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Drogenkrieg in Mexiko

25.05.2012 @ 19:26, Letdemsay,

miniatur|hochkant=1.5|Mexikanisches Militär im Kampf im Bundesstaat Michoacán (2007)

Als Drogenkrieg in Mexiko werden die bewaffneten Konflikte in Mexiko bezeichnet, die sowohl von Polizei- und Militäreinheiten gegen die im Drogenhandel tätigen kriminellen Organisationen (sog. mexikanische Drogenkartelle) als auch unter den Angehörigen der Drogenkartelle selbst ausgetragen werden. Seit 2006 hat der Drogenkrieg über 47.000 Opfer gefordert. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung bewertete 2010 den Konflikt neu als innerstaatlichen Krieg.{{Internetquelle | hrsg=HIIK | url=http://www.hiik.de/de/konfliktbarometer/pdf/ConflictBarometer_2010.pdf | titel=Conflict Barometer 2010 | werk= | datum=2010-09-06 | sprache=en|kommentar=pdf, S. 50ff. | zugriff=2011-05-18 }}

Zurzeit stehen ungefähr 50.000 Armeeangehörige und 35.000 Bundespolizisten gegen schätzungsweise 300.000 Angehörige der mexikanischen Drogenkartelle und ihre paramilitärischen Einheiten im Einsatz. Die Drogenkartelle kämpfen mit hochmodernen Schusswaffen sowie mit Granatwerfern und Handgranaten. Sie haben mittels ihrer territorialen Herrschaft in einigen Grenzregionen zu den USA das Gewaltmonopol des mexikanischen Staates faktisch außer Kraft gesetzt.

Entwicklung des Konflikts


miniatur|Karte aller Bundesstaaten Mexikos (rot: heftige Konflikte)

Entstehung


Gewalttätige Konflikte zwischen den Drogenkartellen gab es bereits in den 1990er und in den frühen 2000er Jahren. So wurden während der sechsjährigen Amtszeit von Vicente Fox (2000 bis 2006) etwa 9000 Personen in Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel getötet. Die mexikanische Regierung verhielt sich trotzdem lange passiv. Dies änderte sich erst mit der Wahl des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón, der die Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität in Mexiko zu einem seiner wichtigsten Ziele für seine Amtszeit 2006 bis 2012 erklärte. Am 11. Dezember 2006 sandte er 6500 Militärangehörige in den Bundesstaat Michoacán, um die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Drogenkartellen zu beenden. Diese Handlung gilt allgemein als der Beginn des Drogenkrieges zwischen dem mexikanischen Staat und den Drogenkartellen.

Konfliktparteien


Polizei


Zur mexikanischen Polizei werden die Polizeikräfte der Gemeinden, Städte und Bundesstaaten sowie die zentrale Bundespolizei gezählt. Am meisten Polizisten (über 425.000) arbeiten für die Gemeinden; die Munizipalpolizei ist häufig schlecht entlohnt und wenig ausgebildet. Die Bundespolizei besteht aus ungefähr 34.500 Polizisten. Weil jeder Gliedstaat und jede Gemeinde ein eigenes Corps hat, gibt es über 2000 Einheiten. Die von Präsident Calderón angestrebte Vereinheitlichung der Polizei stößt indessen im Parlament auf Widerstand der kommunalen Behörden und der Gouverneure der Bundesstaaten.{{Internetquelle | autor=Alex Gertschen | url=http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/moral_fuer_den_krieg_ohne_absehbares_ende_1.7458708.html | titel=Moral für den Krieg ohne absehbares Ende | werk=Neue Zürcher Zeitung | datum=2010-09-06 | zugriff=2011-01-30 }}

Das Korps der Munizipalpolizei gilt als besonders anfällig für Korruption.{{Internetquelle | autor=Gudrun Springer | url=http://derstandard.at/1285199880800/Interview-Die-Kartelle-haben-ueberall-ihre-Spione-und-Kollaborateure | titel=Die Kartelle haben überall ihre Spione und Kollaborateure | hrsg=Der Standard | kommentar=Interview mit Karl-Dieter Hoffmann | datum=2010-10-03 | zugriff=2011-01-30 }} Es werden immer wieder Fälle bekannt, in denen kommunale Polizisten selbst kriminell verwickelt waren oder sogar Angehörige anderer staatlicher Behörden ermordeten. Aber auch die Bundespolizei gilt als korrumpierbar. So wurde im August 2010 die Entlassung von ungefähr 4700 Bundespolizisten angekündigt, weil sie sich nicht als vertrauenswürdig erwiesen hätten.{{Internetquelle | url=http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/20681661 | titel=3220 Polizisten in Mexiko entlassen | werk= 20 Minuten Online | datum=2010-08-31 | zugriff=2011-01-30 }} Nach Schätzungen sollen 5 bis 15 Prozent der Sicherheitskräfte mit den Kartellen zusammen arbeiten.{{Internetquelle | autor=Toni Keppeler | url=http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/offene-schlacht | titel=Offene Schlacht | werk=die tageszeitung | datum=2010-12-23| zugriff=2010-12-28 }}

Militär


Die mexikanischen Streitkräfte, die sich in die Bereiche Heer und Marine trennen, unterstehen dem mexikanischen Verteidigungsministerium. Von den ungefähr 200.000 Militärangehörigen sind über 50.000 Soldaten im Drogenkrieg engagiert.

Drogenkartelle


miniatur|Einflussbereiche der Kartelle in Mexiko (2008)

Die bereits in den 1990er-Jahren entstandenen Drogenkartelle{{Internetquelle | url=http://www.spiegel.de/flash/flash-24006.html | titel=Mexiko im Griff der Kartelle | hrsg=Spiegel Online | zugriff=2012-02-07 | format=flash }} (Golf-Kartell, Juárez-Kartell, Tijuana-Kartell und das unterdessen mächtigste Drogenkartell, das Sinaloa-Kartell) und neuere wie das Beltrán-Leyva-Kartell, La Familia Michoacana und Los Zetas sind in die Kämpfe untereinander oder gegen die mexikanischen Sicherheitskräfte involviert.

