Navigation


Apollon

13.05.2012 @ 05:46, Bua333,

thumb|Apollon mit [[Kithara (Fresko, Haus des Augustus, heute im Palatin Antiquarium in Rom, ca. 20 v. Chr.)]]

Apollon ({{ELSalt2|Ἀπόλλων}}, lateinisch Apollo, deutsch auch Apoll) war in der griechischen und römischen Mythologie der Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs; außerdem war er der Gott der Bogenschützen. Als Sohn des Zeus und der Göttin Leto gehörte er wie seine Zwillingsschwester Artemis zu den Olympischen Göttern, den zwölf Hauptgöttern des griechischen Pantheons. Das Heiligtum in Delphi, die bedeutendste Orakelstätte der Antike, war ihm geweiht.

Herkunft und Name

Der Ursprung des Apollon-Kults wird in Kleinasien vermutet. Die Etymologie des Namens Apollon ist ungeklärt. Möglicherweise bedeutete er auf griechisch „Verkünder“, „Zerstörer“ bzw. „Vernichter“ oder aber „Unheilabwehrer“. Homer nannte ihn in der Ilias auch Smintheus (d. h.: „Rattenverschlinger“) und „der fernhin Treffende“. Als Phoibos Apollon („der Leuchtende“, latinisiert: Phoebus) wurde er auch mit dem Sonnengott Helios gleichgesetzt. Weitere Namen waren Boëdromios, „der unter Schlachtruf helfend Herbeieilende“, und Loxias.

Pythagoreer und Platoniker, die Apollon besonders verehrten, waren der Überzeugung, sein Name habe eine philosophische Bedeutung. Sie deuteten ihn als A-pollon („der Nichtviele“), zusammengesetzt aus a- („nicht“, Alpha privativum) und pollón („viel“). Darin sahen sie eine Anspielung auf das Eine, das höchste, absolut transzendente Prinzip, das Gegenteil der Vielheit. Nach dieser Deutung, die der Neuplatoniker Plotin den Pythagoreern zuschreibt, ist „Apollon“ der Göttername des Einen. In Platons Werken ist diese Etymologie des Namens Apollon nicht ausdrücklich bezeugt, doch scheint er sie gekannt zu haben. In der Forschung wird vermutet, dass sie zu seiner nur mündlich vermittelten „Ungeschriebenen Lehre“ gehörte.Christina Schefer: Platons unsagbare Erfahrung, Basel 2001, S. 128f.; Jens Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen. Untersuchungen zu Platon und Plotin, 2. Auflage, Leipzig 2006, S. 258 Anm. 102; Hans Krämer: Platons ungeschriebene Lehre. In: Theo Kobusch, Burkhard Mojsisch (Hrsg.): Platon. Seine Dialoge in der Sicht neuer Forschungen, Darmstadt 1996, S. 249–275, hier: 263; Giovanni Reale: Platons protologische Begründung des Kosmos und der idealen Polis. In: Enno Rudolph (Hrsg.): Polis und Kosmos. Naturphilosophie und politische Philosophie bei Platon, Darmstadt 1996, S. 3–25, hier: 9–11.

Zuschreibungen

thumb|right|Apollon mit [[Pfeil (Geschoss)|Pfeil und Bogen (ist hier abgebrochen) (Statue, heute im Ashmolean Museum, Oxford)]]

Als Beschützer der Künste und der Musik stand Apollon den neun Musen vor (Beiname Musagetes) und war zugleich ein Sühnegott. Manchmal wurde er auch als Apollon Epikurios, als Gott der Heilkunst angesehen (er schickte die Pest im Trojanischen Krieg ins Lager der Griechen und bewahrte die Bewohner von Figalia vor einer Pestepidemie).[http://www.helsun.gr/municipality-de.asp?regid=4&infoid=97 Der Tempel des Apollon Epikurios] Aber auch in anderen Bereichen des Lebens spielte er eine Rolle: Er brachte (wie der babylonische Gott Nergal) Tod und Vernichtung, gleichzeitig aber auch Rettung vor Gefahren (z. B. in der Funktion des Apollon Smintheus, des „Vernichters der Mäuse“ oder des Apollon Lykeios als Beschützer der Herden vor den Wölfen). Als Heilgott waren mit ihm auch die Weissagung und die Orakelstätten verbunden. Durch den Tod Pythons gelangte Apollon an dessen seherische Fähigkeiten und wurde auch Apollon Pythios genannt, zu seinen Ehren wurden die Pythischen Spiele gefeiert.

