Nennig
{{Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland
| Ortsteil = Nennig
| Gemeindeart = Gemeinde
| Gemeindename = Perl (Mosel)
| Alternativanzeige-Gemeindename = Perl
| Ortswappen = Wappen Nennig.png
| Ortswappen-Beschreibung = Ehemaliges Gemeindewappen von Nennig
| Breitengrad = 49.530222
| Längengrad = 6.383228
| Bundesland = DE-SL
| Höhe = 156
| Fläche = 9.73
| Einwohner = 1149
| Einwohner-Stand-Datum = 2010-12-31
| Einwohner-Quelle = [http://www.perl-mosel.de/ortsinfo/statistik/ Statistische Übersicht Gemeinde Perl auf www.perl-mosel.de]
| Eingemeindungsdatum = 1974-01-01
| Postleitzahl1 = 66706
| Vorwahl1 = 06866
| Poskarte = Deutschland Saarland
| Bild = NennigSchloss.jpg
| Bild-Beschreibung = Schloss bei Nennig (April 2006)
}}
Nennig ist ein Ortsteil (Gemeindebezirk) der Gemeinde Perl im Landkreis Merzig-Wadern (Saarland) und einer der drei Moselorte des Saarlandes.
Geologische Einordnung, Bodenarten und Nutzung
miniatur|Schloss Berg
miniatur|Römische Villa
Nennig liegt raumgeologisch gesehen am Rande des Pariser Beckens und des lothringischen Schichtstufe
Die Gesteinsgrundlage stellt in Nennig fast überall der Hauptmuschelkalk dar. Von den Höhen des Saar-Mosel-Gaues (Saargau) fällt die Landschaft terrassenartig zur Mosel hin ab. Zahlreiche der Mosel zulaufende Tälchen bauen flache Schwemmkegel in die Moseltalniederung vor, die hier auf einer Länge von 9 km auf rund 1,8 km verbreitert ist.
Die Talaue ist verfüllt mit holozänen Auenablagerungen. Als Bodenarten herrschen schluffige Lehme vor. Es finden sich die typischen Auenböden, die eine Gründigkeit zwischen 0,5 und 3 Metern aufweisen und extrem fruchtbar sind. Hier werden die für das Saarland höchsten Bodenzahlen von 60 bis 95 Punkten erreicht. Die gesamte Aue wird regelmäßig überschwemmt.
Gemäß der Bodenübersichtskarte des Saarlandes dominieren im Gebiet in den häufiger überschwemmten Abschnitten die allochthonen braunen Auenböden und in den weniger häufig überschwemmten Bereichen zur Verbraunung neigende rezente Auenböden, die bereits überleiten zu den Auenbraunerden (autochthone Vega). In grundwassernahen Senken und Flutmulden stellen sich Auengleye oder Übergangsformen zu den Vegen ein. Am Hangfuß finden sich Kolluvisole aus vorwiegend lehmigen Abschwemmmassen. Auf den zur Mosel abfallenden Hängen findet sich größtenteils Kalkbraunerde, Braunerde sowie Pelosol-Braunerde.
Soweit die Böden landwirtschaftlich nutzbar sind, werden sie als Wein-, Acker- und Grünland genutzt. Die Verteilung von Grünland zu Ackerland wird von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Neben der Ertragsfähigkeit und der Hängigkeit sowie der Bearbeitbarkeit spielen auch historische Entwicklungen eine Rolle. So sind die Grünlandflächen in der Talaue historisch bedingt, da hier in früheren Zeiten eine Nutzung als Bewässerungswiesen möglich war. Hiervon zeugen heute noch zahlreiche, die Flächen durchschneidende Bewässerungsgräben. Zudem schränken die jährlich wiederkommenden Überschwemmungen sowie der zum Teil hohe Grundwasserstand die Ackernutzung ein. Trotzdem sind in der Vergangenheit größere Grünlandflächen in der Talaue in die ackerbauliche Nutzung genommen worden. Daher lässt sich sagen, dass die Bodenarten und die damit verbundene landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit ein Hauptauswahlkriterium für die Flächennutzung darstellt. Weinbau wird auf den zur Mosel abfallenden Hängen betrieben. Auf dem mächtigen Kalksteinuntergrund haben sich dort Kalkbraunerden gebildet mit einem hohen Ton- und Steinanteil. Dieser Boden ist an den Süd- und Südwestlagen in Nennig die ideale Bedingung für fruchtige Weiß- und Rotweine.