Die zahlreichen Verhaftungen oder Tötungen von Drogenbossen in den fünf Jahren des Drogenkrieges haben die Kräfteverhältnisse zwischen diesen Drogenkartellen nachhaltig verändert. Im Februar 2010 soll sich das Sinaloa-Kartell mit dem Golf-Kartell und La Familia Michoacana verbündet haben, um gemeinsam gegen die anderen Drogenkartelle zu kämpfen.{{Internetquelle | url=http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,738101,00.html | titel=Sinaloa wird Mexikos mächtigstes Drogenkartell | hrsg=Spiegel Online | datum=2011-01-06 | zugriff=2011-01-31 }} Diese Kämpfe sollen unterdessen vorwiegend durch das Sinaloa-Kartell und die Los Zetas beherrscht werden.{{Internetquelle | autor=Eduoardo Castillo, Katherine Corcoran | url=http://www.foxnews.com/world/2011/10/01/2-powerful-cartels-dominate-in-mexico-drug-war | titel=2 powerful cartels dominate in Mexico drug war | werk=Associated Press | datum=2. Oktober 2011 | sprache=en | zugriff=27. Oktober 2011 }}

Anderseits verstärkte sich der Trend zur Fraktionierung der Drogenkartelle. Dies gilt vor allem für die beiden Nachfolgeorganisationen des Beltrán-Leyva-Kartell, das 2010 gegründete Cartel Pacifico Sur und das Cártel Independiente de Acapulco oder für Los Caballeros Templarios, welche aus Teilen der (ehemaligen) La Familia Michoacana bestehen.

Opfer


Todesopfer


{| class="wikitable float-right"
! colspan=2 | Tote im Drogenkrieg
|-
! align=left |Jahr
! align=right |Anzahl
|-
|2006 (nach 11. Dezember)
|align=right |62
|-
|2007
|align=right |2.826
|-
|2008
|align=right |6.837
|-
|2009
|align=right |9.614
|-
|2010
|align=right |15.273
|-
|2011
|align=right |12.903
|-
!gesamt
! align=right |47.515

|}

Die Regierung Mexikos veröffentlichte im Januar 2011 aufgrund einer neuen Berechnung die Zahl der Todesopfer des Drogenkrieges in den Jahren 2006 bis 2010 (siehe Tabelle rechts).{{Internetquelle | url=http://www.eluniversal.com.mx/notas/736785.html | titel=Poiré: 2010 terminó con 15 mil 273 muertes | autor=Jorge Ramos Pérez | hrsg=El Universal | datum=12. Januar 2011 | zugriff=2011-02-22 | sprache=spanisch }} Danach sind im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg bis Ende 2011 47.515 Todesopfer zu beklagen. Fast die Hälfte aller Todesopfer wurden in den Bundesstaaten Chihuahua, Sinaloa und Guerrero gezählt; die fünf am stärksten betroffenen Städte waren Juárez, Culiacán, Tijuana, Chihuahua und Acapulco de Juárez.{{Internetquelle | url=http://www.eluniversal.com.mx/graficos/pdf11/grafica_seguridad.pdf | titel=El Saldo de la Guerra | hrsg=El Universal | datum= | zugriff=2011-02-22 | sprache=spanisch |format=pdf }} Für 2011 gibt die Regierung die Zahl von 12.903 Toten an.{{Internetquelle | url=http://edition.cnn.com/2012/01/11/world/americas/mexico-death-toll/index.html?hpt=hp_t2 | titel=2011 drug violence kills nearly 13,000 in Mexico, new figures show | autor=Mariano Castillo | hrsg=CNN | datum= 11. Januar 2012 | zugriff=2012-02-07 | sprache=en }}

Es wird davon ausgegangen, dass von neun Getöteten acht Angehörige der Drogenmafia sind. Experten gehen dabei davon aus, dass auf Unternehmungen der Staatsgewalt keine äquivalenten Gegenmaßnahmen seitens der Drogenkartelle folgen, sondern dass diese verstärkt damit beginnen, sich untereinander zu bekämpfen, beispielsweise um sich die weniger werdenden Schmuggelrouten zu sichern. Insgesamt wurden bis März 2010 rund 121.000 Personen festgenommen. Die Zahl an getöteten Militärangehörigen, Polizisten, Staatsanwälten und weiteren in der Justiz tätigen Personen wird mit 1000 angegeben.{{Internetquelle | url=http://www.eluniversal.com.mx/notas/672485.html | titel=Oficial: más de 22 mil 700 muertos por violencia | hrsg=El Universal | datum= | zugriff=2010-06-10 | sprache=spanisch }}

Medienvertreter


Immer häufiger kommen auch Zivilpersonen ums Leben. So wurden zahlreiche Journalisten von Angehörigen der Drogenkartelle mit dem Tode bedroht, entführt oder ermordet, was faktisch zu einer massiven Einschränkung der Pressefreiheit führt.{{Internetquelle | url=http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/pressefreiheit_im_schraubstock_1.4570052.html | titel=Pressefreiheit im Schraubstock | autor=Alex Gertschen | hrsg=Neue Zürcher Zeitung | datum=22. Januar 2010 | zugriff=2010-02-02 }} Laut Angaben der Nationalen Menschenrechtskommission (Comisión Nacional de los Derechos Humanos) wurden 58 Medienschaffende seit 2000 umgebracht. Im Jahr 2010 wurden laut der Jahresbilanz der Reporter ohne Grenzen 7 Medienvertreter ermordet, womit Mexiko zu den gefährlichsten Staaten für Journalisten gehört.{{Internetquelle | url=http://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/rte/docs/2010/101230_Bilanz_dt.pdf | titel=Die Reporter ohne Grenzen-Jahresbilanz 2010 | hrsg=Reporter ohne Grenzen | datum=30. Dezember 2010 | zugriff=2010-12-31 | format=pdf }} Bekanntestes Beispiel ist die im September 2011 enthauptete Journalistin María Elisabeth Macías Castro. Die vielfach verstümmelte Leiche wurde von den Tätern an einer belebten Hauptstraße in der Grenzstadt Nuevo Laredo abgelegt.{{Internetquelle | url=http://www.newsgrape.com/a/blutiger-drogenkrieg-in-mexiko-ein-ueberblick | titel=Blutiger Drogenkrieg in Mexiko - ein Überblick | hrsg=Newsgrape | datum= 3. Oktober 2011 | zugriff=2012-02-07}}{{Internetquelle | url=http://www.taz.de/!78845/ | titel=Mexikanische Journalistin enthauptet | autor=Wolf Dieter Vogel | hrsg= | datum= 26. September 2012 | zugriff=2012-02-07}}

Illegale Einwanderer


Des Weiteren werden immer wieder illegale Einwanderer vor der Grenze zu den USA abgefangen und verschleppt, um von bereits in den Vereinigten Staaten lebenden Verwandten Lösegeld zu erpressen.

