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Franz Ronneberger

22.11.2011 @ 20:26, Aka,

Franz Ronneberger (* 15. März 1913 in Auma; † 30. März 1999 in Nürnberg) war ein deutscher Sozialwissenschaftler mit Lehr- und Forschungsschwerpunkten in Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft und in der Südosteuropaforschung

Biografie


Franz Ronneberger wurde in eine thüringische Handwerksfamilie hineingeboren. Der Betrieb wurde zur Fabrik ausgebaut, als Ronnebergers Vater im Ersten Weltkrieg fiel. Die Studienstiftung des Deutschen Volkes ermöglichte dem Einser-Abiturienten das Studium der Rechtswissenschaft, der Sozialwissenschaften und der Staatswissenschaften an den Universitäten Kiel und München. Von 1935 bis 1939 war Ronneberger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Südost-Institut München, parallel dazu von 1934 bis 1938 Mitarbeiter und Leiter der Deutschen Akademischen Außenstelle München. 1935 legte er die Erste, 1942 die Zweite juristische Staatsprüfung ab. Mit der Schrift "Südosteuropa im politischen Ordnungsbild Bismarcks" wurde er 1938 von der Universität München promoviert, Buchtitel: "Bismarck und Südosteuropa", 1941. Von 1939 bis 1944 war er Leiter der dem Auswärtigen Amt zugeordneten Informations- und Forschungsstelle in Wien; parallel dazu übernahm er einen Lehrauftrag für "Gesellschaft und Politik in Südosteuropa" an der Hochschule für Welthandel, Wien. 1944 wird Franz Ronneberger von dieser Hochschule mit der Schrift "Wege staatswissenschaftlicher Forschung in Südosteuropa" habilitiert und erhält die Lehrberechtigung (Venia Legendi) für "Staatswissenschaften, insbesondere die staatswissenschaftlichen Probleme Südosteuropas". 1945 verliert er die Lehrberechtigung im Zusammenhang mit der Liquidation der Einrichtungen des Deutschen Reiches in der Republik Österreich. Ronneberger wird interniert, kommt in Kriegsgefangenschaft und wird entnazifiziert (Klingemann, 2006).

Von 1948-1958 arbeitet Franz Ronneberger für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) in Essen als Dokumentarist, Kommentator, Buchkritiker, Wissenschaftsredakteur und Ausbilder von Volontären; seit 1952 doziert er nebenberuflich an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Bochum. 1958 verlässt er die WAZ, um bis 1960 als Referent für Hochschulfragen und akademische Nachwuchsförderung beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Essen zu arbeiten.

Mit den Schriften "Verwaltung im Ruhrgebiet als Integrationsproblem" und "Staatsverfassungstendenzen der Südoststaaten seit 1945: ein Beitrag zur Sozial- und Verfassungsstruktur von Entwicklungsländern" gelingt Ronneberger die zweite Habilitation, diesmal durch die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster, die ihn die Lehrbefugnis für "Verfassungs- und Verwaltungslehre" verleiht. Noch während des Habilitationsverfahrens wird Ronneberger an die Pädagogische Hochschule in Bielefeld als ordentlicher Professor für Soziologie und Sozialpädagogik berufen. Von 1964 bis zu seiner Emeritierung 1980 arbeitet Franz Ronneberger als Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Politik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Durch ihn wird im deutschen Sprachraum der kommunikationswissenschaftliche Lehr- und Forschungsbetrieb aufgenommen. Ronneberger war Mitherausgeber mehrerer sozialwissenschaftlicher Zeitschriften und Schriftenreihen. Nach seiner Emeritierung übernahm er an der Katholischen Universität Eichstätt den Auftrag, das Fach und den Studiengang Journalistik aufzubauen. Die Universität verlieh ihm 1993 die Würde eines Ehrensenators.

