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New Deal

27.05.2012 @ 22:56, Pass3456,

{{Dieser Artikel|behandelt die amerikanischen Wirtschafts- und Sozialreformen von 1933 bis 1938. Zum 1998 konzipierten Sozialprogramm im Vereinigten Königreich siehe New Deal (Großbritannien).}}

miniatur|Ein [[Schulspeisungsprogramm gegen die Unterernährung von Kindern war eine der Maßnahmen zur Linderung der Not.Ellen Woodward, [http://newdeal.feri.org/works/wpa02.htm Hot Lunches for a Million School Children], National Archives, Record Group 69, Series 737, Box 8]]

Der New Deal war eine Serie von Wirtschafts- und Sozialreformen, die unter Präsident Franklin Delano Roosevelt als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise durchgesetzt wurden. Er stellt einen großen Umbruch in der Wirtschafts-, Sozial- und Politikgeschichte der Vereinigten Staaten dar.Willi Paul Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, 2. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2007, ISBN 978-3486584660, S. 173. Die zahlreichen Maßnahmen wurden von Historikern nach ihrer jeweiligen Zwecksetzung in solche unterteilt, die kurzfristig die Not lindern sollten (relief, {{EnS}} für ‚Erleichterung‘), in Maßnahmen, welche die Wirtschaft wieder ankurbeln sollten (recovery, ‚Erholung‘) und in langfristige Maßnahmen (reform, ‚Reform‘). Unter relief fielen die Hilfen für die zahlreichen Arbeitslosen und Armen, unter recovery unter anderem die Änderung der Geldpolitik und unter reform zum Beispiel die Regulierung der Finanzmärkte und die Einführung von Sozialversicherungen.

Die Frage wie erfolgreich der New Deal war, ist bis heute umstritten. Die Beantwortung der Frage hängt auch von der Perspektive ab. Bewertet man den Erfolg oder Misserfolg des New Deal an der Überwindung des bei Roosevelts Amtsantritt bestehenden desolaten Zustands der amerikanischen Wirtschaft oder an dem Wunsch nach (der erst mit Kriegseintritt erreichten) Vollbeschäftigung und hoher Massenkaufkraft? Ähnlich verhält es sich mit der Bewertung der Sozialpolitik des New Deal. Einerseits können in der Grundsteinlegung eines Sozialstaates und darin, dass das Recht eines jeden Amerikaners auf einen gesicherten Lebensunterhalt zum Bestandteil des Alltags wurde, Meilensteine amerikanischer Sozialpolitik gesehen werden. Anderseits lässt sich auch betonen, dass Soziale Sicherheit für alle und eine „gerechte“ Einkommens- und Vermögensverteilung in Roosevelts Amtszeit nicht erreicht werden konnte. Jenseits der Kontroversen gibt es eine Reihe von Feststellungen, auf die sich alle Interpreten einigen können. Mit der massiven Interventionspolitik des Staates in fast allen Gesellschaftsbereichen gab der New Deal einer entmutigten, verunsichtern und richtungslosen Nation neue Hoffnung.Detlef Junker, Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945 in: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, Campus Verlag, 2005, ISBN 978-3593377537, Seite 137 Anders als im Deutschen Reich und in vielen anderen Ländern konnte die Demokratie in den Vereinigten Staaten durch die Phase der Weltwirtschaftskrise hindurch bewahrt werden.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 681 Die Marktwirtschaft wurde gerettet, indem vor allem durch Regulierung des Bankensystems und des Wertpapierhandels eine stabilere Wirtschaftsordnung geschaffen wurde.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 206

Seit dem New Deal wird Liberalismus in den Vereinigten Staaten eher mit einer arbeitnehmerfreundlichen Politik als mit der Verteidigung unternehmerischer Freiheit assoziiert. Als „liberals“ gelten seit den 1960er Jahren solche Bürger und Politiker, die sich auf die Tradition des New Deal berufen, eine arbeitnehmerfreundliche Politik betreiben und für die Erweiterung der Bürgerrechte eintreten.Richard Nate, Amerikanische Träume: Die Kultur der Vereinigten Staaten in der Zeit des New Deal, Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 978-3826024979, S. 312; Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 2

Der Begriff New Deal ist eine Redewendung der englischen Sprache und bedeutet so viel wie „Neuverteilung der Karten“.

Vorgeschichte (1929–1933)


Finanz- und Wirtschaftskrise


thumb|Entwicklung des [[Pro-Kopf-Einkommens der Vereinigten Staaten im internationalen Vergleich.]]
thumb|Arbeitslosigkeit 1910–1960, die Phase der Großen Depression (1929–1939) ist farblich hervorgehoben.
thumb|upright|[[Dust Bowl: Ein Staubsturm bedroht die Stadt Stratford in Texas]]

Beginnend mit dem Börsencrash von 1929 (Schwarzer Donnerstag) entwickelte sich eine Weltwirtschaftskrise, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1932/33 erreichte. Neben dem Deutschen Reich gehörten die Vereinigten Staaten zu den am schwersten betroffenen Ländern. Von 1929 auf 1933 halbierte sich das Bruttoinlandsprodukt.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 681 Infolge der Finanzkrise mussten 40% der Banken (9.490 von ursprünglich 23.697 Banken) wegen Insolvenz aufgelöst werden.R. W. Hafer, The Federal Reserve System, Greenwood Press, 2005, ISBN 0-313-32839-0, Seite 18 Der landwirtschaftliche Sektor befand sich ebenfalls in einer Krise, eine große Zahl von Landwirten konnte die Kreditzinsen nicht mehr zahlen.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 48 Zusätzlich wurden die Great Plains von 1930 bis 1938 von der Dust-Bowl-Periode heimgesucht, in der viele Dörfer und Farmen unter Staub begraben wurden. Infolge des Dust Bowl mussten 2,5 Millionen Menschen ihre Farmen aufgeben.Mannava V.K. Sivakumar, Raymond P. Motha, Haripada P. Das, Natural Disasters and Extreme Events in Agriculture: Impacts and Mitigation, Springer Berlin Heidelberg, 1. Auflage 2005, ISBN 978-3540224907, S. 169

Die Arbeitslosenquote stieg von 3 % im Jahr 1929Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 35 auf 24,9 % im Jahr 1933.Olivier Blanchard und Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, 5. Auflage, 2009, ISBN 978-3827373632, S. 690 Viele Firmen versuchten durch Arbeitszeitkürzungen Entlassungen zu vermeiden. Im Jahr 1931 musste jeder dritte Arbeitnehmer unter hohen Lohnkürzungen mit Teilzeitarbeit auskommen.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 87 Damals gab es in den Vereinigten Staaten noch kein soziales Sicherheitsnetz, vor allem keine öffentliche Arbeitslosenversicherung und keine öffentliche Rentenversicherung.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 87 Einige Arbeitgeber und Gewerkschaften hatten zwar für ihre Arbeiter private Arbeitslosenversicherungen abgeschlossen, dieser Versicherungsschutz betraf aber weniger als 1 % der Arbeiter und Angestellten.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 87 Es gab auch noch keinen Einlagensicherungsfonds. Als tausende von Banken in Insolvenz fielen, verloren viele Bürger all ihre Ersparnisse.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 681

Da die Bundesstaaten und die Städte rechtlich verpflichtet waren, jedes Jahr für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen, reagierten sie auf den in der Krise stark angestiegenen Bedarf an Sozialhilfe zumeist mit Absenkung des Sozialhilfeniveaus, so dass Sozialhilfe nur den Ärmsten der Armen gewährt wurde. Im Jahr 1932 erhielten nur ein Viertel aller Arbeitslosen und ihrer Familien staatliche Unterstützung. Dabei orientierte sich die Sozialhilfe in den meisten Städten am physischen Existenzminimum, in Philadelphia beispielsweise musste die Unterstützung auf ein Niveau gekürzt werden, mit dem nur noch zwei Drittel der zur Gesundheitserhaltung notwendigen Nahrungsmenge gekauft werden konnte.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 47, 48 Trotz einer erheblichen Überproduktion an Lebensmitteln herrschte in vielen Teilen des Landes Hungersnot, vereinzelt gab es Hungertote.Detlef Junker, Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945 in: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur'', Campus Verlag, 2005, ISBN 978-3593377537, Seite 137 In vielen Städten entstanden Elendsviertel, die nach dem amtierenden Präsidenten als Hooverville bezeichnet wurden.

Reaktion der Regierung Hoover


Präsident Herbert Hoover befürwortete als Libertärer eine größtmögliche staatliche Zurückhaltung in Bezug auf die Regulierung der WirtschaftMary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 708 und setzte auf das Prinzip der Selbsthilfe der Bürger.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 120 Er hoffte zunächst, dass die Krise von selbst ein Ende finden würde. Ab Oktober 1930 versuchte er, die Situation der Arbeitslosen und ihrer Familien durch Gründung privater Hilfsorganisationen zu lindern. Das President's Emergency Committee for Employment und seine Nachfolgeorganisation, die President's Organization on Unemployment Relief sammelten private Spenden, die an Bedürftige verteilt wurden. Den Organisationen gelang es zwar, die Summe der Privatspenden zu erhöhen, als Mittel zur Linderung der Not waren diese Summen jedoch bei weitem nicht ausreichend.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 88

Nachdem sich die Krise in ihrem dritten Jahr (1931) erheblich verschärfte, wechselte Hoover die Strategie und eröffnete eine Phase des Experimentierens mit möglichen Lösungen.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 79, 82 Im Präsidentschaftswahlkampf von 1932 erklärte er die Wiederherstellung des Vertrauens in die Wirtschaftskraft des Landes zum größten Problem. Dieses stelle sich am sichersten wieder ein, wenn der Staat wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen könne.Ronald Edsforth, ''The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History)'', John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 56 Der ''Revenue Act von 1932'' brachte eine deutliche Steuererhöhung. Damit wollte Hoover sicherstellen, dass der Staat keine Kredite mehr aufnehmen musste und somit auch nicht mehr mit Privaten konkurrierte, die verzweifelt um Krediten nachsuchten. Unter Wahrung der Doktrin staatlicher Nichteinmischung in die Wirtschaft versuchte er, die Unternehmen zu privaten Initiativen gegen die Rezession zu bewegen (Voluntarismus). Solche Initiativen, wie zum Beispiel die ''National Credit Association'', mit der starke Banken schwache stützen sollten, scheiterten jedoch.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 82 Aufgrund dieser Erfahrungen kam Hoover in seinem letzten Regierungsjahr zu der Erkenntnis, dass freiwillige Lösungen nicht ausreichten. Mit Gründung der Reconstruction Finance Corporation machte er Bankenrettungen schließlich zur Staatsaufgabe.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 84 Die im Kongress erfolgreiche Gesetzesinitiative von Robert F. Wagner zur Einführung einer öffentlichen Arbeitslosenversicherung verhinderte er, indem er als Präsident ein Veto einlegte. Widerstrebend unterzeichnete er ein vom Kongress als Kompromiss verabschiedetes Gesetz, das Arbeitsbeschaffungsprogramme mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar schuf. Das Geld wurde unter anderem für die Errichtung des Hoover Dam eingesetzt.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 91

Roosevelts Wahlkampf (1932)


Franklin D. Roosevelts politisches Programm blieb im Wahlkampf unscharf und unklar, seine generelle Haltung war jedoch allgemein bekannt. Wie sein Cousin Theodore Roosevelt war er ein Progressiver. Seiner Ansicht nach sollte der Staat überall da eingreifen, wo es im öffentlichen Interesse notwendig war. Sein Bestreben ging dahin, der Mittel- und Unterschicht der Gesellschaft ein Mindestmaß an ökonomischer Sicherheit zu gewährleisten, eine Sicherheit, die für die Oberschicht selbstverständlich war, der Roosevelt als „Patrizier“ von Geburt an angehörte.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 118 Als Gouverneur von New York hatte er als einer der ersten auf die Depression mit einem beherzten Notprogramm reagiert und öffentliche Arbeitsprogramme geschaffen.Detlef Junker, Franklin D. Roosevelt, Macht und Vision: Präsident in Krisenzeiten. Muster-Schmidt Verlag, ISBN 3-7881-0105-9, S. 52 Damit konnte er sich im Wahlkampf als klare Alternative zu Hoover präsentieren.

Wie Hoover wollte er das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts nicht aufgeben. Er sprach sich dafür aus, die Steuern deutlich zu erhöhen, damit das Existenzminimum eines jeden Bürgers gesichert werden könne.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 56 Er war der Ansicht, dass das tiefere Problem in einer zu ungleichen Verteilung der Kaufkraft – gepaart mit einem Übermaß an spekulativen Investitionen – liege.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 55

thumb|upright|[[Herbert Hoover (links) und Franklin D. Roosevelt (rechts) auf dem Weg zum Kapitol zur Amtseinführung Roosevelts, 4. März 1933]]
{{Zitat-en|Do what we may to inject life into our ailing economic order, we cannot make it endure for long unless we bring about a wiser, more equitable distribution of national income … the reward for a day's work will have to be greater, on average, than it has been, and the reward for capital, especially capital that is speculative, will have to be less.

|Übersetzung=Was auch immer wir tun, um unserer maroden Wirtschaftsordnung Leben einzuhauchen, wir können dies nicht längerfristig erreichen, solange wir nicht eine sinnvollere, weniger ungleiche Verteilung des Nationaleinkommens erreichen… die Entlohnung für die Arbeit eines Tages muss – im Durchschnitt – höher sein als jetzt, und der Gewinn aus Vermögen, insbesondere spekulativ angelegtem Vermögen, muss niedriger sein.|Franklin D. Rooseveltzitiert nach Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 55}}

Am 2. Juli 1932, dem Tag seiner Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat, versprach Roosevelt einen „new deal for the American people“, ein Begriff, der sich später zur Bezeichnung der von ihm durchgeführten Reformen durchsetzte.

