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Claim (Werbung)

19.03.2012 @ 12:04, NSX-Racer,

Der englische Begriff Claim wird im Marketing, vor allem in der Werbung, häufig in derselben Bedeutung wie Slogan verwendet. "Claim" wird ausschließlich in Deutschland als Bezeichnung eines Werbeslogans benutzt, in England kennt man diesen als "Endline" oder "Strapline". {{Internetquelle | url= http://www.slogans.de/magazine.php?Op=Article&Id=57http://www.slogans.de/magazine.php?Op=Article&Id=57 | titel= Slogans? Claims? Taglines?Slogans? Claims? Taglines? | zugriff= 2012-03-15 }} Er bezeichnet einen fest mit dem Unternehmens- oder Markennamen verbundenen Satz oder Teilsatz, der untrennbarer Bestandteil des Unternehmenslogos oder Markenzeichens sein kann. Teilweise gibt es auch Kampagnen-Claims, die nur für die Dauer einer Werbekampagne verwendet werden.

Ein Claim kann mehrere Funktionen haben: Er kann die Positionierung eines Leistungsangebotes oder einer Marke, ein zentrales „Versprechen“ Genau genommen handelt es sich um eine feste Absichtserklärung oder Selbstverpflichtung (englisch self commitment), nicht um eine vertraglich bindende Zusage, die bei Nichteinhaltung ein Recht des Kunden auf Haftung begründen würde. oder einen Produktnutzen, eine Mission, eine Vision oder das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens oder der Marke kommunizieren.

Der Begriff leitet sich aus der früher in Nordamerika und Australien verwendeten Bezeichnung Claim für ein abgestecktes Grundstück ab.

Manche Claims sind zu geflügelten Worten geworden.

Sub-Claim


Neben den (Haupt-)Claims gibt es bei etlichen Unternehmen auch untergeordnete Sub-Claims, die z. B. anlassabhängig verwendet werden.Im weiteren Verlauf dieses Artikels wird nicht mehr explizit zwischen Claims und Sub-Claims unterschieden. Beispielsweise ergänzte der Radiosender SWR1 seinen Haupt-Claim Eins gehört gehört − SWR1 mit dem Sub-Claim Die größten Hits aller Zeiten, um gegenüber den Radiohörern die Positionierung seines Musikprogramms zu verdeutlichen. Für die Medienbranche begründet sich die Wichtigkeit solcher Claims dadurch, dass sie auch im Rahmen von Media-Analysen bei TV- und Hörfunk-Konsumenten abgefragt werden und so den messbaren Erfolg beeinflussen können.

Erfolgskriterien


Um erfolgreich zu sein, sollte ein Claim mindestens folgende Merkmale aufweisen (vereinfachte Darstellung):[http://www.ssbc.de/fileadmin/templates/pdf/SSBC_Naming_Facts.pdf SBBC Brand Consulting: Erfolgskriterien für einen guten Claim] (2007)

* Differenzierung (Prägnanz, Memorierbarkeit, Botschaftsträger)
* Assoziation und Bedeutung (positive Belegung)
* Erinnerungswirkung (Bedeutungsgehalt, phonetische Qualität, Imagestärke)
* Internationalisierung (linguistische Bedeutungssicherung)
* zeitliche Ungebundenheit (Resistenz gegen Zeitgeist und abklingende Trends)
* Schutzfähigkeit (Verfügbarkeit, Schützbarkeit)

* Design und Sound (klare Visualisierbarkeit, phonetische Einzigartigkeit)

Ansätze


Die meisten Claims nennen ihren Zielgruppen einen „guten Grund“ (Reason Why), warum sie sich bei ihrem Kauf für das betreffende Unternehmen bzw. die betreffende Marke entscheiden sollten. Dabei werden meist folgende Ansätze gewählt:

* Nennung von Eigenschaften des Unternehmens bzw. seiner Mitarbeiter (z. B. engagiert Beispiel: „Eure Gunst – unser Streben“ (Circus Krone), hingebungsvoll Beispiel: „Wir lieben Lebensmittel“ (Edeka), kompetent Beispiel: „We know how“ (Linde), anwenderorientiert Beispiel: „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“ (Bauknecht, 1954), sympathisch Beispiel: „Mit dem grünen Band der Sympathie“ (Dresdner Bank));
* Nennung von Eigenschaften der Marke bzw. ihrer Produkte (z. B. zuverlässig Beispiel: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ (Deutsche Bundesbahn, 1966), vertrauenswürdig Beispiel: „Auf diese Steine können Sie bauen“ (Schwäbisch Hall (Bausparkasse), 1962), Spitzenqualität Beispiel: „The Queen of Table Waters“ (Apollinaris (Mineralwasser), 1895), bedienungsfreundlich Beispiel: „sense and simplicity“ (Philips Deutschland));
* Nennung eines Nutzen“versprechens“ (z. B. Freude Beispiel: „Freude am Fahren“ (BMW), Gelassenheit Beispiel: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ (HB (Zigarettenmarke)), Sorgenfreiheit Beispiel: „Wir machen den Weg frei“ (Volksbanken und Raiffeisenbanken, 1988), Erlebnis Beispiel: „Mittendrin statt nur dabei“ (DSF), Harmonie Beispiel: „Come together and live as friends“ (Peter Stuyvesant (Zigarettenmarke)));
* Erwähnung eines „guten Anlasses“ Dieser Ansatz wird vor allem bei alkoholischen Getränken gewählt, die nicht als „nützlich“ beworben werden dürfen. – Beispiele: „Darauf einen Dujardin“ (Dujardin (Weinbrand), „Wenn einem so viel Gutes widerfährt – das ist schon einen Asbach Uralt wert“ (Asbach Uralt (Weinbrand), 1950er Jahre);
* Adressierung der Zielgruppe durch
** Nennung des Selbstverständnisses ihrer Mitglieder (z. B. anspruchsvoll Beispiel: “Schenken Sie Ihren Kindern schlaue Eltern“ (Süddeutsche Zeitung, 2008), erfahren („Kenner“) Beispiel: „Riesig nicht, aber fein“ (Chantré (Weinbrand)), (extrem) preisbewusst Beispiel: „Geiz ist geil!" (Saturn, 2003)) oder

** ein Ansprechen von Emotionen ihrer Mitglieder (z. B. Patriotismus Beispiel: „Ein Bier wie Bayern“ (Löwenbräu), Begeisterung Beispiel: “Ich liebe es“ (McDonald’s)).

Unternehmen, die auf die (explizite) Nennung eines „guten Grundes“ verzichten, wählen für ihren Claim beispielsweise folgenden Ansatz:
* Nennung des Leistungsportfolios Beispiel: „Consoluting. Technology. Outsourcing.“ (Capgemini (Management-, IT- und Unternehmensberatung));
* Nennung der Rolle, die das Unternehmen gegenüber seinen Kunden spielt (z. B. „Architekt“) Beispiel: „your archITect“ (Cirquent (IT-Beratung), 2010);

* Empfehlen des Unternehmens bzw. der Marke als „erste Wahl“ Beispiel: „Ihre Auskunft“ (11883 (Telefonauskunft)), „Das Erste“ (ARD).

Oft werden in einem Claim mehrere dieser Ansätze kombiniert Beispiel: „Intelligent Logistics“ (Eigenschaft der Marke + Leistungsportfolio) (Dachser).

Rhetorische Figuren


Bei der Gestaltung von Claims werden oft rhetorische Figuren verwendet, beispielsweise
* Appell Beispiele: „Switch!“ (Apple), „Just do it“ (Nike), „Sag’ doch einfach, wir fahren Golf“ (VW Golf)
* Repetition Beispiel: „Er läuft und läuft und läuft“ (VW Käfer)
* Asyndeton Beispiel: „Quadratisch. Praktisch. Gut“ (Ritter Sport)
* Klimax Beispiel: „Gut. Besser. Paulaner“ (Paulaner)
* Alliteration Beispiel: „Bigger, Better, Burger King“ (Burger King)
* Endreim Beispiele: “Gut. Besser. Gösser“ (Gösser Bier), „You are, we car“ (Fiat 500 retro, 2007)
* Homöoprophoron Beispiel: „Geiz ist geil!" (Saturn, 2003)
* Variation Beispiele: „Motion & Emotion“ (Peugeot), „Nicht immer, aber immer öfter“ (Clausthaler (alkoholfreies Bier), Ende 1980er Jahre), „Preise gut, alles gut“ (C&A), „Mehr Leistung. Mehr Zuverlässigkeit.“ (Hilti),
* Metapher Beispiel: „Himmel der Bayern“ (Hacker-Pschorr (Biermarke))
* Rhetorische Frage Beispiel: „Was sonst.“ [ohne Fragezeichen!] (Campari)
* Frage Beispiel: „Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“ (Ikea)

* Ambiguität Manche Claims erlauben aufgrund ihrer zweideutigen Formulierung das Heraushören einer sexuellen Anspielung. – Beispiele: „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“ (Bauknecht, 1954), „Nicht immer, aber immer öfter“ (Clausthaler (alkoholfreies Bier), Ende 1980er Jahre), „... dann klappt’s auch mit dem Nachbarn“ (Calgonit, 1992), „Bin ich schon drin?“ (AOL)

