Diana
{{Dieser Artikel|behandelt die antike Gottheit. Für Diana Spencer, die Princess of Wales, siehe ebenda. Weitere Bedeutungen sind in Diana (Begriffsklärung) aufgeführt.}}
miniatur|Diana von Versailles (1. bis 2. Jahrhundert, [[Louvre, Paris)]]
miniatur|Diana als Jägerin (römisches Mosaik, 2. Jahrhundert)
Diana war in der römischen Mythologie die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt, Beschützerin der Frauen und Mädchen. Ihr entspricht die Artemis in der griechischen Mythologie.
Name
Als Varianten ihres Namens erscheinen auch Iana,Varro De re rustica 1,37,3 DeanaCIL 14,2212 und Diviana.Varro De lingua latina 5,68
Abgeleitet wird der Name vom lateinischen dius („taghell“, „leuchtend“) und einer entsprechenden indogermanischen Wurzel *dei- mit der Bedeutung „glänzen“, „schimmern“, „scheinen“, von der sich auch Götterbezeichnungen wie griechisch Dios ({{Polytonisch|Διός}}) für Zeus und lateinisch Deus („Gott“) herleiten.Gerhard Köhler: Indogermanisches Wörterbuch. 3. Auflage. S. 188
Dementsprechend wird Diana nicht als eine ursprüngliche Mondgöttin angesehen, sondern als „die Leuchtende“, die dann als Gegenpart zur Sonnengottheit Apollo/Sol zur Mondgottheit neben Luna, der eigentlichen Mondgöttin, wird.Birt: Diana. In: Roscher. Sp. 1002
Als männliche Entsprechung der Diana wird aufgrund der Namenskonstruktion ein Gott Dianus angenommen. Ob dieser mit Janus identisch ist, ist aber umstritten, vor allem, da Dianus auch als Beiname des Jupiter erscheint.Birt: Diana. In: Roscher. Sp. 1003, 1005
Kult
miniatur|Nemisee ([[Joseph Wright of Derby, um 1790)]]
Diana ist ursprünglich eine italische Gottheit. Ihr bedeutendstes Heiligtum (Dianium) befand sich in den Albaner Bergen bei Aricia am Nemisee, dem speculum Dianae, dem „Spiegel der Diana“Servius Commentarius in Vergilii Aeneida 7,515. Die Diana Nemorensis wurde dort zusammen mit Egeria und Virbius, zwei untergeordneten Gottheiten, verehrt.
Das Heiligtum war gut besucht. Daher die zahlreichen Bettler, die Martial mehrfach erwähnt, die sich dort beim clivus Virbi versammelten.Martial 2,19,3; 10,68,4; 12,32,10. Juvenal Saturae 3,117
Es war auch so gut ausgestattet, dass Oktavian sich vom Tempel in Nemi ein Darlehen nahm.Appian Bella civilia 5,24
{{Hauptartikel|Heiligtum der Diana Nemorensis}}
Hauptheiligtum der Diana in Rom war ihr Tempel auf dem Aventin, der nach der Überlieferung von Servius Tullius gegründet worden war.Livius Ab urbe condita 1,45. Johannes Zonaras 7,9. Aurelius Victor De viris illustribus urbis Romae 7,9 Noch zur Zeit des Dionysios von Halikarnassos war die auf einer bronzenen Säule aufgezeichnete Stiftungsurkunde erhalten.Dionysios von Halikarnassos Antiquitates Romanae 4,26Das Heiligtum wird darin als „Dianatempel des Latinerbundes“ bezeichnet.Varro De lingua latina 5,43: commune Latinorum Dianae templum
Das Stiftungsfest an den Kalenden des Sextilis (1. August) stimmt mit dem des Heiligtums von Nemi überein.
An diesem Tag war ein Festtag der römischen Sklaven (servorum dies) und die römischen Frauen wuschen und pflegten ihr Haar besonders.Plutarch Quaestiones romanae 100
Dann zogen sie fackeltragend in einer Prozession zum Hain der Göttin von Nemi.Ovid Fasti 3,263. Properz Elegiae 2,32,9f. Statius Silvae 3,1,55f.
