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Großer Brand von London

23.05.2012 @ 09:44, EmausBot,

miniatur|Das Feuer am Dienstag, dem 4. September 1666

Der Große Brand von London ({{enS|Great Fire of London}}) war eine Feuersbrunst, die vom 2. bis 5. September 1666 vier Fünftel der City of London, darunter die meisten mittelalterlichen Bauten, zerstörte und etwa 100.000 Einwohner obdachlos machte, aber nach offiziellen Zahlen nur neun Personen das Leben kostete.Stephen Inwood: A History of London, S. 244. Nur wenige Monate zuvor war London von einer anderen Katastrophe heimgesucht worden, der letzten Großen Pest.

Verlauf


Entstehung und Ausbreitung des Feuers


Der Sommer des Jahres 1666 war heiß und trocken. Ab Ende August blies ein warmer Südwestwind durch London, der von vielen als Pestbringer gefürchtet wurde. Die Feuergefahr hingegen war für die Londoner Teil des täglichen Lebens – Streichhölzer wurden erst 1820 erfunden, Feuer wurden mit Zunder oder mit glühenden Kohlen entfacht, die in Eimern von Haus zu Haus transportiert wurden. Oft ließ man auch aus Bequemlichkeit das Herdfeuer über Nacht weiterglimmen, Brände waren keine Seltenheit. Der Große Brand brach am frühen Morgen des 2. September in der Backstube eines königlichen Bäckers in der Pudding Lane nahe dem Themseufer aus. Der Bäcker Thomas FarynorGray, Robert. A History of London. Hutchinson: London [a.o.], 1978. 352 Seiten. (oder FarrinorDalzell, William Ronald. The Shell Guide to The History of London. Michael Joseph: London, 1981. 496 Seiten. oder FarrynerInwood, Stephen. A History of London. Macmillan: London, 1998. 1111 Seiten. oder FarynerClout, Hugh. The Times History of London. Times Books: London, 1999. 192 Seiten.) hatte wohl die Glut im Backofen übersehen, als er am Abend seine Backstube abschloss. Der Bäcker wurde in der Nacht durch das Feuer geweckt und konnte mit seiner Familie fliehen, dagegen wurde seine Hausmagd zum ersten Opfer.

Zu dieser Zeit war es üblich, bei Aufstockungen jedes Stockwerk überhängend auf das darunter liegende zu bauen. Diese Bauweise führte dazu, dass die ohnehin engen Gassen nach oben immer enger wurden und die Häuser auf Höhe eines zweiten Stockwerks fast zusammenstießen. So sprang das Feuer sehr leicht über die natürliche Grenze der Straßen und Gassen hinweg. Durch starken Wind und die leicht entflammbaren Baumaterialien der meist aus Holzfachwerk erbauten Häuser konnte es sich sehr schnell ausbreiten.

Innerhalb weniger Stunden hatte das Feuer die aus Holz und Pech gebauten Häuser der Pudding Lane zerstört. Das Star Inn, ein Gasthaus an der London Bridge, war abgebrannt, und das Feuer griff auf die Thames Street über. In den dortigen Lagerhäusern befindliche Rohstoffe wie Öl, Hanf, Flachs, Pech, Teer, Seile, Hopfen und Weinbrand fachten das Feuer weiter an, welches so auf die angrenzenden Werften, wo Holz und Kohle gelagert wurden, übergriff.Stephen Inwood: A History of London, S. 242. Sir Thomas Bludworth jedoch, der Bürgermeister Londons, der aus dem Schlaf geholt wurde, meinte: „Pish! A woman might piss it out!“ (etwa: „Pah, eine Frau könnte es auspinkeln“) und ging wieder zu Bett.Simon Schama: A History of Britain, 1603–1776, S. 266.