Flüchtlinge


Laut einer Untersuchung des Internal Displacement Monitoring Centre sind schon 230.000 Menschen vor der Gewalt im Drogenkrieg geflüchtet. Die Ziele sind teilweise die USA und teilweise weniger gefährliche Regionen Mexikos.{{Internetquelle | autor=Klaus Ehringfeld | url=http://www.fr-online.de/politik/hunderttausende-fliehen-vor-mafia-gewalt/-/1472596/8287732/-/index.html | titel=Hunderttausende fliehen vor Mafia-Gewalt | werk=Frankfurter Rundschau | datum=2011-03-31 | zugriff=2011-04-01 }}

Chronologie außerordentlicher Ereignisse


2008


* Am 15. September 2008, dem 198. Unabhängigkeitstag von Mexiko, starben bei einem Handgranatenanschlag auf dem Marktplatz von Morelia mehrere Zivilpersonen.{{Tagesschau | ID=morelia104 | Beschreibung=Es war wie ein Feuerball, In: Tagesschau, 17. September 2008 | AlteURL=http://www.tagesschau.de/ausland/morelia104.html }} In der Folge wurden drei Angehörige der Los Zetas verhaftet und verdächtigt, das Attentat verübt zu haben.

* Nach einer Schießerei am 26. Oktober 2008 gelang der Polizei die Festnahme von Eduardo Arellano Felix, einem führenden Mitglied des mächtigen Arellano-Kartells.{{Tagesschau | ID=mexikoverhaftung100 |Beschreibung=Drogenboss in Mexiko festgenommen, In: Tagesschau | AlteURL=http://www.tagesschau.de/ausland/mexikoverhaftung100.html }} Die US-Behörden hatten zuvor ein Kopfgeld von 5 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt, nachdem er die Nachfolge seines 2006 inhaftierten Bruders Francisco Javier Arellano Felix angetreten hatte.

* Am 4. November 2008 kamen der mexikanische Innenminister Juan Camilo Mouriño und 13 weitere Personen bei einem Flugzeugabsturz in Mexiko-Stadt ums Leben.{{Tagesschau | ID=mexico102 | Beschreibung=Politiker in Mexiko ermordet? Jeder denkt es, keiner spricht es aus, In: Tagesschau | AlteURL=http://www.tagesschau.de/ausland/mexico102.html }} Zunächst wurde ein Attentat eines Drogenkartells, später die Turbulenzen eines vorausfliegenden Flugzeuges als Unfallursache vermutet.{{Internetquelle | url= http://www.flightglobal.com/articles/2008/11/15/318911/video-turbulence-from-767-suspected-in-mexican-learjet-crash.html | titel=Turbulence from 767 suspected in Mexican Learjet crash| autor=David Kaminski-Morrow | hrsg=Flightglobal | datum=15. November 2008 | zugriff=2010-05-20 | sprache=en }}

2009

  • In einer Mitteilung der US-Botschaft in Mexiko-Stadt aus dem Oktober 2009, die im Rahmen der Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks bekannt wurde, wird erwähnt, dass der damalige mexikanische Staatssekretär für Inneres, Gerónimo Gutiérrez Fernández, vorschlug, die Anstrengungen im Drogenkrieg auf drei wichtige Städte zu konzentrieren, darunter Ciudad Juarez und Tijuana, um schnell Erfolge vorzeigen zu können. Er zeigte sich wegen der Möglichkeit des „Verlierens“ bestimmter Regionen ernsthaft besorgt, denn dies würde Mexikos internationales Ansehen beschädigen, ausländische Investitionen reduzieren und zum Eindruck einer hilflosen Regierung führen.{{Internetquelle | url=http://orf.at/stories/2028781/2028782/ | titel=Anfragen an US-Diplomaten in aller Welt | werk=ORF | datum=2010-12-03 | zugriff=2010-12-03 }}[http://213.251.145.96/cable/2009/10/09MEXICO2882.html 09MEXICO2882, ELEMENTS OF GOM POLICY TEAM INTERESTED IN FOCUSING] Originalquelle (engl.)

    * Am 16. Dezember 2009 wurde Marcos Arturo Beltrán-Leyva, einer der führenden Drogenhändler des Landes, von Soldaten der Marine in einer Luxusresidenz in Cuernavaca im Süden des Landes aufgespürt und getötet. Der Schlag gegen den als „Boss der Bosse“ bezeichneten Beltrán-Leyva wurde als einer der wichtigsten Erfolge im Jahr 2009 für Präsident Calderón in seinem Krieg gegen die Drogenkriminalität angesehen.[http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE5BG02I20091217 Mexikanische Marine erschießt Drogenbaron Beltran Leyva.] In: Reuters, 17. Dezember 2009, abgerufen am 21. Dezember 2009. Danach beanspruchten dessen Bruder Héctor sowie Valdez den Führungsposten.