Weitere Heiligtümer in Rom waren:* Sacellum in Caeliculo, ein Heiligtum auf dem Caeliculus, einem Teil des Caelius.Cicero De haruspicum responso 32; bei Varro erscheint der Ortsname Caeliolus, vgl. De lingua latina 5,46 Das Heiligtum wurde 58 v. Chr. zerstört und 54 als Heiligtum der Diana Planciana wieder errichtet, vermutlich von Marcus Plancius Varus von Perge.C. P. Jones: The Plancii of Perge and Diana Planciana. In: Harvard Studies in Classical Philology
Bd. 80, (1976), S. 231-237
* Dianium an der Ecke des clivus urbius und vicus Cyprius auf dem EsquilinLivius Ab urbe condita 1,48,6
* eine nur Frauen zugängliche Kapelle im vicus PatriciusPlutarch Quaestiones romanae 3
Ein Tempel der Diana-Artemis wurde von Marcus Aemilius Lepidus in einer Schlacht gegen die Ligurer 187 v. Chr. gelobt und acht Jahre später am Circus Flaminius geweiht.Livius Ab urbe condita 39,2,8; 40,52,1ff Dieser Tempel wurde von Oktavian nach dem Sieg über Sextus Pompeius in der Seeschlacht von Naulochoi 36 v. Chr. restauriert. Gleichzeitig restaurierte Lucius Cornificius den Dianatempel auf dem Aventin, der von daher Tempel der Diana Cornificiana genannt wurde.Augustus weihte 28 v. Chr. seinen (36 v. Chr. gelobten) Apollotempel auf dem Palatin auch der Diana Victrix (der „sieghaften Diana“), die Säkularfeiern des Jahres 17 v. Chr. wurden unter den Schirm der Geschwister Apoll und Diana gestellt und in der Kaiserzeit gab es Widmungen für Diana Augusta (die „erhabene/kaiserliche Diana“).CIL 6,128 So war Diana schließlich völlig in den Rahmen kaiserlicher Propaganda integriert.
Bedeutende Kultorte außerhalb Roms waren:* das Heiligtum der Diana Tifatina bei dem Berg Tifata nahe Capua, ein durch eine Schenkung Sullas, die später von Vespasian bestätigt wurde, sehr begütertes Heiligtum.Velleius Paterculus Historiae Romanae II,25,4. Plutarch Sulla 6. CIL 2,2660; 10,3828.
* ein Hain bei Anagnia, an der Kreuzung der Via Latina und Via LabicanaLivius Ab urbe condita 27,4,12
* ein Eichenhain auf dem Mons AlgidusHoraz Carmina 1,21,5; Carmen saeculare 69
* ein Buchenhain bei Tusculum auf dem Hügel CornePlinius Naturalis historia 16,242: suburbano Tusculani agri, qui Corne appellatur
* ein Hain bei TiburMartial 7,28,1
Auffällig ist, dass sämtliche stadtrömischen Weihungen aus der Zeit der Republik außerhalb des Pomeriums liegen, also außerhalb der römischen Stadtgrenzen im religiösen Sinn. Auch die alten Heiligtümer Latiums liegen sämtlich außerhalb von Städten. Man hat das dahingehend interpretiert, dass Diana sich darin als eine Gottheit der Wildnis und des „Draußen“ erweist.Siehe z. B. John Scheid: Diana in DNP Als Göttin der Wildnis wurde sie zusammen mit Silvanus verehrtCIL 3,8483; 13,382 und als Gottheit der Grenze (zwischen Wildnis und Zivilisation) von den an den Grenzen des Imperiums stationierten Truppen.CIL 2,2660; 3,1000; 3,3365; 8,9831
miniatur|Inneres des Tempels der Diana in Nimes ([[Hubert Robert, 1771)]]In der Kaiserzeit finden sich Kultstätten der Diana im gesamten Reich, wobei „Diana“ hier häufig die Interpretatio Romana einer lokalen Gottheit ist. So steht Diana z. B. für die syrische Göttin von Hierapolis oder für Abnoba oder Arduinna bei den Kelten.
