Navigation


Gämse

23.05.2012 @ 17:13, Horst Gräbner,


{{Taxobox
| Taxon_Name = Gämse
| Taxon_WissName = Rupicapra rupicapra
| Taxon_Rang = Art
| Taxon_Autor = (Linnaeus, 1758)
| Taxon2_Name = Gämsen
| Taxon2_WissName = Rupicapra
| Taxon2_Rang = Gattung
| Taxon3_Name = Ziegenartige
| Taxon3_WissName = Caprinae
| Taxon3_Rang = Unterfamilie
| Taxon4_Name = Hornträger
| Taxon4_WissName = Bovidae
| Taxon4_Rang = Familie
| Taxon5_Name = Wiederkäuer
| Taxon5_WissName = Ruminantia
| Taxon5_Rang = Unterordnung
| Taxon6_Name = Paarhufer
| Taxon6_WissName = Artiodactyla
| Taxon6_Rang = Ordnung
| Bild = Rupicapra rupicapra Schartschrofen.JPG
| Bildbeschreibung = Gämse (Rupicapra rupicapra)
}}
miniatur|Gamskitz

Die Gämse (Rupicapra rupicapra), vor der Rechtschreibreform Gemse und in der Jägersprache Gams oder Gamswild, ist eine in Europa und Kleinasien beheimatete Art der Ziegenartigen. Zusammen mit der Pyrenäen-Gämse bildet sie die Gattung der Gämsen (Rupicapra).

Die Gämse wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Wildtier des Jahres 2012 gekürt.

Merkmale


Eine Gämse wird zwischen 110 und 130 Zentimeter lang, hat einen bis zu acht Zentimeter langen Schwanz, ist am Widerrist im Schnitt 75 Zentimeter hoch und wiegt 30 bis 50 Kilogramm. Sie verfügt über einen kräftigen, jedoch gedrungenen, Körperbau. Der schlanke Hals trägt einen zur Schnauze hin stark verschmälerten, kurzen Kopf. Ihre spitzen Ohren besitzen eine Länge von ca. einer halben Kopfeslänge. Die Gämse hat verhältnismäßig lange, kräftige Beine mit relativ großen Hufen. Im Gegensatz zum Rotwild hat die Gämse keine Tränengruben, sondern eine Brunftfeige. Dieses Drüsenorgan befindet sich hinter den Hörnern in einer Höhlung. Zur Brunftzeit sondert es ein schmieriges, übel riechendes Sekret ab. Beide Geschlechter tragen Hörner, auch "Krucken" genannt. Diese werden bis zu 25 Zentimeter lang und sind drehrund. Sie sind an der Wurzel kreisförmig eingekerbt, gerade aufsteigend und an der Spitze rückwärts gebogen.

Im Sommer ist die Gämse schmutzig rotbraun, auf der Unterseite hell rotgelb, auf dem Rücken mit einem schwarzbraunen Aalstrich, an der Kehle fahlgelb, im Nacken weißgelblich. Die Hinterseite der Schenkel ist weiß, der Schwanz auf der Unterseite und an der Spitze schwarz. Von den Ohren verläuft über die Augen hin eine schwarze Längsbinde.

Im Winter ist die Gämse oben dunkelbraun oder braunschwarz, am Bauch weiß, an den Füßen und am Kopf gelblichweiß, auf dem Scheitel und an der Schnauze etwas dunkler. Beide Kleider gehen unmerklich ineinander über. Jäger unterscheiden das große, dunkelbraune Waldtier von dem kleineren, rotbraunen Grattier.

Lebensraum


miniatur|Verbreitungsgebiet der Gämsen (92Rupicapra93) im Holozän (grau) und heute (rot)
miniatur|Gämse in der Hohen Tatra
miniatur|Gämse am [[Friederspitz, Ammergauer Alpen]]

Die Gämse bewohnt den ganzen Alpenraum und Teile des Balkans und der Karpaten. Auch im Kaukasus und Anatolien kommen Gämsen vor. In Spanien, dem südwestlichen Frankreich und Mittelitalien leben die einer anderen Art angehörenden Pyrenäen-Gämsen. Das größte Revier Europas befindet sich im Hochschwabgebiet in der Steiermark. Nach Auswilderungen existieren zudem wieder kleine Populationen im Lausitzer Gebirge, im Schwarzwald, den Vogesen, dem Jura sowie auf der Fränkischen Alb. Der Lebensraum Hochgebirge ist ein Rückzugsraum, die frühere Verbreitung der Gams in Mittelgebirgen konnte durch archäologische Funde belegt werden. Noch vor 4000-7000 Jahren kam die Gämse in den meisten Teilen Deutschlands und Frankreichs vor. Im Norden erreichte sie damals etwa den 52. Breitengrad.

