Franz Ferdinand von Österreich-Este
miniatur|Unterschrift Franz Ferdinands
Franz Ferdinand von Österreich-Este (* 18. Dezember 1863 in Graz; † 28. Juni 1914 in Sarajevo) war österreichischer Erzherzog und seit 1896 Thronfolger von Österreich-Ungarn. Das Attentat von Sarajevo, bei dem er und seine Frau ums Leben kamen, gilt als Auslöser des Ersten Weltkriegs. Franz Ferdinand ist der Stammvater des Geschlechts der Herzöge und Fürsten von Hohenberg.
Leben
Kindheit und Jugend
Franz Ferdinand war Sohn von Karl Ludwig von Österreich und Prinzessin Maria Annunziata von Neapel-Sizilien und der Neffe des regierenden Kaisers Franz Joseph I. Mit bereits acht Jahren Halbwaise geworden, hatte Franz Ferdinand nie eine innige Beziehung zu seiner Mutter. Diese schränkte zudem aufgrund ihrer Lungenkrankheit den Kontakt mit anderen Menschen stark ein. Die Sommer verbrachte er bei Reichenau an der Rax in der Villa Wartholz. Mit seinem Cousin, Rudolf, dem Thronerben des regierenden Kaisers, war er eng befreundet.
Jagd
miniatur|Franz Ferdinand mit erlegtem Elefanten 1893
Franz Ferdinand erlegte bereits mit neun Jahren sein erstes Wild. Die Jagd wurde später seine große Leidenschaft.Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand. Der verhinderte Herrscher. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, S. 52–59. Wie aus den vollständig erhaltenen Schusslisten hervorgeht, erlegte Franz Ferdinand im Laufe seines Lebens 274.511 Stück Wild.Friedrich Weissensteiner: Ein Aussteiger aus dem Kaiserhaus. Johann Orth: Das eskapadenreiche Leben des Erzherzogs Johann Salvator. Eine Biographie. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1985, ISBN 3-215-05342-X, S. 84. Darunter, bei Großwildjagden auf seinen langen Weltreisen, viele exotische Tiere wie Tiger, Löwen und Elefanten. Allein im Jahr 1911 erlegte er 18.799 Stück Wild,Wladimir Aichelburg: Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Artstetten. Lehner, Wien 2000, ISBN 3-901749-18-7, S. 33. „Tagesrekord“ waren an einem Junitag 1908 2.763 Lachmöwen.Gerhard Roth: Eine Reise in das Innere von Wien. Essays. S. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-10-066045-5, S. 182. Seine riesige Trophäensammlung befindet sich noch heute auf Schloss Konopiště. Die „ans Süchtige grenzenden Leidenschaft“, von der Nachwelt als „feudale Massenschlächterei“ „Wildschlächterei, Aasen, Massenmord“ bezeichnet,Emil Franzel: Franz Ferdinand d'Este. München 1964, S.60; und Wolfram G. Theilemann: Adel im grünen Rock. Adliges Jägertum, Grossprivatwaldbesitz und die preussische Forstbeamtenschaft 1866-1914. Akademie Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-003556-0, S. 140. war eine der dunkelsten Seiten im Persönlichkeitsbild Franz Ferdinands.Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand. Der verhinderte Herrscher. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, S. 224.