Der Brain Trust


Im Wahlkampf 1932 stellte Roosevelt erstmals seinen Brain Trust vor. Es handelte sich um eine offene Gruppe von Wirtschafts- und Rechtsexperten, die Roosevelt beraten sollten. Gründungsmitglieder waren der Professor für Rechtswissenschaft Raymond Moley, der Ökonom Rexford Tugwell, der Professor für Rechtswissenschaft Adolf Augustus Berle, der Richter Samuel Rosenman, der Rechtsanwalt Basil O’Connor und der General Hugh Johnson. Diese Berater waren sich nicht in allen Fragen einig, es bestand aber Konsens in der grundsätzlichen Richtung der politischen Empfehlungen. Erstens gingen sie davon aus, dass sowohl die Gründe für die Depression als auch die Mittel dagegen in den Vereinigten Staaten selbst zu finden waren. Damit unterschieden sie sich von der Regierung Hoover, welche die Ursachen in Europa sah und einen Teil der Lösung in Protektionismus.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 119–121 Tugwell erklärte die Ursache der Großen Depression im Sinne der Unterkonsumtionstheorie damit, dass die Lohnzuwächse in den 1920er Jahren unter dem Produktivitätszuwachs geblieben seien, so dass den produzierten Gütern keine ausreichende Nachfrage mehr gegenüber stand. Diese Analyse beeinflusste auch einige Reden Roosevelts.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 122, 123 Zweitens waren sie alle Progressive; sie gingen davon aus, dass die Konzentration von wirtschaftlicher Macht in großen Konzernen eine stärkere staatliche Regulierung erforderlich machte. Insbesondere Berle und Tugwell hatten sich intensiv mit Wettbewerbsrecht und insbesondere Kartellrecht befasst. Für die spätere Phase, den Second New Deal, wurden auch die stärker in der Tradition der Anti-Trust-Gesetzgebung zur Entflechtung von Trusts stehenden Felix Frankfurter und Louis Brandeis einflussreich.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 119–121

Am 22. Februar 1933 bat Roosevelt die engagierte Sozialpolitikerin Frances Perkins, das Arbeitsministerium zu übernehmen. Sie stimmte unter der Bedingung zu, dass sie sich für ein Verbot von Kinderarbeit, die Schaffung einer Rentenversicherung und die Einführung von Mindestlöhnen einsetzen durfte. Roosevelt willigte ein, betonte jedoch, dass sie nicht sehr viel Hilfe von ihm würde erwarten können. Sie wurde die erste weibliche Ministerin der Vereinigten Staaten und gehörte zu den wenigen Ministern, die über drei Legislaturperioden im Amt waren.Berkin, Miller, Cherny, Gormly, Making America, Houghton Mifflin Company, 2008, ISBN 9780618980659, S. 719 Mit Unterstützung insbesondere durch Robert F. Wagner gelang ihr gegen erhebliche Widerstände die Grundsteinlegung des amerikanischen Sozialstaates.Siehe hierzu Detlef Junker, Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945 in: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur'', Campus Verlag, 2005, ISBN 978-3593377537, Seite 137

Maßnahmen des New Deal


Historiker unterscheiden eine erste Phase („First New Deal“ – 1933 bis 1934) und eine zweite Phase („Second New Deal“ – 1935 bis 1938). Der „First New Deal“ befasste sich mit den dringlichsten wirtschaftlichen und sozialen Problemen der krisengeschüttelten Wirtschaft. Der „Second New Deal“ umfasste überwiegend längerfristige Maßnahmen.

Eine weitere geläufige Unterteilung ist die Einteilung in Maßnahmen, welche die soziale Situation der Menschen kurzfristig etwas erträglicher machen sollten (relief), in solche die eine wirtschaftliche Erholung herbeiführen sollten (recovery) und in Maßnahmen die längerfristig durch strukturelle Veränderungen eine Besserung herbeiführen sollten (reform).Berkin, Miller, Cherny, Gormly, Making America, Houghton Mifflin Company, 2008, ISBN 9780618980659, S. 737

First New Deal (1933–1934)


thumb|upright|Menschen stehen vor der 334American Union Bank335 Schlange, um ihr Bankguthaben aufzulösen ([[Bank Run).]]
thumb|upright|Unternehmen die sich zu fairem Wettbewerb und zum Verzicht auf Entlassungen verpflichteten, durften mit dem 336Blue Eagle337 werben.
thumb|upright|Franklin D. Roosevelt (sitzend) und [[George W. Norris (vorne rechts) bei der Gründung der Tennessee Valley Authority (1933).]]
thumb|upright|Ein Staudamm-Projekt der 338Public Works Administration339.

thumb|upright|Die [[Works Progress Administration konzipierte etliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (z.B. Straßenbau).]]

100-Tage-Programm


Nach dem Gewinn der Präsidentschaftswahl von 1932 trat Roosevelt am 4. März 1933 das Amt an. Zu diesem Zeitpunkt fürchteten die Bürger, dass alle Versuche die Krise zu überwinden an dem politischen System der Vereinigten Staaten scheitern könnten, in dem jede Initiative aufgrund der amerikanischen Ausprägung der Checks and Balances sehr stark von Kooperation abhängig ist. Der einflussreiche Journalist Walter Lippmann sah damals die größte Gefahr weniger darin, dass der Kongress Roosevelt zu viel Macht geben könnte als viel mehr darin, dass ihm die nötige Unterstützung versagt würde.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 130 Diese Befürchtungen waren aber grundlos. In einer ersten Sondersitzungsperiode des 73. Kongresses vom 9. März bis zum 15. Juni, dem sogenannten „100-Tage Programm“, gelang es Roosevelt, eine Reihe von grundlegenden Gesetzen zu verabschieden. Aufgrund der allgemeinen Sehnsucht nach einem Ende der Krise konnte Roosevelt das 100-Tage Programm in einem beispiellosen Klima der überparteilichen Zustimmung abarbeiten.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 692 Dies gab den US-Bürgern neues Selbstvertrauen,Arthur M. Schlesinger, The coming of the New Deal, 1933-1935, Houghton Mifflin, 2003, ISBN 978-0618340866, S. 22 die Vereinigten Staaten erholten sich nach dem Beinahezusammenbruch wieder.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 692

{{Zitat-en|At the end of February we were a congeries of disorderly panic-stricken mobs and factions. In the hundred days from March to June we became again an organized nation confident of our power to provide for our own security and to control our own destiny.|Übersetzung=Ende Februar waren wir ein Gemengsel ungeordneter, von Panik erfasster Pöbelhaufen und Splittergruppen. In den 100 Tagen von März bis Juni wurden wir wieder eine organisierte Nation mit der Zuversicht, aus eigener Kraft für unsere eigene Sicherheit zu sorgen und unser eigenes Schicksal zu kontrollieren.|Walter Lippmannzitiert nach Arthur M. Schlesinger, The coming of the New Deal, 1933-1935, Houghton Mifflin, 2003, ISBN 978-0618340866, S. 22}}

Reform des Bankensystems

Von Beginn der Großen Depression an wurde das US-Finanzsystem durch Bank Runs destabilisiert, durch welche den Banken und damit der Wirtschaft viel Geld für Kredite entzogen wurde und viele Banken sogar in den Bankrott gerieten. Bank Runs entstanden, weil bekannt wurde, dass viele Banken faule Kredite angehäuft bzw. im Investmentbanking hohe Verluste gemacht hatten. Aus Angst um ihr Vermögen versuchten daraufhin viele Bankkunden, sofort all ihre Bankeinlagen abzuheben, was zu Zahlungsunfähigkeit und Bankrott der Bank führte, weil sie längerfristig angelegtes Geld nicht sofort verfügbar machen konnte. Bank Runs entstanden oft auf Basis von Gerüchten, so dass auch relativ gesunde Banken Opfer einer solchen Entwicklung werden konnten. Als Maßnahme gegen die Bank Runs hatte bereits Hoover den Bank Holiday angedacht, dann aber verworfen, weil er befürchtete so eine Panik auszulösen. Roosevelt hingegen hielt über das Radio verbreitet eine Ansprache, die in der Atmosphäre eines Kamingesprächs gehalten war, und erklärte der Bevölkerung in einfachen Worten die Ursachen der Bankenkrise, was die Regierung dagegen tun werde und wie die Bevölkerung helfen könne.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 133 Bereits zwei Tage nach Roosevelts Amtsübernahme, am 6. März 1933, wurden alle Banken angewiesen, für vier Tage zu schließen (Bank Holiday). In dieser Zeit wurde geprüft, welche Banken durch staatliche Kreditvergabe gerettet werden konnten und welche für immer schließen mussten. In dieser Zeit wurde auch die Emergency Banking Bill verabschiedet, mit der die Banken zukünftig unter Aufsicht des United States Department of the Treasury gestellt wurden.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 39 Mit diesen Maßnahmen gelang es, das Vertrauen der Bürger in das Bankensystem kurzfristig wieder herzustellen: Unmittelbar nach Wiedereröffnung der Banken erhöhte sich der Einlagenbestand um eine Milliarde Dollar.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 55

Als weitere Gründe für die Bankenkrise sah der Gesetzgeber neben den Bank Runs das hohe Engagement vieler Banken in volatilen Wertpapiergeschäften, die mit dem plötzlichen Wertverfall im Zuge des Börsencrashs von 1929 existenzbedrohende Verluste verursacht hatten. Weiterhin hatten die Banken in den 1920er Jahren außergewöhnlich viele riskante Kredite vergeben. Es wurde vermutet, dass die hohe Risikobereitschaft vieler Banken auch darin begründet war, dass diese Wertpapiere niedriger Qualität, insbesondere Kreditverschreibungen mit hohem Ausfallrisiko, an weniger gut informierte Bankkunden verkaufen konnten. Dem vermuteten bankinternen Interessenskonflikt, einerseits die Kunden gut zu beraten und andererseits mit eigenen Wertpapiergeschäften möglichst hohe Gewinne zu erzielen, wollte der Gesetzgeber einen Riegel vorschieben.Lloyd B. Thomas, Money, Banking and Financial Markets, Thomson South-Western, 2006, ISBN 0-324-32282-8, Seite 246 Nach der Wiedereröffnung der Banken wurde der Glass-Steagall Act verabschiedet. Mit diesem Gesetz wurde das Trennbankensystem eingeführt. Geschäftsbanken wurden riskante Wertpapiergeschäfte verboten. Das für die Realwirtschaft bedeutsame Kredit- und Einlagengeschäft der Geschäftsbanken sollte so von risikoträchtigen Wertpapiergeschäften getrennt werden, die zukünftig spezialisierten Investmentbanken vorbehalten blieben.Ann-Kristin Achleitner: Handbuch Investment Banking, Gabler Verlag, 2002, ISBN 3409341846, S. 6 Weiterhin wurde die Federal Deposit Insurance Corporation gegründet. Dieser Einlagensicherungsfonds garantierte den Bankkunden eine Auszahlung der Bankeinlagen im Falle eines eventuellen Bankrotts einer Geschäftsbank. (Investmentbanken waren hingegen von dieser staatlichen Garantie ausgeschlossen). Diese Maßnahmen stärkten das Vertrauen in das Finanzsystem weiter. In der Folgezeit kam es zu keinen weiteren Bank Runs mehr.Olivier Blanchard und Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, 5. Auflage, 2009, ISBN 978-3827373632, S. 696 Auch brachten die Regelungen dem amerikanischen Bankensystem eine nie da gewesene Stabilität: Während selbst in der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise mehr als fünfhundert Banken pro Jahr zusammenbrachen,David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 65 waren es nach 1933 weniger als zehn pro Jahr.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 366 Der Glass-Steagall Act wurde 1999 aufgehoben, erlebte aber in der Finanzkrise ab 2007 eine Renaissance.Handelsblatt, [http://www.handelsblatt.com/politik/international/glass-steagall-act-von-1933/3350574.html Obamas Vorbild - Glass-Steagall-Act von 1933], veröffentlicht am 21. Januar 2010, abgerufen am 24. Oktober 2011

Finanzmarktregulierung

Vor 1933 wurden an der Wall Street Wertpapiere gehandelt, über die keine zuverlässigen Informationen verfügbar waren. Viele Unternehmen verzichteten darauf, regelmäßig Geschäftsberichte zu publizieren. Viele Unternehmen publizierten auch nur ausgewählte Daten, welche die Anleger eher irreführten.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 367 Um die Art von wilden Spekulationen zu unterbinden, die zu dem Börsencrash von 1929 geführt hatten, wurde der Securities Act of 1933 erlassen. Mit diesem Gesetz wurden Wertpapier-Emittenten verpflichtet, realistische Informationen über ihre Wertpapiere herauszugeben. 1934 wurde die Securities and Exchange Commission (SEC) geschaffen, welche seither die Aufsicht über die US-Wertpapiergeschäfte führt. Diese Maßnahmen stärkten die Glaubwürdigkeit der Wall Street.John Spiller, Tim Clancey, Stephen Young, Simon Mosley, The United States, 1763-2001 , Taylor & Francis, 2004, ISBN 978-0415290289, S. 165

Geldpolitik

Aufgrund des damals bestehenden Goldstandards, also der Bindung des Dollar an den Goldpreis, musste die Bundesbank (FED) soviel Gold horten, dass jeder Bürger jederzeit seine Dollars in eine äquivalente Goldmenge tauschen konnte. Als sich nach und nach alle europäischen Länder vom Goldstandard lösten, kam es zu einem starken Abfluss von Gold aus den Vereinigten Staaten. Die FED versuchte mit einer restriktiven Geldpolitik den Goldabfluss zu stoppen.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 109Willi Alber, Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, Band 3, Vandenhoeck und Ruprecht, 1981, ISBN 3-525-10258-5, Seite 706 Nach monetaristischer Analyse der 1970er Jahre vertiefte die dadurch ausgelöste Kontraktion der Geldmenge die Rezession, die Reaktion der FED gilt heute als schwerer Fehler. Dieser Zusammenhang war in den 1930er Jahren allerdings noch unerforscht, erste Kritik an den Auswirkungen des Goldstandards kamen seinerzeit von Wirtschaftswissenschaftlern wie John Maynard Keynes. Um die Deflation zu beenden und die Geldmenge auszuweiten, ergriff die Regierung Roosevelt Maßnahmen, die bereits in Europa erfolgreich angewandt worden waren. Die Ausfuhr und das Horten von Gold und Silber wurden verboten, größerer Goldbesitz mussten an die FED für $20,67 je Unze verkauft werden. Mit dem Gold Reserve Act von 1934 wurde der Goldpreis (weit über dem Marktpreis) bei $35 je Unze festgesetzt. Da die Unze Gold nun mehr Dollar kostete, führte die Erhöhung des Goldpreises zu einer Abwertung des Dollar auf 59 % seines letzten offiziellen Wertes. Die Abwertung des Dollar bewirkte, dass Ausländer 15 % mehr amerikanische Güter kaufen konnten, der Export wurde so gefördert (Beggar thy neighbour). Zudem wurde seit dem Silver Purchase Act auch Silber zur Münzprägung verwendet.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 134, 135 Durch diese Maßnahmen kam es nach und nach zu einer Abkehr vom Goldstandard, die Geldbasis konnte deutlich ausgeweitet werden.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 56