Bodenschätze
An Kies und Sand gibt es reiche Vorkommen, die in großem Umfang in der Talaue abgebaut werden. Daneben existieren geringere Vorkommen älterer Entstehung auf einigen zur Mosel abfallenden Hängen. In großem Umfang ist Muschelkalk und Dolomit festzustellen. Die Vorkommen sind von besonderer, überregionaler Qualität. Ein Abbau ist bis in die Römerzeit nachzuweisen. Seit etwa 1995 findet kein Abbau mehr statt. Verwendung fanden die Gesteine als Platten und Pflastersteine sowie zur Herstellung von Brandkalk.
Geschichte
Nennig wird urkundlich erstmals 924 erwähnt, jedoch bezeugen zahlreiche Funde aus früherer Zeit schon eine Besiedlung.
Römische Zeit
Mit dem Mosaik von Nennig gehört Nennig zu den wichtigen römischen Ausgrabungsstätten im Saarland. Das bedeutendste Baudenkmal aus römischer Zeit im Saarland ist die Villa zu Nennig. 1852 zufällig entdeckt, wurden wesentliche Teile des Anwesens bis 1864 durch N. von Wilmowsky, 1866 durch H. Schaeffer und 1869-1872 durch E. Aus'm Weerth ausgegraben. Neue systematische Grabungen fanden von 1987 bis 1999 durch F. Bertemes, R. Echt, K.-P. Henz und B. Bienert statt.
Hatte man lange geglaubt, die Villa von Nennig sei ein reiner Luxus- und Repräsentationsbau, so belegen die neuen Ausgrabungen die Zugehörigkeit der Nenniger Anlage zum Typ der Axialhofvilla. Das Gebäudeensemble gliedert sich in einen repräsentativen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Ökonomiebereich (Pars rustica). Letzterer besteht aus einem langgestreckten Hof, durch den breite, gepflasterte Fahrstraßen von der knapp 2 km entfernten Mosel auf das Herrenhaus zuführen. An beiden Längsseiten des Hofes standen Nutz- und Wohnbauten. Drei sind durch Grabung nachgewiesen, weitere dürften noch unerkannt im Boden stecken. Ein Teil des Hofareals ist seit 1999 modern überbaut.
Zur Pars urbana der Villa gehören ein herrschaftliches Wohngebäude von 120 m Breite mit einer Portikusfassade zwischen Eckrisaliten, zwei damit durch Portiken verbundene Seitentrakte, die als Gästewohnungen interpretiert werden, ein abseits gelegenes, fast 500 m² großes Badehaus vom Blocktypus, und eine fast 260 m lange Gartenportikus zwischen Haupthaus und Bad. Moselwärts vor dem Badegebäude erhebt sich auf der Domäne ein Grabhügel (Tumulus oder Mahlknopf, mundartlich Mohknapp) ({{Coordinate|text=Lage→|NS=49/31/33.044034/N|EW=6/22/43.844061/E|type=landmark|name="Mahlknopf"|region=DE-SL}}). Ausgrabungen durch A. Kolling 1986-87 erbrachten am Hügelfuß eine mannshohe Ringmauer von 44,5 m Durchmesser und den Nachweis, dass das Grabmal von einem 94 x 100 m messenden Mauergeviert umgeben war. Nach Abschluss der Grabungen wurde der Hügel wieder aufgeschüttet und ein Teil der Ringmauer rekonstruiert. Ein zweiter Hügel nördlich des Mahlknopfs ist heute völlig eingeebnet.