Erbschaft d’Este
miniatur|Erzherzog Franz Ferdinand
Siehe Hauptartikel: Österreich-Este
Franz V., Herzog von Modena, Massa, Carrara und Guastalla († 20. November 1875) bot dem Vater von Franz Ferdinand an, einen seiner Söhne als Erben einzusetzen – unter der Bedingung, dass dieser den Namen Este annehmen und innerhalb von 12 Monaten leidlich Italienisch lernen solle. Karl Ludwig informierte seine beiden älteren Söhne davon (Erzherzog Ferdinand Karl war noch zu jung), wobei Erzherzog Otto das Ansinnen, die italienische Sprache zu erlernen, strikt ablehnte. Franz Ferdinand hingegen verpflichtete sich dazu. Nachdem der Kaiser seine Erlaubnis erteilt hatte, wurde "-Este" seinem habsburgischen Namen angefügt, und er erhielt Italienischunterricht. Das Erlernen des Italienischen fiel ihm allerdings sehr schwer, da er im Gegensatz zu den meisten anderen Mitgliedern der Familie nicht besonders sprachbegabt war. Er übertrug seine Abneigung gegen die Sprache auch auf die Italiener und besichtigte in der Folge niemals seine ausgedehnten Besitzungen in Oberitalien. Qua Testament durfte er das Erbe nicht veräußern. Sein Vater erzog ihn zu eiserner Sparsamkeit, um mit den ererbten Gütern und Unternehmen Gewinn zu erzielen.Sigrid-Maria Größing: Mord im Hause Habsburg Nach der Ermordung des Thronfolgers im Jahr 1914 ging der Name Österreich-Este auf Franz Ferdinands Großneffen Erzherzog Robert über, den Sohn des späteren Kaisers Karl I..
Ausbildung
Unterrichtet wurde er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Otto Franz Joseph privat unter der Leitung von Oberst Ferdinand Graf Degenfeld.
Seine Stiefmutter Marie Therese von Portugal suchte dann neue Lehrer und gewann den Historiker Onno Klopp (1876–1882) und den Propst Godfried Marschall. Beide gewannen großen Einfluss auf den jungen Erzherzog und prägten seine Lebenseinstellung entscheidend. Klopp beeinflusste den jungen Mann, indem er ihm ein übersteigertes habsburgisches Sendungsbewusstsein vermittelte, hielt ihm Vorträge hinsichtlich seiner hohen Berufung und des Gottesgnadentums. Seinem neuen Religionslehrer Marschall gelang es, die Zuneigung Franz Ferdinands zu erringen. Marschall, der 1880 Propst der Wiener Votivkirche und 1901 Weihbischof in Wien wurde, war viele Jahre engster Freund und Berater Franz Ferdinands und hatte großen Einfluss auf ihn. Das Vertrauensverhältnis zerbrach später aufgrund der morganatischen Ehe des Thronfolgers.Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher. Österr. Bundesverlag, Wien 1983, S. 65–68
Vor der Thronfolge
right|150px|Die Seereise-Denkmünze 1892-1893
Ab 1878 erhielt Franz Ferdinand eine militärische Ausbildung, die ihn durch die ganze Monarchie führte: er war der bei der Infanterie in Böhmen, den Husaren in Ungarn und den Dragonern in Oberösterreich. 1899 wurde er zum General der Kavallerie befördert. Während seiner Militärzeit erkrankte er mehrmals an Lungentuberkulose, an der schon seine Mutter gestorben war, und musste im Herbst 1895 sogar vorübergehend aus dem aktiven Dienst scheiden.
Von 1892 bis 1893 unternahm er auf ärztlichen Rat mit einer großen Gefolgschaft eine Weltreise auf dem Torpedorammkreuzer SMS Kaiserin Elisabeth. Offiziell wurde die Reise als wissenschaftliche Expedition deklariert, damit sie unverdächtig hinsichtlich seiner Gesundheit wirkte und die Gerüchte über die angegriffene Gesundheit des Erzherzogs zum Verstummen brachte.Friedrich Weissensteiner, Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher, Öst. Bundesverlag, Copyr. 1983, S. 85–88 Die Reise führte ihn von Triest nach Indien, Indonesien, Australien, Japan, Kanada und Nordamerika. Seine so entstandenen Eindrücke und Erfahrungen beschrieb er im Buch Tagebuch meiner Reise um die Erde (Wien, Alfred Hölder, 1895). 14.000 ethnologische Objekte dieser Reise befinden sich heute im Wiener Völkerkundemuseum. In den Wintern 1895 und 1896 unternahm er weitere ausgedehnte Kuraufenthalte, unter anderem in Ägypten, und erholte sich entgegen vielen Erwartungen von seiner Krankheit.