Charakterisierung des Werks


Franz Ronneberger gehörte zu jenen deutschen Sozialwissenschaftlern, die nach dem Zweiten Weltkrieg - grundlagen-, methoden- und anwendungstheoretisch verarmt - riesigen Gesellschaftsproblemen gegenüberstanden. Er hatte weder einen institutionellen Auftrag noch standen ihm "Drittmittel" zur Verfügung, als er die umfassende empirische Studie "Verwaltung im Ruhrgebiet als Integrationsproblem" 1957 abschließen konnte. Ein Jahr später veröffentlichte er unter dem Pseudonym Stefan Lambrecht "Die Soziologie", ein Lehrbuch, zu dem ein Soziologe meinte, es stamme von einem "zweifellos aufgeschlossenen Kopf mit einem ausgeprägten Sensorium für gegenwärtige Fragen" (König, 1960). Ronneberger untersuchte Staatsverfassungstendenzen und Verfassungsprobleme in ehemaligen Kolonien und anderen Entwicklungsländern. Im multidisziplinär besetzten Fachausschuss für Familien und Jugendsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie entstand die Studie "Sozialisation durch Massenkommunikation" in der Absicht, dem "trivialen Gerede von der Macht der Medien" sozialwissenschaftlich zu begegnen (Ronneberger, 1971, S. IX). Sozialisation durch Massenkommunikation war zudem Ronnenbergers Ausgangslage für die Erforschung von Problemen des Journalismus und der Public Relations in Relation zu gesellschaftlichen Umwelten. Er betreute zahlreiche theoretisch-empirisch konzipierte Diplom- und Doktorarbeiten, angelegt als gesellschaftliche Beziehungsanalysen zwischen Journalismus und Public Relations (Rühl, 2011; Junghänel, 2001). Zwischen 1978 und 1986 legt er das dreibändige Werk "Kommunikationspolitik" vor (Tonnemacher, 2002), und eine vergleichende Studie über "wissenschaftliches Wissen" und "geheimdienstliches Wissen (inteligence)" greift ausdrücklich auf Ronnenbergers Veröffentlichungen vor 1945 zurück (Klingemann, 2006). Auf eine Werkanalyse verzichten einige Publikationen, die in der Person Franz Ronneberger einen "jungen nationalsozialistischen Multifunktionär", einen "Schreibtischtäter" oder einen "PR-Papst" vermuten (Heinelt, 2003, 2004; Hachmeister, 2008).

Methodologisch verabschiedet sich Franz Ronneberger vom normativ vorschreibenden Denken vieler Publizistik- und Zeitungswissenschaftler. Er arbeitet grundlagentheoretisch mit der strukturell-funktionalen Systemtheorie der Sozialwissenschaftler Talcott Parsons, Robert K. Merton und Karl W. Deutsch, teilweise mit Aspekten der funktional-strukturellen Systemtheorie Niklas Luhmanns (Rühl, 2008). Damit bewegt er sich im Grenzbereich zwischen den gelehrten Stilisten sozialwissenschaftlicher Ein-Man-Betriebe und dem felderforschenden "teamworking". Franz Ronneberger kommt das besondere Verdienst zu, der Kommunikationswissenschaft, Kommunikationspolitik, Journalistik und Public Relations im deutschen Sprachraum die Hochschulfähigkeit verschafft zu haben.