    2010


    * Ein Massaker am 31. Januar 2010 auf einer Geburtstagsparty in Ciudad Juarez, das von Angehörigen eines Drogenkartells verübt wurde, forderte 17 Todesopfer , die meisten davon unter 18 Jahre alt. Das Verbrechen an den Jugendlichen beruhte anscheinend auf einer Verwechslung. Der Kondolenzbesuch von Präsident Calderón am 14. Februar 2010 bei den Angehörigen der Opfer führte zu Unruhen im Veranstaltungssaal.{{Internetquelle | url= http://derstandard.at/1265852060170/Unruhen-bei-Praesidentenbesuch | titel=Unruhen bei Präsidentenbesuch | hrsg=Der Standard | datum=15. Februar 2010 | zugriff=2010-05-20 }}

    * Am 28. Juni 2010 geriet Rodolfo Torre (46), aussichtsreichster Kandidat bei den Gouverneurswahlen im nordöstlichen Bundesstaat Tamaulipas, gemeinsam mit seinen Beratern nahe dem Flughafen von Ciudad Victoria in einen Hinterhalt und wurde erschossen. Calderón kündigte bei einer Sondersitzung seines Kabinetts eine Fortsetzung des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität an. Er rief zu einer „gemeinsamen Front“ gegen das organisierte Verbrechen auf. In einer Rundfunkansprache forderte er die politische Klasse und die Zivilgesellschaft zu einem nationalen Dialog auf. Alle politischen Kräfte des Landes müssten denjenigen eine gemeinsame und geschlossene Antwort liefern, die das demokratische Leben und den Frieden der Mexikaner angreifen.[http://www.stern.de/politik/ausland/drogenkartelle-unter-verdacht-mexikanischer-politiker-stirbt-im-kugelhagel-1578247.html Mexikanischer Politiker stirbt im Kugelhagel.] stern.de, 29. Juni 2010.

    * Ende Juli 2010 wurde bekannt, dass eine Gefängnisdirektorin mehrere Insassen über Nacht freigelassen und mit Waffen ausgestattet hat, damit diese Morde an konkurrierenden Banden verüben konnten. Insgesamt sollen die nächtlichen Freigänger für 35 Tote bei drei Überfällen in Torreón verantwortlich sein.[http://www.welt.de/vermischtes/article8647038/Gefaengnisdirektorin-setzt-Haeftlinge-als-Moerder-ein.html?wtmc=RSS.Panorama.Panorama Gefängnisdirektorin setzt Häftlinge als Mörder ein.] In: Welt Online, 26. Juli 2010.

    * Am 30. Juli 2010 wurde Ignacio „Nacho“ Coronel, die Nr. 3 des mächtigen Sinaloa-Kartells, von mexikanischen Militärangehörigen getötet.{{Internetquelle | url=http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,709224,00.html | titel=Mexikos Armee tötet mächtigen Drogenboss | hrsg=In: Spiegel Online | datum=30. Juli 2010 | zugriff=2010-08-01 }}

    * Am 24. August 2010 wurden in einer Hacienda die Leichen von 72 Migranten aus Brasilien, Ecuador, Honduras und El Salvador entdeckt (Massaker in Tamaulipas).[http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E92F3F0FB784A48AA9EDE891DB498D21F~ATpl~Ecommon~Scontent.html Entsetzen über Massaker in Mexiko.] In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. August 2010.

    * Am 30. August wurde mit Edgar Valdez Villareal einer der meistgesuchten Verbrecher Mexikos festgenommen.[http://www.nzz.ch/nachrichten/international/barbie_mexiko_drogen_beltran_leyva_1.7393090.html «Barbie» festgenommen.] In: Neue Zürcher Zeitung, 31. August 2010.

    *Am 2. September 2010 griff die Armee ein Ausbildungslager der Zetas an der Grenze zur USA an und tötete 27 Mitglieder. Es war bis dahin das Gefecht mit den meisten Verlusten für ein Drogenkartell im Drogenkrieg.

    * Am 12. September wurde Sergio Villareal vom Beltrán-Leyva-Kartell in Puebla festgenommen.Klaus Ehringfeld: [http://www.fr-online.de/politik/mexikanische-armee-nimmt--el-grande--fest/-/1472596/4639912/-/index.html Mexikanische Armee nimmt "El Grande" fest.] In: Frankfurter Rundschau, 13. September 2010. Für seine Festnahme hatten die Behörden eine Belohnung von zwei Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro) ausgesetzt.

    * Am 25. September fassten die Sicherheitskräfte im westmexikanischen Bundesstaat Jalisco den Kriminellen Margarito Soto Reyes alias „El Tigre“. Er gehörte nach Angaben der Behörden zur Führungsriege des Sinaloa-Kartells und war für den Schmuggel von monatlich einer halben Tonne unterschiedlicher Drogen in die USA verantwortlich.

    * Am 26. September wurde José Ángel Fernández de Lara, ein Anführer der Los Zetas, in Cancún festgenommen.[http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Gleich-zwei-Drogenbarone-festgenommen-28089434 Gleich zwei Drogenbarone festgenommen.] In: 20 Minuten, 26. September 2010.

    * Am 6. Oktober 2010 ging ein Gesetzesentwurf für eine Polizeireform an den Senat. Dabei sollen viele der zweitausend Abteilungen aufgelöst werden. Jeder Bundesstaat soll nur mehr eine Polizeiverwaltung besitzen die dem Gouverneur unterstellt ist.{{Internetquelle | url=http://www.nzz.ch/nachrichten/international/polizeireform_in_mexiko_1.7875185.html | titel=Polizeireform in Mexiko | werk=Neue Zürcher Zeitung | datum=2010-10-07 | zugriff=2010-10-07 }}

    * Am 18. Oktober 2010 wurden bei einer Operation von Militär und Polizei 105 Tonnen Marihuana (nach anderen Berichten 134 Tonnen{{Internetquelle | url=http://orf.at/stories/2021908/2021927 | titel=Rekorddrogenfund in Tijuana | werk=ORF | datum=2010-10-25 | zugriff=2010-10-29 }}) beschlagnahmt und elf Verdächtige festgenommen. Zwei Personen wurden verletzt. Die Drogen sind auf dem mexikanischen Schwarzmarkt 335 Millionen US-Dollar, umgerechnet 240 Millionen Euro, wert. Jedoch ist der Wert der Drogen auf dem US-amerikanischen Markt viermal so hoch.

