Neuroökonomie
Als Neuroökonomie (engl. Neuroeconomics) bezeichnet man die interdisziplinäre Verknüpfung der Neurowissenschaften mit den Wirtschaftswissenschaften. Zweck ist die Untersuchung des Menschen als Konsumenten oder Investoren in bestimmten wirtschaftlichen Entscheidungssituationen. Andere Wissenschaftsdisziplinen, wie z. B. die Psychologie, liefern einen Erklärungsbeitrag. Die Neuroökonomie hat sich als Forschungsrichtung Ende der 1990er Jahre herausgebildet.{{Literatur|Autor=Oliver Schilke, Martin Reimann|Titel=Neuroökonomie: Grundverständnis, Methoden und betriebswirtschaftliche Anwendungsfelder|Sammelwerk=Journal für Betriebswirtschaft|Band=57|Jahr=2007|Seiten=247–262, S. 249}} Ziel ist es nicht nur wie beim Modell des Homo oeconomicus die Entscheidungen auszuwerten, sondern deren Gründe und Motive betrachten zu können.{{Literatur|Autor=Birger Priddat, Alihan Kabalak|Titel=Wozu Neuroökonomie?|Sammelwerk=Wirtschaftsdienst|Band=88|Jahr=2008|Seiten=138–144, S. 138}}
Methodik und Anwendungsfelder
Zum Einsatz kommen bildgebende und psychophysiologische Verfahren. Erstere basieren auf der Abgleichung der Gehirnaktivität bei unterschiedlichen Tätigkeiten. Die unterschiedlichen Abbildungen der Tätigkeit des Hirns lassen Schlussfolgerungen auf die an der Problemlösung beteiligten Gehirnregionen zu. Die psychophysischen Methoden messen Körperaktivitäten wie Blutdruck und Pupillenerweiterung. Andere neurowissenschaftliche Methoden werden wegen möglicher Gesundheitsschäden abgelehnt.{{Literatur|Autor=Oliver Schilke, Martin Reimann|Titel=Neuroökonomie: Grundverständnis, Methoden und betriebswirtschaftliche Anwendungsfelder|Sammelwerk=Journal für Betriebswirtschaft|Band=57|Jahr=2007|Seiten=247–262, S. 250}}
Anwendungsfelder beziehen sich auf anwendungsorientierte Betriebswirtschaftslehre, Umweltökonomie und Verhaltensökonomie. Neurowissenschaftliche Methoden sollen in der Betriebswirtschaftslehre den Fragebogen als Mittel der empirischen Forschung ergänzen um den Einfluss sprachlicher und schriftgebundener Einflüsse zu eliminieren. Das Neuromarketing untersucht beispielsweise den Wert von Statussymbolen wie Sportwagen für Verbraucher.{{Literatur|Autor=Oliver Schilke, Martin Reimann|Titel=Neuroökonomie: Grundverständnis, Methoden und betriebswirtschaftliche Anwendungsfelder|Sammelwerk=Journal für Betriebswirtschaft|Band=57|Jahr=2007|Seiten=247–262, S. 253}}
Literatur
* Böhmer, Gerd (2010): [http://ubm.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2010/2299/ Neuroökonomie (Neuroeconomics): Neuronale Mechanismen ökonomischer Entscheidungen]. Mainz: Johannes Gutenberg-Universität.
* Camerer, Colin F.; Loewenstein, George & Prelec, Drazen (2004): Neuroeconomics: Why Economics needs brains. Scandinavian Journal of Economics 106 (3), 555–579.
* Glimcher, Paul W. (2003): Decisions, Uncertainty, and the Brain: The Science of Neuroeconomics. Cambridge [u.a.]: MIT Press. ISBN 0-262-07244-0.
* Glimcher, Paul W.; Camerer, Colin F.; Fehr, Ernst & Poldrack, Russell Alan (Eds.) (2009): Neuroeconomics: Decision Making and the Brain. Amsterdam [u.a.]: Elsevier/Academic Press. ISBN 978-0-12-374176-9.
* Kenning, Peter & Plassmann, Hilke (2006): NeuroEconomics: An overview from an economic perspective. Brain Research Bulletin, 67 (5), 343–354.
* Lindstädt, Hagen (2007): Problemlösen und Verstehen bei ökonomischen Agenten – Eine Gegenüberstellung ökonomischer und kognitionspsychologischer Modelle regelbasierten Entscheidens. NeuroPsychoEconomics, 2 (1), 30–43.
* Priddat, Birger P. (Hg.) (2007): Neuroökonomie. Neue Theorien zu Konsum, Marketing und emotionalem Verhalten in der Ökonomie. Marburg: Metropolis. ISBN 978-3-89518-617-2.
* Reimann, Martin & Weber, Bernd (Hg.) (2011): Neuroökonomie: Grundlagen – Methoden – Anwendungen. Wiesbaden: Gabler Verlag. ISBN 978-3-8349-0462-1.
Einzelnachweise
Weblinks
* [http://www.neuroeconomics.org/ Society for Neuroeconomics]
* [http://www.neuropsychoeconomics.org/ Association for NeuroPsychoEconomics (Journal & Conference)]
* [http://www.neuroconsult.at/ Applied Neuroscience, Austria]
* [http://www.neuroeconomics.de/ Forschungsteam Neuroeconomics der Universität Münster]
* [http://www.neuropsychoeconomics.org/ Association for NeuroPsychoEconomics]
* [http://www.cens.uni-bonn.de/ Center for Economics and Neuroscience, Bonn]
* [http://www.econ.uzh.ch/dpn.html/ Doctoral Program in Neuroeconomics, University of Zurich]
Zeitschriften
* [http://www.jnpe.org/e_jnpe.html Journal of Neuroscience, Psychology, and Economics - The premier neuroeconomics publication venue]
* [http://www.neuropsychoeconomics.org/ NeuroPsychoEconomics - Das deutsche Neuroökonomie-Journal]
* [http://www.gbi.de/r_profisuche/NPE.ein?WID=62702-1070307-31903_3 NeuroPsychoEconomics in der GBI-Datenbank]
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