Bekämpfung


Löschversuche mit Wasser aus Ledereimern waren praktisch wirkungslos, auch weil die Wasserrohre Londons damals aus Holz und damit oftmals undicht und unzuverlässig waren – nun zerstörte das Feuer auch noch Teile der Zuleitungen. Im Regelfall wurden bei Feuer an bestimmten Punkten der Wasserleitungen Pumpen angeschlossen – eine frühe Form des Hydranten. Im Chaos des Großbrandes jedoch wurden Straßen aufgerissen, um an die Wasserleitungen zu kommen, was den Wasserdruck gegen Null sinken ließ.Liza Picard: Restoration London, S. 9f.

Samuel Pepys, der das Feuer schon in der Nacht beobachtet hatte, fuhr am Sonntagvormittag zum Palast von Whitehall, um Charles II. zu sprechen. Die Hofgesellschaft hatte noch nicht vom Brand gehört. Pepys berichtete vom Stand der Dinge und bat im Gespräch mit dem König und seinem Bruder, dem Duke of York, die Sprengung von Häuserzeilen anzuordnen, da dies die einzige Möglichkeit sei, das Feuer aufzuhalten.Claire Tomalin: Samuel Pepys, The Unequalled Self, S. 228.

Danach eilte Pepys zum Bürgermeister, der in der Canning (Cannon) Street Löscharbeiten befehligte und sich beklagte, dass man seinen Anordnungen nicht Folge leistete. Hausbesitzer, deren Güter nicht unmittelbar bedroht schienen, weigerten sich, ihre Häuser einreißen zu lassen. Das Feuer sprang inzwischen schneller von Haus zu Haus, als die Retter diese abreißen konnten. Am Sonntag Abend beobachtete Pepys „one entire arch of fire from this to the other side of the bridge, and in a bow up the hill, for an arch of above a mile long: it made me weep to see it.“The Concise Pepys, S. 433. („ein einziger Bogen von Feuer von hier bis ans andere Ende der Brücke und in einem Bogen den Hügel hinauf, einen Bogen von mehr als einer Meile formend: der Anblick ließ mich weinen.“).

miniatur|Der Brand vom Südufer der Themse aus

Am Montag wurde klar, dass nur mehr die Flucht übrig blieb, die Straßen waren verstopft mit Wagen und Menschen mit ihren Habseligkeiten, der Fluss voll mit Booten. Das Feuer übersprang Cornhill und verschlang das kommerzielle Zentrum Londons, die Royal Exchange, wo sich dieser Zweig des Brandes mit einem östlichen und einem südlichen vereinigte und Cheapside vernichtete. Dienstag war der schlimmste Tag des Feuers, die eingerüstete Saint Paul’s Cathedral fing Feuer, was auch die in der St Faith’s Chapel gelagerten Vorräte der Londoner Buchhändler komplett vernichtete. Der Schriftsteller und Tagebuchautor John Evelyn beschrieb, wie das geschmolzene Blei aus der Kuppel von Saint Paul’s in Bächen über die rotglühenden Pflastersteine lief und die Steinquader des Gebäudes wie Granaten ringsum einschlugen.Stephen Inwood: A History of London, S. 243. Eines der wenigen Gebäude, das der Hitze widerstehen konnte, war die mittelalterliche Guildhall, in deren Krypta auch die Papiere der Stadt das Feuer überstanden.

Während im Westen der Stadt der König und sein Bruder, dem das Kommando über die Stadt übertragen worden warClaire Tomalin: Samuel Pepys, The Unequalled Self, S. 230., relativ erfolglos Löschmaßnahmen koordinierten, vor allem weil der Wind gegen sie arbeitete, war im Nordosten, der windabgewandten Seite, die Chance höher, Objekte zu sichern. Als Beamter der Royal Navy organisierte Pepys gemeinsam mit Admiral William Penn die Sprengung von Häusern rund um das Navy Office am Tower of London. Auf dieselbe Art wurde auch der Tower selbst gerettet. Am Abend schrieb Pepys seinem Vater einen Brief über die Ereignisse, aber da das Postamt abgebrannt war, konnte der Brief nicht abgeschickt werden („the posthouse being burnt, the letter could not go“).Simon Schama: A History of Britain, 1603–1776, S. 268.