    * Am 19. Dezember 2010 rief die Regierung von Guatemala in der Provinz Alta Verapaz den Ausnahmezustand aus. Als Grund gab sie die offene Machtübernahme der Los Zetas seit mindestens 2009 in der Region an, die sie als einen Korridor für den Drogenhandel verwenden.{{Internetquelle | url=http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/mit-ausnahmezustand-gegen-das-kartell | titel=Mit Ausnahmezustand gegen das Kartell | autor=Toni Keppeler | werk=die tageszeitung | datum=2010-12-20 | zugriff=2010-12-22 }}

    * Ende 2010 drohten die Zetas alle Bürger der Stadt Ciudad Mier zu töten. Die Bewohner flüchteten daraufhin und hinterließen eine Geisterstadt.

    2011


    *Von 5. bis 9. Mai 2011 fand ein, von Javier Sicilia organisierter Schweigemarsch gegen den Drogenkrieg von der Stadt Cuernavaca zum Zocalo-Platz in Mexiko Stadt statt. Es nahmen mehr als 85.000 Mexikaner teil.{{Internetquelle | url=http://orf.at/stories/2057286/ | titel=Großdemo gegen Drogenkrieg | werk=ORF | datum=2011-05-09 | zugriff=2011-05-09 }}
    *Am 15. Mai 2011 wurden in Guatemala, in der Provinz Petén an der Grenze zu Mexiko, 27{{Internetquelle | url=http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/nach_massaker_notstand_in_teil_von_guatemala_1.10611027.html | titel=Nach Massaker Notstand in Teil von Guatemala | werk=Neue Zürcher Zeitung | datum=2011-05-17 | zugriff=2011-05-19 }} oder 29 Leichen gefunden. Als Täter vermuten die guatemaltekischen Behörden die Los Zetas.{{Internetquelle | autor=Cecibel Romero, Toni Keppeler | url=http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/massaker-in-guatemala/ | titel=Massaker in Guatemala | hrsg=die tageszeitung | datum=2011-05-16 | zugriff=2011-05-16 }} Aufgrund des Massakers rief Präsident Alvaro Colom einen eintägigen Notstand am 27. Mai 2011 für die Provinz Petén aus. Die Polizei erhielt dadurch mehr Befugnisse.
    *Am 26. Mai 2011 lieferten sich Angehörige des Sinaloa-Kartells, laut Regierungsangaben, in Ruiz auf der Hauptstrasse von Tepic nach Mazatlan mit Mitgliedern der Zetas ein einstündiges Feuergefecht aus fahrenden Autos heraus bei dem 29 Personen, teilweise mit Kampfanzügen und Schutzwesten bekleidet, getötet wurden. Die Polizei konfiszierte 14 Fahrzeuge, darunter zwei gepanzerte und zusätzlich Gewehre, Munition und Handgranaten.{{Internetquelle | url=http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/blutiges_gefecht_zwischen_gangsterbanden_in_mexiko_1.10720682.html | titel=Blutiges Gefecht zwischen Gangsterbanden in Mexiko | werk=Neue Zürcher Zeitung | datum=2011-05-27 | zugriff=2011-05-27 }}
    *Im Mai 2011 flüchteten 2500 Einwohner aus Apatzingán und Umgebung vor der Gewalt im Drogenkrieg. Mitglieder eines Drogenkartells sperrten zwei Tage lang eine Straße in der Stadt. Die Regierung forderte die Bewohner auf die Stadt zu verlassen und etwa 40 Schulen wurden geschlossen.
    *Am 29. Juli 2011 wurde Jose Antonio Acosta Hernández, einer der Anführer der für das Juárez-Kartell arbeitenden Gruppe La Línea festgenommen. Er soll laut Anklage für über 1.500 Morde verantwortlich sein.{{Internetquelle | | url=http://www.faz.net/artikel/C31325/festnahme-im-mexikanischen-drogenkrieg-bandenfuehrer-soll-mehr-als-1500-morde-befohlen-haben-30477304.html | titel=Bandenführer soll mehr als 1500 Morde befohlen haben | werk=Frankfurter Allgemeine Zeitung | datum=2011-08-01 | zugriff=2011-08-01 }}
    *In der Nacht zum 11. August 2011 wurde Oscar García Montoya in Tlalpan in Mexiko-Stadt festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft war er der Anführer der Gruppe Mano con Ojos (Hand mit Augen), der über 900 Morde zur Last gelegt werden.{{Internetquelle | url=http://www.fr-online.de/panorama/polizei-nimmt-massenmoerder-fest/-/1472782/9487246/-/index.html | titel=Polizei nimmt Massenmörder fest | werk=Frankfurter Rundschau | datum=2011-08-12 | zugriff=2011-08-12 }}
    *Bei dem Brandanschlag auf das Casino Royale in Monterrey drangen am 25. August bewaffnete Männer in das Casino Royale, ein Spielkasino, ein und setzten es in Brand. Dabei kamen mindestens 52 Menschen ums Leben. Laut Regierungsangaben soll ein Kartell dafür verantwortlich sein.{{Internetquelle | url=http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13569305/Kasino-sollte-Schutzgeld-an-Drogenkartell-zahlen.html | titel=Kasino sollte Schutzgeld an Drogenkartell zahlen | werk=Welt Online | datum=2011-08-11 | zugriff=2012-04-23 }}
    *Am 20. September wurden von zwei Kleinlastern in Veracruz, direkt neben einem Konferenzhotel, das zu der Zeit von den Generalstaatsanwälten genutzt wurde, 35 gefolterte Leichen entladen. Die Toten sollen Mitglieder der Zetas gewesen sein, was von der Polizei später bestätigt wurde. Es wurden Drohungen an die Gruppe am Tatort gefunden.{{Internetquelle | url=http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/widerstand_gegen_die_drogenmafia_1.12697664.html | titel=Widerstand gegen die Drogenmafia | werk=Neue Zürcher Zeitung | datum=2011-09-28 | zugriff=2011-09-28 }}{{Internetquelle | autor=Toni Keppeler | url=http://www.taz.de/Paramilitaers-im-Drogenkrieg/!79656/ | titel=Die "guten Mexikaner" | werk=die tageszeitung | datum=2011-10-11 | zugriff=2011-10-12 }}
    *Am 22. September fand die Polizei abermals 14 Leichen mit Drohungen an die Zetas.
    *Am 24. September übernahm eine Gruppe namens Mata Zetas („die Zetamörder“) die Verantwortung für die am 20. und am 22. gefundenen Leichen. Ihre Gruppe sei gegründet worden um die Zetas zu bestrafen und ihre Herrschaft zu brechen.
    *Am 6. Oktober fand die Polizei in Veracruz in drei Privathäusern insgesamt 32 Tote. Lokale Medien gehen von einer Täterschaft der Mata Zetas aus.
    *Im Oktober wurden, nach einer Welle von Entführungen und Erpressungen in der Region um Linares, sämtliche Polizeikräfte der Stadt (insgesamt mehr als 100) zur Überprüfung einer möglichen Verwicklung in die Vorgänge festgenommen.{{Internetquelle | url=http://www.washingtonpost.com/world/americas/mexican-army-state-police-patrolling-streets-of-northern-city-after-police-force-detained/2011/10/09/gIQAFYqYYL_story.html | titel=Mexican army, state police patrolling streets of northern city after police force detained | werk=The Washington Post | datum=2011-10-10| sprache=en | zugriff=2011-10-14 }}
    *Am 13. Oktober wurde die Nummer drei der Zetas, Carlos Oliva Castillo in Saltillo im Bundesstaat Coahuila festgenommen. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft soll Castillo für die Aktivitäten der Zetas in den Bundesstaaten Coahuila, Nuevo Leon und Tamaulipas verantwortlich gewesen sein. Er soll auch den Brandanschlag auf das Casino Royale befohlen haben.{{Internetquelle | url=http://www.orf.at/stories/2087354/2087400/ | titel=Anschlag auf Kasino organisiert? | werk=ORF | datum=2011-11-02 | zugriff=2011-11-02 }}{{Internetquelle | autor=David Luhnow, Jose de Cordoba | url=http://online.wsj.com/article/SB10001424052970204002304576628813846961274.html | titel=Casino Arrests Stir Scandal in Mexico | werk=The Wall Street Journal | datum=2011-10-14| sprache=en | zugriff=2011-10-14 }}

