Kurt Beck
miniatur|Kurt Beck auf dem Deutschlandfest 2011 in Bonn
Kurt Beck (* 5. Februar 1949 im damaligen Bergzabern, seit 1963 Bad Bergzabern) ist ein deutscher Politiker (SPD) und seit 1994 Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz. Damit ist er derzeit der am längsten amtierende Ministerpräsident in Deutschland. Von 2006 bis 2008 war er Bundesvorsitzender seiner Partei, von November 2006 bis Dezember 2008 Vizepräsident der Sozialistischen Internationale.
Leben
Ausbildung
miniatur|Kurt Beck mit Ehefrau Roswitha (2010)
Kurt Beck wurde als einziges Kind des Maurers Oskar Beck und dessen Frau Johanna in Bad Bergzabern geboren. Beide stammten aus dem südpfälzischen Kapsweyer. Beck wuchs in Steinfeld im heutigen Landkreis Südliche Weinstraße auf und lebt dort bis heute.
Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Beck von 1963 bis 1968 eine Berufsausbildung zum Elektromechaniker der Fachrichtung Elektronik. In seiner Jugend engagierte sich der Katholik in der Christlichen Arbeiterjugend. Den Wehrdienst leistete Beck 1968/69. 1968 trat er der damaligen Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (seit 2001: Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) bei. Neben der Arbeit als Funkelektroniker beim Heeresinstandsetzungswerk in Bad Bergzabern besuchte er ab 1969 eine Abendschule, an der er 1972 die Mittlere Reife erwarb. Seit demselben Jahr war er außerdem freigestellter Personalrats- und Bezirkspersonalratsvorsitzender.
Einstieg in die Lokal- und Landespolitik
Beck trat 1972 der SPD bei. Beeinflusst hatten ihn nach seinen Angaben das Godesberger Programm sowie Persönlichkeiten wie Bundeskanzler Willy Brandt und Wilhelm Dröscher. Er war seit 1974 Mitglied des Kreistags Südliche Weinstraße, 1989 wurde er zum Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Steinfeld gewählt. Beide Ämter gab er 1994 ab.
Seit 1979 ist Beck als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises 49 (Südliche Weinstraße) Mitglied des Rheinland-Pfälzischen Landtages. In den Jahren 1982 bis 1985 war er außerdem sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, von 1985 bis 1991 Parlamentarischer Geschäftsführer und von 1991 bis 1994 Fraktionsvorsitzender.
Seit 1993 ist Beck Landesvorsitzender der SPD in Rheinland-Pfalz. In diesem Amt wurde er zuletzt am 26. Juni 2010 durch den Landesparteitag in Idar-Oberstein mit 98,4 Prozent der Delegiertenstimmen bestätigt.[http://www.focus.de/politik/deutschland/rheinland-pfalz-traumergebnis-fuer-kurt-beck_aid_523793.html Focus-Online: Traumergebnis für Kurt Beck], 26. Juni 2010
Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
miniatur|Beck mit Bundespräsident [[Johannes Rau (1999)]]
miniatur|Beck im Gespräch mit Bürgern (2005)
miniatur|Bundeskanzlerin [[Angela Merkel und Kurt Beck (2007)]]
Als der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Rudolf Scharping nach der Bundestagswahl 1994 als Parteivorsitzender der SPD und Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion in die Bundespolitik wechselte, schlug er Beck, damals Vorsitzender der rheinland-pfälzischen SPD-Landtagsfraktion, als seinen Nachfolger vor. Beck wurde am 26. Oktober 1994 vom Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt. Er stützte sich zunächst ebenso wie Scharping auf eine sozialliberale Koalition.
