James M. Buchanan
James McGill Buchanan Jr. (* 3. Oktober 1919 in Murfreesboro, Tennessee) ist Träger des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 1986. Sein Lebenswerk ist die Erarbeitung einer ökonomischen Theorie des Staates. Er gilt als einer der Pioniere der Neuen Politischen Ökonomie.
Leben und Werk
Seine Arbeiten, insbesondere zur Public Choice Theory, sind interdisziplinär angelegt und hatten Einfluss in die Sozialwissenschaften weit über den engen Kreis der Ökonomik hinaus. Unter anderem war es sein Ziel, der Wirtschaftswissenschaft ihre gesellschaftspolitische Bedeutung zurückzugeben (politische Ökonomik). So bediente er sich in seinem 1975 erschienenen Buch Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan unter anderem einiger Modelle und Verfahren der politischen Philosophie, um eine theoretische Begründung seines ökonomischen Liberalismus zu finden. Anknüpfend an die Vertragslehre Thomas Hobbes' versuchte er dabei, Rechtsordnung, Rechtsschutzstaat und Leistungsstaat in einer vertraglichen Einigung rationaler und realistischer Individuen zu verankern.
Buchanans Werk kann durch folgende zentrale Merkmale charakterisiert werden:
* Strikte Unterscheidung in die Auswahl von Regeln und Entscheidung über Handlungen unter Regeln* Normativer und methodologischer Individualismus (Homo Oeconomicus Modell)
* Interessenlogischer Politikbegriff: Politik ist kein Wahrheitsbetrieb, sondern handelt vom Austauschprozess angesichts divergierender Interessen
* Veränderungsvorschläge haben sich stets am Status Quo zu orientieren
* Eine Bewertung sozialer Ergebnisse ist nur über die Bewertung der maßgeblichen Entscheidungsregeln möglich („that which emerges from the interaction process is, quite simply, that which emerges. It is inappropriate to classify any outcome or end-state as ́better than another“ (2001, S. 270).)
* Maßgebliches Bewertungskriterium ist der Konsens der Betroffenen, bezogen auf das Entscheidungsverfahren, nicht die emergierenden Ergebnisse unter diesen Verfahren.
Buchanan lehrte den größten Teil seines Lebens in Virginia, an der University of Virginia in Charlottesville und an der George Mason University in Fairfax.
Er ist Mitglied der Mont Pelerin Society und Ehrenpräsident des Walter Eucken Instituts.
Interview
* Wir müssen uns vor der Tyrannei der Mehrheit schützen. Interview mit Karen Horn, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. August 2009, S. 30
Siehe auch
* Liste der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften
Literatur
Primärliteratur
* James M. Buchanan: The Collected Works of James M. Buchanan – Volume 17 – Moral Science and Moral Order. Indianapolis, 2001.
* James M. Buchanan: Constitutional Economics. Cambridge, 1991.
* James M. Buchanan: Politische Ökonomie als Verfassungstheorie. Zürich, 1990.
* James M. Buchanan: Liberty, Market and State: Political Economy in the 1980s. New York, 1986.
* James M. Buchanan: The Reason of Rules – Constitutional Political Economy. Indianapolis, 1985, 2000.
* James M. Buchanan: What Should Economists Do?. Indianapolis, 1979.
* James M. Buchanan: Die Verfassung der Freiheit. In: Otto Molden: Zu den Grenzen der Freiheit. Wien [u.a.], 1977.
* James M. Buchanan: The Limits of Liberty. Between Anchary and Leviathan. Chicago [u.a.], 1975, 1987.
* James M. Buchanan, Gordon Tullock: The Calculus of Consent – Logical Foundations of Constitutional Democracy. Ann Arbor, 1962, 1989.
Sekundärliteratur
* Thomas Petersen: Individuelle Freiheit und allgemeiner Wille: Buchanans politische Ökonomie und die politische Philosophie. Tübingen, 1996.
* Ingo Pies, Martin Leschke: James Buchanans konstitutionelle Ökonomik. Tübingen, 1996.
Weblinks
* [http://www.econlib.org/library/Buchanan/buchCContents.html Gesammelte Werke von James M. Buchanan Online] (englisch)
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