Nordic Walking
thumb|Marko Kantaneva, Begründer des Nordic Walking. Typisch ist der große Schritt und die schräge Haltung der Stöcke etwa im Winkel von sechzig Grad.
thumb|Nordic Walking auf dem [[Laufband in einem Fitnessstudio]]
Nordic Walking ist eine Ausdauersportart, bei der Gehen durch den Einsatz von zwei Stöcken im Rhythmus der Schritte unterstützt wird.
Geschichte
Die Anfänge dieses Sports liegen in den 1930er-Jahren. Schon damals wurde im deutschsprachigen Raum unter dem Namen Stockgang oder Stocklauf schnelles Gehen von Langläufern im Sommer und Herbst in das Training integriert, um die Kondition zu verbessern und so schon im Winter in höhere Trainingsintensitäten einzusteigen.
Einer der ersten Walking-Stöcke mit Gummipuffern an der Spitze wurde von Tom Rutlin vorgestellt und 1988 in den USA eingeführt.The Capital Times newspaper, Madison, WI, USA, 13. Dezember 1988.
1992 wurde in der amerikanischen Fachliteratur das Pole Walking (Pole = Skistock) vorgestellt. Darunter verstand man Walking mit modifizierten Skistöcken zur Unterstützung der typischen Langlauf-Armbewegung. In Studien von Stoughton, Larkin und Karavan 1992 und Hendrickson 1993 wurden Ausdauereffekte, Trainingsreize und psychologische Profile von Walking mit Stöcken untersucht. Ein Effekt dieser Studienergebnisse war, dass das Nordic Walking als Ausdauersportart propagiert wurde. Da es keinen typischen Walking-Stock gab und die Technik des Nordic Walking nicht weiter entwickelt wurde, ebbte das Interesse bald ab.{{Belege}}
Während einer Messe 1997 wurde dann der Stock vom Erfinder des Nordic-Walkings Marko Kantaneva vorgestellt. Aus seiner Diplomarbeit und der Kooperation mit der Firma Exel wurde dort dem Publikum diese Sportart präsentiert. Man gewann den Messepreis und somit viel Presseaufmerksamkeit, und bereits 1998 stieg der Verkauf der Stöcke rasant an. Zur Verbreitung und Vermarktung der Sportart wurden verschiedene Verbände gegründet.
Allgemein
Der Einsatz von Stöcken macht aus Walking ein Training, bei dem zusätzlich die Muskulatur des Oberkörpers beansprucht wird. Nordic-Walking ist für ambitionierte Sportler ebenso geeignet wie für untrainierte Menschen.
Die Gelenke werden jedoch, entgegen anders lautenden Behauptungen, mehr belastet als beim normalem Spazieren.Thomas Jöllenbeck, Daniel Leyser, Claudia Classen, Melanie Mull, Christian Grüneberg: [http://www.bad-sassendorf.de/nordicwalkingfeldstudie.html Nordic Walking – Eine Feldstudie über den Mythos Gelenkentlastung.]. In: Freiwald, J., Jöllenbeck, T., Olivier, N. (Hrsg.): Prävention und Rehabilitation. Symposiumsbericht Bad Sassendorf 2006, Strauß, Köln, 2007, 399-405. Nach einer Studie von Sportmedizinern des Krankenhauses für Sportverletzte in Hellersen ist der Sauerstoffverbrauch (und daraus folgernd die Ausdauerbelastung) beim Nordic Walking mit korrekter Ausführung ca. 5 % höher als beim konventionellen Walking, wenn dieses ohne zusätzliche Oberkörperbewegungen durchgeführt wird.Dr. Volker Höltke, M. Steuer, H. Jöns, S. Krakor, T. Steinacker, E. Jakob: [http://www.sportkrankenhaus.de/Ergebnisse/Nordic-Walking.pdf Vergleich von Walking und Nordic-Walking im moderaten Intensitätsbereich] Hamburg und Hellersen 2005.
Bewegungsablauf
Walking ist eine Sportart mit zyklischem Bewegungsablauf. Der rechte Stock hat immer dann Bodenberührung, wenn die linke Ferse aufsetzt, der linke Stock, wenn die rechte Ferse aufsetzt. Die Stöcke werden nah am Körper geführt. Der jeweilige Stock wird schräg nach hinten eingesetzt; der Stockeinsatz sollte immer unterhalb des Körperschwerpunktes, also in der Schrittstellung auf der vertikalen Körperachse erfolgen. Es gibt Trainingsarten, bei denen die Hand ständig geöffnet und geschlossen wird.