Reste von der Diana gewidmeten Tempelbauten finden sich in:* Cefalù
* Emerita Augusta (heute Mérida)
* Évora
* Meßkirch, siehe Villa Rustica (Meßkirch)
* Nîmes
Mythos
miniatur|230[[Apollon und Diana (Lucas Cranach d. Ä., 1530)]]
Ursprünglich scheint Diana hauptsächlich eine Helferin der Frauen bei der Niederkunft gewesen zu sein. Als eine Göttin des „Draußen“bewahrte sie die Frauen vor dessen Gefahren, also vor allem vor dämonischen Anfechtungen während der Geburt. Ihre Rolle als Helferin bei der Geburt drückte sich auch in ihrem Beinamen Lucina aus, den sie mit Juno, der anderen Geburtshelferin teilte: sie war diejenige, die das Kind ans Licht brachte, es das „Licht der Welt“ erblicken ließ.Catull 34,13 u.v.a.
Aber sie half nicht immer, manchmal brachte sie auch den Tod, weshalb die ihr entsprechende Artemis bei den Griechen auch „Löwin der Frauen“ ({{Polytonisch|λέων γυναυξίν}}) genannt wurde.Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Der Glaube der Hellenen. Berlin 1931, Bd. 1, S. 177-182, {{Digitalisat|IA=MN40017ucmf_0|SZ=n192}}
Ihre Bedeutung als Göttin der Frauen und Geburtshelferin (obstetrix) wird belegt durch zahlreiche sich auf Geburt und Fruchtbarkeit beziehende Votivgaben, die man in Nemi gefunden hat, z. B. Vulven, Phalli, Mütter mit Säuglingen etc.Wissowa argumentiert daher, dass Diana Nemorensis an sich keine politische Göttin gewesen sei, sondern ihre politische Bedeutung nur daher rühre, dass Aricia der Hauptort eines latinischen Städtebundes gewesen sei.
Von einem ursprünglichen Mythos der Diana – unabhängig von der griechischen Mythologie – ist nichts überliefert, da Diana schon sehr früh und fast vollständig mit der griechischen Artemis identifiziert wurde. Die griechischen Mythen wurden unter Ersetzung der griechischen Gottheiten mit ihren römischen Entsprechungen übernommen.Demnach ist Diana Jupiters Verbindung mit Latona entsprungen, war die Schwester des Apollo, blieb Jungfrau, vermählte sich nicht, usw.
Auch die Verbindung von Artemis und Hekate wurde auf Diana übertragen, weshalb Diana als Attribut neben dem Bogen sehr oft die Fackel der Hekate trägt.Da Hekate auch die Göttin der Scheidewege und Wegkreuzungen (trivium) war, erscheint ab augusteischer Zeit Trivia als Name der Diana. Vergil nennt den Nemisee auch lacus triviae.Vergil Aeneis 7,516. Vergleiche auch Arcinum triviae nemus bei Publius Papinius Statius Silvae 3,1,56
Die keltische Göttin Artio wird in der Interpretatio Romana ebenfalls der Diana gleichgesetzt.Otto Holzapfel: Lexikon der abendländischen Mythologie. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, ISBN 3-451-05500-7, S. 59
Darstellung
Die Behauptung, das Kultbild in Aricia sei dreigestaltig gewesen wie manche Darstellungen der HekateHubert Cancik, Richard Faber, Barbara von Reibnitz (Hrsg.): Verse und Sachen: kulturwissenschaftliche Interpretationen römischer Dichtung. Würzburg 2003, S. 72 lässt sich alleine aus dem Namen nicht ableiten.
Vielmehr stellten das Kultbild von Nemi ebenso wie das Kultbild der Diana Tifatina (zumindest in den erhaltenen Kopien) sie als jugendliche Jägerin dar mit kurzem Chiton, Köcher und Bogen, Jagdstiefeln und Fackel, ähnlich dem bekannten Typus der „Diana von Versailles“.
miniatur|Denar mit dreigestaltiger GottheitDass es sich bei dem Denar des Publius Accoleius Lariscolus aus dem Jahr 43 v. Chr., der auf dem Revers drei weibliche Gottheiten zeigt, um eine Darstellung der Diana Nemorensis handelt, ist nicht gesichert.