Maßnahmen gegen die Deflation


Die Idee, die Unternehmer auf freiwilliger Basis zu dem Verzicht auf unfaire Preisunterbietungen und die Entlassung von Arbeitnehmern zu verpflichten, stammte ursprünglich von Präsident Hoover. Dieser wollte auf die Art die Deflation bekämpfen. Diese Idee wurde von Roosevelt aufgegriffen, sollte aber erheblich konsequenter umgesetzt werden. Hierzu wurde im Juni 1933 die National Recovery Administration (NRA) gegründet. Geführt wurde sie von Hugh Samuel Johnson. Die NRA erarbeitete in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsvertretern einen Verhaltenskatalog, auf den sich Unternehmer freiwillig verpflichten konnten. Dazu gehörten der Verzicht auf unfairen (Preis-)Wettbewerb, Mindestpreise, Mindestlöhne, die Anerkennung von Gewerkschaften,Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 688 die Einführung der 40-Stundenwoche etc.Rudolf Schläpfer: Weltgeschichte – Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Orell Füssli Verlag, Zürich 2007. ISBN 978-3-7249-0605-6 Durch diesen Verhaltenskatalog sollte die Verhandlungsmacht von Gewerkschaften gestärkt und der marktwirtschaftliche Wettbewerb kontrolliert werden.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 59 Der Hintergedanke war, dass dadurch Preise und Löhne stabilisiert und die Deflation folglich eingedämmt würde. Dies sollte die Unternehmen in die Lage versetzen, wieder Arbeitnehmer einzustellen. Allerdings war die Selbstverpflichtung faktisch nicht ganz freiwillig. Die Teilnehmer an dem Programm durften in ihren Schaufenstern und auf ihren Waren mit dem Blue Eagle, dem Symbol der NRA, werben. Unternehmen, die mit diesem Symbol nicht werben konnten, gerieten in die Gefahr, von Kunden boykottiert zu werden.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 688 Auch beschwerten sich viele kleinere Firmen, dass es für größere Firmen viel leichter sei den Mindestlohn zu zahlen.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 140 Kurz vor Auslaufen des auf zwei Jahre befristeten Programms wurde die NRA 1935 vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten für verfassungswidrig erklärt und musste die Tätigkeit einstellen.

Die Einkommen der Landwirte waren seit Mitte der 1920er Jahre kontinuierlich gefallen, allein zwischen 1929 und 1933 um 60 %. Im Kongress waren schon seit längerem etliche Hilfsmaßnahmen konzipiert worden, z. B. die Subvention von Exporten. Herbert Hoover hatte die Bildung von Genossenschaften zur Reduzierung der Investitionskosten und der laufenden Kosten angeregt, wieder andere hatten den staatlichen Ankauf und die Vernichtung von Lebensmitteln vorgeschlagen.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 141 Roosevelts wollte ähnlich wie in der Industrie auch in der Landwirtschaft den Preisverfall stoppen. Es wurden Beihilfen für Landwirte beschlossen, die ihre Produktion verringerten. Dadurch sollten die Preise für landwirtschaftliche Produkte stabilisiert werden. Die US-Regierung gewährte den Farmern dafür Geldmittel aus dem ''Agricultural Adjustment Act'' (AAA) vom 12. Mai 1933.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, ''The New Deal: Rebuilding America'', Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 65 Urheber dieser Idee war Rexford Tugwell, der damit argumentierte, dass die Verhinderung von Überproduktion für den Staat billiger sei, als ein späterer Ankauf und die Vernichtung überschüssiger Lebensmittel.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 141 Die Preise stabilisierten sich bald. Ein unerwünschter Nebeneffekt der Maßnahme war jedoch, dass Großgrundbesitzer die Produktivität ihres landwirtschaftlichen Betriebes erhöhten, indem sie Pächtern kündigten. Der AAA wurde 1936 vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ebenfalls für verfassungswidrig erklärt. Auch weil das Gesetz bei der ländlichen Bevölkerung sehr populär war, wurde der AAA hinsichtlich der Einwände des Obersten Gerichtshofs reformiert und neu verabschiedet. Er besteht im Wesentlichen noch heute.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865'', Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 689

Sonstige Hilfen für Landwirte


Die Schuldenkrise der Landwirte sollte mit dem Emergency Farm Mortgage Act gelindert werden. Die 1933 gründete Farm Credit Administration organisierte die Umschuldung in längerfristige zinsgünstige Kredite.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 64 Die 1935 gegründete Resettlement Administration organisierte die Umsiedlung von Farmern, insbesondere solchen aus den vom Dust Bowl besonders betroffenen Regionen.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 689 Sie wurde 1937 durch die Farm Security Administration ersetzt, die Hilfen für in Not geratene Landwirte leistete.

Sozialpolitik


Entsprechend der Haltung der meisten US-Bürger war auch die Roosevelt-Regierung der Ansicht, dass es für die Arbeitsmoral besser sei, Arbeitslosenunterstützung durch bezahlte Arbeit zu leisten.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 689 Aufgrund der sehr hohen Arbeitslosigkeit wurden Arbeitsbeschaffungsprogramme aufgelegt, welche die Situation kurzfristig erleichtern sollten (Relief). Durch Gründung des Civilian Conservation Corps (CCC) wurde für arbeitslose junge Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, deren Familien Sozialhilfe empfingen, Arbeitsplätze geschaffen.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 45 Der CCC wurde zu Aufforstungen, zur Bekämpfung von Waldbränden, zum Bau von Straßen und zur Bekämpfung von Bodenerosion eingesetzt.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 44 Bis 1942 beschäftigte der CCC insgesamt 2,9 Millionen junge Männer.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 138 Für die US-Bürger, denen keine Arbeit durch den CCC angeboten werden konnte, wurde die Federal Emergency Relief Administration gegründet, welche die von den Bundesstaaten gezahlte Sozialhilfe um ein Drittel aufstockte.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 47

In Bezug auf die vom progressiven Flügel der Demokraten geforderten öffentlichen Bauvorhaben (public works) gab sich Roosevelt reserviert, weil diese bei ungeeigneten Projekten schnell zu einer relativ teuren Form der Armenfürsorge werden konnten. Er forderte, dass nur solche Projekte in Angriff genommen werden sollten, die sich einigermaßen selbst finanzieren würden. Der Arbeitsministerin Frances Perkins gelang es erst nach mehreren Anläufen, das Budget auf 3,3 Milliarden Dollar hochzuhandeln.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 146 Mit diesem Budget wurde die von Innenminister Harold L. Ickes geführte Public Works Administration gegründet, die vor allem in unterentwickelten Regionen die Infrastruktur (Straßen, Brücken, Staudämme, Schulgebäude, Kanalisationssysteme) ausbauen sollte.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, ''A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865'', Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 690 Einfacher war es in der Energiepolitik, wo Roosevelt einen längerfristigen ökonomischen Nutzen sah. Mit dem 1927 fertiggestellte Wilson-Staudamm gab es ein frühes, von Progressiven initiiertes öffentliches Bauprojekt, dessen Nutzung zur Stromerzeugung mit Hilfe der Präsidenten Calvin Coolidge und Hoover aus ideologischen Gründen bisher erfolgreich sabotiert worden war. Der Staudamm war bis dato gleichermaßen Symbol der Hoffnung wie auch der Frustration der Progressiven. Der Wilson Dam inspirierte jedoch Roosevelt und George W. Norris 1933 zur Gründung der Tennessee Valley Authority (TVA).David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 147 Die Tennessee Valley Authority erwarb den Wilson Dam und ließ 20 weitere Staudämme im Tennessee Valley durch die Public Works Administration erbauen. Mit diesen Staudämmen sollten zukünftig Überschwemmungen verhindert, die Malaria ausgerottet und die bis dahin unterentwickelte Region mit Strom versorgt werden.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America'', Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 51, 52

Außenhandelspolitik


Bereits mit dem Fordney–McCumber Tariff von 1922 hatten die Vereinigten Staaten als Reaktion auf die Rezession von 1920/21 das Prinzip des Freihandels aufgegeben.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 55 Mit dem unter der Präsidentschaft von Hoover verabschiedeten Smoot-Hawley Tariff Act von 1930 wurde schließlich eine ausgeprägte Schutzzollpolitik ergriffen. Es besteht mittlerweile ein großer Konsens unter Historikern und Wirtschaftswissenschaftlern, dass der Smoot-Hawley Tariff Act die Weltwirtschaftskrise verschärft hat.Robert Whaples, "Where Is There Consensus Among American Economic Historians? The Results of a Survey on Forty Propositions", Journal of Economic History, Vol. 55, No. 1 (Mar., 1995), S. 139–154 [http://www.jstor.org/stable/2123771 in JSTOR] Politisch umstritten war er bereits von Beginn an, neben vielen prominenten Wissenschaftlern hatte sich auch Roosevelt gegen das Gesetz ausgesprochen.The Economist: [http://www.economist.com/node/12798595?story_id=12798595 The battle of Smoot-Hawley], 18. Dezember 2008 Auf betreiben von Cordell Hull wurde 1934 der Reciprocal Trade Agreement Act verabschiedet. Mit dem Gesetz legte die Roosevelt-Regierung die ersten Grundlagen für eine Zollpolitik nach dem Prinzip der Meistbegünstigung.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 142 Durch den Abschluss von bilateralen Handelsverträgen wurde der amerikanische Außenhandel nach und nach wieder liberalisiert.

Second New Deal (1935–1938)


miniatur|hochkant|Franklin D. Roosevelt (Mitte) und Arbeitsministerin [[Frances Perkins (Rechts) bei der Unterzeichnung des Wagner Act (1935)]]
thumb|upright|Zeitgenössisches Werbeplakat für den Social Security Act
miniatur|hochkant|434Memorial Day Massacre435 von 1937: Polizisten lösten eine Demonstration von Arbeiterfamilien auf. Zehn Demonstranten wurden erschossen, davon sieben durch Schüsse in den Rücken. Unter den dreißig Verletzten waren auch eine Frau und drei Kinder.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, 436A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865437, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 696, 697

Die Periode der Jahre 1935 bis 1938 wird oftmals als Second New Deal bezeichnet. In dieser Phase ging es überwiegend um langfristige Lösungen.Susan E. Hamen, The New Deal, Essential Lib, 1. Auflage, 2010, ISBN 978-1616136840, S. 69

Politischer Druck auf Roosevelt


Nach der für die Demokratische Partei sehr erfolgreich verlaufenen Kongresswahl von 1934, einer sogenannten midterm election, konnte sich Roosevelt auf eine klare demokratische Mehrheit stützen.Arthur M. Schlesinger, The Politics of Upheaval: 1935-1936, Houghton Mifflin, 2003, ISBN 978-0618340873, S. 1 Zugleich änderte sich aber das politische Klima. Aufgrund der schweren Wirtschaftskrise hatte der First New Deal große überparteiliche Unterstützung in der Öffentlichkeit und im Kongress gefunden. Hinter dieser Einigkeit hatten sich jedoch die zwischen Demokraten und Republikanern sowie innerhalb der Demokratischen Partei bestehenden tiefen politischen Differenzen nur verborgen. Diese brachen wieder auf, als sich die konjunkturelle Situation wieder aufhellte.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 692 Nachdem sich die Wirtschaft zu erholen begann, kritisierten vor allem wohlhabende Geschäftsleute zunehmend den New Deal. Sie wandten sich gegen staatliche Regulierung der Wirtschaft, gegen die Höhe der Steuern, gegen den Umfang der Sozialhilfe und der öffentlichen Arbeitsbeschaffungsprogramme. Konservative („conservative“) Demokraten unter Führung von Al Smith, der 1932 in den Vorwahlen der demokratischen Partei gegen Roosevelt unterlegen war, gründeten 1934 die American Liberty League, die bis zu 36000 Mitglieder hatte. Mit finanzieller Unterstützung zahlreicher Geschäftsleute führte die American Liberty League eine öffentliche Kampagne gegen den angeblichen Radikalismus des New Deal. Die Gesellschaft unterstützte auch eine rassistische Gruppe, die in den Südstaaten der USA Bilder verbreitete, auf denen die als Bürgerrechtlerin bekannte First Lady zusammen mit Afroamerikanern abgebildet war.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 692 Ein wichtiger Financier der American Liberty League war der DuPont-Erbe Irénée du Pont, der Roosevelt für einen „von Juden kontrolliert[en]“ Kommunisten hielt.

Du Pont plante Anfang 1934 zusammen mit seinen Brüdern einen Putsch gegen den Präsidenten. Als der dafür vorgesehene General und New Deal-Gegner Smedley D. Butler Roosevelt informierte, stritt du Pont ab, etwas damit zu tun zu haben.Eva C. Schweitzer: Tea Party: Die weiße Wut - Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht, München, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2012, S. 167f. Kritik am New Deal kam auch von links- und rechtsaußen. Die in der Krise erstarkte Communist Party USA kritisierte den New Deal als einen Versuch, den Kapitalismus zu bewahren.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 692 Der von Historikern als Demagoge eingestufte Charles Coughlin, der als Radiomoderator bis zu 30 Millionen Zuhörer hatte, versuchte mit antisemitischen und gegen den New Deal gerichteten Slogans eine eigene politische Karriere zu begründen.