Nach dem Selbstmord seines Cousins Kronprinz Rudolf auf Schloss Mayerling am 30. Januar 1889 und dem Tod seines Vaters Karl Ludwig am 19. Mai 1896 wurde Franz Ferdinand österreichischer Thronfolger. Mehrere Versuche, ihn standesgemäß zu verheiraten, unter anderem mit der verwitweten Kronprinzessin Stephanie oder der sächsischen Prinzessin Mathilde, schlugen fehl.thumb|Franz Ferdinand mit der [[Seereise-Denkmünze 1892/93]]
Heirat mit Sophie Chotek
thumb|left|Sophie Gräfin Chotek
Am 1. Juli 1900 heiratete Franz Ferdinand Sophie Gräfin Chotek, Hofdame (von Erzherzog Friedrich und dessen Gattin Isabella von Croy-Dülmen) und Tochter eines böhmischen Grafen, die anlässlich der Hochzeit zur „Fürstin von Hohenberg“ und erst 1909 zur Herzogin von Hohenberg erhoben wurde. Trotz ihrer Herkunft aus dem böhmischen Uradel (siehe Chotek von Chotkow) galt sie als den Habsburgern nicht ebenbürtig; außerdem wurde sie von ihr übel gesinnten Höflingen als schlicht, herb, selten lächelnd, dienstwillig, hausfraulich, bescheiden und buchstabengetreu gottesfürchtig wahrgenommen. Da sich Kaiser Franz Joseph I. nicht dazu überwinden konnte, ihre Familie in die Liste der ebenbürtigen Geschlechter aufzunehmen, erlaubte er nach langem Widerstreben nur eine morganatische Heirat unter der Bedingung, dass Sophie nicht „die künftige Kaiserin-Gemahlin“, sondern nur „Gemahlin des künftigen Kaisers“ werde und die späteren Nachkommen des Paares, die den Familiennamen von Hohenberg trugen, keinen Anspruch auf den Thron hätten. Franz Ferdinand unterzeichnete in einem offiziellen Akt diesen Thronverzicht für seine Nachkommen aus der geplanten morganatischen Ehe mit Sophie am 28. Juni 1900.
Diese strengen erbrechtlichen Vorschriften galten nur für Österreich. In Böhmen und Ungarn hingegen hätte Sophie durchaus Königin und ihre Kinder Thronerben werden können. Franz Ferdinand verzichtete auf diese Ansprüche allerdings im Hinblick auf die Einheit des Reiches.Friedrich Weissensteiner, Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher, Öst. Bundesverlag, Copyr. 1983, S. 114–138
Die Hochzeit mit Sophie brachte Franz Ferdinand in einen großen Konflikt mit seinen Verwandten. Franz Ferdinands jüngere Brüder Otto und Ferdinand Karl erschienen nicht zur Hochzeit, ebenso wenig die Schwester Margarete Sophie. Nur seine Stiefmutter Maria Theresa kam mit ihren beiden Töchtern Maria Annunziata und Elisabeth Amalie.
Der Ehe von Franz Ferdinand mit Sophie von Hohenberg entsprossen vier Kinder:* Sophie, Fürstin von Hohenberg (1901–1990) ∞ 1920 Friedrich Graf von Nostitz-Rieneck (1893–1973)
* Maximilian, Herzog von Hohenberg (1902–1962) ∞ 1926 Elisabeth Gräfin von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee
* Ernst, Fürst von Hohenberg (1904–1954) ∞ 1936 Maria Therese Wood
* Totgeborener Sohn (*/† 1908)
Die Familie hatte ihren Sitz im Schloss Belvedere in Wien, ihre Sommerresidenz war Schloss Konopiště in Böhmen.
Politik
thumb|Franz Ferdinand (rechts) bei einem Kaisermanöver 1909
Trotz seiner Reformpläne und seiner morganatischen Ehe ist er nie zu einer populären Figur geworden, was wohl auch an seinem als schroff und wenig gewinnend beschriebenem Wesen liegen dürfte. Karl Kraus, der mit ihm zeitweise sympathisierte, formulierte es in seinem Nachruf so: Er war kein Grüßer (…) Auf jene unerforschte Gegend, die der Wiener sein Herz nennt, hatte er es nicht abgesehen. Die Fackel vom 10. Juli 1914Sein bis ins Reaktionäre gehendes Unverständnis gegenüber allen neuen kulturellen Entwicklungen trug zusätzlich zu einem schlechten Nachruhm bei.