Die Göttinnen tragen Bogen, Zweig und Fackel oder Stab als Attribute und sind durch ein Joch oder einen Balken auf Schulterhöhe verbunden.Sculpture from the Sanctuary of Diana Nemorensis at Lake Nemi. In: Irene Bald Romano (Hg.): Classical sculpture: catalogue of the Cypriot, Greek, and Roman stone sculpture in the University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology. University of Pennsylvania 2006, S. 75
Das Kultbild des aventinischen Tempels soll vom Typus der Artemis von Ephesos gewesen sein, da es nach Strabon ein Abbild der Artemis von Massilia war, die wiederum der ephesischen Artemis entsprach.Strabon 4,180
Diana als Herrin der Hexen
miniatur|Hexentanz in antiker Ruine
miniatur|Zwei Hexen (Hans Baldung, 1523)
Im Mittelalter wurde Diana zur Göttin der Hexen. Das scheint durch zahlreiche Belege aus mehreren Jahrhunderten gesichert. Bereits 906 erscheint des Regino von Prüm De synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis, darin enthalten der Canon episcopi, eine Sammlung von Anweisungen für Bischöfe und ihre Vertreter. In einer Liste auszumerzender Vorstellungen steht dort:
:Es darf nicht übergangen werden, daß es gewisse verbrecherische Frauen gibt, die Satan gefolgt sind und, durch Blendwerk und Vorspiegelungen der Dämonen verführt, glauben und bekennen, des Nachts zusammen mit der heidnischen Göttin Diana und einer unzählbaren Menge von Frauen auf gewissen Tieren zu reiten, in der Stille der Nacht große Entfernungen zurückzulegen, die Weisungen der Göttin zu befolgen, als wäre sie die Herrin, und in bestimmten Nächten zu ihrem Dienst gerufen zu werden.F. W. H. Wasserleben: Reginonis abbatis Prumiensis libri duo de synodalibus causis et disciplinis. Leipzig 1840, S. 355. Zitiert nach: Ginzburg Hexensabbat 1990, S. 91f
Hier ist der ganze Mythos vom Hexensabbat bereits vorgebildet, mit dem Unterschied, dass nicht Herr Satan, sondern die heidnische Diana Herrin des Sabbats ist. Ähnliches findet sich auch im Buch XIX des Decretum des Burchard von Worms, der zur Göttin Diana noch die biblische Herodias hinzuergänzt.
Der italienische Historiker Carlo Ginzburg meldete allerdings in seiner Untersuchung über das Hexenwesen Zweifel an der Authentizität der Diana in solchen Texten und den (späteren) Berichten der Hexenverfolger an.Ginzburg Hexensabbat 1990, S. 91ffEr vermutete eine Art Interpretatio Romana, die bei der Aufzeichnung von Aussagen von der Hexerei Angeklagten die von diesen genannten Namen in andere, den Autoren der Texte geläufigere übersetzt hat.
Gelegentlich tauchen diese authentischen Namen dann doch auf, dann ist die Rede von einer Bensozia (vielleicht Bona Socia „gute Gefährtin“), oder von Madona Horiente, so die Akten eines Verfahren von 1390. In den Aufzeichnungen des Inquisitors Beltramino da Cernuscullo liest man jedoch stattdessen das „Spiel der Diana, die sie Herodias nennen“.Ginzburg Hexensabbat 1990, S. 93f
In einem anderen Fall, der sich in einer Predigt des Nikolaus von Kues findet, berichtet dieser von Frauen, die bekannt hatten, zu einer „Gesellschaft der Diana“ zu gehören, die sie als Quelle des Reichtums verehren, als „sei sie Fortuna“ (quasi Fortunam). Und er verweist auf die Diana von Ephesos, die schon seit jeher eine Widersacherin des Glaubens gewesen sei, wie sich ja auch der Apostelgeschichte{{B|Apg|19|27 ff}} entnehmen lasse. Dann ergänzt er noch, dass diese Frauen die Göttin in italienischer Sprache Richella nennen würden, was „Mutter des Reichtums und der glücklichen Fügung“ bedeute, daher Fortuna. Und gelehrt fährt er fort, diese sei offenbar als Abundia oder Dame Habonde zu identifizieren, eine mittelalterliche Sagengestalt, die auf die römische Abundantia zurück geht.Ginzburg Hexensabbat 1990, S. 96f
Die von Ginzburg angeführten Beispiele lassen an einem Überleben der antiken Diana im Glauben des Volkes zumindest Zweifel aufkommen. Was hier tatsächlich authentisch ist und was von – mit den heidnischen Göttern wenn nicht durch antike Autoren, dann zumindest durch die apologetischen Schriften der Kirchenväter vertrauten – Theologen konstruiert wurde, lässt sich heute fast nie mehr entscheiden.