Ausrüstung
Nordic-Walking-Stöcke bestehen aus leichten Materialien wie CFK, CFK-Glasfaser-Mischung oder Aluminium. CFK dämpft Schwingungen besser als Aluminium und ist stabiler. Ein abnehmbarer Gummischutz auf den Stockspitzen absorbiert zusätzlich Schläge und mindert Geräusche auf Asphalt. Handschlaufen dienen in erster Linie der Kraftübertragung vom Arm auf den Stock und in zweiter Linie zur Sicherung gegen Rutschen.
Ein zu kurzer oder zu langer Stock ist bei einer funktionalen Bewegungsausführung hinderlich. Für die Länge der Stöcke kann folgende Faustformel empfohlen werden: Körpergröße (in cm) x 0,66 = Stocklänge. Es empfiehlt sich, im Zweifel eine etwas kürzere Stocklänge als berechnet auszuwählen, damit es nicht zu Ausweichbewegungen in den Schultergelenken kommt. Viele Stöcke lassen sich in der Länge durch Teleskoprohre verstellen.
Die Anforderungen an einen Laufschuh und einen Walking-Schuh sind ähnlich. Im Vergleich zum Jogging-Schuh sind der Fersenbereich und die gesamte Sohle im Walking-Schuh stärker abgerundet und sollen so für ein flüssiges Abrollen sorgen.
Kritik
*Verschiedene Stimmen sehen in der Sportart Nordic-Walking einen von Zubehörherstellern ausgelösten Trend.
*Studien haben ergeben, dass die Gelenke, entgegen anders lautenden Behauptungen, mehr belastet werden als beim normalem Spazieren.Thomas Jöllenbeck, Daniel Leyser, Claudia Classen, Melanie Mull, Christian Grüneberg: [http://www.bad-sassendorf.de/nordicwalkingfeldstudie.html Nordic Walking – Eine Feldstudie über den Mythos Gelenkentlastung.]. In: Freiwald, J., Jöllenbeck, T., Olivier, N. (Hrsg.): Prävention und Rehabilitation. Symposiumsbericht Bad Sassendorf 2006, Strauß, Köln, 2007, 399-405.
*Zusätzlicher Kritikpunkt ist die Wahrnehmung, die Mehrzahl der Nordic Walking ausübenden Menschen würde die Technik nicht beherrschen und nur "mit schleifenden Stöcken" spazieren gehen oder den Sport mit einer zu niedrigen Intensität ausführen. Allerdings wird gerade von medizinischer Seite positiv bemerkt, dass sich viele Menschen so wenigstens überhaupt bewegen.
Deutsche Meisterschaft
Im Oktober 2010 fand im oberschwäbischen Altshausen die Deutsche Nordic Walking Meisterschaft im Halbmarathon mit 194 Teilnehmern statt.
Nordic-Walking-Parks
Groß angelegte Nordic-Walking-Parks bieten Anfängern und Fortgeschrittenen mittlerweile in ganz Europa die Möglichkeit, ihren Freizeitsport auszuüben. Das meist landschaftlich besonders reizvolle und beschilderte Streckennetz mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden lässt sich auch von Wanderern und Läufern nutzen.
Fußnoten
Literatur
* Thomas Jöllenbeck, Christian Grüneberg: Gesund durch Nordic Walking – Prävention oder Mythos?, in: Physiotherapie, 2008, 2, 23-26 [http://www.bad-sassendorf.de/nordicwalkingfeldstudie.html HTML-Datei]
* Harald Lange: Optimales Walking. Der Weg zu einem stimmigen Trainingskonzept und seine Anwendung in der Praxis, Spitta, Balingen 2006, ISBN 3-934211-96-8
* Ulrich Pramann, Bernd Schäufle: Nordic Walking für Einsteiger, Südwest, München 2005, ISBN 3-517-06862-4
* Johannes Roschinsky: Nordic Walking, Meyer & Meyer, Aachen 2004, ISBN 3-89899-020-6
* Andreas Wilhelm, Christian Neureuther, Rosi Mittermaier: Nordic Walking Praxisbuch, Droemer Knaur, München 2006, ISBN 3-426-64341-3
Weblinks
{{Commonscat|Nordic walking}}
* {{dmoz|World/Deutsch/Sport/Laufen/Walking/Nordic_Walking|Nordic Walking}}
* [http://www.e-walking.de/dbwalkingbook/artikel463.html Bibliografie "Walking" bis 2006]
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