Obwohl er offiziell nie an der Führung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn beteiligt war, wirkte Franz Ferdinand aktiv in der kaiserlichen Politik mit. Dazu residierte er mit einem Beraterstab – der sogenannten „Militärkanzlei“, deren wichtigste Mitarbeiter Oberst Carl von Bardolff und Alexander von Brosch-Aarenau waren – im Schloss Belvedere. Nach seiner Thronbesteigung hätte er den Namen Franz II. gewählt. Er forcierte den militärischen Aufbau der Streitkräfte (Armee und Kriegsmarine) und plante die Stärkung der Zentralmacht und Schwächung des Dualismus.
Die Reformen hätten den Zusammenschluss von Kroatien, Bosnien und Dalmatien zu einem eigenen Reichsteil (Südslawien) zur Folge gehabt, was mit dem Interesse Serbiens konkurriert hätte, ein südslawisches Königreich unter serbischer Führung zu gründen. Diese Pläne und die angeheizte öffentliche Diskussion schürten den Hass der Serben gegen Franz Ferdinand und die Habsburger.
Der „Trialismus“ (Österreich-Ungarn-Südslawien) war als ein Schritt in Richtung der von Aurel Popovici lancierten Vereinigten Staaten von Groß-Österreich gedacht. Auf jeden Fall hätten diese Pläne die staatsrechtliche Auflösung der Union von Ungarn und Kroatien zur Folge gehabt, was Franz Ferdinand die Feindschaft der Ungarn zugezogen hätte.
Franz Ferdinand entwickelte sich dadurch zu einem gefährlichen Gegner aller Kreise bei Hofe, die durch seinen Herrschaftsantritt aus ihrer Beschaulichkeit gerissen worden wären, der ihm verhassten Ungarn und vor allem der serbischen Nationalisten.
Franz Ferdinand sorgte dafür, dass der 1911 wegen der Verfolgung von Präventivkriegsplänen gegen Serbien von seinem Onkel entlassene Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf 1912 in sein Amt zurückkehren konnte. Allerdings war Franz Ferdinand ein Gegner des unüberlegten militärischen Dreinschlagens und wollte einen Krieg mit Russland vermeiden, damit der Zar und der Kaiser von Österreich sich nicht gegenseitig vom Thron stürzen und der Revolution den Weg freimachen. Dabei trat er immer wieder in Gegensatz zu Conrad von Hötzendorf, der ein Vertreter von Präventivkriegen war. Auch ein Krieg gegen Serbien wurde von Franz Ferdinand schon 1913 in einem Brief an Leopold Graf Berchtold abgelehnt: Führen wir einen Spezialkrieg mit Serbien, so werden wir es in kürzester Zeit über den Haufen rennen, aber was dann? Und was haben wir davon? Erstens fällt dann ganz Europa über uns her (…) und Gott behüte uns, wenn wir Serbien annektieren; ein total verschuldetes Land mit Königsmördern, Spitzbuben etc. Und wo wir noch nicht einmal mit Bosnien fertig werden (…) Und jetzt gibt es meiner Meinung nach nur die Politik, zuzuschauen, wie sich die anderen die Schädel einhauen, sie soviel als möglich aufeinanderhetzen und für die Monarchie den Frieden zu erhalten.zit. nach Friedrich Weissensteiner, Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher. Österr. Bundesverlag, Wien 1983, S. 214thumb|right|Franz Ferdinand als Kaiser von Österreich, Porträt von Wilhelm Vita (HGM).
