Gläserner Mensch
Die Bezeichnung Gläserner Mensch wurde zuerst für die in den 1920er Jahren vom Deutschen Hygiene-Museum entwickelten anatomischen Menschenmodelle aus durchsichtigem Kunststoff benutzt. Seit einigen Jahren wird sie vor allem als Metapher des Datenschutzes verwendet, die für die als negativ empfundene vollständige Durchleuchtung der Menschen und ihres Verhaltens durch einen überwachenden Staat steht.
miniatur|Darstellung des gläsernen Patienten auf der Demonstration ÿ28ÿ[[Freiheit statt Angst]]
Die Verwender dieses Begriffes verweisen auf die zunehmende Überwachung der Menschen, neue technische Überwachungsmethoden sowie das steigende Interesse des Staates an Informationen über seine Bürger. Sie befürchten einen vollständigen Verlust der Privatsphäre sowie des Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung und eine daraus resultierende Anpassung der Menschen an das vom Staat als normgerecht vorgegebene Verhalten (Opportunismus). Diese Entwicklung wird auch durch den unbedachten Umgang mit dem Internet begünstigt: Meldet sich ein Nutzer bei mehreren sozialen Netzwerken oder ähnlichen Diensten aus dem Bereich sozialer Software unter demselben Nutzernamen an und gibt Informationen über sich preis, so ist es schon bald danach mithilfe allgemeiner Suchmaschinen oder Personensuchdiensten möglich, die einzelnen Persönlichkeitsaspekte zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen.
Der Begriff wird in verschiedenen abgewandelten Formen verwendet: Am Gebräuchlichsten ist die Bezeichnung Gläserner Bürger. Im Zusammenhang mit der staatlichen Kontenabfrage, die durch das Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit ermöglicht wurde, wird vom Gläsernen Steuerzahler oder Gläsernen Bankkunden gesprochen.
In einem dazu konträren Zusammenhang wird auch vom Gläsernen Abgeordneten gesprochen, durch den politische Vorgänge für die Wähler transparenter werden könnten. Hier geht es nicht darum, dass der Bürger für den Staat, sondern dass der Staat für den Bürger transparent wird.
Mittlerweile wird das Bild vom Gläsernen Menschen auch auf die zunehmende Durchleuchtung der Menschen durch nicht-staatliche Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen angewandt: Im Gesundheitswesen ist vom Gläsernen Patienten die Rede, Gewerkschaften befürchten den Gläsernen Mitarbeiter und Verbraucherschützer warnen in der Diskussion um den Verbraucherdatenschutz vor dem Gläsernen Kunden.
Eine weitere Bedeutung stammt aus dem Bereich der Bioethik, in der man unter dem Gläsernen Menschen die Analyse seiner DNA versteht, die Aufschluss über viele körperliche Eigenschaften eines Menschen gibt.
Musik
* Welle: Erdball - Ein Mensch aus Glas
* Monitor - Mensch aus Glas
* Jule Neigel - Mensch aus Glas
Weblinks
* [http://www.dhmd.de/neu/index.php?id=221 Gläserne Menschen im Deutschen Hygiene-Museum]
* [http://www.vcell.de/genomstation/genomstation-ethische-dimensionen-der-genforschung-glaserner-mensch/ Ethische Dimensionen der Genforschung – Gläserner Mensch?]
* [http://www.achimwendel.com/de/filmografie/das-innere-auge Das innere Auge - Kurzfilm über die Überwachung von Menschen]
* [http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Der_glaeserne_Deutsche/729912?inPopup=true "Der gläserne Deutsche" ZDF Dokumentation über Überwachung in Deutschland]
* [https://secure.cryptohippie.com/pubs/EPS-2008.pdf The Electronic Police State 2008 National Rankings] (englisch)
* [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31176/1.html Totalüberwachung der realen und virtuellen Räume]. Telepolis, 22. September 2009.
{{DEFAULTSORT:Glaserner Mensch}}
ar:المراقبة على نطاق واسعcs:Čipová totalita
Mass surveillance
ro:Supraveghere în masă
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