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Gestaltungsraster

25.05.2012 @ 15:10, Mko3,

Der Gestaltungsraster (in der Praxis oft das Gestaltungsraster), auch der typografische Raster oder Rastersystem genannt, ist ein Ordnungssystem in der visuellen Kommunikation, das als Hilfskonstruktion die Organisation von grafischen Elementen auf einer Fläche oder in einem Raum erleichtert.

Gestaltungsaufgaben, in denen der Raster Anwendung findet, sind meist typografischer Art. Klassische Beispiele sind die Buchgestaltung und Editorial Design. Darüber hinaus werden Raster u. a. bei der Gestaltung von Webseiten, Anwendungssoftware, On-Air-Design, aber auch in der dreidimensionalen Kommunikation wie Ausstellungs-, Event- und Messe-Design eingesetzt.

Funktion und Nutzen


Ein Gestaltungsraster wird verwendet zur visuellen Problemlösung diverser Aufgaben. Er soll eine planerischer Geschlossenheit mit Transparenz und Klarheit in einer gestalterischer Ordnung gewährleisten, was das Erfassen von Inhalten fördert. So kann nicht nur schneller und einfacher gelesen werden, sondern Information auch besser verstanden werden. Das Ziel ist ein systematischer, logischer Aufbau von Text- und Bildmaterial, der eine rhythmische, choreografisch spannungsvolle und funktionelle Kompositionen ermöglicht.

Gründe für die Benutzung eines Rasters können ökonomisch sein, da durch geringeren Zeitaufwand der Bewältigung einer gestalterischen Aufgabe geringere Kosten entstehen. Ist die Benutzung des Rasters rational begründet, so mag der einheitliche Stil dafür sprechen, in dem sich sowohl einfache, als auch komplexe Aufgaben lösen lassen. Ein philosophischer Beweggrund zur Rasterbenutzung kann die geordnete Visualisierung von Inhalten sein, wenn sie als Ausdruck der geistigen Haltung als ein sozialer oder pädagogischer Beitrag zur kulturellen Situation der Gesellschaft beitragen soll.

Aufbau eines Gestaltungsrasters


miniatur|Beispiel für einen Gestaltungsraster
miniatur|Ausgefüllter Raster mit sichtbaren Hilfslinien
miniatur|Ausgefüllter Raster ohne Hilfslinien

Im ersten Schritt wird ein Format als Vorlage, meist ein Papierformat, bestimmt. Maxbauer, Andreas und Regina: Praxishandbuch Gestaltungsraster – Ordnung ist das halbe Lesen. Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2003 Davon ausgehend wird der Satzspiegel bestimmt, dessen Fläche in kleinere Felder meist gleicher Größe unterteilt wird. Diese Felder werden durch einen Zwischenraum, dem Steg, voneinander getrennt, damit sich Textfelder oder Bilder nicht berühren. Der vertikale Abstand entspricht meist einem oder dem mehrfachen des Zeilenabstandes. Der horizontale Abstand folgt meist denselben Regeln. Nehmen Elemente wie Typografie, Fotografie oder Illustration nun Bezug zum Raster, lassen sie sich besser geordnet platzieren. Ihre Größen entsprechen einem Rasterfeld oder seinem mehrfachen, da der Raster als konstante Einheit fungiert.Müller-Brockmann, Josef: Rastersysteme für die visuelle Gestaltung. Verlag Niggli AG, Sulgen/Zürich 1996

Diese auf komplexen rechnerischen Vorgaben beruhenden Grundlagen der Rastererstellung wurden unter anderem vom schweizerischen Typographen Josef Müller-Brockmann forciert. Dessen streng festgelegte Vorgehensweise der Rastererstellung gilt heute zwar als Grundwissen für jeden Grafikdesigner, jedoch wird inzwischen, z. B. im Editorial Design, der Raster nicht so streng eingehalten, oder gar nicht erst streng definiert. Oft genügt ein Grundlinienraster auf Basis der definierten Fließtext-Schrift. Besonders im Webdesign lässt sich eine bloße Einteilung in Spalten feststellen.

Geschichte


Bereits im Mittelalter wurden bei Handschriften vorm Schreiben einfache Raster auf eine Seite gezeichnet, um eine einheitliche Einteilung der Seiten eines Buches zu erhalten. Pohlen, Joep: Letterfontäne. Taschen-Verlag, Köln 2011 Auch im Raum des nicht-lateinischen Alphabets zeigen die Codices (ca. 700–900 n.Chr.) der Maya eine regelmäßige Einteilung durch erkennbare Hilfslinien, die das Lesen vereinfachen sollen. Federico Fahsen, Daniel Matul: Los Códices de Dresde, París y Grolier. Liga Maya Guatemala, Guatemala-Stadt 2007

Die grafische Arbeit mit Rastern entstammt der konstruktiven Kunst aus Holland und Russland Anfang des 20. Jahrhunderts und der konkret-geometrischen Kunst der Zürcher Schule der 30er-Jahre. Nach einigen Vorläufern systematischer Gestaltung durch Vertreter wie El Lissitzky, brachte Max Bill 1939 den Durchbruch zum echten Rastersystem mit seiner Gestaltung des dritten Bandes des „Œvre Complète” von Le Corbusier. In den 1940er Jahren etablierte sich dann der typografische Raster mit den schweizerischen Künstler-Grafikern Max Bill, Richard Paul Lohse und anderen.Graß, Tino: Schriftgestalten – Über Schrift und Gestaltung. Verlag Niggli AG, Sulgen/Zürich 2008

Siehe auch


* Corporate Design
* Corporate Identity
* Satzspiegel

* Typografischer Weißraum

Literatur


* Hans Rudolf Bosshard: Der typografische Raster. Verlag Niggli, ISBN 3-7212-0340-2.
* Josef Müller-Brockmann: Rastersysteme für die visuelle Gestaltung. Verlag Niggli, ISBN 3-7212-0145-0.

* Andreas und Regina Maxbauer: Praxishandbuch Gestaltungsraster. Verlag Hermann Schmidt Mainz 2002, ISBN 978-3-87439-571-7.

Weblinks


* [http://www.janaszek.de/t/gestaltungsraster.htm Gestaltungsraster]
* [http://www.typolexikon.de/g/gestaltungsraster.html Lexikon der Typografie: Gestaltungsraster]
* [http://www.uta.fi/~trjusc/raster.htm Gestaltungsraster in multilingualer Anwendung]
* [http://www.coldheat.de/archiv/2006/04/tutorial-gestaltungsraster-im-webdesign.php Tutorial zu Gestaltungsrastern im Webdesign]

* [http://labuschin.com/journal/design/gestaltung-von-formularen-anhand-eines-grundrasters Gestaltung von web-basierten Formularen anhand eines Grundrasters]

Einzelnachweise


Kategorie:Typografie

Kategorie:Grafikdesign

Grid (page layout)
Grille (mise en page)
pt:Malha (tipografia)
ru:Модульная система вёрстки
zh:栅格设计

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