Politisch einflussreich waren zu dieser Zeit insbesondere auch einige bisweilen als Populisten bezeichnete Persönlichkeiten. Francis Everett Townsend erlitt das für ältere Arbeitnehmer damals typische Schicksal, in der Großen Depression seine Arbeit und seine finanziellen Rücklagen verloren zu haben und keine neue Arbeit mehr finden zu können. Er warb für seinen Townsend Plan, der eine staatliche Altersrente für alle Bürger im Alter von über 60 Jahren vorsah. Der Plan galt als unfinanzierbar, da eine Altersrente von 200 $ im Monat versprochen wurde; diese lag also höher als ein durchschnittlicher Arbeitslohn. Außerdem sollten die Renten durch eine neue Umsatzsteuer finanziert werden, diese Art der Finanzierung hätte Menschen mit geringem Einkommen überdurchschnittlich stark belastet. Dennoch konnte er für seine Petition 20 Millionen Unterstützer vorweisen.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 692 Der demokratische Senator Huey Long hatte zunächst den New Deal unterstützt, sich dann aber 1934 von Roosevelt abgewandt, dessen Politik er für unzureichend hielt. Er gründete die Share Our Wealth Society, die jeder amerikanischen Familie ein jährliches Grundeinkommen von 2.000 $ versprach, das durch eine radikale Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen gegenfinanziert werden sollte. Der Plan war zwar fiskalisch so nicht durchführbar, die Gesellschaft hatte jedoch 7 Millionen Mitglieder, und es bestand kein Zweifel, dass Long eine Präsidentschaftskandidatur anstrebte.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 692

Die Erfolge der Populisten zeigten Roosevelt einerseits, dass es in der Bevölkerung durchaus große Unterstützung für die von Teilen seines Think Tanks befürworteten weitreichenderen Maßnahmen gegen die Depression und für Soziale Sicherheit geben würde. Andererseits zeigten sie, dass politische Konkurrenz nicht nur von Seite der Konservativen zu befürchten war.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 220 In den Kongress waren viele reformwillige Abgeordnete gewählt worden und Roosevelt war entschlossen die Initiative zu behalten. Er wollte die von seinem Think Tank vorbereiteten und von ihm unterstützten Maßnahmen Gesetz werden lassen, bevor der Kongress in eigener Initiative Gesetzes erlassen würde, die er vielleicht nicht mittragen könnte.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 160 Einige Historiker vertreten die Ansicht, dass der zweite Teil des New Deal nur als Reaktion auf den Druck durch die Populisten entstand. Dagegen spricht nach David M. Kennedy allerdings, dass die meisten Projekte bereits lange vor den Erfolgen der Populisten geplant und vorbereitet worden waren. Aufgrund der zeitlichen Perspektive könne lediglich der Wealth Tax Act als Antwort auf die Herausforderung durch die Populisten gesehen werden.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 241

Einführung des Sozialstaates


Die Große Depression hatte ältere Menschen besonders schwer getroffen, die überdurchschnittliche Schwierigkeiten hatten, Arbeit zu finden und zu 50 % unter die Armutsgrenze fielen. Bis 1935 bestanden viele einzelne Sozialhilfeprogramme der Bundesländer zur Linderung der Armut, die mit Bundeszuschüssen aufgestockt wurden.{{cite web | title=A Reader's Companion to American History: POVERTY | url=http://college.hmco.com/history/readerscomp/rcah/html/ah_070900_poverty.htm | accessdate=27. April 2010 }} Eine Arbeitslosenversicherung gab es bis dahin nur im Bundesstaat Wisconsin (eingeführt 1932, wirksam wurde sie ab 1934). Öffentliche Rentenversicherungen gab es formell in einigen Bundesstaaten, sie waren aber ausnahmslos alle stark unterfinanziert und damit praktisch bedeutungslos. Das Fehlen einer Sozialversicherung machte die Vereinigten Staaten unter den modernen Industriestaaten zu einem Ausnahmefall. Unter dieser Tatsache litten die Bürger während der Depression.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 260 Unter dem Vorsitz von Frances Perkins wurde die Einführung eines Sozialstaates nach europäischem Vorbild entwickelt. Mit seiner Hilfe sollten die sozialen Probleme bewältigt werden. Mit Verabschiedung des Social Security Act von 1935 wurden in den Vereinigten Staaten erste Sozialversicherungen eingeführt, so die Rentenversicherung (Social Security), eine Witwenrente für die Angehörigen der Opfer von Industrieunfällen und Hilfen für Behinderte sowie für alleinerziehende Mütter. Weiterhin wurden Bundeszuschüsse zu den in Länderverwaltung betriebenen Arbeitslosenversicherungen eingeführt. Zur Finanzierung wurde eine neue Steuer (die Payroll tax) eingeführt, mit der ein Arbeitgeberanteil und ein Arbeitnehmeranteil an die Staatskasse abgeführt wird. Roosevelt hatte auf einer separaten Steuer bestanden, damit die Steuereinnahmen nicht für andere Zwecke genutzt werden können.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 267 Der ursprüngliche Social Security Act blieb hinter vielen europäischen Vorbildern zurück, unter anderem weil Finanzminister Henry Morgenthau erfolgreich dahingehend intervenierte, dass Landwirte, Hausangestellte und Selbständige nicht in die Rentenversicherung einbezogen wurden.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 269 Auch die Einführung einer öffentlichen Krankenversicherung war zunächst nicht mehrheitsfähig. Roosevelt hoffte aber, dass der Social Security Act zu einem späteren Zeitpunkt erweitert werden könnte.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 181 Mit diesem, von Gegnern heftig bekämpften Gesetz, wurde erstmals eine staatliche Verantwortung für Soziale Sicherheit in den Vereinigten Staaten begründet.Paul S. Boyer, Clifford Clark, Karen Halttunen, The Enduring Vision, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2010, ISBN 978-0495799986, S. 744Berkin, Miller, Cherny, Gormly, Making America'', Houghton Mifflin Company, 2008, ISBN 9780618980659, S. 735 Die Payroll tax wurde ab 1937 erhoben, aufgrund des Umlageverfahrens erfolgten die ersten Rentenzahlungen (nach 3 jähriger Mindesbeitragszeit) ab 1940.Social Security Online, [http://www.ssa.gov/history/chrono.html History: Zeittafel]

Arbeitsrecht


Gewerkschaften gab es bereits lange vor 1935. Da die meisten Arbeitgeber Gewerkschaften nicht anerkannten, liefen Streiks oft gewaltsam ab, indem Streikende die Streikbrecher gewaltsam am Betreten der Fabrik hinderten und Arbeitgeber Schläger anheuerten, welche die Fabrik schützen und Streikende zerstreuen sollten. Gelegentlich wurde auch die Polizei gegen Streikende eingesetzt bzw. von Gouverneuren der Notstand ausgerufen und sogar die Armee eingesetzt. Dabei kam es immer häufiger zu schweren Auseinandersetzungen mit vielen Verletzten und manchmal sogar Toten. 1934 wurden bei einer solchen Auseinandersetzung in San Francisco zwei Gewerkschaftsmitglieder getötet. Daraufhin riefen die lokalen Gewerkschaften einen Generalstreik aus, an dem sich 130.000 Arbeiter beteiligten. Dem Präsidenten bereiteten nicht nur die zunehmende Radikalisierung der Arbeitskämpfe, sondern auch der Einfluss der Communist Party USA innerhalb der wachsenden Arbeiterbewegungen Sorge. Ein Versuch, über die National Recovery Administration (NRA) eine Anerkennung von Gewerkschaften durch die Arbeitgeber auf freiwilliger Basis zu erreichen, war durch das Verbot der NRA gegenstandslos geworden. Vor allem Robert F. Wagner drängte daher auf eine gesetzliche Anerkennung der Gewerkschaften.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 297 Mit dem 1935 verabschiedeten Wagner Act wurde den Arbeitnehmern das Recht zugestanden, Gewerkschaften zu bilden und Löhne und Arbeitsbedingungen kollektiv zu verhandeln. Arbeiter durften seitdem nicht mehr wegen einer Gewerkschaftsmitgliedschaft entlassen werden. Auch ein formelles Streikrecht wurde eingeführt.Susan E. Hamen, The New Deal, Essential Lib, 1. Auflage, 2010, ISBN 978-1616136840, S. 69 Auch nach Verabschiedung des Wagner Act kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Ein letzter großer Höhepunkt war das Memorial Day Massacre von 1937, als die Chicagoer Polizei eine Demonstration von Arbeiterfamilien gewaltsam auflöste. Dem mit dem Wagner Act eingeführten National Labour Relations Board gelang es in der Folgezeit aber immer häufiger, bei Arbeitskämpfen zu vermitteln. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter verdoppelte sich von 1929 bis 1938 auf 7 Millionen.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 696, 697 Der Zuwachs ging zu einem großen Teil auf die Ausweitung gewerkschaftlicher Organisation auf die Massenfertigungsindustrien mit großen Unternehmen wie z.B. Ford oder General Motors zurück, die sich bis dahin erfolgreich gegen Gewerkschaften gewehrt hatten.Colin Gordon, New Deals: Business, Labor, and Politics in America, 1920-1935, Cambridge University Press, 1. Auflage 1994, ISBN 978-0521457552, Seite 225 In einer Übergangszeit von mehreren Jahren kam es vermehrt zu Streiks. Der Einfluss der Arbeitnehmer auf die Höhe der Löhne und die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen nahm zu.Susan E. Hamen, The New Deal, Essential Lib, 1. Auflage, 2010, ISBN 978-1616136840, S. 69

1938 wurde der Fair Labor Standards Act verabschiedet, mit dem ein Mindestlohn von 25 Cent pro Stunde und eine Arbeitszeitbegrenzung auf 44 Stunden pro Woche festgesetzt wurde. Weiterhin wurde Kinderarbeit von Kindern unter 16 Jahren verboten. Um das Gesetz durch den Kongress zu bringen, in dem Südstaaten-Abgeordnete eine entscheidende Fraktion bildeten, mussten Hausangestellte und Farmarbeiter vom Schutzbereich ausgenommen werden. Die Roosevelt Administration hoffte aber, den Anwendungsbereich des Gesetzes zu einem günstigeren Zeitpunkt später auch auf diese Berufsgruppen erweitern zu können. Nach Erlass des Gesetzes erhöhten sich unmittelbar die Löhne von 300.000 Menschen, für 1,3 Millionen Menschen verringerte sich die Arbeitszeit.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 181

Arbeitsmarkt- und Konjunkturpolitik


Die wirtschaftliche Erholung hatte mit Beginn des New Deal eingesetzt und fiel mit einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 7,7 % pro Jahr auch recht hoch aus,Durchschnittliches Wirtschaftswachstum bezogen auf die Jahre 1933 bis 1941, vgl. Olivier Blanchard und Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, 5. Auflage, 2009, ISBN 978-3827373632, S. 696 die Arbeitslosenquote sank aber nur langsam. Diese Entwicklung stellte auch der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes in das Zentrum seiner Überlegungen. Er bezeichnete die Lage als Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung. Keynes hatte mehrfach versucht, Roosevelt von einem Konjunkturstimulus durch Deficit spending zu überzeugen.W. Elliot Brownlee, Federal Taxation in America: A Short History, 2004, ISBN 0-521-8366-4, Seite 103; Cynthia Clark, The American Economy, 2011, ISBN 978-1-59884-4610, Seite 126 Roosevelts Brain Trust war jedoch von Anfang an gespalten in Befürworter der Strategie, die Depression durch höhere Staatsausgaben zu bekämpfen und in Befürworter der Strategie, durch Haushaltskürzungen einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Zu letzteren gehörte insbesondere der Finanzminister Henry Morgenthau.Chait, Jonathan. [http://www.tnr.com/article/books/wasting-away-hooverville Wasting Away in Hooverville]. The New Republic. 18. März 2009. Im Ergebnis wurde zwischen 1933 und 1941 in den Vereinigten Staaten nicht die von Keynes empfohlene antizyklische Fiskalpolitik betrieben. Die Maßnahmen gegen die Depression, insbesondere die Arbeitsbeschaffungsprogramme, erhöhten zwar die Staatsausgaben. Dies wurde jedoch durch andere Maßnahmen weitgehend kompensiert. Bereits unter Hoover war eine deutliche Erhöhung der Einkommensteuer verabschiedet worden, welche die Staatseinnahmen erhöhte. Zudem hatte Roosevelt bei Regierungsantritt deutliche Ausgabenkürzungen beispielsweise bei den Pensionen durchgesetzt (Economy Act). Im Ergebnis betrug das Haushaltsdefizit des Bundeshaushalts von 1933 bis 1941 ca. 3 % pro Jahr.usgovernmentdebt, [http://www.usgovernmentdebt.us/spending_chart_1900_2016USp_G0f Time Series Chart of US Government Spending] Arthur M. Schlesinger meint, der Brain Trust sei während des Second New Deal gegenüber der Idee einer keynesianischen Konjunkturpolitik aufgeschlossener gewesen als noch während des First New Deal. David M. Kennedy bezweifelt das, eine solche Entwicklung lasse sich an der konkreten Politik kaum festmachen.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 248