So beispielsweise Diana als Anführerin der Wilden Jagd: In den Predigten des Dominikaners Johannes Herolt werden in einer Auflistung abergläubischer Personen solche erwähnt, die glauben, dass „Diana, in der Volkssprache Unholde oder die selige Frawn genannt, in der Nacht mit ihrem Heer umgeht und sie große Distanzen zurücklegen.“Ausgabe von 1474, Köln. Zitiert nach: Ginzburg Hexensabbat 1990, S. 101
Dass in einigen Sprachen und Dialekten eine Bezeichnung für „Hexe“ sich vom Namen „Diana“ ableiten lässt – jana im Alttoskanischen und im Sardischen, janára im Neapolitanischen, gene im Altfranzösischen, šana im Asturischen, jana im Altprovenzalischen usw.Hans P. Duerr: Traumzeit - Über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation. Syndikat, Frankfurt 1978, S. 190f –, ist auch kein Beleg für das Überleben einer lebendigen Tradition der heidnischen Gottheit.
Rezeption
Bildende Kunst
miniatur|hochkant|Diana und Endymion ([[Jérôme Martin Langlois, 1822)]]
Dadurch, dass (vor allem in der nachantiken Mythologie) Apollon mit Helios identifiziert wurde, wurde Artemis und damit auch Diana mit der griechischen Selene bzw. der römischen Luna gleichgesetzt. Das führte dazu, dass beispielsweise „Diana und Endymion“ (eigentlich: „Selene und Endymion“) ein beliebtes Sujet der bildenden Kunst in der Neuzeit ist.
Diese ikonografische Verschmelzung wird vollständig, wenn der Bogen der Diana zur Mondsichel wird, wie man es beispielsweise in der Schlussszene der Pastorale-Episode in Walt Disneys Fantasia sieht.
Es gibt aber zahlreiche weitere Sujets aus den Mythen um Diana-Artemis, die in der Malerei, aber auch in der Skulptur der Neuzeit vielfach gestaltet wurden.
Dazu gehört vor allem die Darstellung der Mythos um den Jäger Aktaion, der Diana beim Baden beobachtet und von seinen eigenen Hunden zerrissen wird. Dieser Mythos lieferte zunächst als Motiv die (mit ihren Nymphen) badende Diana, zusammen mit dem als Voyeur im Gebüsch versteckten Aktaion, ferner die dramatische Szene der Zerfleischung des Aktaion durch seine Hunde.
Auch das Geschwisterpaar Apoll und Diana war ein beliebtes Sujet vor allem des 16. Jahrhunderts (Dürer, Lucas Cranach der Ältere, Jan Brueghel der Ältere).
Datei:34 Apollo and Diana.jpg|Apollo und Diana (Albrecht Dürer, 1502)
Datei:Titian - Diana and Actaeon - 1556-1559.jpg|Diana und Actaeon (Tizian, 1556-1559)
Datei:Brueghel, Jan the Elder and Backer, Jacob de - Diana und Aktaion - c. 1595 .jpg|Diana und Actaeon (Jan Brueghel der Ältere, Jacob de Backer, um 1595)
Datei:Diana with her nymphs by Jacob Adriaensz Backer.jpg|Diana und ihre Nymphen (Jacob Adriaensz. Backer, 1649)
Datei:Vermeer - Diana and Her Companions.jpg|Diana und ihre Begleiterinnen (Jan Vermeer, 1653/1654)
Datei:Poelenburgh, Cornelis van - Landscape with Diana and Callisto -17th c.jpg|Landschaft mit Diana und Callisto (Cornelis van Poelenburgh, 17. Jhdt.)
Datei:Marcantonio Franceschini 002.jpg|Die Geburt des Apollo und der Diana (Marcantonio Franceschini, um 1700)
Datei:Willem van Mieris - Diana en haar nimfen 1702.jpg|Diana und ihre Nymphen (Willem van Mieris, 1702)
Datei:Boucher Diane sortant du bain Louvre 2712.jpg|Diana verlässt das Bad (François Boucher, 1742)
Datei:Trouillebert Paul Desire Diana Chasseresse.jpg|Die Jägerin Diana (Paul Desire Trouillebert, 19. Jhdt.)
