIE, Deutschland
* International Journal of Art and Technology, United Kingdom
* EKFRASE: Nordisk Tidsskrift for Visuell Kultur, Norway
* International Journal of Media & Cultural Politics, United Kingdom
* IMAGES, Journal for Visual Studies in Southeast Europe
* IJArt Journal, United Kingdom
* JUNCTURES The Journal for Thematic Dialogue, New Zealand
* Jordan Journal of the Arts
* SECOND NATURE: International Journal of Creative Media, Australia

* Interdisciplinary Research Center Humanities/Art/Technology, Adam Mickiewicz University, Poznan, Poland

Weblinks


* {{DNB-Portal|122271599}}
*[http://www.donau-uni.ac.at/de/department/bildwissenschaft/index.php Department für Bildwissenschaften der Donau-Universität]
*[http://www.virtualart.at Database of Virtual Art]
*[http://www.mediaarthistory.org MediaArtHistories Archive]

*[http://www.gssg.at Graphische Sammlung Göettweig-Online]

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