Denis Papin
Denis Papin (* 22. August 1647 in Chitenay, Frankreich; † vermutlich 1712 in London), war Physiker, Mathematiker und Erfinder und erlangte Bekanntheit für seine Pionierarbeiten zur Entwicklung der Dampfmaschine, des SchnellkochtopfesWalther Kiaulehn: Die eisernen Engel. Eine Geschichte der Maschinen von der Antike bis zur Goethezeit. Deutscher Verlag („arisierter“ Ullstein-Verlag), Berlin 1935; neu aufgelegt 1953 im Rowohlt-Verlag'' und des U-Bootes.
Seine meisten Patente entwickelte er in Marburg, wo er 1687–1707 Professor an der Philipps-Universität war.
Leben
Papin studierte ab 1661 an der Universität Angers und wurde Doktor der Medizin, befasste sich in der Folge aber vorwiegend mit physikalischen Problemen.
1671 wurde Papin Assistent von Christiaan Huygens in Paris. Sie arbeiteten an der Entwicklung einer Pulverkraftmaschine. In Paris lernte Papin auch Gottfried Wilhelm Leibniz kennen, mit dem er zeitlebens korrespondierte. Bereits vor den Versuchen Papins befasste sich Otto von Guericke 1663 mit Experimenten zur Pneumatik, konnte deren Ergebnisse jedoch erst 1672 veröffentlichen. 1675 ging Papin nach London und wurde Mitarbeiter von Robert Boyle und 1679 Assistent von Robert Hooke. 1679 erfand er das Kochen mit gespanntem Dampf. Hierfür konstruierte er einen Dampfdruck-Kochtopf den Papinschen Topf, der bei der ersten Vorführung vor der Royal Society zerbarst. Erst nachdem Papin auch das Sicherheitsventil erfunden hatte, funktionierte sein Kochtopf sicher und erhielt 1681 in Paris die Patentschrift.Papin, Denis in: Encyclopaedia Britannica von 1885 (9. Auflage, Vol. 18, Seite 228–229)miniatur|hochkant=0.45|links|Papins Druckzylinder
miniatur|Papin-Denkmal von 1906 vor dem Kasseler Ottoneum
1681 stieg Papin zum Leiter der Experimentalabteilung an der accademia publica di scienze in Venedig auf und wurde 1684 Mitarbeiter der Royal Society, deren Vorsitzender Robert Boyle war. Dem französischen Hugenotten Papin wurde die Rückkehr nach Frankreich verwehrt, nachdem Ludwig XIV. das Edikt von Nantes (Religionsfreiheit für Protestanten) aufgehoben hatte. In dieser Zeit arbeitete Papin in Venedig auch an Dampfkanonen.
Die Universität Marburg berief Papin 1687 als Professor an den Lehrstuhl für Mathematik. 1690 berichtete er von einer Dampfmaschine, die er gebaut hatte. Es handelte sich im Wesentlichen um einen Zylinder, in dem sich ein wenig Wasser und ein Kolben befanden. Wenn der Zylinder von außen abwechselnd erwärmt und abgekühlt wurde, bewegte sich der Kolben und lieferte nutzbare mechanische Arbeit. Es war die erste funktionierende Wärmekraftmaschine.
In der französischen Gemeinde der Hugenotten war Papin einer der Kirchenältesten. Zur Sitzordnung in der Gemeinde geriet er 1691 in einen heftigen Streit mit dem Prediger Thomas Gautier, der auch an der Universität lehrte. Als er Gautier zusätzlich Veruntreuung von Armengeldern vorwarf, wurde er seines Ältestenamtes enthoben und vom Abendmahl ausgeschlossen.[http://books.google.de/books?id=j0geVLtMS_QC&pg=PA234&dq=%22Thomas+Gautier%22&hl=de&ei=xOgdTZ2LNcyI5AaK7qGGAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CDgQ6AEwAw#v=onepage&q=%22Thomas%20Gautier%22&f=false U.Niggemann: Integrationspolitik zwischen Konflikt und Konsens: die Hugenottenansiedlung in Deutschland und England, Köln-Wien 2008, p.475/76]
Papin entwickelte 1692 ein Unterwasserfahrzeug und führte die erste Fahrt darin selbst durch. 1696 erhielt er eine Anstellung beim Landgrafen von Hessen-Kassel und arbeitete an den technischen Voraussetzungen für die Wasserkünste im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel. Während dieser Zeit erhielt Thomas Savery in England das erste Patent für eine Dampfdruckpumpe, die sich aber nicht durchsetzte.
miniatur|links|Eisenhütte in VeckerhagenPapin blieb zunächst in Kassel und baute um 1706 in der Kurhessischen Eisenhütte Veckerhagen den ersten Dampfzylinder. Hieraus entwickelte er eine Dampfdruckpumpe, die im Park Wilhelmshöhe das Wasser fördern sollte. Die Pumpe funktionierte nur kurz, da die Verbindungen und Dichtungen im Inneren nicht hielten und die Ventile leckten. Außerdem hielten die aus Blei gefertigten Rohrleitungen dem Druck nicht stand.
miniatur|Gemälde: „DionySius Papin“ Anno 1689 mit seinem DruckzylinderUm nach London zurückkehren zu können, baute Papin 1707 ein durch seinen Dampfzylinder und Muskelkraft angetriebenes Schaufelradboot und wollte es auf Fulda und Weser von Kassel nach Münden überführen. Das Schaufelradboot wurde aber im Streit um Passierrechte von der Mündener Schiffergilde zerstört und er kam ohne seine Erfindung noch im selben Jahr wieder nach London, wo er aber nicht mehr Fuß fassen konnte.
Das letzte Lebenszeichen Papins ist ein Auszahlungsvermerk der Royal Society vom 5. April 1712; wahrscheinlich starb er noch im selben Jahr. In einem Brief vom 24. Oktober 1715 berichtete der deutsche Mathematiker Lothar Zumbach von Koesfeld (1661–1727) an Leibniz, Papin sei in England in großer Armut gestorben, wobei sich Zumbach auf einen englischen Gewährsmann berief.
1712, im mutmaßlichen Todesjahr Denis Papins, baute Thomas Newcomen eine atmosphärische Kolbendampfmaschine, die sich als erste Wärmekraftmaschine am Markt durchsetzen konnte. Sie wurde von den 1769 patentierten Dampfmaschinen James Watts abgelöst.
Siehe auch
Werke
* [http://digital.slub-dresden.de/ppn27435988X Recueil de diverses Pieces touchant quelques nouvelles Machines]. Cassell 1695, Online-Ausgabe der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Literatur
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Einzelnachweise
Weblinks
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* Ernst Gerland 1881 Leibnizens und Huygens’ Briefwechsel mit Papin, nebst der Biographie Papin’s, Biographischer Teil (PDF).
* [http://www.spektrum.de/alias/technikgeschichte/die-dampfmaschine-war-sein-schicksal/1139578?_druck=1&id=1139578 Denis Papin - Die Dampfmaschine war sein Schicksal] in Spektrum.de
* [http://www.britannica.com/EBchecked/topic/442131/Denis-Papin Denis Papin] in Britannica.com
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