Berühmt ist die Villa von Nennig vor allem wegen des hervorragenden Mosaikteppichs aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. im Empfangssaal des Herrenhauses. Von ursprünglich acht Medaillons mit figürlichen Darstellungen aus dem Amphitheater sind sieben erhalten. Das 15,65 x 10,30 m große Mosaik ist an Ort und Stelle erhalten. Ein Schutzbau aus dem 19. Jahrhundert macht es Besuchern zugänglich. Rechts und links des Schutzbaus sind die Grundmauern von Teilen des Herrenhauses zu besichtigen, u.a. die Säulenstümpfe eines Peristyls nördlich des Mosaiksaals.
Nach Ausweis datierender Kleinfunde (Münzen, Fibeln, Keramik) war die Villa von Nennig eine Gründung des 1. Jahrhunderts n. Chr. Die jüngsten Funde stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts.
Im Volksmund existieren Berichte von einigen unterirdischen Gängen zum Mohknapp. Zudem wird dies von zahlreichen Augenzeugenaussagen von älteren Bürgern immer wieder bestätigt. So soll noch vor 30 Jahren im Bereich der römischen Villa ein Eingang zu einem solchen Gang frei zugänglich gewesen sein, in dem man mehrere Hundert Meter fast aufrecht gehen konnte. Auch soll beim Ausbau der Kanalisation in der Dorfstraße Richtung Besch in den 50er Jahren ein solcher Gang angeschnitten worden sein. Ungeklärt ist, ob es zur römischen Geschichte einen Bezug gibt.
Mittelalter
Auf die Römer folgten die Franken in Nennig. Diese bewohnten einige Zeit die römischen Bauwerke, unterhielten sie aber nicht mehr, so dass sie verfielen. Die römische Villa wurde endgültig bei der großen Normannenschlacht in der Nennig–Remicher Moselaue zerstört. Wohl kurz darauf, evtl. auch schon früher entstanden mehrere fränkische Herrenhöfe, aus denen die Schlösser Berg, Bübingen und Thorn hervorgingen. Von diesen dreien, die früher zu Nennig gezählt wurden, liegt Schloss Thorn heute außerhalb des Saarlandes im benachbarten Rheinland-Pfalz.
Die territoriale Zugehörigkeit Nennigs war dabei geteilt. So regierten gleichzeitig der Kurfürst von Trier, der Herzog von Lothringen, der König von Frankreich, der Herzog von Luxemburg bzw. der Österreichische Kaiser in Nennig. Dabei war Schloss Bübingen eine luxemburgische Herrschaft und Schloss Berg eine lothringische Herrschaft. Die Einwohner von Nennig, das damals aus den Ortsteilen Nennig, Wies, Berg und Bübingen bestand, waren demnach Untertanen von verschiedenen Herren. Dabei bildeten die vier Orte jedoch eine ungeteilte territoriale Einheit (Kondominium). Die einzelnen Haushalte waren jedoch unterschiedlichen Staaten steuerpflichtig. Eine Karte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt diese für unsere heutigen Verhältnisse verworrenen Zustände.
Neuzeit
Nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen fiel Nennig an die Republik Frankreich, bis es 1815 nach dem Sieg über Napoleon dem Königreich Preußen (Rheinprovinz, Regierungsbezirk Trier, Kreis Saarburg) zugeschlagen wurde. Seit dieser Zeit bildet die Mosel als Kondominium die Grenze zwischen Preußen (später Deutschland) und dem Großherzogtum Luxemburg. Das Kondominium wirkt sich in diesem Fall so aus, dass die Grenze Luxemburgs das deutsche Ufer ist und die Grenze Deutschlands das luxemburgische Ufer, die Mosel also beiden Staaten gehört.