    *Im Dezember 2011 genehmigte der Senat der Vereinigten Staaten für die Mérida-Initiative ein Budget von 249 Millionen US-Dollar für das Jahr 2012. Dies ist deutlich weniger als in den Jahren zuvor.{{Internetquelle | autor=Alex Gertschen| url=http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/die_usa_im_drogenkrieg_mexikos_1.13724030.html | titel=Die USA im Drogenkrieg Mexikos | werk=Neue Zürcher Zeitung | datum=2011-12-20 | zugriff=2011-12-20 }}

    2012


    * Am 19. Februar kamen bei Kämpfen in der Strafanstalt in Apodaca bei Monterrey 44 Menschen ums Leben. Laut Polizei gingen diese wahrscheinlich auf Rivalitäten zwischen den Zetas und dem Golfkartell zurück. Die Anstalt war mit 3.000 statt 1.500 Häftlingen stark überbelegt.{{Internetquelle | autor=Wolf-Dieter Vogel | url=http://www.taz.de/Kriminalitaet-in-Mexiko/!88065/ | titel=Bandenkrieg hinter Gittern | werk=die tageszeitung | datum=2012-02-20 | zugriff=2012-02-21 }}

    * Am 13. Mai wurden nahe Cadereyta de Jiménez 49 geköpfte und verstümmelte Leichen mit einer Drohbotschaft des Zetas-Drogenkartell auf der Schnellstraße 40 zwischen Monterrey und Reynosa entdeckt. [http://www.welt.de/newsticker/news3/article106303102/49-verstuemmelte-Leichen-auf-mexikanischer-Schnellstrasse-entdeckt.html 49 verstümmelte Leichen auf mexikanischer Schnellstraße entdeckt.] In: Welt Online, 13. Mai 2012.Natalie Evans: [http://www.mirror.co.uk/news/world-news/drug-gangs-dumped-49-mutilated-830892 More horror in Mexico: 49 mutilated bodies dumped on highway in latest drugs war clash.] In: Daily Mirror, 13. Mai 2012 (englisch).

    Strategien zur Deeskalation


    Die mexikanische Regierung setzt ihr Schwergewicht auf die Verhaftung von Anführern der Drogenkartelle. Diese sog. Kingpin Strategy wurde von der DEA 1992 für die Bekämpfung von Drogenkartellen entwickelt. Sie wird von den mexikanischen Behörden weiterhin als erfolgreich bezeichnet.{{Internetquelle | autor=Patrick Corcoran | url=http://www.insightcrime.org/insight-latest-news/item/932-the-kingpin-strategy-nacho-coronel-and-violence-on-the-pacific | titel=The Kingpin Strategy, Nacho Coronel, and Violence on the Pacific | werk= Sight Online | datum=2011-05-17 | sprache=en | zugriff=2011-05-18 }}

    Nicht prioritär ist die Verhinderung der Produktion, des Handels oder des Schmuggels von illegalen Drogen, dies im Gegensatz zum War on Drugs noch in den 1970 (Operation Condor) bis in die späten 1990er Jahren. Die Verlagerung der Bekämpfungsstrategie hängt auch damit zusammen, dass die mexikanischen Drogenkartelle nach Schätzungen heute mehr als 60 % ihrer Einnahmen mit anderen kriminellen Aktivitäten als dem Drogenhandel (z. B. Erpressung) erzielen.