{| class="wikitable"
|- class="hintergrundfarbe5"
! style="width:10.5em;" style="text-align:left;" | Arbeitslosenquote im JahrGene Smiley, Recent Unemployment Rate Estimates for the 1920s and 1930s, Journal of Economic History, Juni 1983, Vol. 43, Nr. 2, S. 487–93. [http://www.jstor.org/pss/2120839 In JSTOR]
! style="width:4.5em;" | 1933
! style="width:4.5em;" | 1934
! style="width:4.5em;" | 1935
! style="width:4.5em;" | 1936
! style="width:4.5em;" | 1937
! style="width:4.5em;" | 1938
! style="width:4.5em;" | 1939
! style="width:4.5em;" | 1940
! style="width:4.5em;" | 1941
|-
| style="text-align: center;" style="text-align:left;" | Einschließlich Personen in ArbeitsbeschaffungsmaßnahmenNach Stanley Lebergott, vgl. Gene Smiley, Recent Unemployment Rate Estimates for the 1920s and 1930s, Journal of Economic History, Juni 1983, Vol. 43, Nr. 2, S. 487–93. [http://www.jstor.org/pss/2120839 In JSTOR]
| style="text-align: center;" | 24,9 %
| style="text-align: center;" | 21,7 %
| style="text-align: center;" | 20,1 %
| style="text-align: center;" | 16,9 %
| style="text-align: center;" | 14,3 %
| style="text-align: center;" | 19,0 %
| style="text-align: center;" | 17,2 %
| style="text-align: center;" | 14,6 %
| style="text-align: center;" | 9,9 %
|-
| style="text-align: center;" style="text-align:left;" | Arbeiter in Arbeitsbeschaffungsprogrammen wurden nicht als arbeitslos gezähltNach Michael Darby, vgl. Gene Smiley, Recent Unemployment Rate Estimates for the 1920s and 1930s, Journal of Economic History, Juni 1983, Vol. 43, Nr. 2, S. 487–93. [http://www.jstor.org/pss/2120839 In JSTOR]
| style="text-align: center;" | 20,6 %
| style="text-align: center;" | 16,0 %
| style="text-align: center;" | 14,2 %
| style="text-align: center;" | 9,9 %
| style="text-align: center;" | 9,1 %
| style="text-align: center;" | 12,5 %
| style="text-align: center;" | 11,3 %
| style="text-align: center;" | 9,5 %
| style="text-align: center;" | 8,0 %

|}

Roosevelt und sein Brain Trust kamen zu der Überzeugung, dass die Arbeitslosigkeit nicht wieder genauso schnell verschwinden würde, wie sie 1929 ausbrach. Sie sahen eine Notwendigkeit, die Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitslosigkeit zu verlängern.Harry Hopkins: „Intelligent people have long since left behind them the notion that ... the unemployment will disappear as dramatically as they made their appearance after 1929 ... For them a security program is the only answer.“ zitiert nach David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 250 Mit der ''Emergency Relief Appropriation Bill'' wurde 1935 das Budget für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen um 4 Milliarden Dollar aufgestockt. Damit wurde 3,5 Millionen arbeitsfähigen Arbeitslosen eine bezahlte Arbeit angeboten. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mussten auf Weisung Roosevelts so konzipiert werden, dass die verwirklichten Projekte arbeitsintensiv und zugleich längerfristig sinnvoll waren, und die Arbeiter mussten schlechter bezahlt werden, als in der privaten Wirtschaft.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 250–252 Es wurden u. a. 125.000 öffentliche Gebäude, mehr als eine Million Kilometer Autobahnen und Straßen, 77.000 Brücken, Bewässerungssysteme, Stadtparks, Schwimmbäder etc. gebaut. Darunter waren auch prominente Projekte wie der Lincoln-Tunnel, die Triborough Bridge, der Flughafen New York-LaGuardia, der Overseas Highway und die Oakland Bay Bridge. Verantwortlich dafür waren neben der bereits 1933 gegründeten Public Works Administration seit 1935 vor allem die Works Progress Administration unter der Leitung von Harry Hopkins.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 694David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 252 Mit diesen Mitteln arbeitete auch die 1935 gegründete Rural Electrification Administration, die ländliche Regionen mit günstigem Strom versorgen sollte. 1935 hatten nur 20 % der amerikanischen Farmen Zugang zu Strom, zehn Jahre später lag die Quote bereits bei 90 %.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 252

Wettbewerbsrecht


Große Holding-Gesellschaften verursachten einige Probleme. Z.B. dominierten einige wenige Holdinggesellschaften den gesamten Energiemarkt.Meinrad Dreher, Konglomerate Zusammenschlüsse, Verbotsvermutungen und Widerlegungsgründe, Duncker und Humblott, 1987, ISBN 3-428-06207-8, Seite 86 Viele waren auch so groß, dass sie einen erheblichen Einfluss auf die Gesetzgebung ausüben konnten. Zu dieser Zeit gab es in den Vereinigten Staaten viele pyramidenförmig organisierte, also mehrstufige Holdings. Hier musste der operative Teil der Gesellschaft exzessiv hohe Gewinne erwirtschaften, um die verschiedenen übergeordneten Gesellschaften zu finanzieren. Mit dem Public Utility Holding Company Act von 1935 mussten alle Holdinggesellschaften bei der Securities and Exchange Commission (SEC) registriert werden. Alle mehr als zweistufigen Holdinggesellschaften, die keine triftigen Gründe für diese Struktur nennen konnten, wurden zerschlagen.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 166

Steuerrecht


1935 wurde auch der Wealth Tax Act verabschiedet, mit dem der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer auf 79 % heraufgesetzt wurde.Paul S. Boyer, Clifford Clark, Karen Halttunen, The Enduring Vision, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2010, ISBN 978-0495799986, S. 744 Das Gesetz war jedoch in erster Linie dazu gedacht, den Wahlkampf für Roosevelt zu erleichtern, denn es war eine Antwort auf die Bedrohung der Demokratischen Partei durch die als radikal bezeichneten Huey Long und Charles Coughlin. Finanzminister Morgenthau bezeichnete den Wealth Tax Act gegenüber Finanzbeamten als ein Wahlkampfdokument, ein Gesetz, das die Staatseinnahmen nur unwesentlich erhöhen sollte. Der Spitzensteuersatz von 79 % war zwar sehr hoch, er sollte allerdings erst ab einem sehr hohen Einkommen angewandt werden. Tatsächlich gab es nur einen einzigen Steuerzahler, der nach Erlass dieses Gesetzes den Spitzensteuersatz von 79 % zahlen musste: John D. Rockefeller.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 275, 276

1936 wurde eine Körperschaftsteuer mit Steuersätzen zwischen 7 % und 27 % eingeführt. Im Kongress wurde das Gesetz abgeschwächt – kleinere Kapitalgesellschaften waren von den Regelungen weitgehend ausgenommen. Anders als bei dem Wealth Tax Act stand bei diesem Gesetz eine Erhöhung des Steuerertrags im Vordergrund, da der Kongress kurz zuvor auf eigene Initiative ein Gesetz verabschiedet hatte, das die Auszahlung der ausstehenden Bonuszahlungen für Veteranen des Ersten Weltkriegs – insgesamt 2 Milliarden Dollar – von 1945 auf 1936 vorzog.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945'', Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 278, 279

Verfassungswandel von 1937


Bei der Amtsübernahme durch Roosevelt war der Oberste Gerichtshof überwiegend mit Richtern (auf Lebenszeit) besetzt, die von der Republikanischen Partei nominiert worden waren. In den 1920er und 1930er Jahren wurden vier der Richter am Obersten Gerichtshof als die Four Horsemen of Reaction bekannt, denen es immer wieder gelang, eine Mehrheit (mindestens 5 der 9 Richter) zu organisieren, mit der etliche progressive Gesetze für verfassungswidrig erklärt wurden.R. Alan Lawson, A Commonwealth of Hope: The New Deal Response to Crisis, Johns Hopkins University Press, 2006, ISBN 978-0801884061, S. 165 Am 27. Mai 1935 (Black Monday) wurden die ersten New-Deal-Gesetze, unter anderem die Arbeit der National Recovery Administration, für verfassungswidrig erklärt. Zu diesem Zeitpunkt hoffte Roosevelt noch, dass einer der Richter in Ruhestand gehen würde und die Mehrheitsverhältnisse durch eine neue Richternominierung geändert werden könnten. Nachdem 1936 weitere Gesetze, vor allem der Agricultural Adjustment Act und das Mindestlohngesetz des Bundesstaates New York für verfassungswidrig erklärt wurden, kam Roosevelt zu der Überzeugung, dass der Obersten Gerichtshof alle wesentlichen Teile des New Deal kassieren würde und der Oberste Gerichtshof das Prinzip der Gewaltenteilung zwischen Judikative und Legislative zugunsten der Judikative faktisch unterlaufen wolle. Auch der ehemalige Präsident Hoover kritisierte die Entscheidungen als einen zu weitgehenden Eingriff in legislative Kompetenzen. In der Öffentlichkeit war die Kritik verbreitet (etwa auch in dem Bestseller von Drew Pearson und Robert Allen mit dem Titel Nine Old Men), dass die zumeist über 70-jährigen Richter die Probleme der Gegenwart gar nicht mehr erkannten.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 258, 259 Bestätigt durch den hohen Wahlsieg in der Präsidentschaftswahl von 1936 und verärgert über den Kommentar von Richter McReynolds „Ich werde niemals in Ruhestand gehen, solange der verkrüppelte Hurensohn noch im Weißen Haus ist.“Im Original: „I'll never resign as long as that crippled son-of-a-bitch is in the White House“. Vgl. Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 259, 260 entschied Roosevelt, seine Pläne zur Justizreform im Januar 1937 öffentlich zu machen. Mit der Judicial Procedures Reform Bill of 1937 sollte dem amerikanischen Präsidenten die Befugnis eingeräumt werden, für jeden über 70-jährigen Richter, der sich weigerte, in Ruhestand zu gehen, zusätzliche neue Richter zu ernennen.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 259, 260 Hinter der Gesetzesinitiative stand zunächst eine ausreichende Mehrheit der demokratischen Abgeordneten in Repräsentantenhaus und Senat. Sie wurde aber von den Republikanern sowie von einigen demokratischen Abgeordneten als Eingriff in die Gewaltenteilung scharf kritisiert.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 261 Darüber hinaus fürchteten Abgeordnete der Demokratischen Partei aus den Südstaaten, dass progressive Richter die Separate-but-equal-Rechtsprechung zur Rassentrennung kritisch überprüfen könnten.David M. Kennedy, Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 333 Zu diesem Zeitpunkt kam es, beginnend mit dem 29. März 1937 (White Monday), zu einer Änderung der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs. Richter Owen Roberts, der zuvor häufig mit den Four Horsemen gestimmt hatte, stimmte nun mit dem progressiven Flügel des Gerichts. Am deutlichsten wurde der Wechsel in der richterlichen Entscheidung, mit der das Mindestlohngesetz im Bundesstaat Washington für verfassungskonform erklärt wurde – nur ein Jahr zuvor war das Mindestlohngesetz von New York für verfassungswidrig erklärt worden. Auch der Wagner Act und der Social Security Act wurden für verfassungskonform erklärt.Diese Wende am Bundesgericht wurde von zeitgenössischen Juristen (in Abwandlung der Hausfrauenweisheit „a stitch in time saves nine“) als Roberts „switch in time that saved nine“ kommentiert. Vgl. Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 261 Der Historiker David M. Kennedy geht davon aus, dass die zunehmende öffentliche Kritik an der Rechtsprechungspraxis der Four Horsemen of Reaction und der erdrutschartige Wahlsieg Roosevelts im November 1936 bei der Änderung der Rechtsprechung eine Rolle gespielt haben.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 335 Trotz dieser Wende versuchte Roosevelt, das Gesetz zur Justizreform durch den Kongress zu bekommen, scheiterte aber mit diesem Vorhaben. Durch das freiwillige Ausscheiden der Four Horsemen (Van Devanter 1937, Sutherland 1938, Butler 1939 und McReynolds 1941) sowie von drei weiteren Richtern konnte der Oberste Gerichtshof weitgehend neu besetzt werden. Nach der Phase konservativer Rechtsprechung begann im Jahr 1937 eine längere Phase liberaler Verfassungsrechtsprechung.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 261

William Rehnquist fasste den Verfassungswandel wie folgt zusammen:

{{Zitat-en|President Roosevelt lost the Court-packing battle, but he won the war for control of the Supreme Court … not by any novel legislation, but by serving in office for more than twelve years, and appointing eight of the nine Justices of the Court.|Übersetzung=Präsident Roosevelt verlor die Schlacht um die Judicial Procedures Reform Bill of 1937, aber er gewann den Krieg um die Kontrolle des Obersten Gerichtshofs … nicht durch eine neuartige Gesetzgebung, sondern dadurch, dass er mehr als zwölf Jahre im Amt war und so (nach und nach) acht der neun Richter des Obersten Gerichtshofs ernennen konnte.{{cite journal |last1=Rehnquist |first1=William H. |year=2004 |title=Judicial Independence Dedicated to Chief Justice Harry L. Carrico: Symposium Remarks |journal=University of Richmond Law Review |volume=38 |pages=579–596 | at=595 |url=http://heinonline.org/HOL/Page?collection=journals&handle=hein.journals/urich38&id=591 |doi= }}}}

Nachwirkungen des New Deal


Seit 1939 gab es keine Reformankündigungen mehr. Roosevelts Bestreben ging seitdem dahin, den New Deal zu verstetigen. Er bezeichnete ihn fortan als eine „Economic Bill of Rights“, welche die politische Agenda auch nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmen sollte. Die Idee, die Einkommen der Arbeiter, Angestellten und Landwirte zu stabilisieren, Finanzinstitute und große Konzerne zu regulieren, Ausgabenprogramme zum Ausbau der Infrastruktur und zur Schaffung von Arbeitsplätzen aufzulegen und durch eine deutlich höhere Besteuerung der Reichen eine gewisse Einkommensumverteilung zu bewirken, war noch weitere 30 Jahre lang eine Richtschnur der in dieser Zeit dominierenden Demokratischen Partei.Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 2, 3

Wandel der Begriffe „Liberal“ und „Konservativ“


1941 definierte Roosevelt liberale Regierungen als solche, die staatliche Interventionen in Notzeiten befürworten, während konservative Regierungen staatliche Interventionen generell ablehnen. Mit der Neubestimmung des Begriffs Liberal bezog er sich auf den Philosophen John Dewey, der bereits 1935 für ein neues Liberalismusverständnis plädiert hatte. Diese Neudefinition wurde in der politischen Diskussionen übernommen. Seitdem wird Liberalismus in den Vereinigten Staaten weniger mit der Verteidigung unternehmerischer Freiheit, als mit einer arbeitnehmerfreundlichen Politik assoziiert. In den 1960er Jahren erweiterten die demokratischen Präsidenten Kennedy und Johnson das Programm des New Deal um Bürgerrechts- und Minderheitenpolitik. Als „liberals“ gelten seither solche Bürger und Politiker, die sich auf die Tradition des New Deal berufen, eine arbeitnehmerfreundliche Politik betreiben und für die Erweiterung der Bürgerrechte eintreten.Richard Nate, Amerikanische Träume: Die Kultur der Vereinigten Staaten in der Zeit des New Deal, Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 978-3826024979, S. 312Ronald Edsforth, The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History), John Wiley & Sons, 2000, ISBN 978-1577181439, S. 2