Das Tier hält sich am liebsten im oberen Waldgürtel auf, steigt im Sommer aber häufig weiter ins Gebirge empor. Wenn die Gämse weiter unten zu sehr gestört wird, geht sie selbst in die unzugänglichsten Gebiete, von wo aus sie dann mit Anbruch des Tages die Grasplätze zwischen den Felsen besucht. Gegen den Winter rückt sie weiter in die Wälder herab.

Lebensweise

Weibchen und Jungtiere leben in Herden zu 15 bis 30 Tieren. Die soziale Bande ändert sich mit den Jahreszeiten. Im Sommer ist sie sehr intensiv; ein Tier der Herde ist zu dieser Zeit stets als Wächter abgestellt und warnt die anderen bei Gefahr durch einen Pfiff. Zum Winter hin wird der Herdenzusammenhalt lockerer, und manche Herden vermischen sich oder lösen sich auf. Das Rudel wird von einer erfahrenen Geiß angeführt. Böcke leben einzelgängerisch und suchen erst im Spätsommer eine Herde auf. Sie vertreiben die männlichen Jungtiere, wenn sie alt genug sind, und behaupten sich in Kämpfen gegen Geschlechtsgenossen. In der zweiten Novemberhälfte erfolgt dann die Paarung.

Ende Mai oder Anfang Juni wirft die Gämse ein, selten zwei oder drei Junge, die bald der Mutter folgen und drei Monate gesäugt werden. Die Tragzeit beträgt sechs Monate. Die Geißen werden nach zwei Jahren geschlechtsreif. Im dritten Jahr ist das Junge ausgewachsen. Die Gamsböcke erreichen ein Alter von 15 Jahren, die Weibchen werden bis zu 20 Jahren alt.

Ihre Nahrung besteht aus jungen Trieben der Alpensträucher (Alpenrose, Erle, Weide, Wacholder, Kiefer) sowie aus Kräutern, Blättern und Gräsern, im Winter auch aus Moos und Flechten.

Feinde


rechts|miniatur|Gämse in der Slowakei
thumb|rechts|Gämse

Die Gämsen sind durch herabrollende Steine und Felsstücke gefährdet sowie durch Lawinen (besonders frühe Herbstlawinen sind häufig tödlich für viele Gamskitze), in strengen Wintern auch durch Futtermangel.

Raubtiere wie Luchs, Wolf und Bär stellen ihnen nach. Der Steinadler schlägt hin und wieder Gamskitze.

Menschen und Gämse

Bejagung

Die Jagd auf Gämsen findet aufgrund ihrer Lebensweise meist im Hochgebirge statt. Da Gämsen keinen steilen Grat und keine felsigen Gegenden scheuen, ist die Jagd mühsam und oft gefährlich. Der tatsächlich bejagbare Bestand ist oft sehr gering, da durch die widrigen Umweltbedingungen insbesondere im hochalpinen Winter viele Jungtiere nicht überleben. Auch können Seuchen wie Gämsblindheit, Räude und andere parasitäre und infektiöse Erkrankungen für hohe Todesraten mitverantwortlich sein. Aber auch in den Mittelgebirgsregionen kann heute, aufgrund der sicheren Populationsgrößen, wieder eine nennenswerte Bestandsabschöpfung verzeichnet werden.

Verwertung

Das Fleisch der Gämsen ist wohlschmeckend und wird hoch geschätzt; das Fell gibt schönes Leder, das vor allem zu Beinkleidern und Handschuhen verarbeitet wird. Die Hörner werden zu Stockgriffen und die Haare auf dem Widerrist als Hutschmuck (Gamsbart) verarbeitet. Im Magen der Gämsen findet man zuweilen die sogenannten Gämskugeln oder den deutschen Bezoar. Dieselben wurden wegen vermeintlicher arzneilicher Wirksamkeit ebenso wie das Gamsblut früher teuer bezahlt, sind aber ohne Wert.

Jung eingefangen, lassen sie sich mit Ziegenmilch ernähren und werden sehr zahm, bisweilen pflanzen sie sich in der Gefangenschaft fort.

rechts|miniatur|Gämsen am [[Piz Beverin]]

Unterarten

Für gewöhnlich werden, die Pyrenäen-Gämse nicht mitgerechnet, sieben Unterarten gezählt:

* Alpengämse (R. r. rupicapra) in den Alpen; relativ häufig
* Karpatengämse (R. r. carpatica) in den rumänischen Karpaten; relativ häufig
* Balkangämse (R. r. balcanica) in den Gebirgen des Balkan; relativ häufig
* Türkische Gämse (R. r. asiatica) in Anatolien; relativ häufig
* Kaukasusgämse (R. r. caucasica) im Kaukasus; von der IUCN als gefährdet geführt; in den frühen 1990ern gab es im Kaukasus noch 15.000 Gämsen; durch Wilderei und die politischen Konflikte sollen die Bestände zusammengebrochen sein und sich innerhalb der letzten fünfzehn Jahre drastisch reduziert haben.
* Tatra-Gämse (R. r. tatrica) in der Hohen Tatra entlang der polnisch-slowakischen Grenze; weil es nur noch weniger als 250 adulte Exemplare gab, wurde der IUCN-Status 2000 auf „vom Aussterben bedroht“ erhöht; Probleme bereiten dieser Gämsenpopulation Störungen durch den Tourismus. Inzwischen ist die Zahl aber wieder auf 548 (davon 431 adulte) angewachsenTomasz Zwijacz Kozica, Filip Zięba: Policzalne i niepoliczalne. In: Tatry 2007, Nr. 4(22).