Bei der Landtagswahl 1996 erreichte die Partei unter Becks Führung 39,8 Prozent der gültigen Stimmen. Die CDU hatte knapp einen Prozentpunkt weniger erhalten. Bei der Landtagswahl 2001 siegte die SPD erneut, diesmal mit 44,7 Prozent der gültigen Stimmen (CDU: 35,3 Prozent). In den folgenden Jahren gelang es Beck, seine Popularität in dem als konservativ geltenden Land erheblich zu steigern. Bei der Landtagswahl 2006 erzielte seine Partei mit 45,6 Prozent der gültigen Stimmen die absolute Mehrheit der Mandate. Die CDU hatte sich abermals verschlechtert und nur 32,8 Prozent der gültigen Stimmen erreicht, den Grünen war mit nur 4,6 Prozent erstmals seit 1987 der Einzug in den rheinland-pfälzischen Landtag nicht gelungen. Becks Angebot an die FDP (8 Prozent), die Koalition fortzusetzen, lehnte der vormalige Juniorpartner ab, so dass es zu einer Alleinregierung der SPD kam. Am 12. November 2005 wurde er wiederum Spitzenkandidat der SPD. Bei seiner Wiederwahl am 18. Mai 2006 erhielt Beck 54 Stimmen und damit eine mehr, als die SPD-Fraktion Mitglieder hat. Während der Alleinregierung der SPD zwischen 2006 und 2011 kam es in zu mehreren Affären und Skandalen, die zum Teil auch Beck selbst zugeschrieben werden. Hier sind Schlosshotel- und die Nürburgring-Affäre zu nennen.
Bei der Landtagswahl am 27. März 2011, für die Beck am 6. November 2010 als Spitzenkandidat aufgestellt wurde, ging der Anteil der SPD um fast 10 Punkte auf 35,7 Prozent der Stimmen zurück. Trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit konnte sie jedoch ihre Stellung als stärkste Kraft vor der CDU knapp behaupten und ging ein Regierungsbündnis mit den Grünen ein. Mit den Stimmen der Koalition wurde Beck am 18. Mai 2011 vom rheinland-pfälzischen Landtag für eine weitere fünfjährige Amtszeit als Ministerpräsident wiedergewählt.
Beck gilt als volksnaher Politiker, der gerne auf die Menschen zugeht.[http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/der-provinzkanzler/ taz.de: Der Provinzkanzler], 14. Juni 2006 In seiner Regierungszeit wurden im Bereich der Schul- und Sozialpolitik unter anderem Ganztagsschulen und ein kostenloses Kindergartenjahr eingerichtet, die Arbeitslosenquote in Rheinland-Pfalz sank auf rund sieben Prozent – den drittniedrigsten Wert in Deutschland.
Beck war vom 1. November 2000 bis zum 31. Oktober 2001 turnusgemäß Bundesratspräsident. Seit dem Rücktritt von Edmund Stoiber als bayerischer Ministerpräsident am 9. Oktober 2007 ist Beck der dienstälteste amtierende Ministerpräsident in Deutschland.
SPD-Parteivorsitz und Bundestagswahl 2009
Bereits seit 2003 war Beck erst unter Gerhard Schröder, dann unter Franz Müntefering und zum Schluss unter dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Nachdem Platzeck aus gesundheitlichen Gründen den Parteivorsitz niedergelegt hatte, übernahm Beck am 10. April 2006 das Amt kommissarisch und wurde gleichzeitig vom Präsidium als einziger Kandidat für den ordentlichen Parteivorsitz nominiert. Seine endgültige Wahl erfolgte auf einem Sonderparteitag am 14. Mai 2006. Seit dem 7. November 2006 war Beck außerdem Vizepräsident der Sozialistischen Internationale.