Im so genannten „Sarajevo-Saal“ des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums befindet sich ein besonders kurioses Ölgemälde von Wilhelm Vita. Das Porträt zeigt den Erzherzog im weißen Galawaffenrock im Rang eines Feldmarschalls sowie mit den vier Großkreuzen des Maria-Theresia-Ordens, des k.u. Sankt Stephans-Ordens und Leopold-Ordens sowie des Ordens der Eisernen Krone. Es sind dies, mit Ausnahme des Stephans-Ordens, durchwegs Attribute, die Franz Ferdinand als Erzherzog und Thronfolger nicht zustanden, die er aber im Fall einer Thronbesteigung angelegt hätte.Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 56 f. Das Bild wurde wohl bei dem in Hofkreisen als Maler offizieller Porträts sehr geschätzten Wilhelm Vita als Teil von vorbereitenden Maßnahmen getroffen. Es stellt demnach Franz Ferdinand als Kaiser dar und mag für den Fall der Thronbesteigung als Vorlage für offizielle Kaiserbilder in Schulen oder auf Briefmarken und dergleichen vorgesehen gewesen sein. Nach der Ermordung des Thronfolgers wurde das zur Utopie gewordene Porträt soweit übermalt, dass es wieder mit der realen Vergangenheit übereinstimmte. In diesem Zustand wurde das Gemälde vom Heeresgeschichtlichen Museum 1959 aus Privatbesitz erworben und nach Entfernung der Übermalungen der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt. Heute zeigt es in eindringlicher Weise den Unterschied zwischen der Wunschvorstellung des Erzherzogs und der Wirklichkeit.Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume'', Salzburg 1981, S. 52.
Attentat von Sarajevo
thumb|Das Auto in dem Franz Ferdinand erschossen wurde ([[Heeresgeschichtliches Museum|Heeresgeschichtliches Museum Wien)]]
{{Hauptartikel|Attentat von Sarajevo}}
Im Rahmen von Manöver-Besuchen hielten sich Franz Ferdinand und seine Frau im Juni 1914 in Bosnien-Herzegowina auf. Am 28. Juni 1914 statteten sie dessen Hauptstadt Sarajevo einen offiziellen Besuch ab. Die Untergrundorganisation „Mlada Bosna“ plante mit Hilfe von Mitgliedern der serbischen Geheimorganisation „Schwarze Hand“ zu diesem Anlass ein Attentat. Nach einem zunächst fehlschlagenden Attentat mit einer Handgranate tötete der 19-jährige Schüler Gavrilo Princip kurz darauf den Erzherzog und seine Frau mit zwei Pistolenschüssen, wobei der Thronfolger an der Halsvene und der Luftröhre getroffen worden war, kurz darauf das Bewusstsein verlor und verblutete.Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Saal VI - Die k.(u.)k. Armee von 1867-1914. Wien 1989, S. 53. Das Automobil, in welchem Franz Ferdinand und seine Frau erschossen wurden, kann im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien besichtigt werden, wobei das Durchschussloch jenes Geschosses, das Sophie tödlich traf, deutlich zu sehen ist. Ebenso kann die blutüberströmte Uniform des Thronfolgers in selbigem Museum besichtigt werden.Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 63.
Begräbnis
thumb|right|Die blutbefleckte Generalsuniform Franz Ferdinands im Heeresgeschichtlichen Museum
Die Begräbnisfeierlichkeiten wurden auf Befehl des Kaisers vom Ersten Obersthofmeister Alfred Fürst Montenuovo ausgearbeitet. Franz Ferdinand und Sophie Chotek wurden nach einem vom Hofe wegen der nicht standesgemäßen Heirat bewusst bescheiden gehaltenen „Begräbnis III. Klasse“ in der Familiengruft des Schlosses Artstetten in Niederösterreich beigesetzt. Der Monarch konnte dem Thronfolger die morganatische Ehe gegen seinen Willen nicht verzeihen, daher kam eine Bestattung in der Kapuzinergruft nicht in Frage. Da Franz Ferdinand dies gewusst hatte, aber unter allen Umständen an der Seite seiner Gattin begraben werden wollte, hatte er bereits zu Lebzeiten vorgesorgt und in seinem Schloss Artstetten eine Gruft errichten lassen.Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher. Öst.Bundesverlag, 1983, S. 39. Aus dem Nachlass Franz Ferdinands wurde von seinen Nachfahren im Schloss ein Museum errichtet, das ihn nicht nur als Amtsperson und Würdenträger, sondern auch als Privatmenschen zeigt.