Schriften


* Bismarck und Südosteuropa. Berlin: Junker u. Dünnhaupt 1941.
* Verwaltung im Ruhrgebiet als Integrationsproblem. Stuttgart, Köln: W. Kohlhammer 1957.
* Stefan Lambrecht (d.i. Franz Ronneberger) Die Soziologie. Aufstieg einer Wissenschaft. Ein Leitfaden für Praxis und Bildung. Stuttgart-Degerloch: Seewald 1958 (3. Auflage 1963).
* Staatsverfassungstendenzen der Südoststaaten seit 1945: ein Beitrag zu Sozial- und Verfassungsstruktur von Entwicklungsländern. München: Südosteuropa Verl. 1961.
* Das Verfassungsproblem in den Entwicklungsländern, in Der Staat, 1, 1962, S. 39-77.
* Südosteuropa in den internationalen politischen Beziehungen der Gegenwart. München: Südosteuropa-Ges. 1968.
* Verwaltung und Öffentlichkeit : Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung über Verwaltungsreform u. soziales Verhalten in Nordrhein-Westfalen (zusammen mit Jürgen Walchshöfer). Essen: Siedlungsverb. Ruhrkohlenbezirk 1970
* Sozialisation durch Massenkommunikation. Stuttgart, 1971, ISBN 3-432-017294.
* Beamte im gesellschaftlichen Wandlungsprozess: Soziale Stellung u. soziales Bewusstsein von Beamten in d. Bundesrepublik (zusammen mit Udo Rödel). Stuttgart : Kohlhammer 1971, ISBN 3-17-109021-X
* Wege der Meinungsbildung in der komplexen Gesellschaft. Hannover: Niedersächsische Landeszentrale f. Politische Bildung 1972
* Sozialer Wandel in Jugoslawien: Genossenschaften als Träger sozialistischer Reformpolitik auf d. Lande (zusammen mit Borislav Radovanović) Köln: Verlag Wissenschaft und Politik 1974,ISBN 3-8046-8483-1
* Der "hässliche" Beamte : Kritik u. Gegenkritik d. Berufsbeamtentums (zusammen mit Udo Rödel und Jürgen Walchshöfer) Bonn- Bad Godesberg: Godesberger Taschenbuch-Verlag 1975, ISBN 3-87999-007-7
* Streitpunkt lokales Pressemonopol: Unters. zur Alleinstellung von Tageszeitungen (zusammen mit Elisabeth Noelle-Neumann und Heinz-Werner Stuiber). Düsseldorf: Droste 1976, ISBN 3-7700-4027-9
* Legitimation durch Information = Legitimation by information [deutsch u. englisch]. Düsseldorf, Wien: Econ-Verlag 1977, ISBN 3-430-17824-X
* Türkische Kinder in Deutschland, Nürnberg: Nürnberger Forschungsvereinigung 1977, ISBN 3-921453-08-9
* Public Relations der politischen Parteien. Nürnberg: Verlag der Nürnberger Forschungsvereinigung 1978, ISBN 3-921-453-13-5
* Kommunikationspolitik I. Institutionen, Prozesse, Ziele. Mainz: v. Hase & Koehler 1978, ISBN 3-7758-0947-3
* Kommunikationspolitik II. Kommunikationspolitik als Gesellschaftspolitik. Mainz: v. Hase & Koehler 1980,ISBN 3-7758-1108-7
* Kommunikationspolitik III. Kommunikationspolitik als Medienpolitik. Mainz: v. Hase & Koehler 1986, ISBN 3-7758-0994-5
* Autonomes Handeln als personale und gesellschaftliche Aufgabe. Ergebnisse aus d. Arbeit d. Sonderforschungsbereichs 22 für Sozialisations- u. Kommunikationsforschung an d. Univ. Erlangen-Nürnberg (zusammen mit Hans-Jürgen Seel und Manfred Stosberg) Opladen: Westdeutscher Verlag 1981, ISBN 3-531-11502-2
* Beiträge zu Public Relations der öffentlichen Verwaltung. Düsseldorf: Verlag für Dt. Wirtschaftsbiographien Flieger 1982.
* Public Relations der Non-Profit-Organisationen. Theoretische Ansätze, Forschungsergebnisse u. praktische Erfahrungen aus e. PR-Seminar (zusammen mit Manfred Rühl) Düsseldorf: Verlag für Dt. Wirtschaftsbiographien Flieger 1982.
* Public Relations zur Zukunftssicherung. Hinweise zur Überlebensstrategie der technisch-wissenschaftlichen Zivilisation. Düsseldorf: Verlag für deutsche Wirtschaftsbiographien Flieger 1982.
* Gastarbeiterpolitik oder Immigrationspolitik (zusammen mit Rudolf Vogel) München, Wien: Olzog, 1982, ISBN 3-7892-9889-1.
* Neue Medien: Vorteile u. Risiken für d. Struktur d. demokratischen Ges. u. d. Zusammenhalt d. sozialen Gruppen. Literaturstudie (zusammen mit Ulla Meister und Manuela Reith) Konstanz: Universitätsverlag 1982, ISBN 3-87940-218-3.
* Unentbehrlichkeit des Staates. Regensburg: Verlag Recht, Verwaltung, Wirtschaft 1983,ISBN 3-88938-003-4
* Public Relations für die unternehmerische Wirtschaft. (zusammen mit Heinz Flieger) Wiesbaden: Verlag für Dt. Wirtschaftsbiographien Flieger, 1983.
* Politische Systeme in Südosteuropa. München, Wien: Olzog 1983,ISBN 3-7892-9895-6.
* Public Relations des politischen Systems. Staat, Kommunen u. Verbände. Wiesbaden: Verlag für Dt. Wirtschaftsbiographien Flieger, 1983,ISBN 3-89022-012-6.
* Politische Herrschaft und politische Ordnung (zusammen mit Helmut Wagner, Winfried Steffani, Albrecht Tyrell, Rüdiger Thomas) Mainz : v. Hase u. Koehler 1983, ISBN 3-7758-1045-5.
* Public Relations für die Architekten: Ergebnisse e. Forschungsseminars (zusammen mit Heinz Flieger) Wiesbaden: Verlag für Dt. Wirtschaftsbiographien Flieger 1984, ISBN 3-89022-021-5.
* Zwischen Zentralisierung und Selbstverwaltung: Bürokratische Systeme in Südosteuropa. München: Südosteuropa-Ges. 1988, ISBN 3-925450-07-6.
* Interkulturelle Kommunikation in Südosteuropa. Möglichkeiten und Probleme. München: Südosteuropa-Ges. 1989,ISBN 3-925450-17-3.
* Journalistisches Handeln im lokalen Rundfunk (zusammen mit Barbara Koller, Ingrid Hamm, Monika Hehr-Koch). Düsseldorf : Presse- u. Informationsamt d. Landesregierung Nordrhein-Westfalen 1988.
* Theorie der Public Relations. Ein Entwurf (zusammen mit Manfred Rühl) Opladen: Westdeutscher Verlag 1992, ISBN 3-531-12118-9
* Public-Relations-Anfänge in Deutschland. Festschrift zum 100. Geburtstag von Carl Hundhausen (zusammen mit Heinz Flieger) Wiesbaden: Verl. für Dt. Wirtschaftsbiographien 1993.

