Das Gastmahl des Trimalchio
Das Gastmahl des Trimalchio (lat. Cena Trimalchionis) ist die längste erhaltene und die bekannteste Episode aus dem fragmentarisch überlieferten Roman Satyricon des Petronius Arbiter.
Wiederentdeckung
Nachdem die Cena Trimalchionis schon um 1645 in der Bibliothek des Niccolo Cippico in Trogir (Trau, Dalmatien) wiederentdeckt worden war,Théodore Petrequin: „Découverte d’un manuscrit de Petrone a Trau, en 1663. Épisode de l’histoire littéraire de Lyon au 17e siècle.“ Revue du Lyonnais, esquisses Physiques, Morales et Historiques 2 (Lyon, 1835) 417-431; Remigio Sabbadini: „Per la storia del Codice Traurino di Petronio.“ RFIC 48 (1920) 27-39.. erfolgte die Erstveröffentlichung 1664 in Padua. Die Echtheit des Fragments war zunächst heiß umstritten, wobei die bedeutendsten Gelehrten der Zeit (darunter Reinesius,Thomas Reinesius: T. PetronI Arbitri in Dalmatia nuper repertum Fragmentum cum epicrisi & scholiis etc. (Leipzig, 1666). Scheffer,Johannes Scheffer: De Fragmenti hujus Traguriano vero auctore Dissertatio. Adrien Valois, Joh. Chr. Wagenseil,Adrien Valois / Joh. Chr. Wagenseil: De Cena Trimalcionis nuper sub Petronij nomine vulgata Dissertationes. (Paris, 1666). Tilebom,Johann C. Tilebom: De Tragurienso Fragmento Petronii. Judicium ad typographo. Giovanni Lucio,G. Lucio: Memorie istoriche di Tragurio, ora detto Trau (Venedig, 1673) Lotichius und viele andere) sich teils für, teils gegen die Echtheit aussprachen.vgl. noch J. Farrer: Literary Forgeries. (London, 1907).
Die Echtheit ergab sich schließlich aus Zitaten bei John of Salisbury sowie einem Eintrag, der die Niederschrift in etwa auf das Jahr 1423 festlegte.Der Codex Traguriensis wurde vermutlich in Florenz geschrieben; A. C. de la Mare: The Return of Petronius to Italy. In: J.J.G. Alexander, M.T. Gibson: Medieval Learning and Literature. Essays presented to Richard William Hunt. Oxford 1976, S. 220–254, insbes. 243f. Zu diesem Zeitpunkt hatte Poggio Bracciolini auf der Suche nach antiken Autoren u. a. auch einen Petrontext entdeckt.G. Berger: Zur Wiederentdeckung Petrons in Italien (Poggios Funde und der Codex Traguriensis). In: Actes de la XIIe Conférence internationale d’études classiques ‚Eirene’ Clúj-Napoca 2-7 octobre 1972 (ersch. 1975) S. 429–434.
Umstritten ist der ursprüngliche Fundort der Cena (England oder Köln?)Albert C. Clark:The Trau MS. of Petronius. In: Classical Review 22, 1908, S. 178f. sowie die ursprüngliche Bucheinteilung.Stephen J. Harrison: Dividing the Dinner: Book Divisions in Petronius’ Cena Trimalchionis’. In: Classical Quarterly 92 (= n.s. 48) (1998) S. 580–585.
Inhalt
Der Inhalt umfasst nach heutiger Zählung die Kapitel 26.7 bis 79 des Satyricon.
Die Protagonisten des Romans, Encolpius sowie seine Gefährten Ascyltos und Giton werden von einem Bekannten, Agamemnon, zu einem Gastmahl mitgenommen, das von Trimalchio, einem ehemaligen Sklaven, also einem Freigelassenen (lat. libertus) und neureichen Emporkömmling (lat. homo novus) aus Süditalien, ausgerichtet wird. Trimalchio versucht, seine Gäste mit außergewöhnlichen Speisen und Darbietungen sowie mit seiner eigenen Belesenheit zu beeindrucken – er offenbart dadurch nur allzu deutlich seine Geschmacklosigkeit und Halbbildung. Besonders abstoßend (und gleichzeitig belustigend) wirkt die Inszenierung seiner eigenen Beerdigung gegen Ende des Gastmahls.
Sprachgeschichtlich sind besonders die Gespräche der Freigelassenen unter Trimalchios Freunden von Interesse, stellen sie doch die einzige literarische Präsentation des Vulgärlateins dar.
Kritik
{{Zitat
|Text=Eine Bande von Mitessern und Schmarotzern versammelt sich um den zu irrwitzigem Reichtum gelangten, freigelassenen Sklaven Trimalchio. An seiner Tafel öffnet eine Cloaca maxima ihre Schleusen: ein vulgärlateinischer Strom von Volks- und Gossensprache, artikulierend eine Welt ohne Götter, eine Zivilisation, die alle menschlichen Verhältnisse relativiert.
|ref=Das Gastmahl des Trimalchio / Petronius Arbiter. Übertragen von Otto Weinreich. Nachwort von Durs Grünbein. Insel, 2006, ISBN 978-3-458-19267-1, [http://buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-458-19267-1 Klappentext] auf buchhandel.de}}
Literatur
* J. Foster: The Cena Trimalchionis of Petronius in the Codex Traguriensis. Dissertation (Pittsburgh, 1938) vgl. UPB 14 (1938) S. 86–91.
* Petronius, Wilhelm Ehlers, Konrad Müller: Das Gastmahl des Trimalchio. Cena Trimalchionis. Artemis & Winkler, 2002, ISBN 3-7608-1371-2.
Weblinks
* {{SWD|4269400-0}}
* [http://www.party-service-singen.de/essen/trans1/Literatur/petron.html Gastmahl bei Trimalchio]
* [http://www.info-antike.de/trimalchio.htm Petrons Cena Trimalchionis – Gastmahl bei Trimalchio unter besonderer Berücksichtigung der Thesen Erich Auerbachs aus dessen Buch „Mimesis“]
* [http://www.gottwein.de/Lat/petron000.php Petron: Satyricon] (lateinisch / deutsch)
Einzelnachweise
{{Normdaten|SWD=4269400-0}}
{{SORTIERUNG:Gastmahl des Trimalchio}}Kategorie:Literarisches Werk
Kategorie:Literatur (1. Jahrhundert)
Kategorie:Literatur (Latein)
Kategorie:Literarisches Werk der Antike
cs:Hostina u Trimalchiona
eo:La festeno de Trimalĥio
la:Cena Trimalchionis
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