Die Frage nach einer Kanzlerkandidatur zur Bundestagswahl 2009, die ihm als Parteivorsitzenden immer wieder gestellt wurde, hielt Beck nach außen stets offen. Durch Cablegate wurde aber bekannt, dass in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei bereits ab Februar 2007 eine potentielle Kandidatur vorbereitet wurde.[http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,732651,00.html Spiegel-Online: Steinmeier lud Frust bei US-Botschafter ab], 6. Dezember 2010 Am 7. September 2008 erklärte Beck auf der Parteiklausur, nachdem dort Frank-Walter Steinmeier als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2009 bekannt gegeben worden war, seinen Rücktritt als Bundesparteivorsitzender. Beck erläuterte dazu in einer Pressemitteilung, dass er sich „aufgrund gezielter Falschinformationen“ zur Kanzlerkandidatur Steinmeiers durch die Presse nicht in der Lage sehe, das Amt weiterhin mit der „notwendigen Autorität auszuüben“.[http://www.focus.de/politik/deutschland/beck-ruecktritt-die-persoenliche-erklaerung-im-wortlaut_aid_331741.html Focus-Online: Die persönliche Erklärung im Wortlaut], 7. September 2008 Der Parteivorsitz wurde daraufhin zunächst von Steinmeier kommissarisch übernommen, bis Franz Müntefering auf einem Parteitag der SPD im Oktober zu Becks Nachfolger gewählt wurde.[http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEHAG75358820080907 Reuters: Offiziell: Steinmeier SPD-Kanzlerkandidat – Beck tritt zurück], 7. September 2008
Sonstiges Engagement
* Rundfunkkommission der Länder, Vorsitzender (seit 1994)
* ZDF-Verwaltungsrat, Vorsitzender (seit 1999)
Privates
Beck heiratete 1968 die Friseurin Roswitha Starck, ein Jahr später wurde sein einziger Sohn Stefan Beck geboren.
Positionen und Kritik
Internetsperren
Als im Jahr 2010 der umstrittene[http://rlp.piratenpartei.de/index.php/presse/pressemitteilungen/314-piratenpartei-rheinland-pfalz-fordert-dringende-ueberarbeitung-des-jmstv Piratenpartei Rheinland-Pfalz kritisiert die von Beck vorgeschlagenen Sperrverfügungen], Dezember 2010 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag scheiterte, der maßgeblich von der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei erarbeitet worden war, drohte Beck mit dem Erlass von Sperrverfügungen für Internetangebote durch die Jugendschutzbehörden des Landes.[http://www.internetworld.de/Nachrichten/Medien/Medien-Portale/Kurt-Beck-droht-mit-Internetsperren-Kein-Verstaendnis-fuer-gescheiterten-JMStV-51982.html internetworld.de: Kurt Beck droht mit Internetsperren], 16. Dezember 2010
ZDF-Staatsvertrag
Vor dem Hintergrund der Nicht-Verlängerung des Vertrages des ehemaligen ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender beklagte Beck wiederholt den zu hohen Einfluss der Politik auf Personalentscheidungen des Senders. Er kündigte 2010 in diesem Zusammenhang einen Normenkontrollantrag zum ZDF-Staatsvertrag beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe an.[http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,732011,00.html Streit um Politiker-Einfluss Beck klagt gegen ZDF-Rundfunkstaatsvertrag, spiegel.de, 30. November 2010]
Nürburgring-Affäre
Im März 2010 erklärte Beck im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Affäre um die gescheiterte Privatfinanzierung der Freizeit- und Tourismusanlagen auf dem Nürburgring. „Damals hätte ich die Reißleine ziehen sollen, weil die Frist für den Geldfluss nicht eingehalten wurde“. Das von seinem Finanzminister Ingolf Deubel forcierte Finanzierungsmodell war gescheitert, da immer wieder Zahlungen der privaten Investoren ausblieben.[http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EB7219F0C7C1545FFB88854868777DC42~ATpl~Ecommon~Scontent.html Nürburgring-Affäre-Beck: „Ich hätte die Reißleine ziehen sollen“, faz.net, 23. März 2010] Etwa eine halbe Milliarde Euro wurden seit Becks Amtsantritt im Jahre 1994 vom Land Rheinland-Pfalz an der Rennstrecke investiert.spiegel.de: [http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813878,00.html Teure Rennstrecke]
Hartz IV
Im Jahr 2006 empfahl Beck einem Hartz IV-Empfänger: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.“[http://www.stern.de/politik/deutschland/kurt-beck-waschen-sie-sich-erst-mal-578521.html „Waschen Sie sich erst mal“, stern.de, 14. Dezember 2006] Im gleichen Jahr sprach er sich für die Einführung einer gemeinnützigen Leistungspflicht für Hartz IV-Empfänger aus. Er erklärte, er halte das „generell für zumutbar.“ Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde habe er früher arbeitsfähige Sozialhilfe-Empfänger „Geländer streichen oder Treppen kehren lassen“.[http://www.stern.de/politik/deutschland/kurt-beck-hartz-iv-empaenger-an-die-besen-568866.html Hartz-IV-Empfänger an die Besen, stern.de, 29. August 2006]
Hochmoselübergang
Beck unterstützt den Bau einer umstrittenen 270 Millionen Euro teuren Hochmoselbrücke bei Ürzig. Diese ist Bestandteil des Ausbaus der B 50. Das Projekt durchschneidet einen der schönsten Abschnitte der Mosel zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach.