* Die Wiedervereinigung. Aufzeichnungen 1989/91. Nürnberg: Kommunikationswissenschaftliche Forschungsvereinigung 1991.ISBN 3-921453-36-4

Festschriften

* Hg.: Manfred Rühl, Jürgen Walchshöfer: Politik und Kommunikation. Festgabe für Franz Ronneberger zum 65. Geburtstag. Nürnberg: Verlag d. Nürnberger Forschungsvereinigung 1978, ISBN 3-921453-12-7.
* Hg. Manfred Rühl, Heinz-Werner Stuiber: Kommunikationspolitik in Forschung und Anwendung. Festschrift für Franz Ronneberger. Düsseldorf: Droste 1983. ISBN 3-7700-4038-4.

*

Literatur


* Carsten Klingemann: Franz Ronneberger: Sozialwissenschaft - Publizistik - Nachrichtendienst. Zum Verhältnis von 'Intelligence' und Wissenschaft. In: Holtz-Bacha/Kutsch/Langenbucher/Schönbach Hg. Fünfzig Jahre Publizistik. Wiesbaden: VS Verlag 2006, S. 144-175. ISBN 3-531-14467-7
* René König: Rez. Stefan Lambrecht: Die Soziologie, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 12, 1960, S. 139-140.
* Franz Ronneberger: Sozialisation durch Massenkommunikation. Stuttgart, 1971, ISBN 3-432-017294.
* Manfred Rühl: Journalistik und Journalismen im Wandel. Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17867-7
* Ivonne Junghänel: Franz Ronneberger. Kommunikationswissenschaftliches Werk unter besonderer Berücksichtigung der PR-wissenschaftlichen Schriften. Magisterarbeit, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, Universität Leipzig 2001.
* Jan Tonnemacher: Franz Ronneberger: Kommunikationspolitik I-III, in: Holtz-Bacha/Kutsch Hg. Schlüsselwerke für die Kommunikationswissenschaft. Wiesbaden 2002, S. 377-380, ISBN 3-531-13429-9.
* Manfred Rühl: Kommunikationskulturen der Weltgesellschaft. Theorie der Kommunikationswissenschaft. Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-14063-6.
* Peer Heinelt: PR-Päpste: Die kontinuierlichen Karrieren von Carl Hundhausen, Albert Oeckl und Franz Ronneberger, Berlin 2003, ISBN 3-320-02936-3.
* Peer Heinelt,: Portrait eines Schreibtischtäters. Franz Ronneberger (1913-1999). In: Wolfgang Duchkowitsch u.a. (Hg.): Die Spirale des Schweigens. Zum Umgang mit der nationalsozialistischen Zeitungswissenschaft. Wien 2004, S. 193–218. ISBN 3-8258-7278-5.

* Lutz Hachmeister Hg. Grundlagen der Medienpolitik. Ein Handbuch. München 2008, ISBN 978-3-421-04297-2

Weblinks


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Notizen



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