* Chartreuse-Gämse (R. r. cartusiana) in der Chartreuse, einer Bergkette im Südosten Frankreichs; etwa 150 Individuen, daher ebenfalls vom Aussterben bedroht.

Insgesamt gibt es etwa 400.000 Gämsen. Darüber hinaus gibt es eine eingeführte Gämsenpopulation auf der Südinsel Neuseelands.

Fossilfunde


Gämsen sind seit der Saale-Kaltzeit in den Pyrenäen nachgewiesen. In den Alpen sind sie seit der Weichsel-Kaltzeit bekannt. Von den Hochgebirgszügen aus breitete sich die Gämse während der Weichsel-Kaltzeit auch weit über die mitteleuropäischen Mittelgebirge aus. Noch im Alleröd kam sie in der Eifel vorWighart von Koenigswald: Lebendige Eiszeit. Klima und Tierwelt im Wandel. Theiss-Verlag, 2002, ISBN 3-8062-1734-3.

Siehe auch


* Gämsen gaben auch einem Farbton seinen Namen, dem Chamois („gamsfarben“).

Literatur

* Ronald M. Nowak: Walker’s Mammals of the World. 6. Auflage. The Johns Hopkins University Press, Baltimore/London 1999, ISBN 0-8018-5789-9
* {{Literatur
|Autor=Christine Miller, Luca Corlatti
|Titel=Das Gamsbuch. Für Einsteiger und Profis
|Auflage=1.
|Verlag=Verlag J.Neumann-Neudamm AG
|Ort=Melsungen / Mariapfarr
|Jahr=2009
|ISBN=978-3-7888-1305-5
|Kommentar=205 S.}}
* {{Literatur
|Autor=Werner Knaus, Wolfgang Schröder
|Titel=Das Gamswild. Naturgeschichte, Verhalten, Ökologie, Hege und Jagd, Krankheiten
|Auflage=3., neubearbeitete
|Verlag=Parey
|Ort=Hamburg / Berlin
|Jahr=1983
|ISBN=3-490-33012-9
|Kommentar=232 S.}}
* {{Literatur
|Autor=Lutz Briedermann, Vladimir Still
|Titel=Die Gemse des Elbsandsteingebietes. Rupicapra r. rupicapra
|Auflage=2.
|Verlag=Ziemsen
|Ort=Wittenberg
|Jahr=1987
|ISBN=3-7403-0041-8
|Kommentar=Neue Brehm-Bücherei, Bd. 493}}
* {{Literatur
|Autor=Maurice Burton
|Titel=Neues Tierlexikon in Farbe
|Verlag=Vehling
|Ort=Köln

|Jahr=1984}}

Weblinks


{{Commons|Rupicapra rupicapra|Gämse}}
{{Wiktionary}}
* {{IUCN
|Year=2006
|ID=39255
|ScientificName=Rupicapra rupicapra
|YearAssessed=2000
|Assessor=Caprinae Specialist Group
|Download=12. Mai 2006
}}

* [http://www.jagd.bz/stimmen/mp3/gams.mp3 Schrei einer Gämse]

Einzelnachweise


Gamse

Gamse

als:Gemse
an:Rupicapra rupicapra
ar:شامواه
az:Qarapaça
bar:Gams
bg:Дива коза
br:Chamoez
bs:Divokoza
ca:Isard
ce:Масар
cs:Kamzík horský
Chamois
eo:Ĉamo
es:Rupicapra rupicapra
eu:Sarrio
fi:Gemssi
Chamois
frp:Chamouès (mamifèro)
gl:Rebezo
hr:Divokoza
hu:Zerge
io:Chamo
it:Rupicapra rupicapra
ja:シャモア
ka:არჩვი
lbe:Гьинта
lt:Gemzė
mk:Дивокоза
nl:Gems (dier)
no:Gemse
oc:Rupicapra rupicapra
pl:Kozica
pnb:چاموعز
pt:Camurça
ro:Capră neagră
ru:Серна
sh:Divokoza
sk:Kamzík vrchovský
sl:Gams
sq:Kamoshi
sr:Дивокоза
sv:Gems
tl:Rupicapra rupicapra
udm:Кыр кеч
uk:Козиця звичайна
ur:چاموعز
vec:Camorž
xmf:ერსქემი
zh:臆羚

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Gämse der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.