Erst als am Mittwoch die Flammen den Palast von Whitehall bedrohten, folgte man schließlich den Empfehlungen der Marine und sprengte eine Feuerbresche, die das Feuer aufhielt. Der Wind ließ gegen Mittwochabend nach, so dass nach und nach der Brand unter Kontrolle gebracht und schließlich gelöscht werden konnte.

Schäden


miniatur|[[Wenzel Hollar: Stadtplan Londons nach dem großen Brand; die zerstörten Gebiete in Weiß]]

Alles in allem zerstörte der Brand rund 400 Straßen, 13.200 Häuser und 87 Kirchen, darunter auch die alte Saint Paul’s Cathedral, das Christ’s Hospital, das Gefängnis von Newgate, das Zollhaus, die Royal Exchange, drei der Stadttore und auch den deutschen Stalhof. Die Guildhall war innen ausgebrannt, die mittelalterlichen Mauern aber standen noch. Der Tower of London konnte nur gerettet werden, weil man die Häuser ringsherum sprengte. 80 Prozent der Häuser innerhalb der Stadtmauern auf einer Fläche von etwa 1,3 Quadratkilometern waren verbrannt. Rund 100.000 Einwohner Londons wurden obdachlos. Und obwohl nach offiziellen Angaben nur vier[http://www.bbc.co.uk/history/british/civil_war_revolution/great_fire_04.shtml BBC - History - London's Burning: The Great Fire], acht oder neun Menschen starben, wird davon ausgegangen, dass weitaus mehr Einwohner ihr Leben ließen.london-fire.gov.uk: [http://www.london-fire.gov.uk/GreatFireFullStory.asp Great Fire full story ] Der materielle Schaden wurde später auf etwa zehn Millionen Pfund geschätzt, was einem Wert von einer Milliarde Pfund im Jahr 2005 entspricht.[http://eh.net/hmit/ppowerbp/ Purchasing Power of British Pounds from 1264 to Present]

Suche nach einem Schuldigen


Obwohl der Brand offenkundig in der Bäckerei entstanden war, verbreitete sich rasch die Verschwörungstheorie, die Jesuiten hätten ihn gelegt. Der französische Uhrmacher Robert „Lucky“ Hubert gestand – wahrscheinlich unter der Folter – er sei ein Agent des Papstes und habe das Feuer in Westminster gelegt. Später verbesserte er seine Aussage dahingehend, er habe es in der Bäckerei in der Pudding Lane entfacht. Trotz überwältigender Beweise für seine Unschuld wurde er verurteilt und am 28. September 1666 gehängt. Erst nachträglich stellte sich heraus, dass er erst zwei Tage nach dem Brand nach London gekommen war. Virulent wurde der Irrglaube an eine katholische Verschwörung noch einmal zwölf Jahre später in der sogenannten Papisten-Verschwörung. Eine Tafel an dem an das Feuer erinnernden Monument, die auf die Schuld an dem Feuer den Katholiken zuwies, wurde erst im 19. Jahrhundert entfernt.

Wiederaufbau


miniatur|Wiederaufbauplan von John Evelyn

Die Aufräumungsarbeiten wurden zunächst den jeweiligen Grundeigentümern überlassen, im November gab der König jedoch hundert Pfund aus, um die immer noch herumliegenden Trümmer wegräumen zu lassen.

Der Wiederaufbau der zerstörten Flächen war für Gelehrte wie den Astronomen und Architekten Christopher Wren, den Geometrieprofessor Robert Hooke, John Evelyn, Peter Mills (1598–1670) und Richard Newcourt (um 1610–1679) die Gelegenheit, ihre Pläne für eine Stadt mit weiten Boulevards und italienischen Piazzas vorzulegen. Wie man an Wenzel Hollars Plan der Stadt nach dem Brand sieht, waren jedoch vielfach Grundmauern erhalten und Straßenzüge erkennbar geblieben. Schon Mitte September hatten sich König, Parlament und die Corporation of London als Vertreter Londons geeinigt, dass ein Plan, der auf bestehende Grundbesitzverhältnisse keine Rücksicht nahm, zu teuer und daher undurchführbar war.