Er konnte die Gabe der Weissagung auch an Sterbliche, wie an Kassandra, die Tochter des Priamos, verleihen. Im Trojanischen Krieg stand er auf Seiten der Trojaner und griff durch gezielte Bogenschüsse in die Kämpfe ein; als Rächer sandte er mit seinen Pfeilen die Pest in das Lager der Griechen, weil sie die Tochter eines Apollonpriesters gefangen genommen und versklavt hatten.

Abgesehen von seinen für die Figur typischen Berichten wie dem musischen Wettkampf mit dem Hirtengott Pan (vgl. Bachkantate Der Streit zwischen Phoebus und Pan) tritt Apollon in auffällig vielen Geschichten, die von ihm erzählt werden, als Rächer oder Töter auf. So tötete er die Niobiden und den Riesen Tityos, der seine Mutter vergewaltigen wollte; er tötete (und häutete) auch den Satyr Marsyas, weil der sich nachsagen ließ, schönere Musik zu machen als der Gott. Orestes befahl er, seine eigene Mutter Klytaimnestra zu töten, um damit den Mord an dessen Vater Agamemnon zu rächen. Die Erinnyen, die so etwas nicht dulden, schlugen Orest darauf mit Wahnsinn, Apollon verteidigte ihn dann aber erfolgreich vor dem Areopag in Athen gegen sie und Klytaimnestras Geist.

Erzählungen

Die erste Tat im Leben Apollons war die Tötung des Drachen Python, des Feindes seiner Mutter Leto. Apollon traf Python mit einem Pfeil. Python floh schwer verletzt zum Orakel der Mutter Erde nach Delphi, die so zu Ehren der Delphyne, der Gattin des Python genannt war. Apollon folgte Python in den Schrein und tötete ihn neben dem heiligen Spalt. Da diese Schlange die außergewöhnliche prophetische Kräfte besessen hatte, eine Tochter der Gaia gewesen war, musste er sich zur Sühne nach Tarrha auf Kreta begeben und dort einer Reinigungszeremonie unterwerfen.

Einmal wagte Apollon es sogar, gegen seinen Vater Zeus zu rebellieren: Als dieser Apolls Sohn Asklepios getötet hatte, rächte sich Apollon durch den Mord an den Kyklopen. Als Strafe für diese Tat musste Apollon dann in den Schafställen des Königs Admetos von Pherai arbeiten bzw. dessen Kühe hüten. Da er sich dem Admetos als Fremdling genaht hatte und sehr freundlich aufgenommen worden war, sorgte er dafür, dass seine Tiere alle Zwillinge zur Welt brachten und half ihm auch dabei, Alkestis, die Tochter des Pelias zu gewinnen. Zusätzlich half er ihm gegen den Thanatos (Tod), als er sterben sollte.

Bei Anbruch des Winters flog Apollon in einem von Schwänen gezogenen Wagen in das „Land der Hyperboreer“, d. h. das Land jenseits des Nordwinds.

Geliebte und Nachkommen

thumb|right|104Apollon und [[Daphne (Mythologie)|Daphne (Antonio Pollaiuolo, letztes Drittel des 15. Jahrhundert]]
thumb|right|106Apollo und Kyparissos107 ([[Giulio Romano, 1596)]]
thumb|Ruinen des Apollontempels in [[Side (Pamphylien)|Side]]
Die weiblichen Geliebten Apolls und seine Nachkommen mit ihnen, dazu seine männlichen Geliebten bzw. Günstlinge waren unterschiedlichen Quellen nach und unter anderen:
* Krëusa (Mutter des Ion)
* Akantha
** Amphissos
** Anios
** Aristaios
* Koronis
** Asklepios
* Chione
* Daphne
* Dryope
* Hyakinthos
* Kalliope
** Linos
** Orpheus
* Kassandra
* Kyparissos
* Leukothea
* Manto
** Mopsos
* Urania

** Hymenäos

Tempel

Apollon waren zahlreiche Tempel geweiht. Dazu zählen die Orakelheiligtümer in Delphi und in Abai, Tempel auf dem Palatin in Rom, im vorderasiatischen Side und in Syrakus auf Sizilien.

Quellen

  • Walter Burkert: Apellai und Apollon. In: Rheinisches Museum. Bd. 118, 1975, S. 1–21.
    * Georges Dumézil: Apollo Medicus. In: In Apollon sonore et autres essais: Vingt-cinq esquisses de mythologie. Paris 1982, S. 36–42.