File:Paul Bergon Diana.jpg|Diana (Fotografie von Paul Bergon, 1898)
Literatur
Eine literarische Gestaltung in der Literatur des 19. Jahrhunderts fand Diana in der Pantomime „Die Göttin Diana“ von Heinrich Heine, die er im Anschluss an sein Essay „Die Götter im Exil“ in seinen „Vermischten Schriften“ 1854 herausgab. Darin erscheint Diana zunächst im Walde als Ziel von Sehnsucht und Liebe des romantischen Ritters, dann, auf der deutschen Burg, fordert sie, begleitet von Apoll und Bacchus mit jeweiligem Gefolge, die verratene Liebe des Ritters ein und fordert ihn auf, sie zum Venusberg zu begleiten, die Burgfrau lässt das aber nicht zu. Dann irrt der Ritter durch romantisch zerklüftete Gegenden, wo er von Heineschen Elementargeistern geneckt wird. Schließlich erscheint Diana zu Pferd mit der Wilden Jagd. Als sie dann zusammen vor die Pforte des Venusberges gelangen, stellt sich ihnen der Treue Eckart in den Weg. Im Duell ersticht er den Ritter, damit seine Seele für den Himmel gerettet werde. Schließlich sieht man im letzte Tableau im Inneren des Venusberges die Sinnenfrohen der Vorzeit versammelt (darunter den damals schon toten Johann Wolfgang von Goethe). Die verzweifelte Diana trägt ihren toten Ritter herein, der dann von Apoll mit Leiermusik und von Bacchus mit Wein wieder belebt wird, sodass alles ein gutes Ende hat. Wie man sieht, vereinigt das knappe Libretto eine erhebliche Zahl romantischer Hauptmotive, in deren Mittelpunkt die Göttin Diana steht.
Als im Hintergrund wirkende Hauptfigur erscheint Diana-Artemis in dem Roman „Das Maskenspiel der Genien“ des österreichischen Autors Fritz von Herzmanovsky-Orlando. Schon auf den ersten Seiten wird das Schicksal des Helden Cyriak von PizzikolliDer Name der Hauptfigur ist eine Reverenz vor Cyriacus von Ancona, dem bedeutenden Reisenden und Sammler antiker Schriften im 15. Jahrhundert. angedeutet:
:Dann war noch bemerkenswert an ihm, daß er Wildpret, insbesonders Hirschfleisch, verabscheute; daß er ferner in einem eigentümlichen Verhältnis von Angezogensein und Abneigung zum Jagdwesen stand und ihm der Name „Anna“ geradezu Entsetzen einflößte. Durch den Artikel „die“ vor dem ominösen Namen gewann dieser Zustand geradezu beängstigende Dimensionen.Fritz von Herzmanovsky-Orlando: Das Maskenspiel der Genien. Sämtliche Werke Bd. 3, Residenz, Salzburg 1989, S. 11
Die mythische Entsprechung Cyriaks ist der Jäger Aktaion, dessen schreckliches Schicksal auch Cyriak am Ende teilen muss.
Eine ganz andere Formung fand Diana im ersten Band „Die Herzogin – eine Diana in Rom“ der Trilogie „Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy“ von Heinrich Mann, der 1902 erschien.
Als erste in der Reihe der drei Göttinnen – Diana, Minerva, Venus – zeigt Mann seine jugendliche Heldin, als eine vom Drang nach persönlicher und politischer Freiheit erfüllte Frau, die freilich scheitert an männlichem Lug und Trug und am Ende missbraucht wird.
Literatur
* {{Roscher|1,1|1002|1011|Diana|Theodor Birt}}* Tobias Fischer-Hansen, Birte Poulsen (Hg.): From Artemis to Diana: the goddess of man and beast. Acta Hyperborea 12. Museum Tusculanum Press 2009, S. 345-454
* Carlo Ginzburg: Hexensabbat : Entzifferung einer nächtlichen Geschichte. Wagenbach, Berlin 1990, ISBN 3-8031-3549-4
* Carin M. C. Green: Roman religion and the cult of Diana at Aricia. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2007
* {{DNP|522|525||Diana|John Scheid}}
* {{LIMC|2|792|855|Artemis/Diana|Erika Simon}}
* Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer. 2. Aufl. 1912, S. 247-252.
Weblinks
{{Commonscat|Diana}}
* [http://www.imperiumromanum.com/religion/antikereligion/diana_01.htm Diana auf imperiumromanum.com]
Einzelnachweise
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