Die Stadt als Körperschaft war in finanziellen Schwierigkeiten – ihre Einkünfte bestanden bis zu dem Feuer aus Besitz, der verbrannt war und den Abgaben der Einwohner, die geflohen und in vielen Fällen ruiniert waren. Die Finanzen des Königs waren desolat, und das Parlament war nicht gewillt, die Kosten Londons zu tragen. Da der Staatshaushalt nicht zuletzt von den Steuereinnahmen Londons abhing, war ein schneller Wiederaufbau zwingend.

miniatur|Monument to the Great Fire

Am 13. September proklamierte der König neue Bauvorschriften, in denen Stein und Ziegel als einzige erlaubte Baumaterialien für neue Häuser die Feuergefahr eindämmen sollten. Das Überhängen von Stockwerken wurde verboten, Hauptstraßen mussten eine Mindestbreite haben und am Flussufer sollte ein breiter Kai gebaut werden.

Die genaue Ausarbeitung der Vorschriften wurde einer Kommission aus sechs Personen übertragen. Drei wurden vom König nominiert: Christopher Wren, Hugh May (1621–1684), ein Beamter mit Erfahrungen im Bereich Architektur, und Roger Pratt (1620–1684), ein Architekt und drei von der Stadt bestellt: Robert Hooke, Kurator der Royal Society, und zwei Männer mit Lokalkenntnissen, Edward Jerman (um 1605–1668) und Peter Mills, der Stadtvermesser.Stephen Inwood: A History of London, S. 246.

Am 8. Februar 1667 wurde der First Rebuilding Act vom Parlament beschlossen. Er legte drei Arten von Standardhäusern fest, mit geregelten Stockwerkshöhen und Wandstärken und einem Maximum von vier Etagen. Er beinhaltete auch Vorgaben, wie Streitigkeiten zwischen Nachbarn um Grundstücksverläufe zu regeln seien, und schrieb vor, dass einzeln neuerbaute Häuser auf beiden Seiten Ziegel vorstehen lassen mussten, um später daneben gebauten Häusern „Anschluss“ zu geben.

Handwerkern, die sich am Wiederaufbau beteiligten, wurde die Bürgerschaft für sieben Jahre angeboten. Eine Steuer auf Kohle, die in London gelöscht wurde, glich einen Teil des enormen Verlustes aus. Ein Teil dieser Steuer wurde auch für den Wiederaufbau der Saint Paul’s Cathedral verwendet, welche Christopher Wren neben vielen anderen Kirchen und Gebäuden errichtete. Gemeinsam mit Hooke baute er zudem auch das Monument, das als Erinnerung an das Große Feuer entstand. Die Höhe des Monuments (61 m) entspricht der Distanz zwischen seinem Standort und der ehemaligen Bäckerei Thomas Farynners in der Pudding Lane, wo das Feuer ausbrach.

Literatur


* Stephen Inwood: A History Of London. Macmillan Publishers Ltd., London 2000, ISBN 0-333-67154-6.
* The Concise Pepys. Wordsworth Edition Ltd., Hertfordshire 1997, ISBN 1-85326-478-4.
* Liza Picard: Restoration London. Orion Publishing Group, London 2001, ISBN 1-84212-467-6.
* Simon Schama: A History Of Britain 1603–1776. BBC Worldwide Ltd., London 2001, ISBN 0-563-53747-7.
* Claire Tomalin: Samuel Pepys. The Unequalled Self. Penguin Books, London 2003, ISBN 0-14-028234-3.

* Mary Hooper: Aschenblüten. Bloomsbury Taschenbuchverlag, London 2004, ISBN 3-8333-5017-2.

Weblinks


* {{Commonscat|Great Fire of London|Großer Brand von London}}
* Kalenderblatt In London erlischt das 'Great Fire', Deutschlandfunk, 7. September 2006 ([http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/537258/ Text])

* [http://www.london-gazette.co.uk/issues/85/pages/1 Ausgabe der London Gazette vom 3. September 1666 über den Großen Brand von London]

Anmerkungen


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Kategorie:Katastrophe (17. Jahrhundert)

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