Verfassungsbruchaffäre
Im Zuge des Besetzungsverfahrens der Präsidentenstelle des Oberlandesgerichts Koblenz wurde der Landesregierung, insbesondere dem Justizminister Heinz Georg Bamberger, vom Bundesverwaltungsgericht ein Verfassungsbruch bescheinigt. Beck sprach dem Minister sein Vertrauen aus und behauptete entgegen der Begründung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts (Aktenzeichen 2 C 16.09), „Bamberger habe im Einklang mit der bis dahin geltenden Rechtsprechung gehandelt“.[http://www.volksfreund.de/nachrichten/welt/themendestages/themenderzeit/Weitere-Themen-des-Tages-Beck-und-Bamberger-lassen-zornige-Opposition-abblitzen;art742,2599622 Beck und Bamberger lassen zornige Opposition abblitzen, volksfreund.de, 11. November 2010] Die nach der Landtagswahl von der rot-grünen Landesregierung angekündigte Schließung des Oberlandesgerichts Koblenz wird von Opposition und Medien als Reaktion auf diese Affäre betrachtet.[http://www.eifelzeitung.de/?artikel=63442 „Affäre Bamberger“ schuld an OLG-Schließung in Koblenz?, eifelzeitung.de, 18. Mai 2011] Das Verwaltungsgericht Koblenz entschied am 26. Juli 2011, dass die Stelle des OLG-Präsidenten trotz der geplanten Schließung innerhalb von vier Wochen besetzt werden muss. Andernfalls wurde ein Zwangsgeld von 10.000 Euro angedroht.VG Koblenz. Beschluss vom 26. Juli 2011 – 2 N 572/11.KO. – [http://beck-aktuell.beck.de/news/vg-koblenz-verpflichtet-rheinland-pfalz-unter-androhung-eines-zwangsgeldes-zu-entscheidung-uebe VG Koblenz verpflichtet Rheinland-Pfalz unter Androhung eines Zwangsgeldes zu Entscheidung über Richterstelle]. In: beck-aktuell.de. 28. Juli 2011. Abgerufen am 1. August 2011.
Kabinette
* Kabinett Beck I
* Kabinett Beck II
* Kabinett Beck III
* Kabinett Beck IV
Ehrenämter und Auszeichnungen
* Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2004)
* Großoffizier der Ehrenlegion
* Großkreuz des Verdienstordens Pro Merito Melitensi des Souveränen Malteserordens
* Kommandeur des Ordens der Künste und der Literatur der Französischen Republik
* Ehrenmeister des Pfälzischen Handwerks (1997)
* Saumagen-Orden der Schifferstadter Karnevals- und Tanzsport-Gesellschaft Schlotte (1998)
* Orden Pälzer Krischer des Ludwigshafener Karnevalsvereins Rheinschanze (2002)
* MUT – Preis für politisches Handeln zugunsten psychisch kranker Menschen des Irrsinnig Menschlich e. V. – Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie, Leipzig (2003)
* Erster Fastnachtsorden „Wir sind nur ein Karnevalsverein“ des 1. FSV Mainz 05 (2003)
* Mittelstandspreis der Union Mittelständischer Unternehmen (2005)
* Verdienstorden des Senats der Republik Chile
* Ehrenbürger der Woiwodschaft Oppeln, Polen
* Ehrendoktorwürde der Francis Marion University in South Carolina (USA)
* Ehrenbürger der südchinesischen Provinz Fujian
* Commandeur in der Weinbruderschaft Chevaliers du Tastevin, Frankreich
* Mitglied im Kuratorium der Stiftung von Schüler Helfen Leben
Weblinks
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* [http://www.kurt-beck.de/ Persönliche Webpräsenz]
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Einzelnachweise
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