Politische Folgen des Attentats
miniatur|Die Marmorsärge von Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie
{{Hauptartikel|Julikrise}}
Wie aus Protokollen von Sitzungen des k.u.k. Ministerrates für gemeinsame Angelegenheiten hervorgeht, wollte Österreich-Ungarn Serbien daraufhin mit einem Krieg für immer unschädlich machen, und stellte der serbischen Regierung am 23. Juli 1914 ein äußerst hartes, auf 48 Stunden befristetes Ultimatum, in dem es u.a. die Unterdrückung jeglicher Aktionen und Propaganda gegen die territoriale Integrität der österreich-ungarischen Monarchie verlangte und eine gerichtliche Untersuchung des Attentats unter Mitwirkung österreich-ungarischer Beamter forderte. Das Ultimatum war bewusst so verfasst, dass ein souveräner Staat es nicht akzeptieren konnte. Das Ultimatum drohte allerdings nur mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und (noch) nicht mit Krieg, eine Feinheit, auf deren Betonung der k.u.k. Außenminister Leopold Graf Berchtold großen Wert legte. Serbien antwortete auf das Ultimatum innerhalb der vorgegebenen Frist, akzeptierte es jedoch nicht bedingungslos. Schließlich erklärte Österreich-Ungarn mit deutscher Rückendeckung Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg. Durch die Bündnisverpflichtungen der damaligen Großmächte wurde so der Erste Weltkrieg ausgelöst.
Im Jahr 1912 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) der Esteplatz nach Erzherzog Ferdinand benannt.
Literatur
* Erika Bestenreiner: Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg. Verbotene Liebe am Kaiserhof. Piper, München 2004, ISBN 3-492-04514-6.
* Gordon Brook-Shepherd: Die Opfer von Sarajevo. Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie von Chotek. Engelhorn-Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-87203-037-X.
* Theodor Brückler: Thronfolger Franz Ferdinand als Denkmalpfleger. Die "Kunstakten" der Militärkanzlei im Österreichischen Staatsarchiv (Kriegsarchiv). Böhlau Verlag, Wien 2009. ISBN 978-3-205-78306-0.
* Beate Hammond: Habsburgs größte Liebesgeschichte. Franz Ferdinand und Sophie. Ueberreuter, Wien 2001, ISBN 3-8000-3794-7.
* Robert Hoffmann: Erzherzog Franz Ferdinand und der Fortschritt. Altstadterhaltung und bürgerlicher Modernisierungswille in Salzburg. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 1994.
* Hertha Pauli: Das Geheimnis von Sarajevo. Paul Zsolnay, Wien/Hamburg 1966.
* Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand, der verhinderte Herrscher. Piper, München 1999, ISBN 3-492-21532-7.
* Lucian O. Meysels: Die verhinderte Dynastie. Erzherzog Franz Ferdinand und das Haus Hohenberg. Molden-Verlag, Wien 2000, ISBN 978-3-85485-051-9.
* Justin Stagl (Hg.): Ein Erzherzog reist. Beiträge zu Franz Ferdinands Weltreise. Salzburg 2001.
Einzelnachweise
Weblinks
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* [http://www.btinternet.com/~j.pasteur/FFINDEX.html Leben und Geschichte Franz Ferdinands (engl.)]
* [http://historicaltextarchive.com/books.php?op=viewbook&bookid=9&cid=4 Miklós Horthys Erinnerungen an Franz Ferdinand (engl.)]
* [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&datum=19140629&zoom=2 Attentat auf Franz Ferdinand in der österreichischen Presse (Österreichische Nationalbibliothek)]
* [http://www.bildarchivaustria.at/Searcharchiv.aspx?txtQuickSearch=Franz+Ferdinand+Oesterreich+Este Bilder von Franz Ferdinand im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek]
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