Branchentypische Ähnlichkeiten


Claims von Unternehmen, die in derselben Branche arbeiten, weisen oft sprachliche Ähnlichkeiten auf. Claims in der Medienbranche betonen beispielsweise oft, dass man mit dem jeweiligen Medium mehr oder besser sehen, erkennen, verstehen oder wissen könne Beispiele: SPIEGEL-Leser wissen mehr“ (Der Spiegel), „Wer sie liest, sieht mehr“ (Süddeutsche Zeitung), „Je spitzer die Feder, desto mehr erkennt man“ (Der Spiegel, 2009), „Wer das Ganze sieht, versteht das Detail besser“ (Die Welt, 1994), „Mit dem Zweiten sieht man besser“ (ZDF).

Rezeption


Die Naming-Agentur Endmark führte in den Jahren 2003, 2006 und 2009 Claim-Studien durch.Samland, Bernd: [http://www.mc-brandnews.de/fileadmin/Content/Downloads/PDF/brandnews/Dezember_2009_de/Markenclaims_Endmark_Studie.pdf Endmark Claim Studie 2009]. Executive Summary. Dabei wurde die Verständlichkeit englischsprachiger Werbung bei deutschen Verbrauchern untersucht. In der aktuellen Studie wurden zehn Werbeslogans unterschiedlicher Branchen, die sich alle an Endverbraucher richteten, untersucht. Die Bandbreite reichte dabei von Levi’s (Live unbuttoned) über Braun (Design Desire) bis Langnese (World’s Pleasure Authority). Ähnlich wie in den Jahren zuvor ergab die Befragung, dass über zwei Drittel der Konsumenten die englischen Werbebotschaften entweder gar nicht oder falsch verstehen. In Einzelfällen führten die Übersetzungsversuche zu skurrilen Ergebnissen wie Mache Deinen Brotkasten selbst für Broadcast Yourself (YouTube) und Explosionen an der Stadtgrenze für Explore the city limits (Opel). Nur etwa 28 Prozent der Befragten waren im Durchschnitt in der Lage, die englischen Werbesprüche im Sinne ihrer Absender zu verstehen.

Plagiierung


Obwohl Claims den Anspruch erheben, so unverwechselbar zu sein wie das Unternehmen oder die Marke, für die sie stehen, werden Claims mitunter – absichtlich oder zufällig – plagiiert. Beispielsweise wählte der (bereits oben erwähnte) deutsche Radiosender SWR1 den angeblich von der Frankfurter Werbeagentur Conrad & Burnett vorgeschlagenen [http://www.radio-journal.de/interviews/29_00thomas_duerselen.htm „SWR 1 gehört gehört - Baden-Württembergs erstes Programm kommt an“] (RADIOjournal, August 2006) Claim Eins gehört gehört. SWR1. Allerdings hatte bereits 1995 der Autor Wolf Haas in seiner Eigenschaft als Werbetexter der Wiener Werbeagentur Demner & Merlicek den gleichen, im Original immer noch verwendeten Claim Ö1 gehört gehört! für das erste österreichische Radioprogramm erfunden und in den Radiospots selbst gesprochen. Nach Verhandlungen in den Jahren 1999 und 2000 einigten sich die beiden Sender darauf, den fast gleich lautenden Claim parallel zu verwenden, weil es keine inhaltlichen und kaum räumliche Überschneidungen zwischen den Programmen und somit keine Konkurrenzsituation gebe.[http://www.radioszene.de/36600/swr-1-baden-wuerttemberg-reichweite-mit-melodie.html „SWR 1 Baden-Württemberg - Reichweite mit Melodie“] (Radioszene.de am 18. März 2012)

Anmerkungen und Einzelnachweise


Weblinks


{{Wikiquote|Werbesprüche}}
* [http://www.radioszene.de/?page_id=527 Claims von Radiosendern] (bei Radioszene.de, undatiert, gefunden am 7. Oktober 2010)
* [http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,346670,00.html Ranking der Werbewörter]; SPIEGEL ONLINE, 16. März 2005
* [http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,655050,00.html Unverständliche Werbeslogans]; SPIEGEL ONLINE, 16. Oktober 2009

* [http://www.endmark.de/aktuell/meldungen/showSingle/49/?L=yctwjjfssnmolm Endmark-Claim-Studie 2009]

Literatur

* Ulrich Görg: Claims. Claiming als Wertschöpfungsinstrument der Markenführung. Gabal-Verlag, 1. Aufl. 2005. ISBN 978-3897495623

* Bernd M. Samland: Unverwechselbar: Name, Claim & Marke. Haufe-Lexware, 1. Auflage 2006. ISBN 978-3448072563


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