Radikalismusvorwürfe und Red-Scare-Taktik


thumb|upright|Protest eines Landwirts gegen Staatshilfe

In der Anfangszeit des New Deal war den Menschen nicht klar, ob es einen klaren demokratischen Weg jenseits von Kommunismus und Faschismus geben könnte.Anthony D’Ágostino, The Rise of Global Powers, Cambridge University Press, 2012, ISBN 978-0-521-15424-6, S. 259 Sie beobachteten mit Sorge, dass sich in Europa totalitäre Regime ausbreiteten. Dies veranlasste manche Kritiker dazu auch den New Deal dieser Tendenz zuzuordnen.Richard Nate, Amerikanische Träume, Königshausen & Neumann GmbH, 2003, ISBN 3-8260-2497-4, Seite 75 Manche Kritiker warfen dem New Deal vor, von einigen Personen „kommunistisch unterwandert“ zu sein bzw. eine faschistische Idee zu sein.Beispielsweise bezeichnete John T. Flynn den New Deal in seinem Buch (As we go Marching (1944)) als „good fascism“. Bereits vor Veröffentlichung des Buches war Flynn seinerseits von Liberalen als Faschist bezeichnet worden, weil er sich vehement gegen den Kriegseintritt der USA gegen die Achsenmächte ausgesprochen hatte. Vgl. Vorwort von Ronald Radosh, S. vii und viii in: John T. Flynn, As we go Marching, The Ludwig von Mises Institute, 2007, ISBN 0-914156-00-4 Als Anhaltspunkt wurde vor allem der „Krieg“ der National Recovery Administration gegen die Deflation genannt. Diese auf drei Jahre befristete Maßnahme basierte allerdings entgegen manchen Spekulationen nicht auf sowjetischen oder italienischen Ideen. Sie entstand vielmehr in lockerer Anlehnung an das zu Zwecken der Koordinierung der kriegswichtigen Industrie (Kriegswirtschaft) im Ersten Weltkrieg unter Woodrow Wilson zeitweilig eingerichtete War Industries Board, zu dem mit Hugh Samuel Johnson auch personelle Kontinuität bestand.Ellis Hawley, The New Deal and the Problem of Monopoly, Pricton University Press, 1966, ISBN 0-8232-1609-8, S. 23 Dem Argument, die wirtschaftspolitischen Maßnahmen des New Deal gegen Deflation (und also gegen die schwere Wirtschaftskrise) müssten geradewegs in den Faschismus führen, hatte bereits Roosevelt entgegen gehalten, dass das Gegenteil der Fall sei: die Fortführung einer Wirtschaftspolitik, die auf Interventionen verzichte, würde die USA schließlich einer Diktatur ausliefern.Anthony D’Ágostino, The Rise of Global Powers, Cambridge University Press, 2012, ISBN 978-0-521-15424-6, S. 259

Von Historikern werden diese Vorwürfe nicht geteilt. Laut Rezensent Busche analysierte Schivelbusch in Entfernte Verwandtschaft: Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal. 1933–1939 (2005) Ähnlichkeiten „die es vor dem Krieg zwischen beiden Staaten in den Ansätzen zur Krisenbewältigung gegeben habe. Der Ursprung der Ähnlichkeit liegt laut Schivelbusch in der Einsicht, dass der Liberalismus des 19. Jahrhunderts versagt hatte und die schrankenlose Industrialisierung wie die hemmungslose Entfaltung des Kapitalismus nicht länger toleriert werden dürfen.“Zusammenfassung von Jürgen Busche, [http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2005/03/17/a0228 Die Staaten der kleinen Leute], die tageszeitung, 17. März 2005, über: Wolfgang Schivelbusch, Entfernte Verwandtschaft: Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal. 1933–1939, Carl Hanser Verlag, 2005, ISBN 978-3446205970 Schivelbusch betont, dass eine Gleichsetzung von New Deal und Faschismus unzulässig ist. Der Faschismusforscher Stanley Payne kommt in A History of Fascism, 1914-1945 (1995) zu dem Ergebnis, dass lediglich ein paar unwesentliche Ähnlichkeiten der Wirtschaftspolitik bestanden und der New Deal nicht als Faschismus angesehen werden kann.Stanley Payne, A History of Fascism, 1914–1945, University of Wisconsin Press, 1995, ISBN 978-0299148706, S. 230

Historiker haben zwei wesentliche Gründe für die in der zweiten Welle der Red Scare resultierenden Angriffe eines Teils der Konservativen gegen Liberale ausgemacht. Zum einen war dies die überwältigende Popularität von Franklin D. Roosevelt und der in der Bevölkerung plötzlich aufgetretene Enthusiasmus für Staatsinterventionismus, die in einer kontinuierlichen demokratischen Mehrheit in dem Kongress resultierte. Zum anderen mussten Konservative hilflos zusehen, wie sich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes innerhalb weniger Jahre stark veränderten, was sie als zutiefst schockierend empfanden. Denn viele Konservativen befürworteten eine Freie (unregulierte) Marktwirtschaft und sahen Staatseingriffe in die Wirtschaft als Sündenfall an. Susan L. Brinson, The Red Scare, Politics, and the Federal Communications Commission, 1941-1960, ISBN Praeger Publishers, 2004, ISBN 0-275-97859-1, Seite 63

New Deal-Konsens


Zwischen 1940 und 1980 bestand in den Vereinigten Staaten ein New Deal-Konsens (bzw. liberal consensus). Der Fair Deal des demokratischen Präsident Harry S. Truman brachte vor allem eine Ausweitung der mit dem New Deal eingeführten Sozialversicherungen auf 10,5 Millionen bisher unversicherte Bürger und eine Erhöhung der Versicherungsleistungen um durchschnittlich 80 %.Iwan Mc. Morgan, Beyond the Liberal Consensus: Political History of the United States Since 1965, C Hurst & Co Publishers Ltd, 1994, ISBN 978-1850652045, Seite 16 Die republikanische Partei nominierte seit 1940 mit Wendell Willkie und Thomas E. Dewey solche Präsidentschaftskandidaten, welche dem New Deal nicht feindlich gegenüber standen.Iwan Mc. Morgan, Beyond the Liberal Consensus: Political History of the United States Since 1965, C Hurst & Co Publishers Ltd, 1994, ISBN 978-1850652045, Seite 15 Erfolgreich war Dwight D. Eisenhower, der auch als gewählter Präsident zu dem allgemeinen New Deal-Konsens stand. In einem privaten Brief erklärte er seinen Standpunkt wie folgt:

{{Zitat-en|Should any party attempt to abolish social security and eliminate labor laws and farm programs, you would not hear of that party again in our political history. There is a tiny splinter group of course, that believes you can do these things ... Their number is negligible and they are stupid.|Übersetzung=Sollte eine Partei versuchen den Social Security Act, das Arbeitsrecht und die Farmprogramme abzuschaffen, dann würde man diese Partei in der politischen Geschichte nicht mehr wahrnehmen. Es gibt natürlich eine kleine Splittergruppe die glaubt derartiges tun zu können ... Ihre Anzahl ist jedoch vernachlässigbar und sie sind dumm.|Dwight D. Eisenhower in einem Brief an seinen Bruder Edgar Eisenhower.Michael S. Mayer, The Eisenhower Years, Facts on File Inc., 2010, ISBN 978-0-8160-5387-2, Seite XII}}

Auch unter dem republikanischen Präsidenten Eisenhower erfolgte eine Ausweitung der Sozialversicherungen und eine Erhöhung des Mindestlohns. Unter den demokratischen Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson erfolgte ebenfalls eine Sozialpolitik in der Tradition des New Deal, wobei Johnsons Great-Society-Programm mit der Einführung öffentlicher Krankenversicherungen eine wesentliche Lücke des Social Security Act von 1935 füllte.Iwan Mc. Morgan, Beyond the Liberal Consensus: Political History of the United States Since 1965, C Hurst & Co Publishers Ltd, 1994, ISBN 978-1850652045, Seite 18-20

Ein erster Versuch der Republikanischen Partei aus dem New Deal Konsens auszubrechen war die Nominierung des Sozialstaatsgegners Barry Goldwater als Präsidentschaftskandidat bei der Wahl im Jahr 1964. Die Präsidentschaftswahl endete zwar in einer deutlichen Niederlage, die Spekulationen über den Niedergang der Republikanischen Partei anheizte. Aus den Unterstützern Goldwaters formte sich jedoch die New Right, welche sechzehn Jahre später maßgeblich zum Wahlsieg von Ronald Reagan beitrug.Blaine T. Browne,Robert C. Cottrell, Modern American Lives: Individuals and Issues in American History Since 1945, M.E. Sharp. Inc., 2008, ISBN 978-0-7656-2222-8, Seite 164 Seit den 1980er Jahren sind die politischen Auseinandersetzungen in den USA stets auch vom Gegensatz zwischen Regulierung und Deregulierung der Wirtschaft geprägt. Auch wurde Nachfragepolitik offiziell abgelehnt und reine Angebotspolitik als Alternative propagiert. Bekannt wurden insbesondere die Deregulierungsmaßnahmen von Präsident Reagan (siehe Reaganomics). Gleichzeitig erhöhte die Regierung Reagan die Rüstungsausgaben deutlich, was mit ihren typischen Auswirkungen (Belebung der Wirtschaft, Erhöhung der Staatsverschuldung) eine Form staatlicher Nachfragepolitik war.

Politische Metapher


In jüngster Zeit wurden unter Bezugnahme auf den New Deal Vorschläge zur Überwindung der durch die Finanzkrise ab 2007 aufgetretenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemacht. Im „World Economic and Social Survey 2008: Overcoming Economic Insecurity“ der Vereinten Nationen wurde ein globaler New Deal vorgeschlagen, um die weltwirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden.[http://www.un.org/esa/policy/wess/wess2008files/wess08/overview_en.pdf World Economic and Social Survey 2008: Overcoming Economic Insecurity], 30. Juni 2008. Innerhalb der USA werden vor allem von dem linken Flügel der Demokratischen Partei und von dem parteilosen amtierenden New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg die Forderung nach einem New New Deal als Lösungsansatz für die kriselnde amerikanische Wirtschaft erhoben.Michael Grunwald: [http://www.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,1856381_1856380_1856375,00.html A New New Deal]; Charles R. Kessler: [http://www.hillsdale.edu/images/userImages/mvanderwei/Page_6907/Imprimis_May-June10.pdf The New New Deal], (.pdf-Format)

Auf den New Deal nimmt auch das Konzept des Green New Deal bezug, mit dem verschiedene Ansätze zu einer ökologischeren Gestaltung der Marktwirtschaft formuliert werden.

Auswirkungen des New Deal


Die Fragen, was der New Deal eigentlich gewesen ist und wie erfolgreich der New Deal war, sind bis heute umstritten. Die Beantwortung der Frage nach dem Erfolg des New Deal hängt auch von der Perspektive ab. Es ist zu klären, ob man den Erfolg oder Misserfolg des New Deal an der Überwindung des bei Roosevelts Amtsantritt bestehenden desolaten Zustands der amerikanischen Wirtschaft misst oder an dem Wunsch nach (der erst mit Kriegseintritt erreichten) Vollbeschäftigung, voller Produktionsauslastung und hoher Massenkaufkraft. Auch die Bewertung der Sozialpolitik des New Deal ist von solchen Überlegungen abhängig. Einerseits können in der Grundsteinlegung eines Sozialstaates und darin, dass das Recht eines jeden Amerikaners auf einen anständigen Lebensunterhalt zum Bestandteil des Alltags wurde, Meilensteine amerikanischer Sozialpolitik gesehen werden. Anderseits lässt sich auch betonen, dass Soziale Sicherheit für alle und eine „gerechte“ Einkommens- und Vermögensverteilung in Roosevelts Amtszeit nicht erreicht werden konnte.Siehe hierzu Detlef Junker, Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945 in: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, Campus Verlag, 2005, ISBN 978-3593377537, Seite 137

Jenseits der Kontroversen gibt es eine Reihe von Feststellungen, auf die sich alle Interpreten einigen können. Mit der massiven Interventionspolitik des Staates in fast allen Gesellschaftsbereichen gab der New Deal einer entmutigten, verunsichtern und richtungslosen Nation neue Hoffnung.Detlef Junker, Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945 in: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, Campus Verlag, 2005, ISBN 978-3593377537, Seite 137 Anders als im Deutschen Reich und in vielen anderen Ländern konnte in den Vereinigten Staaten die Demokratie durch die Phase der Unsicherheit und Weltwirtschaftskrise hindurch bewahrt werden.Mary Beth Norton, Carol Sheriff und David M. Katzman, A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0495915904, S. 681 Es steht fest, dass der New Deal die hohe Arbeitslosigkeit und soziale Not linderte, dass Vollbeschäftigung jedoch erst mit Kriegseintritt der USA eintrat.