    * Martin Flashar: Apollon Kitharodos. Köln u.a. 1992.
    * Joseph Eddy Fontenrose: The Delphic Oracle: Its Responses and Operations. Berkeley 1978.
    * Joseph Eddy Fontenrose: Didyma: Apollo’s Oracle, Cult, and Companions. Berkeley 1998.
    * Jean Gagé: Apollon Romain: Essai sur le culte d’Apollon et le dévelopement du «ritus graecus» à Rome des origines à Auguste. Paris 1955.
    * Fritz Graf: Art. Apollo. In: Encyclopedia of Religion, Bd. 1, 2005, S. 424–426
    * Fritz Graf: Apollo. Routledge, London and New York 2009, ISBN 0-415-31711-8.
    * H. Hoffmann: Divergent Archaeology. Mainz und Ruhpolding 2007, S. 207–221.
    * W. Lambrinudakis u. a.: Apollon. In: LIMC II, 1984, S. 183 ff.
    * M. Maass: Delphi. Darmstadt 1993, S. 1–56 und 76–88.
    * Michael Pettersson: Cults of Apollo at Sparta: The Hyakinthia, the Gymnopaidia and the Karneia. Stockholm 1992.
    * Barbara von Reibnitz: Apollinisch–Dionysisch. In: Ästhetische Grundbegriffe. Bd. 1, Stuttgart 2000, S. 246–271.

    * Harvey A. Shapiro: Art and Cult under the Tyrants in Athens. Mainz 1989, S. 48–63.
    * Joe Solomon (Hrsg.): Apollo: Origins and Influences. Tucson, Arizona 1994.

    * Froma I. Zeitlin: Apollo and Dionysos: Starting from Birth. In: Manfred Horstmanshoff u. a. (Hrsg.): Kykeon: Studies in Honour of H. S. Versnel. Leiden 2002, S. 193–218.

    Weblinks

{{Commonscat|Apollo|Apollon}}
{{Wikisource|RE:Apollon|Apollon|Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft}}
* [http://www.texttexturen.de/arbeiten/apollon_dionysos/ Das Apollinische und das Dionysische: Nietzsches Gegensatzpaar im antiken Mythos]
* [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/21/0,1872,2079541,00.html Apollon – Gott des Lichts]

* {{BAM|Apollon}}

Anmerkungen


{{Navigationsleiste Die zwölf olympischen Götter}}

!Apollon
Kategorie:Griechische Gottheit
Kategorie:Drachentöter
Kategorie:Männliche Gottheit
Kategorie:Krankheitsgottheit

Kategorie:Heilgottheit

{{Link FA|es}}
{{Link FA|ia}}
{{Link FA|pt}}

{{Link GA|no}}

af:Apollo
an:Apolo (mitolochía)
ar:أبولو (إله إغريقي)
arz:ابولو
bar:Apollon
be:Апалон
be-x-old:Апалён
bg:Аполон
bn:অ্যাপোলো
bo:ཨ་པོ་ལུའོ།
bs:Apolon
ca:Apol·lo
chr:ᎠᏉᎳ
cs:Apollón
cy:Apollo
da:Apollon
el:Απόλλων
Apollo
eo:Apolono
es:Apolo
et:Apollon
eu:Apolo
fa:آپولو (اساطیر یونان)
fi:Apollon
Apollon
gl:Apolo
he:אפולו
hi:अपोलो
hr:Apolon
hu:Apollón
hy:Ապոլլոն
ia:Apollon
id:Apollo (mitologi)
is:Apollon
it:Apollo
ja:アポローン
jv:Apollo (mitologi)
ka:აპოლონი
ko:아폴론
kw:Appolyn
la:Apollo
lb:Apollo (Mythologie)
lt:Apolonas
lv:Apolons
mk:Аполон
ml:അപ്പോളോ
mr:अपोलो
mzn:آپولو
nds:Apollon
nl:Apollon
nn:Apollon
no:Apollon
nrm:Apollon
oc:Apollon
pa:ਅਪੋਲੋ
pl:Apollo (mitologia)
pt:Apolo
ro:Apollo (mitologie)
ru:Аполлон
sh:Apolon
simple:Apollo
sk:Apolón
sl:Apolon
sq:Apoloni
sr:Аполон
sv:Apollon
sw:Apolo
ta:அப்போலோ
th:อพอลโล
tl:Apollo
tr:Apollon
uk:Аполлон
ur:اپالو
vi:Apollo
war:Apollo
zh:阿波罗
zh-yue:阿波羅

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Apollon der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.