    Erst seit 2010 setzt Präsident Calderón nicht mehr einzig auf Sicherheitsmaßnahmen. Der mexikanische Staat soll nun auch zusätzlich in Bildung, Gesundheit und Sozialarbeit investieren. Damit sollen vorab Jugendlichen andere Perspektiven gegeben werden als der Einstieg ins Drogengeschäft. Ganz allgemein soll die Zivilgesellschaft dadurch gestärkt werden. Der „Eingriffsplan Juárez“ (benannt nach der Stadt Ciudad Juárez) soll umgerechnet insgesamt 200 Millionen Euro kosten und gilt als Pilotprojekt.

    Die Frankfurter Rundschau schrieb dazu:

    {{Zitat|Experten halten diesen Paradigmenwechsel zwar für überfällig, doch für Fachleute wie Edgardo Buscaglia geht Calderóns neue Politik noch immer nicht weit genug. "Nur wenn du an ihre Vermögenswerte und Besitztümer gehst, hast du eine Chance den Krieg zu gewinnen", sagt der Experte für organisierte Kriminalität und Hochschullehrer an der Universität Itam in Mexiko-Stadt. Aber an dem Punkt tue die Regierung nichts, weil Politik und Justiz bis in hohe Instanzen von der organisierten Kriminalität unterwandert seien.|ref=Klaus Ehringfeld: [http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2403181_Mexiko-Calderons-neue-Strategie.htmlCalderons neue Strategie.] In: Frankfurter Rundschau, 10. März 2010}}

    Auswirkungen auf die USA


    Drogen- und Waffenschmuggel


    Im April 2009 stellte US-Präsident Barack Obama anlässlich seines ersten Staatsbesuchs in Mexiko fest, dass der US-Bedarf an Drogen den Drogenkartellen helfe, im Geschäft zu bleiben. Der Krieg werde ausgetragen mit Schusswaffen, die nicht in Mexiko, sondern in den USA erworben worden seien.{{Internetquelle | url=http://www.whitehouse.gov/the_press_office/Joint-Press-Conference-With-President-Barack-Obama-And-President-Felipe-Calderon-Of-Mexico-4/16/2009/ | titel=Joint-Press-Conference-With-President-Barack-Obama-And-President-Felipe-Calderon-Of-Mexico | hrsg=U.S. Government | datum=16. April 2009 | zugriff=2009-11-10 | sprache=en }} Die US-Behörden gehen davon aus, dass der Hauptanteil der in die USA geschmuggelten Drogen aus Mexiko stammt. Ein Teil davon wird in Mexiko selbst angebaut (Marihuana) oder hergestellt (Methamphetamin). Vor allem aber ist Mexiko ein Transitland für Kokain aus Kolumbien und anderen südamerikanischen Ländern: Schätzungsweise 90 % des gesamten in den USA verkauften Kokains wird durch Mexiko transferiert und in die USA geschmuggelt. Der in den USA erzielte Erlös aus dem Drogenschmuggel soll für die mexikanischen und kolumbianischen Drogenkartelle jährlich zwischen 18 und 39 Milliarden Dollar betragen.{{Internetquelle | url=http://www.justice.gov/ndic/pubs31/31379/index.htm | titel=National Drug Threat Assessment 2009 | hrsg=U.S. National Drug Intelligence Center (NDIC) | datum=Dezember 2008 | zugriff=2009-11-10 | sprache=en }}

    Mit einem Teil der Einkünfte werden Waffen durch Strohmänner der Drogenkartelle in den USA rechtmäßig erworben und danach illegal nach Mexiko geschmuggelt. So sollen nach einer Untersuchung des U.S. Government Accountability Office 87 % aller in den letzten fünf Jahren in Mexiko beschlagnahmten Waffen in den USA gekauft worden sein.{{Internetquelle | url=http://www.gao.gov/products/GAO-09-709 | titel=U.S. Efforts to Combat Arms Trafficking to Mexico Face Planning and Coordination Challenges | hrsg=GAO | datum=18. Juni 2009 | zugriff=2009-11-10 | sprache=en }}

    Merida-Abkommen (2008)


    {{Hauptartikel|Mérida-Initiative }}

    Der Schwerpunkt der militärischen Operationen liegt in den nördlichen Bundesstaaten (Baja California, Sonora, Chihuahua, Coahuila und Tamaulipas) an der Grenze zu den USA. Weil der Drogenkrieg zunehmend in die USA überzuschwappen droht, unterstützen die USA in den nächsten drei Jahren – gestützt auf das 2008 vom US-Kongress genehmigte sog. Merida-Abkommen – die mexikanische Regierung mit 1,6 Milliarden Dollar.Karl-Dieter Hoffmann: [http://www.giga-hamburg.de/dl/download.php?d=/content/publikationen/pdf/gf_lateinamerika_0804.pdf Mexikos „War on Drugs“ und die Mérida Initiative.] In: GIGA Focus, Nummer 4/2008 (pdf). Zusätzlich beabsichtigen sie Hilfe in Form von militärischer Ausrüstung, Ausbildung und Unterstützung durch ihre Geheimdienste.[http://news.orf.at/ticker/319863.html Unruhe über mexikanischen Drogenkrieg steigt in den USA.] In: ORF, abgerufen am 7. März 2009. Um dem Nachbarland Mexiko im Kampf gegen die mächtigen Drogenbosse zu helfen, will die amerikanische Regierung unter Barack Obama 80 Millionen Dollar zum Kauf von Black-Hawk-Hubschraubern beisteuern. Mit diesen Militärhubschraubern soll der mexikanischen Polizei die Möglichkeit gegeben werden, verstärkt gegen die rivalisierenden Drogenbosse vorzugehen. Mit dieser Maßnahme, die von US-Präsident Obama bereits angekündigt worden war, wollen die USA auch ihre eigenen Bürger schützen, da viele der Drogen über die Grenze geschmuggelt werden und auf diese Weise unter die US-amerikanische Bevölkerung geraten.

    Rezeption


    * Élmer Mendoza: Balas de plata. 2008. (Silber. Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Berlin 2010, ISBN 978-3-518-46187-7).
    * Arturo Perez-Reverte: La Reina del Sur, 2002 (Königin des Südens. Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. 2003, ISBN 978-3548604336).
    * Juan Pablo Villalobos: Fiesta en la madriguera. 2010. (Fiesta in der Räuberhöhle. Aus dem Spanischen von Carsten Regling. Berlin 2011).