Ergebnis der Sozialpolitik


Mit dem New Deal übernahm der Staat erstmals Verantwortung für die Sicherung des Existenzminimums der Bürger. In 1930 gaben die Bundesstaaten lediglich $9 Millionen für Sozialhilfe aus, Arbeitslosengeld gab es noch nicht. Bis 1940 erhöhten sich die Zahlungen für Sozialhilfe auf $479 Millionen und die Zahlungen für Arbeitslosengeld auf $480 Millionen. In Anbetracht der von der Großen Depression ausgezehrten Bevölkerung waren aber auch diese Summen noch sehr niedrig.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 204, 205 Zwar vollzogen die USA den sozialpolitischen Eintritt in das 20. Jahrhundert, die sozialpolitischen Gesetze stellten aber lediglich bescheidene Anfänge dar.Detlef Junker, Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945 in: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, Campus Verlag, 2005, ISBN 978-3593377537, Seite 137, 138

Mit dem New Deal veränderte sich auch das Verhältnis der Bundesregierung zu den Bundesstaaten. Die Bundesregierung übernahm erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten Kompetenzen in der Sozialpolitik. Diese Ausweitung ging einher mit einer Verringerung der politischen Bedeutung der Bundesstaaten, die vor dem New Deal eine alleinige Kompetenz für Sozialpolitik gehabt hatten. Die Bürger begannen sich mit ihren Problemen eher an die Bundesregierung zu wenden. Weiterhin wurden gemeinsame Aufgaben wie z.B. die öffentliche Arbeitslosenversicherung geschaffen, welche das Aufgabenspektrum sowohl der Bundesregierung als auch der Bundesstaaten erweiterten. Gleichzeitig erhöhte sich dadurch die gemeinsamen Aufgaben die Abhängigkeit der Bundesstaaten von Finanzhilfen der Bundesregierung.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 215

Ergebnis der Wirtschaftspolitik


Recovery-Maßnahmen


thumb|Inflationsbereinigtes Bruttoinlandsprodukt der USA von 1920 bis 1940, die schwarze Linie stellt den langfristigen Trend dar.

thumb|Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt 1929–1950

Die wirtschaftliche Erholung setzte 1933 ein und mit Ausnahme eines scharfen Einbruchs im Jahr 1937 blieb das Wirtschaftswachstum anhaltend hoch. Im Durchschnitt der Jahre 1933 bis 1941 betrug das Wirtschaftswachstum 7,7 % pro Jahr.Olivier Blanchard und Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, 5. Auflage, 2009, ISBN 978-3827373632, S. 696 Im Jahr 1933 endete auch die Deflation.Olivier Blanchard und Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, 5. Auflage, 2009, ISBN 978-3827373632, S. 696, 697 Die Arbeitslosigkeit sank bis 1940 um 25 %, lag aber immer noch deutlich über dem Vorkrisenniveau. In der Literatur besteht Einigkeit, dass erst der Krieg ab 1942 Vollbeschäftigung brachte.

Nach monetaristischer Analyse war eine Kontraktion der Geldmenge der Hauptgrund für die Große Depression.Randall E. Parker, Reflections on the Great Depression, Elgar publishing, 2003, ISBN 978-1843763352, S. 22, 23 Es besteht weitgehende Einigkeit in der Literatur, dass die Kursänderung in der Geldpolitik ein Faktor war, der wesentlich zur Erholung beitrug. Zwischen der Abkehr vom Goldstandard und dem Beginn der Erholung besteht nach fast einhelliger Ansicht ein klarer zeitlicher und inhaltlicher Zusammenhang.Randall E. Parker, Reflections on the Great Depression, Elgar publishing, 2003, ISBN 978-1843763352, S. 22 Von 1933 bis 1941 nahm die nominale Geldmenge um 140 % zu, die reale Geldmenge um 100 %. Christina Romer kommt in ihrer Arbeit What ended the Great Depression? (1992) zu dem Ergebnis, dass die Produktion im Jahr 1937 um 25 % niedriger und im Jahr 1942 sogar um 50 % niedriger gewesen wäre, wenn es die Wende in der Geldpolitik nicht gegeben hätte.Olivier Blanchard und Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, 5. Auflage, 2009, ISBN 978-3827373632, S. 696 Dabei besteht Einigkeit, dass die US-Zentralbank zur wirtschaftlichen Erholung nichts beitrug. Die Stabilisierung des Bankensystems und die Ausweitung der Geldmenge gingen allein auf Initiative der Regierung unter Präsident Roosevelt zurück.Randall E. Parker, Reflections on the Great Depression, Elgar publishing, 2003, ISBN 978-1843763352, S. 23

Teilweise wird die Ansicht vertreten, dass der New Deal, in der Summe seiner Maßnahmen, die Große Depression eher verlängert habe. Die Anerkennung der Gewerkschaften habe zu höheren Löhnen und geringeren Gewinnen der Unternehmen geführt, was die Arbeitslosigkeit weiter erhöht habe. Hohe Steuern hätten wachstumshemmend gewirkt, öffentliche Investitionen hätten private verdrängt (Crowding-out) und staatliche Eingriffe Unternehmer und Geschäftsleute verunsichert.vgl. Amity Shlaes: Der vergessene Mann: Eine neue Sicht auf Roosevelt, den New Deal und den Staat als Retter. Wiley Verlag, Weinheim 2011 ISBN 978-3-527-50553-1 Der Ansicht stimmten in einer Erhebung von 1995 6 % der Historiker und 27 % der Wirtschaftswissenschaftler vorbehaltlos zu. Hingegen wurde sie von 74 % der Historiker und 51 % der Wirtschaftswissenschaftler vorbehaltlos abgelehnt.Robert Whaples, "Where Is There Consensus Among American Economic Historians? The Results of a Survey on Forty Propositions", Journal of Economic History, Vol. 55, No. 1 (Mar., 1995), S. 139–154, hier S. 144 [http://www.jstor.org/stable/2123771 in JSTOR] Eine prominente Vertreterin dieser Ansicht ist Amity Shlaes. Sie analysiert und bewertet den New Deal in ihrem Buch The Forgotten Man: A New History of the Great Depression (2007) aus der Perspektive einer Befürworterin Freier (unregulierter) Märkte. Das Buch wurde von Konservativen begeistert aufgenommen und Shlaes als eines der größten Pfunde der Republikanischen Partei bezeichnet.Chait, Jonathan. [http://www.tnr.com/article/books/wasting-away-hooverville Wasting Away in Hooverville]. The New Republic. 18. März 2009. Von Liberalen wurde das Buch unter anderem dafür kritisiert, dass Shlaes als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung anstelle der dynamischen Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts die verhaltene Entwicklung des Dow-Jones-Index darstellte. Eric Rauchway bezeichnete dies als einen Versuch die wirtschaftliche Erholung dadurch Bezugnahmen auf einen weniger repräsentativen Indikator herunterzuspielen.Matthew Dallek, [http://dyn.politico.com/printstory.cfm?uuid=6CF51F59-18FE-70B2-A858CD862CDC69EA Revisionists' blind view of New Deal], Politico, 13. Februar 2009.

Nach der am häufigsten vertretenen Ansicht hätten die Maßnahmen des New Deal die wirtschaftliche Erholung unterstützt, das Ende der Depression und Vollbeschäftigung seien jedoch erst durch die expansive Fiskalpolitik seit dem Kriegseintritt bewirkt worden.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 363 Roosevelt verfolgte zwischen 1933 und 1941 das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts, die Notwendigkeit einer antizyklischen Fiskalpolitik im Sinne eines keynesianischen Deficit spendings sah er nicht. Die Fiskalpolitik der Regierung schonte daher den Staatshaushalt, trug andererseits aber nicht viel zur Erholung bei.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 204, 205 Eine expansive Fiskalpolitik, wie sie später durch den Zweiten Weltkrieg verursacht wurde,Niall Ferguson weist darauf hin, dass während des Zweiten Weltkriegs (ab 1942) gewaltige Budgetdefizite von über 20 % des Bruttonationalprodukts auch private Investitionen und privaten Konsum angeregt haben. Siehe: Niall Ferguson: The second world war as an economic disaster. in: Michael J. Oliver/Derek H. Aldcroft (Hrsg.): Economic Disasters of the twentieth Century. Edward Elgar, Cheltenham 2008 ISBN 978-1-84844-158-3 S. 83–132, hier S. 109. hätte nach keynesianischer Lesart eine schnellere Erholung ermöglicht.Randall E. Parker, Reflections on the Great Depression, Elgar publishing, 2003, ISBN 978-1843763352, S. 22 So sieht Paul Krugman, bezogen auf die Konjunkturpolitik, die kurzfristige Wirkung des New Deal als weniger erfolgreich an als die langfristige Wirkung.Paul Krugman: [http://www.nytimes.com/2008/11/10/opinion/10krugman.html Franklin Delano Obama?], New York Times, 10. November 2008. Im internationalen Vergleich zeigt sich auch, dass Staaten die massives Deficit Spending eingesetzt hatten, wie Schweden oder das Deutsche Reich, die Depression schneller überwanden. Umstritten ist, welchen Anteil der New Deal einerseits und die expansive Fiskalpolitik während des Zweiten Weltkriegs andererseits an der wirtschaftlichen Erholung hatten. J. R. Vernon ist der Ansicht, dass die wirtschaftliche Erholung von der Wirtschaftskrise bis 1941 (gemessen am fortgedachten Trend des Vorkrisenwachstums) weniger als zur Hälfte vorangeschritten war. Er sieht die expansive Fiskalpolitik ab 1942 als entscheidenden und die Geldpolitik nur als unterstützenden Faktor. Demgegenüber vertreten J. Bradford DeLong, Lawrence Summers und Christina Romer die Ansicht, dass die wirtschaftliche Erholung von der Wirtschaftskrise bereits vor 1942 (also vor dem starken Anstieg der Kriegsausgaben in den Vereinigten Staaten) im Wesentlichen abgeschlossen war. Sie gehen davon aus, dass vor allem die Geldpolitik des New Deal dazu beitrug.J.R. Vernon: World War II fiscal policies and the end of the Great Depression. in: Journal of Economic History, Vol. 54, Nr. 4, 1994 S. 850– 868, hier S. 850 ff

Reform-Maßnahmen


Der Sinn der Wirtschaftsreformen bestand darin die Marktwirtschaft zu retten, indem die schlimmsten Exzesse unterbunden und eine stabilere Wirtschaftsordnung geschaffen wurde. Durch Regulierung des Bankensystems und des Wertpapierhandels wurden die Finanzmärkte weniger krisenanfällig.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 206 Die Arbeitsbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, sowie dem Staat als vermittelnder Instanz, entwickelten sich mit Anerkennung der Gewerkschaften zu einem eher partnerschaftlichen Verhältnis.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 220

Die durch den New Deal geschaffene neue Wirtschaftsordnung überstand den Zweiten Weltkrieg und auch Wahlerfolge der republikanischen Partei unbeschadet, insbesondere auch weil die republikanische Partei keine ernsthaften Versuche mehr unternahm, wesentliche Teile des New Deal zu ändern oder rückgängig zu machen.David Brody, The New Deal and World War II in: John Braeman, Robert H. Bremner, David Brody (Hrsg.): The New Deal. Band 1. Ohio State University Press, Columbus OH 1975., ISBN 0-8142-0200-4, S. 297 Es kann davon ausgegangen werden, dass die neue Wirtschaftsordnung ein bestimmender Faktor für die Länge und das Ausmaß der außergewöhnlichen Prosperitätsphase nach dem Krieg war.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 363

Auswirkung auf Minderheiten


Der Indian Reorganization Act brachte eine bescheidene Besserung der Situation der Indianer. Die Schwarzen und andere Minderheiten erlangten aber auch durch den New Deal keine Gleichberechtigung.Detlef Junker, Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945 in: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, Campus Verlag, 2005, ISBN 978-3593377537, Seite 137, 138 Von Roosevelts Brain Trust setzen sich vor allem Eleanor Roosevelt, Harry Hopkins und Harold Ickes sehr für die Rechte der Schwarzen ein. Roosevelt war sich jedoch bewusst, dass er politisch auf die Stimmen der demokratischen Abgeordneten aus den Südstaaten angewiesen war, die von einer Gleichberechtigung der Schwarzen nichts wissen wollten. Er unternahm daher keinen Versuch, die Gleichberechtigung gesetzlich zu erzwingen.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 206 Allerdings profitierten die von Arbeitslosigkeit und Armut überdurchschnittlich stark betroffenen Schwarzen in besonderem Maß von den diskriminierungsfreien Arbeits- und Sozialprogrammen des New Deal.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 378 Dies wirkte sich auch bei den Wahlen aus. Die Schwarzen hatten bis 1932 traditionell die Partei gewählt, die im amerikanischen Bürgerkrieg die Abschaffung der Sklaverei erzwungen hatte, also die Republikaner. Ebenso wie viele in Armut lebende Weiße begannen aber auch viele Schwarze Roosevelt als Retter in der Not zu sehen. In einer Wahlumfrage vor der Präsidentschaftswahl von 1936 zeigten sich 76 % der Schwarzen bereit für Roosevelt zu stimmen.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 207-209 Durch die Wählerwanderung ergab sich nach und nach auch ein zunehmender Einfluss der Bürgerrechtsbewegung auf die Demokratische Partei. Jedoch kam es erst in den 1960 Jahren unter dem demokratischen Präsidenten Lyndon B. Johnson zu großen Erfolgen in der Frage der Gleichberechtigung der Schwarzen.