Seit 1945 gehört Nennig zum Saarland und wurde mit weiteren Ortsteilen, die vorher zum Kreis Saarburg gehörten, dem Kreis Merzig-Wadern und darin dem Amt Perl zugeteilt. Bis Ende 1973 war Nennig eine eigenständige Gemeinde. 1974 wurde durch das Verwaltungsreformgesetz die Gemeinde Nennig aufgelöst und in die Gemeinde Perl eingegliedert.
Einwohnerentwicklung
Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Nennig, die Werte von 1939 bis 1974 beruhen auf Volkszählungen:
{| class="wikitable" |
! Jahr || Einwohner
|-
| 1939 || align="right" | 936
|-
| 1950 || align="right" | 786
|-
| 1961 || align="right" | 913
|-
| 1970 || align="right" | 944
|-
| 1974 || align="right" | 976
|-
| 2004 || align="right" | 979
|-
| 2010 || align="right" | 1.149
|}
Klima
Die klimatischen Verhältnisse erlauben den Weinanbau an den Moselhängen bei Nennig. Am 8. August 2003 wurden in Nennig 40,8 °C gemessen. Dieser Wert wird jedoch vom DWD nicht anerkannt. Dies bedeutet, dass der alte und neue deutsche Temperaturrekord aus dem Jahre 1983 stammt, als im bayerischen Gärmersdorf 40,2 °C registriert wurden.[http://www.dwd.de/bvbw/appmanager/bvbw/dwdwwwDesktop?_nfpb=true&_pageLabel=dwdwww_result_page&gsbSearchDocId=689142 Wetterrekorde - Lufttemperatur]
{{Klimatabelle| TABELLE =
| DIAGRAMM TEMPERATUR = rechts
| DIAGRAMM NIEDERSCHLAG = deaktiviert
| DIAGRAMM NIEDERSCHLAG HÖHE = 200
| QUELLE = [http://worldweather.wmo.int/016/c01356.htm DWD]
| Überschrift =
| Ort = Nennig-Oase
| hmjan = -0.8| hmfeb = -0.5| hmmär = 6.1| hmapr = 17.8| hmmai = 24.8| hmjun = 26.9| hmjul = 30.0| hmaug = 29.8| hmsep = 22.0| hmokt = 18.0| hmnov = 7.1| hmdez = -0.1
| lmjan = −4.7| lmfeb = −3.7| lmmär = -2.3| lmapr = 4.1| lmmai = 12.4| lmjun = 14.8| lmjul = 16.2| lmaug = 15.4| lmsep = 12.4| lmokt = 6.1| lmnov = -1.4| lmdez = −3.4
| nbjan = 69.9| nbfeb = 59.0| nbmär = 64.5| nbapr = 56.8| nbmai = 74.1| nbjun = 77.6| nbjul = 78.0| nbaug = 59.7| nbsep = 66.1| nbokt = 81.8| nbnov = 84.4| nbdez = 93.3
| rdjan = 12.2| rdfeb = 9.8| rdmär = 11.3| rdapr = 10.0| rdmai = 11.0| rdjun = 11.3| rdjul = 9.3| rdaug = 8.5| rdsep = 9.4| rdokt = 11.2| rdnov = 11.7| rddez = 12.7
}}
Sehenswürdigkeiten
* International bekannt ist Schloss Berg. Es beherbergt ein Spielcasino sowie ein Hotel mit einem Drei-Michelin-Sterne-Restaurant unter der Leitung von Christian Bau.
Literatur
* [http://www.dilibri.de/ubtr/content/titleinfo/69450 Wilmowsky, Johann Nikolaus: Die römische Villa zu Nennig : ihre Inschriften. Trier, 1868]
Weblinks
{{commonscat}}
* [http://www.nennig.de Website des Ortes]
Einzelnachweise
{{Navigationsleiste Ortsteile der Gemeinde Perl}}
Kategorie:Ort im Landkreis Merzig-WadernKategorie:Perl (Mosel)
Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Merzig-Wadern)
Nenniglb:Nennig
pt:Nennig
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