Navigation


Gefängnissprache

04.09.2011 @ 07:41, Hydro,

Gefängnissprache (auch: Knastsprache, Knastjargon, Gefangenenjargon, Gefängnisjargon) bezeichnet den in Gefängnissen gebräuchlichen Soziolekt, der aus lexikalischen Umdeutungen und Neuschöpfungen entsteht, wobei die Grammatik in der Regel unverändert bleibt. Insofern bestehen Ähnlichkeiten zum Rotwelsch.

Gefangene und Teile des Personals verwenden ihn gleichermaßen, sodass eine identitätsstiftende Wirkung auch in Wechselwirkung für alle Beteiligten zu beobachten ist. Die Knastsprache ist nicht homogen, vielmehr ist sie eine mit milieu-, schicht- und anstaltstypischen Formulierungen durchsetzte Umgangssprache.Rüdiger Wohlgemuth: Gibt es eine Knastsprache? In: Klein/Koch 1988, S. 51 ff. In verschiedenen Regionen sind erhebliche Unterschiede zwischen den Vollzugsanstalten, landesweit aber auch Entlehnungen aus oder Übertragungen zu anderen Jargons der Subkultur wahrscheinlich. Besondere Einflüsse auf die historische Begriffsbildung hat das Rotwelsch. Neue Ausdrücke haben ihren Ursprung häufig Randgruppenmilieus (z. B. Kiez, Jugend-, Drogenszene etc.), weshalb es relativ wenig rein gefängnisspezifische Wortschöpfungen gibt.Werner Besch: [http://books.google.com/books?id=DZwbJjFlqJYC&pg=PA2398&dq=knastsprache&as_brr=3#v=onepage&q=knastsprache&f=false Sprachgeschichte: ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung]. Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Volume 3, S. 2398

In der Kommunikation im Gefängnis spielen als Symbole auch Gesten, Zeichen und Tätowierungen eine Rolle, wobei letztere besonders häufig die Bedeutung von Abzeichen in der organisierten subkulturellen Hierarchie haben.

Siehe auch


* Gefangenenliteratur

* Zinken (Geheimzeichen)

Literatur


* Uta Klein, Helmut H. Koch (Hrsg.): Gefangenenliteratur. Sprechen – Schreiben – Lesen in deutschen Gefängnissen. Padligur, Hagen 1988, ISBN 3-922957-15-3.
* Klaus Laubenthal: Lexikon der Knastsprache. Von Affenkotelett bis Zweidrittelgeier. Mit Illustrationen von Volker Stiebig. Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89602-299-7.
* Anja Pachel: Glossar der Gefängnissprache. Materialien für Gerichtsdolmetscher. Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), Berlin 2006, ISBN 3-938430-04-4 (Schriften des BDÜ 22).

* Eike Schönfeld: Abfahren – eingefahren. Ein Wörterbuch der Jugend- und Knastsprache. 2. Auflage. Straelener Manuskripte-Verlag, Straelen/Niederrhein 1986, ISBN 3-89107-009-8 (Glossar – Europäisches Übersetzer-Kollegium 1).

Einzelnachweise


{{SORTIERUNG:Gefangnissprache}}
Kategorie:Soziolekt
Kategorie:Gefängnis

Kategorie:Volkskunde

Grypsera
pl:Gwara więzienna
ru:Уголовный жаргон

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Gefängnissprache der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.