Schlüsseldebatten


Arthur M. Schlesinger und William E. Leuchtenburg sehen den New Deal als eine Reaktion auf die Wirtschaftskrise, die vor allem von Anteilnahme an dem Leid der Bevölkerung geprägt war.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 215 Der Zeitzeuge und New Deal-Anhänger Schlesinger erinnert in seiner Trilogie The Age of Roosevelt (1957, 1958, 1960) daran, dass die vor allem der Mittelschicht zugutekommenden sozialstaatlichen Reformen gegen den Widerstand der Oberschicht hatten durchgesetzt werden müssen. Leuchtenburgs Franklin D. Roosevelt and the New Deal 1932-1940 (1963) ist ebenfalls aus einer grundsätzlichen Sympathie heraus geschrieben, beleuchtet den New Deal aber mit etwas kritischerer Distanz.Willi Paul Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2. Auflage, 2007, ISBN 978-3486584660, S. 173 Er argumentiert, dass der New Deal eine gerechtere Gesellschaft geschaffen hat, indem bisher ausgeschlossene gesellschaftliche Gruppen eine gewisse Anerkennung erfuhren, so z.B. die Gewerkschaften. Andererseits bemängelt er, dass diese Probleme nur teilweise gelöst wurden, für die Bewohner von Elendsvierteln, Pachtfarmer und Schwarze besserte sich die Situation wenig.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 215 Verstärkte staatliche Intervention sei notwendig gewesen, weil die bis dahin vielgerühmte Unsichtbare Hand des unregulierten Marktes versagt habe.Willi Paul Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2. Auflage, 2007, ISBN 978-3486584660, S. 173

In den 1960er Jahren kritisierte die Historikergeneration der Neuen Linken den New Deal als eine verschwendete Chance zu radikalen Änderungen. Bernstein bemängelt, dass der New Deal den Verarmten wenig geholfen habe und keine Umverteilung des Einkommens bewirkt habe. Paul Conkin bemängelt, dass die Ziele Sozialer Gerechtigkeit und einer zufriedeneren und erfüllteren Gesellschaft verfehlt worden seien.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 215 Beispiele sind Barton J. Bernsteins The New Deal: The Conservative Achievements of Liberal Reform (1968), Ronald Radoshs Myth of the New Deal (1972) und Howard Zinns The Limits of the New Deal (1966).Willi Paul Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2. Auflage, 2007, ISBN 978-3486584660, S. 173

Im Gegensatz dazu wurde der New Deal in den 1970er Jahren von solchen Historikern und Ökonomen, die eine Freie (unregulierte) Marktwirtschaft befürworten, aus gegenteiligen Gründen kritisiert. Die Maßnahmen seien viel zu weit gegangen, staatliche Ausgaben hätten die Inflation angeheizt. Die Übernahme staatlicher Verantwortung für das Existenzminimum der Bürger habe diese von Sozialhilfe abhängig gemacht und unternehmerische Kreativität erstickt.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 215 Ein prominenter Vertreter dieser Richtung ist Milton Friedman. Friedman war unter der Roosevelt-Regierung in der Works Progress Administration beschäftigt, für die er Einkommen amerikanischer Familien analysierte, um das Ausmaß der Not einzuschätzen. Er erklärte 1999 rückblickend, dass er die reform Maßnahmen des New Deal ablehnte, insbesondere die Arbeit der National Recovery Administration, den Agricultural Adjustment Act und die Einführung eines rudimentären Sozialstaates. Die relief und recovery Maßnahmen erachtete er hingegen für sinnvoll. Die Ankurbelung der Wirtschaft und insbesondere die expansive Geldpolitik hielt er für notwendig. Die Arbeitsbeschaffungsprogramme und die Sozialhilfemaßnahmen sah er ebenfalls als situationsangemessen an.Milton Friedman,Rose D. Friedman, Two Lucky People, University of Chicago Press, 1999, ISBN 978-0226264158, S. 59; [http://www.pbs.org/wgbh/commandingheights/shared/minitext/int_miltonfriedman.html#4 Interview with Milton Friedman] In seinem erst in den 1970er Jahren breit rezipierten Buch The Road to Serfdom (1944) schrieb Friedrich August von Hayek dass er fürchte, dass die Ausweitung staatlicher Verantwortung durch den New Deal zu einer Zentralverwaltungswirtschaft und politischer Sklaverei führen könne.Matthew Dallek, [http://dyn.politico.com/printstory.cfm?uuid=6CF51F59-18FE-70B2-A858CD862CDC69EA Revisionists' blind view of New Deal], Politico, 13. Februar 2009. Diese Autoren sahen die Wahl von Ronald Reagan zum Präsident als Wendepunkt an, sie erwarteten, dass Reagan die Ausweitung staatlicher Verantwortung rückgängig machen würde.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 218

Den Werken der 1980er Jahre lag die Tendenz zugrunde den New Deal nicht daran zu messen was nicht erreicht wurde, sondern daran was gegen die Beharrungskräfte des politischen Systems der Vereinigten Staaten erreicht wurde.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 219

Das Buch The Rise and fall of the New Deal order, 1930–1980 (1989) von Steve Fraser und Gary Gerstle beschäftigt sich vor dem Hintergrund der beginnenden Reagan-Ära vor allem mit der Kontinuität und Folgewirkung des New Deal. Die neuere Literatur von Robert Eden, The New Deal and its legacy: critique and reappraisal (1989) und Harvard Sitkoff Fifty years later: the New Deal evaluated (1985) bestätigen, dass der New Deal einen großen Umbruch in der Politik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte darstellt. Anthony Badgers The New Deal (1989) bewertet die Erfolge bei den Sozialreformen als bescheiden, betont dabei aber die Hartnäckigkeit der zu überwindenden Widerstände der konservativen Demokraten, Republikaner und Wähler.Willi Paul Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2. Auflage, 2007, ISBN 978-3486584660, S. 173 Alan Brinkley kommt in seinem Buch The New Deal and the Idea of the State (1989) zu dem Ergebnis, dass dem New Deal kein konsistentes Konzept zugrunde lag, sondern die Forderung nach einer möglichst aktiven Regierung. Ein hoher Anspruch an Verantwortung und Effektivität der Regierung sei bis heute ein Unterscheidungsmerkmal zwischen liberalen Demokraten und konservativen Republikanern.Willi Paul Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2. Auflage, 2007, ISBN 978-3486584660, S. 173

Der Historiker David M. Kennedy sieht in seinem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Werk Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945 (1999) ein Leitmotiv des New Deal darin, den Bürgern Unsicherheit zu nehmen. Dieses Motiv ziehe sich durch die gesamte Gesetzgebung. Von der Reform des Banken- und Börsenwesens, welche den Anlegern mehr Sicherheit gab über die Arbeit der National Recovery Administration, welche den Unternehmen mehr Planungssicherheit verschaffen sollte bis hin zur Begründung des Sozialstaates und der Unterstützung in Not geratener Landwirte.David M. Kennedy, 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 – 1945, Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 365 Es gebe einiges, was der New Deal nicht erreicht bzw. zum Teil auch nicht bezweckt habe, wie z.B. die Umverteilung des Einkommens oder die Abschaffung der Marktwirtschaft. Gleichwohl sei vieles erreicht worden, insbesondere hätten die Wirtschaftsreformen dafür gesorgt, dass die im marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem erwirtschafteten Gewinne gleichmäßiger verteilt werden konnten (Great Compression). Als wesentlich hierfür nennt er insbesondere die Anerkennung der Gewerkschaften, die Regulierung der Banken und Börsen mit der weiteres Marktversagen verhindert worden sei und die Einführung von Sozialversicherungen, welche den Bürgern größere finanzielle Sicherheit verschafften.Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, Seite 215

Maßnahmen des New Deal im Überblick


Unbefristete Maßnahmen


* Reconstruction Finance Corporation (RFC): von der Hoover-Administration 1932 gegründete und unter der Roosevelt-Administration unter Führung von Jesse Holman Jones erweiterte Behörde, die Banken und Unternehmen mit Krediten versorgte. Sie wurde 1954 aufgelöst.
* Abschaffung des Goldstandard im Jahr 1933. (bis heute).
* Homeowners Loan Corporation (HOLC): Half überschuldeten Hauseigentümern eine Zwangsvollstreckung und den Banken einen Kreditausfall zu vermeiden. Die Maßnahme lief 1951 aus.
* Tennessee Valley Authority (TVA): eine 1933 gegründete Gesellschaft, die das unterentwickelte Tennessee Valley u.a. mit Strom versorgte. (Besteht heute noch).
* Agricultural Adjustment Act (AAA): ein 1933 erlassenes und 1935 geändertes Gesetz, dass Finanzhilfen zur Stabilisierung der Preise für Agrarprodukte vorsah. (Besteht heute noch).
* Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC): versichert private Bankeinlagen und Finanzaufsicht über die Banken. (Besteht heute noch).
* Glass-Steagall Act: 1933 verabschiedet. Regulierte das Finanzsystem, insbesondere durch Einführung des Trennbankensystems. 1999 abgeschafft, seit der Finanzkrise ab 2007 wird die Wiedereinführung diskutiert.
thumb|Surplus Commodities Program, 1936
* Securities Act of 1933: 1933 verabschiedetes Gesetz, das u.a. die United States Securities and Exchange Commission zur Aufsicht über die Wertpapiergeschäfte schuf. (Besteht heute noch).
* Indian Reorganization Act: 1934 verabschiedetes Gesetz, welches den Indianern mehr Eigenständigkeit ermöglichen sollte. (Besteht heute noch).
* Social Security Act: 1935 verabschiedetes Gesetz, mit dem ein Sozialstaat in den Vereinigten Staaten begründet wurde. (Besteht heute noch).
* Wagner Act: 1935 verabschiedetes Gesetz, mit dem Gewerkschaften als Tarifpartei anerkannt und das heute noch bestehende National Labor Relations Board gegründet wurde). Das Gesetz wurde 1947 durch den Taft-Hartley Act etwas modifiziert. (Besteht heute noch).
* Judicial Procedures Reform Bill of 1937: eine Gesetzesinitiative von 1937 zur Justizreform, die scheiterte, aber zu dem Verfassungswandel von 1937 beitrug.
* Federal Crop Insurance Corporation (FCIC): 1938 geschaffene Behörde, die Landwirte gegen Ernteausfälle versichert, wurde 1996 reorganisiert. (Besteht heute noch).
* Surplus Commodities Program: 1936 eingeführtes Programm, mit dem Lebensmittel an Arme verteilt wurden. (Besteht heute noch als Supplemental Nutrition Assistance Program).
* Fair Labor Standards Act: 1938 verabschiedetes Gesetz, mit dem die Wochenarbeitszeit auf maximal 44 Stunden festgesetzt wurde. Außerdem wurde ein Mindestlohn eingeführt und Kinderarbeit verboten. Die Wochenarbeitszeit wurde später auf 40 Stunden reduziert und der Mindestlohn verschiedentlich angehoben. (Besteht heute noch).
* Rural Electrification Administration, (REA): eine Behörde, welche in abgelegenen Gegenden die Stromversorgung organisiert. (Besteht heute noch als Rural Utilities Service).
* Resettlement Administration (RA): eine Behörde, welche die Umsiedlung verarmter Landwirte (insbesondere aus Dust-Bowl-Regionen) organisierte. Wurde 1935 durch die Farm Security Administration ersetzt.

* Farm Security Administration (FSA): eine Behörde die Hilfe für sehr verarmte Landwirte organisierte. (Besteht heute weiter als Farmers Home Administration).

Befristete Maßnahmen


* United States bank holiday: im Jahr 1933 wurden alle Banken für einige Tage geschlossen. In dieser Zeit wurde evaluiert, welche Banken mit Staatshilfe gerettet werden konnten und welche für immer geschlossen bleiben mussten.
* National Recovery Administration (NRA): wurde 1933 gegründet, um die Deflation zu bekämpfen. Sie versuchte möglichst viele Unternehmen zu einem freiwilligen Verzicht auf unfairen (Preis-)Wettbewerb, Mindestpreise, Mindestlöhne, die Anerkennung von Gewerkschaften etc. zu bewegen. Sie wurde 1935 vom Supreme Court für verfassungswidrig erklärt.
* Federal Emergency Relief Administration (FERA): Nachfolgerin der noch 1932 unter der Hoover-Administration gegründeten Emergency Relief Administration. Sie initiierte kleinere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und wurde 1935 durch die Works Progress Administration ersetzt.
* Works Progress Administration (WPA): 1935 gegründete Behörde die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für mehr als 2 Millionen Arbeitslose schuf. Das Programm lief 1942 aus.
* Public Works Administration (PWA): wurde 1933 zur Planung und Durchführung von Großprojekten als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gegründet. Das Programm lief 1938 aus.
* Civilian Conservation Corps (CCC): bestand von 1933 bis 1942 als Arbeitsbeschaffungsprogramm für junge Männer. Der Der CCC wurde zu Aufforstungen, zur Bekämpfung von Waldbränden, zum Bau von Straßen und zur Bekämpfung von Bodenerosion eingesetzt.

* Civil Works Administration (CWA): initiierte zwischen 1933 und 34 einige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Literatur


Englisch
* John Braeman, Robert H. Bremner, David Brody (Hrsg.): The New Deal. 2 Bände. Ohio State University Press, Columbus OH 1975. (Digitalisat auf den Seiten des Verlags im Vollzugriff: [https://kb.osu.edu/dspace/handle/1811/6271 Band 1], [https://kb.osu.edu/dspace/handle/1811/6272 Band 2])
* Robert Eden: The New Deal and its legacy: critique and reappraisal, Greenwood Press, 1989, ISBN 978-0313261817
* Ronald Edsforth: The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History). Blackwell, Malden 2000, ISBN 1-577-18143-3
* Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960
* Susan E. Hamen, The New Deal, Essential Lib, 1. Auflage, 2010, ISBN 978-1616136840
* William E. Leuchtenburg: Franklin D. Roosevelt and the New Deal. Harper and Row, New York 1963, ISBN 978-0061330254
* Arthur M. Schlesinger: The Coming of the New Deal, 1933–1935, (The Age of Roosevelt, Vol. II), Houghton Mifflin, 2003, ISBN 978-0618340866
* Arthur M. Schlesinger: The Politics of Upheaval: 1935–1936, (The Age of Roosevelt, Vol. III), Houghton Mifflin, 2003, ISBN 978-0618340873

* Amity Shlaes, The Forgotten Man: A New History of the Great Depression, Harper, 2007, ISBN 978-0066211701

Deutsch
* Paul Conkin, Der New Deal – Die Entstehung des Wohlfahrtsstaates in: Wolf-Dieter Narr, Claus Offe: Wohlfahrtsstaat und Massenloyalität, Kiepenheuer und Witsch, Köln 1975, ISBN 978-3-462-01060-2 (= Neue wissenschaftliche Bibliothek, Band 79).
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* Hans Jaeger, Big Business und New Deal. Die kritische Reaktion der amerikanischen Geschäftswelt auf die Rooseveltschen Reformen in der Jahren 1933 - 1939. Metzler, Stuttgart 1974, ISBN 3-476-00298-5 (= Amerikastudien. Band 40).
* Richard Nate, Amerikanische Träume. Die Kultur der Vereinigten Staaten in der Zeit des New Deal. Königshausen und Neumann, Würzburg 2003, ISBN 978-3-8260-2497-9.

* Wolfgang Schivelbusch, Entfernte Verwandtschaft. Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal 1933 - 1939. Hanser, München / Wien 2005, ISBN 978-3-446-20597-0.

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