    * Don Winslow, The Power of the dog. 2005. (Tage der Toten. Aus dem Englischen von Chris Hirte. Berlin 2010).

    Literatur


    * Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.): Erfolgreiche Strategie gesucht - Mexiko debattiert „Drogenkrieg“. 16. August 2010. [http://www.kas.de/wf/doc/kas_20315-1522-1-30.pdf?100816111735 pdf]
    * Malcolm Beith: The Last Narco. 2010. (El Chapo. Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron. Aus dem Englischen übersetzt von Gunter Blank und Simone Salitter. 2011)
    * June S. Beittel: Mexico’s Drug Trafficking Organizations: Source and Scope of the Rising Violence. Hrsg. von Congressional Research Service, U.S., CRS Report R41576, 7. September 2011. [http://www.fas.org/sgp/crs/row/R41576.pdf pdf]
    * Issac Campos: Degeneration and the Origins of Mexico's War on Drugs, in: Mexican Studies/Estudios Mexicanos, Vol. 26, No. 2 (Summer 2010), S. 379-408.
    * Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Drogen, Dollars, Demokratie. Herausforderungen durch den Drogenhandel in Mexiko und Brasilien. Berlin 2009, ISBN 978-3-86928-002-8. [http://www.boell.de/downloads/Demokratie_13-Drogen_Dollars_Demokratie.pdf pdf]
    * Jeanette Erazo Heufelder: Drogenkorridor Mexiko. Transit, Berlin 2011, ISBN 978-3-88747-259-7.
    * Karl-Dieter Hoffmann: Mexikos „War on Drugs“ und die Mérida Initiative. GIGA Focus, Nummer 4, 2008. [http://www.giga-hamburg.de/dl/download.php?d=/content/publikationen/pdf/gf_lateinamerika_0804.pdf pdf]
    * Anne Huffschmid: Mexiko - das Land und die Freiheit. Rotpunktverlag, Zürich 2010.
    *Viridiana Rios, David A. Shirk: Drug Violence in Mexico. Data and Analysis Through 2010. Hrgs. vom Trans-Border Institute, University of San Diego, Februar 2011. [http://justiceinmexico.files.wordpress.com/2011/03/2011-tbi-drugviolence.pdf pdf]

    * Stratfor (Hrsg.): Mexican Drug Wars: Bloodiest Year do Date. 10. Dezember 2010.

    Weblinks


    {{Commonscat|Calderon Drug War|Drogenkrieg in Mexiko }}
    * [http://www.dasdossier.de/magazin/wirtschaft/industrie-handel/kein-sieg-sicht/ das Dossier: Kein Sieg in Sicht], 15. September 2010.
    * [http://www.spiegel.de/thema/drogen_mexiko/ Drogenkrieg in Mexiko.] In: Spiegel Online (Artikel und Hintergründe).
    * Alex Gertschen: [http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E017718C6B343489DBB8268F237DDB64C~ATpl~Ecommon~Scontent.html Krieg gegen Drogenbanden: Vor der Kapitulation] In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juni 2010.
    * Anne Huffschmid: [http://taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/leichenteile-per-post/ Drogenkrieg in Mexiko: Leichenteile per Post] In: die tageszeitung, 1. September 2010.
    * Sebastian Schoepp: [http://www.sueddeutsche.de/politik/drogenkrieg-in-mexiko-wir-bekaempfen-sie-frontal-sperren-sie-ein-zerschlagen-ihre-strukturen-1.997260 Wir bekämpfen sie frontal.] In: Süddeutsche Zeitung, 9. September 2010 (Interview mit Außenministerin Patricia Espinosa Cantellano).
    * Alex Gertschen, Ciudad Juarez: [http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E98591F6646934CE48D078FF414E832AB~ATpl~Ecommon~Scontent.html Armando Rodríguez schlief nicht, er war tot] In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. September 2010.
    * Frank Priess: [http://www.kas.de/wf/doc/kas_20315-1522-1-30.pdf?100816111735 Erfolgreiche Strategie gesucht - Mexiko debattiert „Drogenkrieg“] Konrad-Adenauer-Stiftung, 16. August 2010.
    * {{Internetquelle | url=http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/noch-mehr-menschen-muessen-sterben/ | autor=Wolf-Dieter Vogel | titel=Noch mehr müssen sterben | werk=die tageszeitung | datum=2010-10-22 | zugriff=2010-10-22|kommentar=Interview mit Edgardo Buscaglia, Jurist und Volkswirt }}

    * {{Internetquelle | autor=Juan Villoro | url=http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/09/10.mondeText.artikel,a0013.idx,3 | titel=Brief aus Mexiko City | werk=Le Monde Diplomatique | datum=2010-09-10 | zugriff=2011-08-17 | kommentar=Hintergrundanalyse des Drogenkriegs }}

    Einzelnachweise

{{SORTIERUNG:Drogenkrieg In Mexiko }}
Mexiko
Kategorie:Geschichte Mexikos

Kategorie:Kriminalitätsbekämpfung

ar:حرب المكسيك على المخدرات
cy:Rhyfel Cyffuriau Mexico
da:Narkotikakrigen i Mexico
Mexican Drug War
es:Guerra contra el narcotráfico en México
eu:Narkotrafikoaren aurkako gerra Mexikon
fa:جنگ مواد مخدر در مکزیک
fi:Meksikon huumesota
Lutte contre les narcotrafiquants au Mexique
he:המלחמה בסחר בסמים במקסיקו
hr:Meksički drogeraški rat
hu:Mexikói drogháború
id:Perang Narkoba Meksiko
it:Guerra messicana della droga
ja:メキシコ麻薬戦争
ms:Perang Dadah Mexico
nl:Mexicaanse drugsoorlog
no:Mexicos narkotikakrig
ru:Нарковойна в Мексике
sr:Рат против нарко-картела у Мексику
sv:Drogkriget i Mexiko
vi:Chiến tranh ma túy México
zh:墨西哥毒品戰爭

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